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Unsure

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juljabulja
Ehemaliges Mitglied


New PostErstellt: 10.10.12, 18:10  Betreff: Unsure  drucken  Thema drucken  weiterempfehlen

Story:
Kap. 1


"So Männer! Auf ins Paradies!"

Die Schlange der Games Con in Akihabara wurde nach langen zwei Stunden Wartezeit in eisiger Winterkälte endlich kleiner und die vier Freunde konnten das riesige Gebäude betreten.
Unter der Kuppel wimmelte es nur von Gamesfreaks, Nerds mit sorgfältig vorbereiteten Autogrammkarten, Cosplayern in den ausgefallensten Kostümen ihrer Helden, den süßen Girls in Kostümen mit allmöglichen kostenlosen Schnick- Schnack, das sie dir versuchten anzudrehen und natürlich ganz viel Elektronik und Spiele, worauf man sich am liebsten sofort gleichzeitig stürzen würde.
An jeder Ecke war ein Spielstand aufgebaut mit Games, die es noch gar nicht auf dem Markt gab. Eine Augenweide für alle Spielsüchtigen und solche die es werden wollten.
So weit das Auge schauen konnte!
Wirklich, das musste einfach das Paradies sein!
Sorata, Takaya, Shiro und Yuki waren zusammen in einer Klasse der Unoki High School und teilten die elektronische Leidenschaft.
Ein halbes Jahr hatten sie auf diese Monster- Ultra- Con gewartet und endlich war es soweit! Sie waren da und ihre Hände zuckten schon wie auf Spielentzug.

Wo sollten sie beginnen?
Shiro rückte seine überdimensional große Brille zurecht und fühlte sich sofort wie zu Hause.
Er war definitiv der typische Nerd- Typ, mit dem Voll-rundum-Paket: seine dicke Hornbrille, zur Seite gekämmtes schwarzes Haar, bleiches Gesicht, nicht zu vergessen eine super schicke Hochwasserhose und ein weißes Hemd, was er in die Hose gestopft hatte, um es möglichs freaky aussehen zu lassen.
Früher machten die Drei sich immer über seine Outfits lustig, doch seitdem er mit seiner heißen europäischen Freundin, die locker mit Megan Fox mithalten konnte, zusammen gekommen ist, hielten sie sich zurück.
Vielleicht standen Mädels mit scharfen Kurven, vollen Lippen und sexy Stimme genau auf solche Nerds wie Shiro!

Takayas Augen funkelten auf, als er den neuen Ego-Shooter "kidou senshi gundam" bemerkte. Doch die Menge an Leuten, die sich davor stapelten, ließ sein Lächeln in null komma nix wieder verschwinden. Doch wer wird schon aufgeben!
"Dort hin, Freunde aller Shooter und Baller Games! "Kidou senshi gundam" wartet schon sehnsüchtig auf uns!"
Zielsicher steuerte der 19- jährige zu dem Stand und seine Kumpels trottelten hinterher wie hypnotsierte Zombies. Für einen Japaner war Takaya ziemlich groß, ihn konnte man nicht so schnell in einer Menge übersehen, sie brauchten sich also nur ihn zu orientieren und sie würden sich nicht verlieren.
Sorata schaute ungeduldig auf seine Uhr.
"Das wird dauern... " seufzte er auf, er war immer so ungeduldig.
"Sei keine Memme! Das ist definitiv der coolste Stand von allen, ist doch klar, dass sich hier viele anstellen!" Takaya klopfte ihn auf die Schulter und grinste.
"Schau dich doch hier einbisschen um, wenn du schon nix zu tun hast. Hier laufen jede Menge sexy Mädels rum! Siehst du die da drüben? "
Sorata blickte zur Seite und schnaubte.
"Ja, besonders die Drei im Neon Genesis Cos!" Er nickte zu den drei Mädels gegenüber und sofort verstummte Takaya, als er drei guternährte Europäerinnen in knatschengen Latexkostümen sah. Ein paar mal musste er blinzeln, um es zu realisieren.
"Wow! Wie haben die sich denn da reingezwengt? Respekt!"
Die vier Freunde lachten und machten Witze über die Mädchen, die nichts ahnend in ihrer Karte schauten und den halben Flur versperrten.
Die Besucher quetschten sich durch den engen Durchgang und schwitzten vor Anstrengung beim krampfhaften Versuch nicht einen Millimeter von den Mädchen mit Ellbogen zu berühren, so als wären sie hochexplosiv.

Takayas Augen blieben plötzlich an einem Mädchen in der Nähe des Eingangs kleben, währen die anderen noch fleißig weiter scherzten und sich vor Lachen fast in die Hose machten.
Das junge Mädchen trug ein Katzenkostüm in schwarz mit weißen Ohren und weißen Pfoten-Handschuhen. Das schulterlange Haar war zu einem Zopf hochgebunden, ihre Augen waren dunkel geschminkt und ihre Lippen leuchteten in einem Feuerrot.
°Sehr sexy...° dachte sich Takaya und beobachtete sie mit verschränkten Armen.

Über die Schulter an ihrer Hüfte hatte sie eine Umhängetasche mit irgendwelchen bunten, kitschigen Prospekten, die sie an die Besucher verteilte und dabei ihnen freundlich in die Richtung eines Cafés zeigte, für das die Prospekte mit Sicherheit warben. Neben ihr waren noch zwei andere solcher Katzen- Mädchen, doch irgendwie hatte dieses eine Mädchen etwas Besonderes an sich.
Takaya musste schmunzeln, als ihr ein paar dieser Prospekte aus den Pfoten flatterten und sie vergeblich versuchte sie vom Boden zu kratzen.
Wie auf Kommando erschien ein freundlicher Gentleman- Gamer und half ihr. Als hätte er ihr Leben gerettet, verbeugte sie sich mindestens 10 mal als Dankeschön und ihr Gegenüber lief rot an.
Dann verschwand er wieder so schnell wie er gekommen war.
"Hey! Schaut mal!"
Takaya schubste Sorata mit dem Ellbogen und alle Drei folgten neugierig seinem Blick.
"Seht ihr das eine Mädchen im Katzenkostüm? Dort drüben, nicht weit vom Eingang!" Er zeigte in die Richtung und die Jungs durchforsteten sofort den ganzen Saal.
"War ja klar!" schnaubte Yuki und gab Takaya einen kleinen Schlag auf den Kopf.
"Immer das gleiche mit dir! Wir sind hier zum Zocken da und nicht zum Mädels anmachen!" Kaum hatte er den Satz zu Ende gesprochen, fielen ihm Sorata und Shiro ins Wort. Die Beiden waren um einiges mehr an Takayas Beute interessiert.
"Ja... die gibt was her. Süße Frisur, knackiger Hintern und große Oberweite. Nicht schlecht, nicht schlecht!"
Takaya runzelte die Stirn.
"Nein, die meine ich gar nicht."
Die Beiden warfen ihm einen verwunderten Blick zu.
"Nicht die Brünette in der Mitte?"
Sofort schüttelte Takaya den Kopf. "Die ganz links, die Schlanke mit den hochgebundenen schwarzen Haaren und den roten Lippen."

"Waaas?"
Sorata musste wieder lachen, doch Takaya verstand nicht was der Grund dafür war und verlangte eine plausible Erklärung.
"Naja... ich finde sie viel zu dünn, ist ja nur Haut und Knochen- überhaupt keine Oberweite."
"Ja, das stimmt, viel hat sie nicht." überlegte Takaya laut. "Aber vielleicht ist es auch nur, weil das Kostüm drückt oder so... ach was weiß ich! Ich finde sie trotzdem süß."
Sorata musste noch lauter lachen und auch Shiro konnte sein Grinsen nicht mehr unterdrücken.
"Süß? Hast du gerade "süß" gesagt?" Sorata fühlte mit der Hand an Takayas Stirn, ob er nicht vielleicht Fieber hatte.
Dieser schob seine Hand sofort wieder weg und meckerte: "Tut jetzt nicht so, als wäre es was besonderes, dass ich ein Mädchen süß finde! Ich werde mir ihre Nummer holen!"
Kaum hatte er den Satz ausgesprochen, stürzte er sich schon in die Menge, durch den Gang zu dem Platz, wo die drei Katzen- Mädchen standen.

Das Lachen der beiden Jungs konnte er förmlich im Nacken spüren und fluchte leise vor sich hin.
"Die werden sich noch wundern..." murmelte er finster und folgte schnurstraks seinem Ziel.
Er zupfte sein Shirt zurecht und strich sich die dunklen Haarsträhnen aus dem Gesicht.
°Sie wird mir auf jeden Fall die Nummer geben, so schüchtern wie sie zu sein scheint, wird sie sich über alle Ohren freuen, von einem Typen wie mir nach ihrer Handynummer angesprochen zu werden.°

Takaya war ganz schön eitel und die beste Bestätigung seiner selbst, bekam er dann, wenn ein ihm ein Mädchen mit funkelnden Augen ihre Nummer gab, wenn sie bei einem Kuss nervös wurde, oder aber ohne Hemmung nach einer Party ein Love Hotel mit ihm ansteuerte.
Eingebildete Mädchen, die die kühle und abweisende Prinzessin spielten, ließ er schnell links liegen. Er hatte keine Lust den Prinzen auf dem weißen Pferd zu spielen, der um seine Prinzessin kämpfen muss.
Wenn nicht sie- dann eben die Nächste.
So war sein Motto und eigentlich hatte es auch bis jetzt immer ganz gut geklappt. Meistens kamen sie dann sogar selbst an, was Takaya sehr amüsant fand.

"Guten Tag! Das Cafe "Neko" ist sofort hinter dem 7. Spielstand, besuchen Sie uns! Wir würden uns freuen!"
Das Mädchen verbeugte sich vor den Gästen, die sofort ihre Nasen in das Prospekt stupsten und weiter gingen.
Endlich konnte Takaya sie ansprechen.
Wie in Trance streckte sie auch ihm einen Prospekt hin und ratterte den gleichen Satz wie zuvor den anderen Gästen runter. Er beobachtete sie, wie sie sich vor ihm verbeugte und lächelte.
°Sie schaut mich ja gar nicht an...°
Doch schließlich bemerkte sie, dass ihr Gegenüber das Prospekt gar nicht an sich genommen hatte, sondern nur dastand und sie mit einem Lächeln anstarrte. Wie in der Bewegung eingefroren, hatte das Katzen- Mädchen ihnen Arm immer noch ausgestreckt und blickte verwundert in Takayas braune Augen.
°Was für ein schönes Gesicht!° dachte sich dieser und war sich nun noch sicherer ihre Nummer haben zu wollen.
Sie schauten sich gegenseitig an und keiner sagte auch nur ein Wort, als Takaya plötzlich doch das Prospekt aus ihrer Hand nahm. Langsam faltete er es auf und schaute kurz rein.
"Arbeitest du in diesem Cafe?" fragte er ohne sie anzusehen.
Das Mädchen erwachte aus der Trance und schüttelte kräftig den Kopf.
Ihre Wangen glühten auf und sie hoffte so sehr, dass sie sich nicht all zu rot färbten.
°Wie peinlich...° biss sie sich auf die Lippen und tat so, als würde sie in der Umhängetasche nach etwas suchen.
"Dann gehe ich da auch nicht hin!" Takaya streckte ihr wieder das Prospekt hin.

"Wie heißt du?" Takaya fühlte, dass sie nervös wurde und musste grinsen.
°Sie ist echt sehr süß, auch mit kleiner Oberweite. Tsss, ist ja nicht so, dass ich nur auf große Oberweiten stehe! Ich bin doch kein pubertierender 16-Jähriger mehr!°
Sie zögerte kurz, bevor sie antwortete.
"Ähm... ich heiße Yuto. Ich meine Yuri!!!" schoss der letzte Satz aus ihrem Mund.
Sie musste wirklich sehr aufgeregt sein, dass sie zuerst einen Jungennamen genannt hatte, dachte sich Takaya und war sich schon ziemlich sicher, dass sie keinen Freund hatte und dass er gleich ohne große Mühe ihre Nummer bekommen würde.
Yuri schaute sich um und war erleichtert, dass ihre Katzen- Kolleginnen in Gespräche vertieft waren und sie nicht beachteten.
"Hör mal Yuri, wann hast du denn heute Feierabend? Sollen wir zusammen was trinken gehen?" Das Mädchen musste den Blick auf den Boden richten und schüttelte wieder den Kopf.
"Nein, ich danke Ihnen sehr, aber ich lehne ab." antwortete sie unerwartet schnell.
Takaya schaute sie verdutzt an. Hatte sie ihn gerade gesiezt? Und hatte sie eben wirklich "nein" gesagt?
"Hast du etwa schon einen Freund?" hackte er nach. Vielleicht war das „nein“ ja aus diesem Grund.
Plötzlich blickte sie ihn direkt in die Augen und Takaya musste zweimal hinsehen.
Ihre Kulleraugen leuchteten in einem hellen Grün, solch eine Augenfarbe hatte er bis jetzt noch nie gesehen. Ein helles Grün, wie es nur heiße, weibliche amerikanische Schauspieler hatten (das war zumindestens ein Vorurteil von Takaya).
"Nein habe ich nicht... aber ich wüsste auch nicht warum Sie das überhaupt interessieren sollte!" Ihre Stimme wurde lauter und der Satz klang in Takayas Ohren wie ein schreckliches Geräusch.
Sollte das etwa eine Abfuhr sein?

°Aber zu mindestens hat sie keinen Freund. Noch einen Versuche wage ich!°
"Warum mich das interessiert?" Er ging einen kleinen Schritt auf sie zu und ihre Augen wurden automatisch größer. Als ob sie sich schützen wollte, nahm sie die Arme vor die Brust und tapste einen kleinen Schritt rückwärts, um der Nähe des Unbekannten auszuweichen.
"Drei mal darfst du raten, warum mich das interessiert. Na, weil du mir gefällst!" Takaya ließ den Blick durch die Halle schweifen, so als hätte er nichts gesagt.
Das Mädchen wurde wieder nervös.
°Weil ich ihm gefalle? Oh nein! Was soll ich denn jetzt tun? Ich Dummkopf hätte direkt sagen sollen, dass ich vergeben bin! Ich bin ja so blöd, jetzt weiß ich gar nicht, was ich sagen soll. Das mich auch so ein Typ hier ansprechen muss!
Was will er denn überhaupt von mir? Ich sehe doch total lächerlich aus in diesem hautengem Kostüm!°
Sie musterte sich.
°Die schwarze Farbe und der Kragen versteckt alles sehr gut... Doch trotzdem muss man es doch erkennen..!°
"Na, was ist?" brach Takayas tiefe Stimme das Schweigen.
"Dann gib mir wenigstens deine Nummer, dann können wir uns einander Mal treffen. Ich möchte dich auf jeden Fall wieder sehen!" Seine Stimme klang nun fordernd.
Das Mädchen holte tief Luft und krallte sich in die Prospekte, die sie in der Hand hielt.
"Nein, ich werde Ihnen meine Nummer nicht geben. Außerdem will ich Sie auch nicht wiedersehen! Fragen Sie mich bitte nichts mehr!" Die Worte sprudelten aus ihr raus, wie ein Wasserfall und Takaya konnte seinen Ohren nicht glauben.
Das war eine ziemlich deutliche Abfuhr!
Er warf ihr einen hasserfüllten Blick zu. °Was bildet sie sich denn überhaupt ein?°
"Nagut..." flüsterte er wütend.
"Wenn du die abweisende Prinzessin spielen willst, bitte! Nur zu! Dann frage ich eben deine Katzen- Freundin direkt neben dir!"
"Machen Sie was Sie wollen!" fauchte das Mädchen zurück und löste in Takaya eine Wutlawine aus.
"Also gut!" fluchte er laut und stellte sich an die Schlange bei dem anderen Mädchen an. Es war die Brünette von der Sorata gesprochen hatte.
Takaya schaute wütend zu seinen Kumpels rüber, die ihn aus der Ferne mit fragenden Gesichtern anstarrten.

°Die Brünette tuts auch... denkt sie sie wär das einzige hübsche Mädchen hier?°
Als er mit dem Mädchen neben Yuri flirtete, versuchte er möglichst laut zu reden, sodass diese eingebildete Katze das auch schön mitbekam. Immer wieder schaute er zu ihr rüber, doch sie schien die Situation total kalt zulassen. Sie plauderte fröhlich mit zwei Cosplay Mädchen und verteilte fleißig weiter die kleinen Prospekte, an alle die vorbei schlenderten.

Demonstrativ ging Takaya an ihr vorbei und zeigte sein Handy in ihre Richtung, als Geste, dass er die Nummer von dem Mädchen neben ihr bekommen hatte.
"Tss!" stolz drehte sie ihm den Rücken zu und erneut hätte Takaya vor Wut platzen können.


Natürlich löcherten die Jungs ihn mit ihren Fragen, als er wieder zurückkam. Und genauso selbstverständlich war es für ihn über das erste Mädchen zu lästern, von wegen man hätte es sich dann doch anders überlegt, als man sie von Nahem gesehen hat und welch hässliche Zähne sie hatte und wie flach sie doch war. Und Bla bla bla.

Komisch nur, sein Blick suchte trotzdem die ganze Zeit dieses Mädchen, als sie warteten und auch als sie zu den anderen Ständen gingen. Warum musste ausgerechnet sie denn eine von den abweisenden, eingebildeten Prinzessinnen sein?
°Verdammt, diese Göre!° reagierte sich Takaya an den Tasten der Play Station 3 seine Wut ab.


Der Tag ging schnell vorbei und es wurde dunkel draußen. Die Besucher machten sich auf den Rückweg und die Hände brannten allen regelrecht von dem vielen Draufhauen auf den Knöfpen und Tasten der Spielkonsolen.
Auch die vier Jungs machten sich langsam in Richtung Ausgang.
Sie plauderten über die coolsten Stände und die verrücktesten Games, die sie heute gezockt hatten. Auch ihre Finger waren wie aus Stein und konnten sich kaum bewegen, die Augen waren von den vielen Bildschirmen und den grellen Farben am tränen. Doch sie waren voll und ganz zufrieden.
Die Games- Con dieses Jahr hatte einfach alle anderen Cos, die sie ab und zu zusammen besuchten, mehr als übertroffen. Zehn Stunden zocken, ballern und schießen- was wollte ein Mann mehr, um glücklich zu sein?
Naja...

Takaya wüsste da aber noch etwas.
Von weitem sah er wieder das Katzenmädchen von heute Morgen in der Nähe vom Ausgang.
Sie stand an eine Säule gelehnt, biss genüsslich in einen Big Mac und redete mit einem jungen Mann im Motorradanzug, der seinen Arm um ihre Schulter gelegt hatte. Sie lachten und er biss etwas von ihrem Burger ab. Als wäre es das normalste der Welt- als wären sie ein Paar.
Aber sie hatte doch gesagt, sie hätte keinen Freund! Oder war es vielleicht ihr Bruder?
Takayas Schritte wurden langsamer.
"Geht schon mal raus. Ich geh noch kurz auf Klo. Wartet einfach draußen auf mich."
schubste er die Freunde vor sich her, die anfingen zu grinsen.
"Auf Klo! Na klaaaaar!" schnaubten sie.
"Und dabei hast du gesagt, sie hätte hässliche Zähne!"

Erwischt! Sie hatten das Mädchen auch bemerkt und wussten instinktiv, dass Takaya nicht die Toilette ansteuerte, sondern in ihre Richtung gehen würde.
"Ach geht doch einfach!" fauchte Takaya und blieb stehen.
"Romeo- oh Romeo! Warum bist du nicht bei mir? - Au!" Sorata flüchtete sofort, als er Takayas wütend blitzenden Blick und seine Faust sah, die ihm gerade eben eine dicke und schmerzhafte Kopfnuss verpasst hatte.

Die Freunde ließen ihn endlich allein und sein Blick wanderte zurück zu Yuri.
Der Typ von eben, mit dem sie sich unterhalten und zusammen gegessen hatte war weg und nun stand sie ganz allein an den großen Plakaten und betrachtete diese nachdenklich.
°Ganz schön schlank, hmm und sexy lange Beine hat sie auch...° musste sich Takaya eingestehen, als er sie von hinten sah.
°Ein wenig zu breite Schultern für solch ein zierliches Mädchen, aber naja...°
Er ging auf sie zu und musste den Passanten, die nach draußen stürmten und laut rumgackerten, ausweichen.
Sie war einen ganzen Kopf kleiner als Takaya, doch immer noch recht groß für eine Japanerin. Ihr pechschwarzes Haar glänzte im Licht der Abendsonne. Die Hände hatte sie am Rücken verschränkt und wippte auf und ab, während sie die Plakate mit Aktionfiguren aus einen neuen Game musterte.
Sie lächelte und Takaya war sofort hin und weg von ihrem Lächeln.
°Sie sieht so süß aus- das kann doch nicht sein, dass sie mir ihre Nummer nicht geben will! Das akzeptiere ich nicht!°

Plötzlich zuckte das Mädchen auf, als sie Takayas Arm um ihre Schulter spürte.
Die hell grünen Augen starrten ihn fragend an, doch Takayas Blick war auf die Plakate vor ihnen gerichtet.
Er schwieg und drückte sie ein klein wenig mehr an sich, als sie versuchte einen Schritt zur Seite zu gehen und sich so aus seiner Umarmung zu befreien.
°Er ist ganz schön stark...° runzelte Yuri die Stirn.
°Ich muss aber trotzdem hier weg.°
Wie zuvor auch legte sie wieder ihre Arme schützend vor die Brust.
°Denkt sie etwa ich würde sie dort anfassen? Na so was! Doch nicht sofort!°
"Warum bist du denn zu mir nicht so nett wie zu dem Typen von vorhin? War das dein Freund?"
Kaum hatte sie sich versehen, schon landete sie komplett in seinen Armen. Sanft drückte er sie an sich und schaute ihr direkt in die Augen.
Yuri Herz hämmerte gegen ihre Brust- gut dass ihre Arme davor waren, so konnte wenigstens ihr Gegenüber nichts davon merken.
Besser gesagt, hoffte sie zu mindestens.
Doch ganz im Gegenteil: Takaya fühlte jeden einzelnen Herzschlag und freute sich mit jeder Sekunde mehr und mehr- er hatte es geschafft sie aus der Fassung zu bringen.
"Na, bekomme ich heute noch eine Antwort?" Das Mädchen schwieg und stand wie angewurzelt da.
Schließlich stemmte sie ihre Hände gegen Takayas Brust und schob ihn von sich weg.
"Lassen Sie mich bitte los..."
Er versuchte sie nicht gegen ihren Willen festzuhalten und gab nach. Vorsichtig tapste sie einen kleinen Schritt nach hinten und holte tief Luft.
"Nein, - das, das war nicht mein Freund, ich habe Ihnen doch gesagt ich- ich habe keinen Freund." stotterte sie und starrte dem Fremden immer noch wie gebannt in die Augen.
"Sehr gut!" grinste Takaya und wollte ihr gerade einen Schritt näher kommen, als sie eine deutlich Geste machte und in abbremste.
"Ich will und brauche auch keinen!" sagte sie laut und streckte den Arm in seine Richtung aus. Takaya hob seine Hände hoch, um zu zeigen, dass er sie nicht anfassen werde.
Eigentlich hätte er nach seinen Prinzipien schon längst aufgeben müssen. So ein stures Mädchen hatte er wirklich noch nie getroffen! Oder war sie vielleicht einfach nur dermaßen schüchtern, dass sie sich einfach nicht traute ihm ihre Nummer zu geben?
Da fiel ihm was ein: bei schüchternen Mädchen muss Kitsch und Romantik her! Damit würde das mit Sicherheit gehen! Drauf wird sie reinfallen!
°Aber was kann ich denn nur kitschiges sagen? Hmmm...°
Takaya überlegte nur einen Bruchteil einer Sekunde lang und schnappte sich dann sofort die kleine Hand des Mädchens.
Sie schreckte auf, doch im nächsten Moment war sie wie verzaubert.
Hoffte zu mindestens Takaya, dass er ihren Gesichtsausdruck richtig deutete.

Er hielt ihre Hand in seiner eigenen und fuhr mit dem Finger eine Linie auf ihrer Handfläche nach.
"Siehst du diese Linie hier? Schau sie dir genau an." Das Mädchen musste schmunzeln.
"Das ist die Lebenslinie. Was genau soll ich denn da sehen?"
"Tsch!"
Sofort wurde sie wieder leise.
"Und jetzt schau meine Hand an." Er drehte seine Hand um, doch ließ ihre nicht los. Das Katzen- Mädchen machte große Augen und fragte sich ernsthaft, was sie dort sehen sollte. Ganz vorsichtig bückte sich Takaya ein klein bisschen zu ihr runter, schreckte aber direkt wieder hoch, als sie ihm einen genervten Blick zuwarf.
"Und? Ich verstehe nicht, was Sie meinen!"
"Also echt, bist du etwa blind?" schnaubte er. "Die sehen gleich aus! Und weißt du, was das heißt?"
Stirnrunzeln und ein lautes Seufzen waren die Antwort von Yuri.
"Wir wären das perfekte Paar! Du und ich."
Takaya war stolz auf diese Idee- kitschiger und romantischer ging es doch gar nicht! Sie muss einfach darauf reinfallen!
Doch was im nächsten Moment kam, zerstörte seine Hochmut auf einen Schlag.
Das Mädchen lachte laut auf.
"So ein Quatsch!!! Die sieht doch bei allen gleich aus!" Ihr Lachen war zwar schön, doch fühlte sich in dem Moment wie tausend scharfe Dolche an, die sich schmerzhaft in die Brust rammten.
"Das stimmt nicht! Schau doch mal ganz genau hin!" befahl er und freute sich innerlich, dass sie erneut den Blick senkte und sich schweigend seiner Hand widmete.
°Was? Wo denn? Was erzählt er denn für einen Quatsch, die Linie sieht- °

Plötzlich froren ihre Gedanken in ihrem Kopf ein und auch ihr Körper verkrampfte sich.
Ihre Wange fing an zu glühen- genau dort, wo dieser Fremde sie gerade eben geküsst hatte!
Langsam hob sie ihr Gesicht und ihr Blick bohrte sich in den Unbekannten vor ihr.
°H- Hatte er- mich wirklich gerade auf- auf die Wange geküsst?°
Takaya erschreckte etwas vor ihrem Gesichtsausdruck.
Es verfinsterte sich schlagartig , sie sah aus, als hätte sie einen Geist gesehen und gleichzeitig einen Herzinfarkt erlitten.
°Echt gruselig...° dachte er sich.
Keiner der Beiden bewegte sich auch nur einen Zentimeter.
°Das- das... er hat... nein... das...°
Die Gedanken flogen durcheinander in Yuri Kopf und die Hände begannen zu zittern.
°Ich muss etwas unternehmen! Jetzt! Sonst erfährt er es und dann wird es peinlich!°
Takaya beobachtete die seltsamen Gesichtsausdrücke des Mädchens und merkte wie sie sich verkrampfte.
°Also wenn ein Kuss auf die Wange bei ihr so etwas auslöst, was passiert dann beim Sex mit ihr?°
Kaum fing er an sich vorzustellen, wie es wohl mit ihr wäre, als ihn ein lauter Schrei aus der Trance riss.
"Hiiiiiilfeee! Ein Perverser! Schnell! Helfen Sie mir!" Das Mädchen schrie aus allen Kräften und er konnte seinen Ohren einfach nicht glauben.
Die Leute drehten sich nach den Beiden um. °Was sollte das werden?°
"Hör auf! Was machst du? Halt sofort die Klappe!" Ohne zu überlegen versuchte er mit seiner Hand ihren Mund zu zuhalten, doch sie wurde immer lauter und schrie, als würde er sie umbringen wollen.
"Scheiße!"
Takaya wurde wütend, als das Mädchen auch noch zu zappeln anfing, um die Dramatik noch mehr hochzuschrauben. Von Weitem muss es wirklich so aussehen, als ob er ein Perverser wäre.
Plötzlich fühlte er, wie drei Männer ihn weg von dem Mädchen, unsanft nach hinten zogen und auf den Boden schmissen.
Yuri stolperte nach hinten und knallte gegen die Plakatwand. Sie war total außer Atem und starrte Takaya mit ängstlichen Augen an. Dieser lag auf dem Boden und versuchte sich aus den Griffen ihrer vermeintlicher Retter zu befreien.
„Verdammt, haut ab von mir! Die Göre hat alles vorgetäuscht! Diese Schlampe!“
Seine Stimme bebte vor Wut und seine Augen blitzten, als wäre er wirklich bereit jemanden zu töten.
Das Mädchen wartete nicht ab, bis er vom Boden aufstand, sie ergriff sofort die Flucht durch die Menschenmenge, die sich um das Scenario angesammelt hatte.
Takayas Freunde waren auch wieder rein gelaufen, als sie die Schreie hörten.

Sie sagten kein einziges Wort, als sich die Lage endlich wieder beruhigt hatte und sie endlich ungestört gehen konnten. Als sie wieder zusammen aus dem Gebäude gingen, konnten sie nur mit Mühe Takayas Schritttempo bis zu seinem Auto zu halten.


„Puh...“ Das Katzen- Mädchen sank auf dem Boden der kleinen Imbissbude im Gebäude. Als sie die Vier aus dem Fenster weggehen sah, konnte sie sich endlich entspannt zurücklehnen. Sie legte ihr Gesicht in die Hände und merkte, dass sie immer noch zitterte.
„Ich musste es tun...“ flüsterte sie verbittert.
„Ich musste...“




Kap. 2

Es war ein herrlicher Frühlingsmorgen. Die Vögel zwitscherten um die Wette und die Sonne war sichtlich schon in Sommerlaune.
Obwohl es ein Arbeitstag war, waren die Straßen in Asakusa mehr als voll. Die Leute schlenderten durch die Alleen, kauften Sommerkleidung ein oder genossen einfach nur das schöne Wetter bei einem erfrischend kaltem Grünen Tee- Eis.

Takaya parkte seinen Yamaha ein, während seine Freundin den Helm abschnallte und ihn unter den Arm klemmte. Das Motorrad war Takayas ganzes Stolz, er hatte ein Jahr dafür gespart und sich zu seinem 18. Geburtstag endlich sich selbst geschenkt.
Ayumi, so hieß seine neue Freundin, war natürlich genauso hin und weg von der schnellen Maschine, wie alle anderen Mädels in ihrem Alter.

„Wenn du willst, kannst du kurz mitkommen. Dort gibt es auch Takayaki oder Burger, kannst dir ja was kaufen, wenn du Hunger hast.“
Takaya nahm seinen Helm ab und schlenderte Ayumi zur Imbissbude hinterher.
„Ja, ich schau mal was es da so Feines gibt. Was willst du denn da eigentlich?“
Das Mädchen drehte sich hastig um und warf ihrem Freund einen vorwurfsvollen Blick zu.
„Hast du mir denn gerade nicht zugehört? Ich habe doch gesagt, ich muss meinem Bruder die Versicherungsbescheinigung vorbeibringen! Das habe ich dir doch erzählt!“
Takaya stieß einen Seufzer aus.
„Wenn man den Helm auf hat, hört man nicht allzu viel, meine Süße.“ Sanft gab er ihr einen kleinen Klaps auf den Hintern, damit sie endlich weiterging. Ein hohes Quitschen und ein gackerndes Lachen ertönten und Takaya rollte die Augen.
°Typisch Ayumi…°
„Ich wusste gar nicht, dass du einen Bruder hast. Wir sind jetzt schon seit vier Monaten zusammen und du hast mir das noch nie erzählt… Er ist bestimmt schon etwas älter und lebt in seiner eigenen Wohnung?“
„Nein, nein, er ist 17 und wohnt in einem Wohnheim in der Nähe von seiner Schule. Wunder dich nicht- er ist echt ganz schön- wie soll ich sagen... strange.
Sieht aus wie ein Mädchen, hat lange Haare und so. Total der Freak! Den musst du auch nicht unbedingt jetzt groß kennen lernen. Ich gib das nur schnell ab und dann können wir auch schon wieder fahren.“
Ayumis Worte ließen Takaya völlig kalt. So richtig Lust auf neue Bekanntschaften hatte er auch nicht wirklich…
„Ach da ist er ja…“ seufzte die Freundin und stupste Takaya in die Rippen.
An der Wäscheleine stand eine große und schlanke Person und hängte Handtücher an die Leinen. Die pechschwarzen Haare waren zu einem Dutt hoch gebunden.
Sie trug eine kurze Jeansshorts, Flip Flops und ein breites schwarzes T-Shirt. Vorne hatte sie eine knallgelbe Schürze umgebunden die knapp bis zu den Shorts reichte.

„Yutooo!“ rief Ayumi und plötzlich, wie vom Blitz getroffen, musste Takaya stehenbleiben.
Als Ayumis Bruder sich umdrehte, weil er seinen Namen gehört hatte, wäre Takaya am liebsten wirklich vom Blitz getroffen worden, als das miterleben zu müssen.
Dieser Yuto war kein Anderer als Yuri, das Katzen- Mädchen aus der Games Con von vor fünf Monaten. Genau das Katzen- Mädchen, was er auf die Wange geküsst hatte und das für einen großen Trubel sorgte, um ihn dafür zu bestrafen.
Er war es wirklich! Er war dieses Mädchen im Katzenkostüm!
Die Blicke der Beiden trafen sich. Yutos grüne Augen füllten sich mit blanker Angst und Takayas mit Entsetzten.
°Wie konnte ich nur denken, dass er ein Mädchen ist? Ich bin so bescheuert! Ich habe einer Transe einen Kuss auf die Wange gegeben! Scheiße!!! Bitte erschieß mich jemand!!! Sofort!!!°, verkrampfte sich Takayas Gesicht, als hätte er einen Schlag in den Sonaplexus bekommen.

Ayumi plapperte ihren Bruder mit allem möglichen Informationen zu, die sie von den Eltern übermitteln sollte, doch Yuto war wie ausgeschaltet.
°Das ist doch dieser Typ von damals, der meine Handynummer haben wollte. Ich hatte ihn so blamiert, als ich geschrien hatte er wäre ein Perverser. Oh mein Gott, er wird mich dafür bestimmt umbringen!°
Er biss sich schmerzhaft auf die Lippen und hoffte, dass er sich doch vielleicht irrte und der junge Mann neben seiner Schwester doch ein Anderer war.
Aber tief in seinem Inneren wusste er, dass er es doch war. Sein Gesicht hatte er nicht vergessen, seine braunen Augen, die kleine Narbe über seiner Augenbraue und die glatten schwarzen Haare, die ihm ins Gesicht fielen. Er musste es einfach sein!
Ayumi brach das Schweigen.
„Takaya, das ist mein kleiner Bruder Yuto.“ Sie zeigte auf ihn und verdrehte wieder die Augen.
„Yuto, das ist mein Freund Takaya.“
Yuto verbeugte sich sofort zur Begrüßung.
„Freut mich…“ sagte er kaum hörbar.
Takaya dagegen blieb still und auch sich zu verbeugen hielt er für überflüssig.
„So! Genug der Höflichkeiten, lass uns fahren, Schatz.“
Ayumi zog ihren Helm an und schlenderte Richtung Parkplatz. Einen letzten schweigenden Blick warf Takaya ihrem Bruder zu und ging dann schließlich hinterher.
Yuto konnte förmlich fühlen, dass der Blick voller Verachtung war.
Erst als sie hinter dem Kiosk einbogen und verschwanden, atmete Yuto laut aus.
Traurig senkte er seinen Blick auf den Boden und betrachtete nachdenklich den kahlen Asphalt.
°Na toll… Jetzt ist er mit meiner Schwester zusammen… Jetzt darf ich noch seltener nach Hause kommen, als ohne hin schon… Ich will auf keinen Fall, dass er mich deswegen anspricht.°



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juljabulja
Ehemaliges Mitglied


New PostErstellt: 11.10.12, 14:14  Betreff: Re: Unsure  drucken  weiterempfehlen

(Und weiter geht's ^-^)





Für den Samstag hatten Ayumis Eltern Takaya zum Familien- Abendessen eingeladen und Ayumi konnte ihn überreden auch zu übernachten. Am Anfang wollte er auf keinen Fall dort länger bleiben als er musste, doch dann überlegte er es sich anders.
°Ich werde es ihm heimzahlen, die Aktion von damals bei der Messe… Und wie ich das werde!°, rieb er sich höhnisch die Hände und willigte dann doch ein, über Nacht zu bleiben.
Ayumi fand seine Reaktion ziemlich seltsam und beunruhigend, entschied sich dann aber doch nicht genauer nachzufragen.


Sie saßen gemeinsam am Tisch und aßen zu Abend. Frau Nagatse hatte einen sehr leckeren Eintopf gekocht, panierte Garnelen gebraten und einen Haufen japanischer Süßigkeiten zum Nachtisch gekauft. Es war das erste Mal, dass Takaya bei ihnen am Tisch aß. Irgendwie kam es ihm vor, als würden die Eltern ihn schon als ihren Schwiegersohn sehen und musste bei diesem Gedanken kurz zusammenzucken.
Sein Teller war voll und doch schaufelten Ayumi und ihre Mutter immer wieder etwas drauf, damit er ja nicht selbst etwas nehmen musste und sich somit überanstrengte.
Das Essen war wirklich sehr lecker, doch langsam war Takaya so voll, dass gar nicht mehr wusste wohin mit dem ganzen Essen, was gegen seinen Willen wieder auf seinem Teller landete.
Die Eltern erzählten fröhlich über ihre Arbeit als Manager und welch abwechslungsreichen Beruf sie doch haben, um den sie immer beneidet werden. Sie lobten Ayumi wegen ihrer guten Noten in der Schule und berichteten in Detail, wie neidisch doch andere Eltern auf ihre wunderschöne und fleißige Tochter waren.
Takaya fühlte sich mit jeder Sekunde unwohler, es kam ihm vor, als würde er in einer Heiratsvermittlung sitzen, dem seine zukünftige Ehefrau präsentiert wird.
Seine Antworten auf die Fragen der Eltern über Schule und Hobbies hielt er sehr knapp.
°Sie sollten bloß nicht zu viel erfahren, sonst habe ich hier drei Kletten bis zum Rest meines Lebens an mir hängen.°, graute es ihm.

Yuto saß schweigend schräg gegenüber von Takaya und schlürfte schweigend und desinteressiert seinen Eintopf.
Die Mutter sprang förmlich vor Freude auf, als Takaya sagte, dass er in einem Boxverein sei.
„Wie schön!“ klatschte sie fröhlich in die Hände. „Nimm doch bitte mal auch unseren Yuto zum Trainig mit! Er muss mal etwas finden, was ihn männlicher und kräftiger werden lässt. Boxen ist doch einfach nur perfekt dafür!“
Für einen kurzen Moment stoppte Yutos Hand mit den Stäbchen kurz vor seinem Mund, als er das hörte.
„Diese langen Haare, diese dürren Hände! Dieses Klavierspielen! Das passt doch alles nicht zu einem Jungen! Vielleicht kannst du ihm die Augen öffnen, Takaya- Schatz!“
Als hätte Yuto nichts davon mitbekommen, aß er weiter und beachtete Keinen am Tisch.
Takaya lachte innerlich vor Schadenfreude.
°Richtig so! Mach ihn fertig, Mutti!°
Er hoffte, dass er diesen Satz nicht laut ausgesprochen hatte.
„Tja…“ langsam und genüsslich biss er in die Garnele und starrte zu seinem Gegenüber.
„Ich glaube nicht, dass Boxen so klug wäre. Er würde schon beim ersten Schlag zusammenknicken wie ein Streichholz.“
Sein triumphierendes Grinsen bohrte sich in Yuto und er genoss es, das Gekicher der Anderen am Tisch zu hören.
Plötzlich stand Yuto auf und räumte sein Geschirr zusammen.
„Danke für das Essen, ich bin satt.“ Zischte es durch seine Zähne und er machte sich in Richtung Küche, um die Teller dort abzustellen.
Yutos Mutter rief ihm wütend hinterher: „Bleibst du bitte noch am Tisch, bis alle aufgegessen haben? Yutooo!“
Doch sie rief vergeblich.
Yuto ging schweigend die Treppe zur zweiten Etage hoch und schloss hinter sich die Schlafzimmertür ab.
„Ich weiß auch nicht, was wir mit ihm machen sollen…“ seufzte die Mutter.
„Dabei haben wir unsere beiden Kinder immer versucht gleich zu erziehen.“ Gab der Vater seinen Senf dazu. Doch Takaya interessierte ihr Gebrabbel nicht, er freute sich immer noch über seinen vermeintlichen Triumph.
°Eins zu eins, Kätzchen…° biss er dreckig grinsend in die nächste Garnele und musste feststellen, dass er es besser gelassen hätte, weil er sonst gleich platzen würde, so voll fühlte er sich.

Und dabei hatte er noch keine Süßigkeiten zum Tee gegessen...


Ayumi lag schon im Bett und wartete sehnsüchtig auf ihren Freund.
Ihr Zimmer befand sich genau neben dem Schlafzimmer ihres Bruders im zweiten Stock der Wohnung.
Das Zimmer der Eltern war im ersten Stock, sodass man hier auch ruhig in Unterwäsche rumrennen konnte, die Eltern würden sowieso nicht hochkommen und sie sehen.
„Ich gehe mal kurz die Zähne putzen. Darf ich deine Zahnbürste benutzen?“ Takaya stand an der Tür und nur mit einer schwarzen Shorts bekleidet. Ayumi schmolz regelrecht bei seinem Anblick dahin und als er sie nach der Zahnbürste fragte, leuchteten ihre Augen wie zwei Edelsteine auf.
„Aber sicher! Die Rote ist meine!“
°Hielt sie das gerade für einen Liebesbeweis oder warum freute sie sich so sehr, dass ich nach ihrer Zahnbürste gefragt habe?°
Takaya ging mit dem Kopf schüttelnd aus dem Zimmer in Richtung Bad, das genau gegenüber lag.
°Von wegen es ist praktisch eine feste Freundin zu haben… Ich glaube ich bin nicht geschaffen für so etwas…° Er kratzte sich am Kopf und versuchte seinen Nacken einzurenken.
°Da habe ich mich wohl gestern nicht genug gedehnt nach dem Aufwärmen…°

Als er die Tür in das Badezimmer öffnete und hinein ging, musste er mit Verwunderung feststellen, dass dort schon jemand war.
Yuto stand im Zimmer und schaute den ungebetenen Gast mit großen Kullerraugen an. Er bückte sich über das Waschbecken und hielt in der Hand eine Zahnbürste. Anscheinend wollte er gerade auch vor dem Schlafen gehen seine Zähne putzen und hatte total vergessen die Tür abzuschließen. Normalerweise war das ja auch kein Problem, früher putzen sich die Geschwister öfter zusammen die Zähne und so hatte er sich das wohl angewöhnt die Tür nicht abzuschließen.
Takaya blieb in der Türschwelle stehen und musterte ihn schweigend von oben nach unten.
Yuto trug ein riesiges T-Shirt, was er bestimmt zum Schlafen anzog wie viele Mädchen es auch taten. Meistens nahmen sie dann das T-Shirt von ihrem Freund, um sich dann vorzustellen, dass er sie die ganze Nacht umarmte. So war Takayas Theorie zu mindesten.
Mit nackten Füßen stand er auf den Kacheln. Da er sich etwas über das Waschbecken beugte, rutschte das T-Shirt etwas nach oben und man konnte seine Beine bis zu seinen Shorts sehen. Mit einer Spange hatte er sein schwarzes langes Haar oben zusammen gesteckt, doch ein Paar Haarsträhnen ließen sich trotzdem nicht bändigen und fielen ihm ins Gesicht.
Takaya musste grinsen.
°Auf in die zweite Runde!°
Er schloss die Tür hinter sich zu und stellte sich neben Yuto an das Waschbecken.
Dieser flüchtete ängstlich einen Schritt zur Seite, ohne den Blick von seinem Gegenüber abzuwenden.
„Ich will doch auch nur die Zähne putzen! Jetzt bleib locker!“ Aus dem Becher nahm er sich die rote Zahnbürste von Ayumi.
Yuto beobachtete ihn und fragte sich, ob er jetzt nicht doch lieber gehen sollte.
Doch kaum hatte er den Gedanken in seinem Kopf zu Ende gedacht, riss ihn Takayas tiefe Stimme wieder in die Realität zurück.
„Was wirst du denn so nervös?“ fragte er und lächelte. Die Zahnbürste hielt er immer noch fest, doch hatte nicht den Anschein sie benutzen zu wollen.
Yuto putze sich kräftig die Zähne weiter und wandte den Blick von ihm ab, so als würde die Frage nicht ihm gelten.
„Wir sind doch hier unter uns Männer, da braucht man doch nicht nervös zu werden!“ Er lehnte sich gegen das Waschbecken, als Yuto die Zahnpaste ausspülte und sein Gesicht wusch.
„Oder ist es wegen mir? Mach dich das nervös neben einem halbnackten Mann zu stehen? Gieb's doch zu, du bist von anderem Ufer! Eine Schwuchtel!“ grinste Takaya, doch immer noch schwieg Yuto und schien seine unhöflichen Worte nicht zu hören.
„Sag mal wie ist es denn so? Du weißt schon…“ Takaya machte eine Geste, die Yuto lieber nicht gesehen hätte.
„Du hast bestimmt den Frauen-Part, wirst also du von hinten genommen, oder?“ Wut kochte in Yutos Brust auf, er konnte sich nicht erklären wie man so etwas respektloses fragen konnte.
„Musst du dann auch so rumstöhnen wie eine Frau?“ Takaya amüsierte es, das wütende Gesicht von Ayumis Bruder zu sehen.
°Diese Runde wird auch an mich gehen, Kätzchen…°
„Musst du dann auch diese sexy Latex Klamotten anziehen? Und diesen komischen Gummiball in den Mund nehmen? Würde mich echt interessieren, wofür der überhaupt gut sein soll…“
Noch bevor er seinen Gedanken zu Ende erzählen konnte, zischte Yuto wütend dazwischen.
„Das geht Sie überhaupt nichts an!“ Seine Stimme bebte vor Wut, als er aus dem Bad ging und die Schlafzimmertür hinter sich scheppernd zuschmiss.

Takaya stand wie angewurzelt da und wusste nicht genau, was er jetzt denken sollte. Plötzlich war die Freude über das 2:1 verschwunden.
Langsam drehte er sich zum Spiegel und begann nachdenklich seine Zähne zu putzen.
°Hatte er etwa gerade geweint?°


°Ich hätte es mir direkt denken können, dass er so einer ist…° Yuto vergrub sein Gesicht in ein Kissen und weinte bitter.
So gut es ging versuchte er sein Schluchzen zu unterdrücken, damit seine Schwester und ihr arroganter Freund es nicht hörten, doch er konnte einfach nicht aufhören. Die Tränen schienen einfach nie endend zu sein…
°Ich mag mich so wie ich bin, warum muss es immer wieder jemanden geben, der sich darüber lustig macht… oder der mich verändern will… Jetzt ist meine gesamte Familie gegen mich nun auch noch der Freund meiner Schwester!°
Leise mit der Nase schniefend drehte er sich auf den Rücken und starrte aus dem Fenster auf den dunklen Nachthimmel.
Nur eine Handvoll kleiner Sterne sah man funkeln.
Yuto wischte sich mit der Decke die Wangen trocken und schloss die Augen.
°Dabei konnte ich ihn seit jenem Tag im Winter nicht vergessen… Und ich hatte so sehr gehofft, dass er ein herzensguter Mensch wäre.° Er musste schmunzeln, als er sich daran erinnerte.
°“Die Linie auf meiner Hand sieht genauso aus! Und weißt du was das heißt? Dass wir ein perfektes Paar wären.“°
Yuto schüttelte den Kopf.
°Es wäre manchmal bestimmt um einiges einfacher für mich, wenn ich wirklich ein Mädchen wäre… Aber das bin ich nun mal nicht!°
Wie ein kleines Katzenbaby schmiegte er sich in die Decke und versteckte sein Gesicht im Kissen.
Seine Augen schlossen sich und er schlief tief und fest ein.


Ayumi umschlang ihren Freund im Schlaf und schnaubte leise mit der Nase.
°Ob das nicht etwas zu übertrieben war, was ich gesagt hatte?° grübelte Takaya und konnte einfach nicht einschlafen.
Er drückte das Kissen mit den Armen und schubste mit den Schultern die schlafende Ayumi zur Seite, um etwas mehr Platz zu bekommen.
°Ob ich mich entschuldigen sollte?°



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juljabulja
Ehemaliges Mitglied


New PostErstellt: 11.10.12, 14:50  Betreff: Re: Unsure  drucken  weiterempfehlen

Kap. 3

Das Wetter Ende Mai veränderte sich schlagartig und kein Tag verging ohne Regen in Tokyo.
Die Mitbewohnerin von Yuto fuhr für eine Woche zu ihren Eltern nach Kyoto und Yuto entschied sich für ein Paar Tage auch bei seinen Eltern zu bleiben. Obwohl er sowieso dann die meiste Zeit davon in seinem Zimmer saß und sie damit verbrachte Klavierstücke zu studieren oder mit seiner Mitbewohnerin Arashi zu telefonieren.
Arashi war ein Jahr älter als er und von der ersten Minute wurden sie zu seiner Seelenverwandten, obwohl sie unterschiedlicher nicht sein konnten.

Doch egal was auch passierte, sie hielt immer zu ihm und auch er war immer auf ihrer Seite.
Sehr oft sagte sie Sachen wie: „Yuto, warum nimmst du mich nicht zur Freundin? Ich bin doch auch hübsch, oder nicht?“ oder so etwas wie: „Wenn ich jemals heiraten werde, dann sollst du entweder mein Bräutigam oder mein Lover sein!“… Aber sie redete auch sonst viel, wenn der Tag lang war und deshalb hatte das Yuto nie so wirklich ernst genommen.
Die Freunde aus seiner Musikschule durfte Yuto nicht nach Hause bringen. Sie hätten einen schlechten Einfluss auf ihn, sagten seine Eltern. Und außerdem wohnten die meisten in der Nähe von der Schule und sie trafen sich einfach dort, um nicht weit fahren zu müssen.
Sie alle akzeptierten ihn und seine gesamte Art und unterstützten ihn besonders dann, wenn er Stress mit seinen Eltern hatte. Immer wieder ermutigten sie ihn, so zu handeln wie er es für sich für richtig hielt, anstatt nach der Pfeife der Eltern zu tanzen.
Er dürfe das Klavierspielen und erst Recht nicht seine eigene Persönlichkeit für Niemanden auf der Welt, nicht einmal für seine Eltern, aufgeben, sagten sie ihm immer und immer wieder.
Ohne sie hätte er es nie soweit geschafft, da war sich Yuto ganz sicher.

Die Uhr zeigte 23: 10 und langsam musste Yuto das Spielen mit dem Keyboard seinlassen, sonst würden sich seine Eltern wieder über die Lautstärke aufregen. Oder aber er nahm seine Kopfhörer!
Ja das ist es, die Kopfhörer!
Yuto sprang vom Bett.
In seinem Zimmer und erst Recht zu der späten Stunde trug er meistens ein großes T-Shirt, das ihm knapp unter den Po reichte und seine Shorts. Jeans hasste er wie die Pest, darin konnte man sich nicht gut bewegen, fand er.
°Die Kopfhörer muss Ayumi haben, ich habe sie letztes Mal in ihrem Zimmer gesehen! Warum kauft sie sich nicht einfach eigene!?° schnaubte Yuto und zupfte das T-Shirt zurecht.
Er hüpfte zur Tür von ihrem Zimmer und stürmte rein. Doch er traf dort jemand ganz anderes an als Ayumi.

Auf dem Bett vor dem kleinen Fernseher saß Takaya und starrte in Yutos Richtung. Wie versteinert blieb er in der Türschwelle stehen.
°Sie sind ja immer noch zusammen…°
Die Kulleraugen musterten den Freund seiner Schwester, der nur in weißen Shorts bekleidet an der Bettkante saß und anscheinend vergeblich versuchte mit der Fernbedienung den Fernseher anzuschalten.
°Das muss ja wirklich was Ernstes zwischen den Beiden sein…°
Takayas Stimme riss ihn aus seinen Gedanken.
„Hi!“ begrüßte er Yuto, der immer noch wie angewurzelt dastand.
„Ähm… Hallo. Wo ist denn meine Schwester?“ stotterte es aus Yutos Mund und Takaya musste schmunzeln. Niemals würde er sagen, dass er und Ayumi Geschwister waren.
Ayumi war einen ganzen Kopf kleiner als Yuto und viel kurviger. Sie sah ihrer Mutter sehr ähnlich. Yuto dagegen hatte etwas Ähnlichkeit mit seinem Vater. Er war genauso groß und schlank wie er. Das gerade Haar schien er auch von ihm zu haben. Doch von wem hatte er denn diese Augenfarbe, fragte sich Takaya in dem Moment. Und diese vollen Lippen?
„Sie ist kurz im Bad. Komm doch rein!“
Yuto traute dem Braten nicht ganz und blieb vorsichtshalber an der Tür stehen.
Takaya wandte sich wieder dem Fernseher zu.
„Weißt du wie man dieses Scheißteil auf Antenne umstellt?“ fauchte er und tippte wild auf alle Möglichen Tasten.
„Ich bin mir nicht ganz sicher…“ überlegte Yuto kurz.
„Aber ich kann es ja mal versuchen…“
Er tapste zu Takaya und setzte sich neben ihn auf das Bett. Natürlich versuchte er so viel Platz wie nur möglich zwischen ihnen zu lassen, doch das Bett war nicht gerade sehr groß und Takaya machte auch keinerlei Bemühungen etwas zur Seite zu rutschen.
Neugierig beobachtete er ihn, wie er die Fernbedienung studierte und dann auch versuchte etwas einzutippen, was aber genauso wenig brachte wie das wilde Rumgetippe von Takaya.
„Na das wird ja heute nichts, was?“ Genau in dem Moment Takayas Kapitulation, ging der Fernseher an und Beide freuten sich, als wäre ein Weltwunder passiert.
„Das nächste Mal müssen Sie einfach auf diese Tastenkombination drücken.“ Erklärte Yuto und zeigte seinem Gegenüber den Trick, doch dieser schien wenig daran interessiert.
„Warum siezt du mich immer? So viel älter als du bin ich gar nicht!“
Yuto zuckte mit den Schultern und wich Takayas bohrenden Blick aus.
„Hör bitte auf damit, sonst komme ich mir vor, als sei ich dein Lehrer oder Vorgesetzter oder sonst noch was…“
Ein leises „Ok“ schlich sich aus Yutos Mund.
Einen kurzen Moment herrschte Stille im Raum und Yuto wünschte sich nichts sehnlicher, als dass seine Schwester endlich aus dem Bad kam und ihn aus der unangenehmen Situation erlöste. Oder sollte er jetzt lieber in sein Zimmer gehen, bevor es noch schlimmer werden würde?
Takayas Stimme brach endlich das Schweigen.
„Ach ja… wegen damals…“ Yutos Herz machte einen Sprung.
°Damals? Meint er den Tag auf der Games-Con?°
Er fühlte, wie ihm schlagartig heiß wurde. °Bitte nicht, bitte nicht…°
„Was ich vor zwei Wochen zu dir gesagt hatte... Du weißt schon, damals nach dem Abendessen im Bad.“
Yuto fiel ein Stein vom Herzen, als er das hörte. Egal was er sagte, Hauptsache nichts über die Games-Con!
Takaya starrte wie gebannt auf den Bildschirm des Fernsehers, wo langweilige Werbung lief.
„Ich weiß nicht, was mich dazu getrieben hat. Das war wirklich sehr dumm von mir und ganz schön gemein, was? Das hatte dich damals verletzt, das wollte ich nicht…“ Ein langes Schweigen war die Antwort auf seine Entschuldigung.

„Also was ich sagen will… Tut mir leid, es war eigentlich gar nicht so gemeint. Ich wollte dir nicht zu nahe treten, dich beleidigen oder mich über dich lustig machen. Wie gesagt, ich weiß auch nicht, warum ich das gesagt habe. So was Blödes aber auch!“
In den Händen schaukelte er die Fernbedienung und bohrte seinen Blick in den Boden.
„Dabei hab ich wirklich nichts dagegen, wenn jemand so ist wie du. Ich meine… na du weißt schon… Es muss ja jeder für sich selbst entscheiden.“
„Ist schon ok!“ sagte Yuto mit starker Stimme.
„Ich hatte das schon längst vergessen.“ Winkte er mit der Hand.
Doch obwohl sich seine Worte so selbstsicher anhörten, schien er nicht die Wahrheit zu sagen, dachte sich zu mindestens sein Gegenüber.
„Wirklich?“ spielte Takaya den Unschuldigen.
„Kann ich dich dann noch etwas fragen?“
Er beobachtete Yuto sehr genau und aus dieser Nähe fiel ihm auf, dass es die Natur selbst so gewollt hatte, dass er so hübsch aussah!
Das Gesicht war so ungewöhnlich sanft geschnitten, die Nase war klein und sogar etwas stupsig, so wie es gerade bei vielen Frauen beliebt war.
Die auch ohne Make-Up roten Lippen- herzförmig geformt und das glatte schwarze Haar glänzte seidig, wie bei Mädchen, die sich jeden Tag frisierten und sich Massen an Sprays und Pflegeprodukten in die Haare schmierten. Die Arme waren sehr schmal und er hatte unglaublich adrette Hände. Sicher kam das auch von dem Klavierspiel, dachte sich Takaya.
Aber das war noch nicht alles.
Er war sehr schlank und von seinen langen Beinen konnte bestimmt jedes Mädchen nur schwärmen.

Doch er war immer noch ein Typ! Egal wie hübsch er aussehen sollte, er blieb immer noch er! Der Gedanke schien Takaya so paradox doch zugleich auch total logisch und selbstverständlich.
Ohne zu überlegen sprudelte die Frage aus Takayas Mund.
„Hattest du denn schon mal Sex mit einem Mann?“
Kaum erreichten seine Worte Yutos Ohren und lösten einen regelrechten Tsunami an Nervosität in ihm aus, als Ayumis Stimme erklang.
„Was habt ihr denn hier für unanständige Themen!“ Sie trug einen schwarzen Negligee und ihre Haare fielen in einer wilden Lockenpracht auf ihre Schulter.
„Schatz, du weißt, mein Bruder ist noch keine 18, also nur jugendfreie Themen bitte!“ Schnell tapste sie über den kalten Boden zum Bett und gab Takaya einen dicken Schmatzer auf die Wange.
Yuto beobachtete die Beiden schweigend, als wäre es etwas, wovon er gar keine Ahnung hatte. Als Takaya Ayumi zu sich zog und küsste, merkte er wie seine Wangen aufglühten.
„Hey!“ Seine Schwester riss ihn aus der Trance.
„Geh gefälligst in dein Zimmer!“
Yuto fühlte sich schrecklich ertappt, er hatte sie so sehr angestarrt und merkte gar nicht, wie unhöflich es doch von ihm war.
Blitzschnell sprang er vom Bett und lief raus- ohne auch nur ein Wort zu sagen.
Erst als die Schlafzimmertür hinter ihm zu fiel, atmete er laut aus.
°Wie peinlich…°



"Mach das bitte aus, ich kann nicht einschlafen, wenn der Fernseher läuft!" Takaya wurde langsam wütend von Ayumis Rumgeheule. Er wollte einfach in Ruhe "Terminator 2" schauen, war das denn zu viel verlangt?
Sie vergrub demonstrativ ihr Gesicht ins Kissen, um zu zeigen, wie schrecklich laut der Fernseher war. Obwohl er in Wirklichkeit so leise war, dass Takaya fast nichts verstand.
"Du musst doch morgen nicht zur Schule, wo ist das Problem?! Es ist erst kurz nach Mitternacht, der Film läuft nur noch eine Stunde, stell dich gefälligst nicht so an!"
Takayas Stimme bebte vor Wut. Und schon wieder hatte er eine coole Stelle im Film verpasst, weil sie ihn mit ihrem Rumgeheule abgelenkt hatte!
"Aber ich bin müde! ich will jetzt schlafen!" Sie hörte einfach nicht auf und Takayas Geduldsfaden riss auseinander.
Wütend schaltete er auf den "Off" Knopf des Fernsehers und stand auf.
Ayumi schien sofort eingeschlafen zu sein, denn als ihr Freund das Schlafzimmer verließ, fragte sie nicht nach wohin er denn wollte, was sie sonst immer tat.

"So eine Nervensäge!" brummte Takaya, als die Schlafzimmertür schon zu war. Mit der Hand strich er sich durch das Haar und sein Blick wanderte zu Yutos Zimmer.
Ohne lange zu überlegen klopfte er kurz an, wartete keine Antwort ab, sondern ging direkt in das Zimmer rein. Yuto lag in seinem Bett und schaute verwundert auf den späten Besuch.
Lauter kleiner Fragezeichen schienen über seinem Kopf aufzutauchen.
Als Takaya zum Fernseher blickte und sah, dass dort "Terminator 2" lief, stand für ihn fest, wo er den Film zu Ende schauen würde!
"Super! Du schaust den auch!" Ohne eine Antwort oder auch nur eine kleine Reaktion abzuwarten, stürzte er sich in Yutos Bett- direkt neben dem vermeintlichen Gastgeber, der immer noch nicht ganz verstand, was gerade passierte und warum es mit ihm passierte.
Takaya kroch unter die ohnehin schon schmale Decke und legte sich gemütlich hin.
Neugierige grüne Augen folgten seinen Bewegungen.
"Jetzt kommt gleich die beste Stelle vom ganzen Film! Pass auf, Arni haut dem gleich den Schädel ein!" Wie ein Kleinkind sich über einen Schockoladenriegel freut, freute sich sein Gegenüber über die ziemlich unrealistische Actionscene im Film.
Yuto erklärte sich sein plötzliches Erscheinen in seinem Zimmer damit, dass seine Schwester sich sicherlich weigerte den Film zu schauen und er deshalb zu ihm floh. Für Actionfilme hatte sie nämlich nicht viel übrig, sie mochte die grausamen und völlig unromantischen Handlungen nicht, erklärte sie immer.

Yuto merkte, wie er sich unbewusst verkrampfte und sich an die Wand drängte, um bloß Takaya nicht mit seinen Beinen oder Armen aus Versehen zu berühren. Dieser jedoch hatte gar kein Problem damit. Je mehr Platz Yuto machte, desto gemütlicher legte er sich zurecht und irgendwann war definitiv nicht mehr genug Platz, um irgendwohin auszuweichen! Die Schultern der Beiden berührten sich und Yuto versuchte sich nicht anmerken zu lassen, dass es ihn etwas unangenehm war.
Takaya war total in den Film vertieft und kommentierte jede noch so unwichtige Scene. Das war manchmal sogar ganz lustig, wie er mit dem Helden mitfühle und die "Bösen" mit sogenannten Kraftausdrücken beschimpfte, als würden sie ihn hören können.
Yuto konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen.
Je länger sie beieinander saßen, desto mehr schwand seine Nervosität. Als wäre es das normalste der Welt.
Und wirklich: °Er ist schließlich der Freund meiner Schwester, ich muss mich ja auch mit ihm verstehen. Oder? Was ist wenn sie irgendwann heiraten, bis dahin muss ich mich an ihn gewöhnt haben.°

"Na toll, wie immer an der spannendsten Stelle machen die Werbung!" seufzte Takaya und Yutos Herz machte wieder einen großen Sprung.
°Nein! Keine Werbung! Bitte nicht!°
Es herrschte kurz Stille im Raum. Anscheinend wusste keiner der Beiden so richtig, was er dem Anderen sagen sollte.
Plötzlich stand Takaya auf und Yuto folgte ihm aus dem Augenwinkel mit seinem Blick.
Er blieb vor dem großen Foto an der Wand stehen.
"Sind das deine Freunde aus der Musikschule?" fragte Takaya und betrachtete das Foto sehr genau.
"Ähm- naja nicht ganz alle. Das Mädchen ganz links ist Arashi, sie ist meine Mitbewohnerin und ist eine der fünf aus unserer Musikgruppe.“
Yuto freute sich, dass er ihn auf das Foto ansprach. Es war sein ganzer Stolz, die Erinnerung von einem großen Tag, festgehalten auf diesem Foto.
"Es ist ein Jahr her. Wir hatten einen Auftritt im Rathaus. Der Bürgermeister hatte uns höchstpersönlich eingeladen für die vielen Gäste zu spielen, es war wirklich eine große Ehre für uns."
Yuto wusste nicht genau, ob er auch aufstehen sollte oder doch lieber liegen bleiben sollte. Schließlich entschied er sich für die Mitte und setzte sich einfach hin.
"Ich war gerade mal vier Monate in der Schule und trotzdem hatten sie mir den Solopart zugetraut. Die schnelle Version von "Moonlight Sonate" von Beethoven- kennen Sie das? Ich meine- kennst du das zufällig?" korrigierte er sich schnell.
Takaya dachte kurz nach. Klassische Musik war wirklich nicht seine Stärke.
"Nein..." antworte er nur ganz kurz und wandte sich dann wieder dem Foto zu.
"Und wie hat es geklappt?"
Yuto musste lächeln, als er sich zurückerinnerte.
"Naja... ich hatte zwei kleine Fehler, aber die hat keiner gemerkt. Die Leute im Saal haben applaudiert und sind sogar aufgestanden. Deshalb denke ich, es war trotzdem ganz gut."
Takaya schmunzelte, als er sein verträumtes Gesicht sah.
"Wer sind die anderen auf dem Bild?" Takayas Frage holte Yuto aus seinen Erinnerungen zurück.
Er stand auf und stellte sich neben ihn. Die Drei hier sind Arashi, Taki und Saika, sie sind in meinem Alter, Arashi, ich und die Beiden, wir sind oft zusammen unterwegs."
Er zeigte auf zwei hübsches Mädchen,eins mit rotgefärbten Haaren, das ihn von hinten an den Schultern festhielt. Der Andere war ein ziemlich großgewachsener junger Mann. Er lächelte freundlich in die Kamera und machte mit der rechten Hand eine Victory- Geste. Er trug genau so einen schwarzen Anzug wie Yuto und zwei andere Männer auch. Die Mädchen hatten alle ein weißes Sommerkleid an und waren geschminkt.
"Acha." nickte Takaya, als wäre er mit Yutos Antwort zufrieden.
"Und die anderen?" ihm selbst fiel auf, wie ungewohnt neugierig er doch war.
Yuto zeigte auf zwei andere Personen in seiner Nähe. Eine Frau mit schwarzen kurzen Haaren und einer Brille und einen Mann, der eine Urkunde in die Luft hielt und herzlich lachte.
"Das ist Makonoto-sama, sie ist unsere Lehrerin und die Freundin von Seishiro-san, das ist der Mann mit der Urkunde. Er ist aber kein Musiker und war damals als Gast da."
Und wieder nickte Takaya. Es blieb also nur noch Einer auf dem Bild, über den Yuto noch nichts erzählt hatte. Es war ein junger Mann, der nicht sehr japanisch aussah, obwohl er pechschwarzes Haar hatte und schmalgeschnittene Augen.
Er hatte den Arm um Yuto gelegt und grinste frech in die Kamera. Wie aus dem Nichts, fiel Takaya wieder ein, wo er den Typen schon einmal gesehen hatte!
°Na klar! Das ist doch der Eine gewesen, der damals am Ende der Gams- Con mit ihm geplaudert und genauso wie hier auf diesem Bild seinen Arm um ihn gelegt hatte! Er war es mit Sicherheit!°
"Und der Kerl hier?" hackte Takaya mit brennendem Interesse nach und konnte die Antwort nicht abwarten.
Yuto schien kurz zu überlegen, um die richtigen Worte zu wählen.
"Der? Ach das ist nur ein Bekannter!" Und kaum hatte er den Satz zu Ende gesprochen, drehte er sich um und setzte sich wieder auf das Bett.
"Der Film geht weiter..." flüsterte er kaum hörbar.
Sein Gesichtsausdruck hatte sich verändert. War es weil Takaya ihn auf diesen Kerl angesprochen hatte?
°Ein Bekannter? Also nur ein Bekannter, sagst du? Hm... danach sieht das aber wirklich nicht aus...° dachte er sich und betrachtete nochmal genau das Gesicht des Mannes neben Yuto, als er sich dann schließlich wieder zurück zum Bett begab und sich auf seinen Platz hinlegte, um den Film weiter zu schauen.
Yuto blieb still und sagte kein Wort mehr und so entschied sich auch Takaya lieber nichts mehr zu sagen und einfach schweigend den Film zu Ende zu sehen.



Die ersten Sonnenstrahlen fielen in Yutos Zimmer.
Die Vögel sangen dem Morgen ihr schönstes Begrüßungslied und langsam hörte man, wie die Straße draußen wieder zum Leben erwachte. Im Fernsehen liefen die Morgennachrichten um sieben Uhr, doch es schaute ihnen keiner zu.
Yuto und Takaya schliefen tief und fest nebeneinander.
Die Decke lag halb auf dem Boden und Takayas Beine baumelten vom zu kleinem Bett runter. Mit dem Kissen hatte er sich das Gesicht versteckt, damit dort auch ja keine nervigen Sonnenstrahlen hinfielen und ihn aufweckten.
Sein Schnarchen war aber trotz des Kissens auf dem Gesicht zu hören.
Yutos T-Shirt war bis zur Brust hochgerutscht, seine Beine hatte er quer auf Takayas abgelegt und schlummerte seelenruhig.
Sein Haar, was immer noch mehr oder weniger zu einem kleinen Dutt hochgebunden war, sah total zerzaust aus, als hätte er alles andere diese Nacht gemacht, nur nicht geschlafen. Das Gesicht wurde sorgfältig in Takayas Schulter gestupst und er schnaubte friedlich im Schlaf.
Die Beiden boten wirklich ein sehr süßes Bild, wie sie nebeneinander dalagen und nichts ahnend vor sich hinträumten.
Während des Spielfilmes schienen sie wohl gestern beide eingenickt zu sein, deshalb lief auch immer noch der Fernseher.

"Beep beep beep beep beep..."
Ein lautes und nervensägendes Geräusch dröhnte durch das Zimmer. Yuto drehte sich auf die Seite zur Wand und legte seinen Arm auf das Ohr, um seinen Wecker nicht hören zu müssen.
°Heute ist doch Samstag, was soll das denn?° dachte er noch im Halbschlaf, doch genau in diesem Moment schreckte er panisch auf.
"Oh nein, heute habe ich doch Unterricht!"
Als er sich umdrehte, schnürte es ihm die Luft zu und verschlag ihm gleichzeitig die Sprache, als er Takaya in seinem Bett laut schnarchend entdeckte.
Sein Herz setzte für einen Moment aus und er krabbelte automatisch so dicht an die Wand, bis es nicht mehr weiter ging- er konnte seinen Augen einfach nicht glauben!
°Warum ist der Freund meiner Schwester bei mir- in meinem Bett?° Die Hände wurden schlagartig eiskalt.
°Ich muss hier schleunigst weg!° Panik ergriff ihn im nächsten Moment und das laute Piepen des Weckers klingelte in seinem Kopf wie eine Alarmanlage.
°Der Wecker! Wo? Wo ist er? Ich muss ihn schnell ausmachen!° hektisch riss er seinen Kopf in alle Himmelsrichtungen, um den Wecker in seinem Zimmer ausfindig zu machen.
°Schnell, sonst wachte er auf!°
Das Herz trommelte gegen die Brust und hastig zog er sein T-Shirt runter. Das Piepen schien unerträglich laut zu werden und endlich fiel es Yuto wieder ein, wo er den Wecker hingelegt hatte!
Auf dem Fußboden neben seinem Bett! Genau unter dem Platz, wo Takaya immer noch wie ein Stein schlief.
Ohne zu überlegen, ob es auch der beste Weg sei, den Wecker zu holen, streckte sich Yuto über den schlafenden Gast und versuchte mit der Hand nach dem Wecker zu greifen.
Krampfhaft achtete er darauf Takaya nicht zu berühren, während er nach dem Wecker auf dem Boden tastete. Und genau in dem Moment, wo er auf den "Aus"-Knopf drücke und das lästige Piepen aufhörte, rutschte Yuto mit der Hand am Boden aus und plumpste mit dem Bauch auf Takaya.
Sofort wachte dieser auf, schmiss das Kissen von seinem Gesicht und war wie ein Soldat bereit einen vermeintlichen Angriff von ihm abzuwehren.
Als er Yuto hilflos mit den Armen in der Luft rudern bemerkte, musste er laut auflachen. Es sah so witzig aus, wie er versuchte sich an der Bettkante hoch zu stützen, um von Takaya runter zukommen. Die Beine stemmte er gegen die Wand und gab sein Bestes nicht in das Gesicht seines Gastes zu sehen, denn die ganze Situation war ihm schrecklich peinlich.
"Was machst du denn da?" Takaya hievte sich hoch und griff Yuto an den Schultern, um ihn hoch zu helfen.
"Was sollte denn diese Aktion?" lachte er immer noch, als Yuto neben ihn auf das Bett plumpste und beschämt die Hände in den Schoß faltete. Sein Blick bohrte sich auf seine eigenen Knie.
Ganz leise, so als ob ihn jemand belauschen würde sagte er schließlich: "Ich wollte den Wecker ausmachen, ich schwöre ich wollte nicht auf Ihnen landen, ich bin an der Bettkante ausgerutscht- dann, dann bin ich plötzlich doch auf Sie gelandet. Es tut mir leid, es war wirklich keine Absicht! Ich- "

"Ist ja gut!" Takaya wollte das nervige Gestotter endlich beenden.
"Ist doch nichts passiert!"
Yuto wagte einen kleinen Blick nach oben. Takaya saß ihm genau gegenüber und versuchte das Durcheinander seiner Haare mit den Händen glatt zu streichen. Gegen seinen Willen, blieben Yutos Augen wie angeklebt auf Takayas Gesicht.
Es war sehr hübsch, fand er. Durch die dunklen Haare, die braunen Augen und die schwarzen langen Wimpern sah es etwas blass aus, doch es war immer noch sehr hübsch.
Irgendwie ungewöhnlich hübsch sogar, dachte sich Yuto und wünschte sein Gesicht würde wenigstens halb so schön aussehen, wie das von seinem Gegenüber.
Peinliches Schweigen trat ein und Beide versuchten den jeweils Anderen auszuweichen.
In den Nachrichten zeigten sie das Wetter und draußen fuhren Autos vorbei.
Yuto wünschte sich in diesem Moment nichts sehnlicher, als einfach im Erdboden zu versinken und nie wieder aufzutauchen.

"Du hast mich schon wieder gesiezt..." atmete Takaya schwer und enttäuscht aus und schaute aus dem Fenster nach draußen.
Yuto fühlte sich etwas beschämt, er hatte ihn tatsächlich wieder gesiezt, obwohl er ihn doch extra gebeten hatte damit aufzuhören...
"Wie spät ist es denn?" Takaya klang wieder wie immer und Yuto machte einen kleinen Hüpfer im Bett.
"Oje! Ich muss mich fertig machen, ich habe heute noch Unterricht!" Unbeholfen stolperte er aus dem Bett und hielt sein T-Shirt fest, damit es nicht wieder hochrutschte.
"Unterricht am Samstag?" fragte Takaya skeptisch.
"ja!" Hastig wühlte Ayumis Bruder nach seiner Uniform im Schrank.
"Ein mal im Monat haben wir auch Samstags Unterricht... Oje oje... ich komme zu spät!" Wie ein Verrückter durchforstete er den unordentlichen Kleiderschrank und fand endlich seine Uniform. Er schlüpfte auf einem Bein hüpfend in die Hose und Takaya beobachtete neugierig das Scenario vom Bett aus. Als er sich das große T-Shirt auszog, vergas er natürlich nicht sich von seinem Gast umzudrehen, so wie es Mädchen immer machten, wenn sie sich umzogen.
Takaya musste schmunzeln. °Genauso habe ich mir das Katzen-Mädchen damals vorgestellt- tollpatschig und süß.°
Er gab sich selbst einen Klaps auf die Stirn als Strafe für diesen Gedanken.
"Ich fahre dich."
Yuto drehte sich sofort um.
"Nein, nein, das ist schon ok. Ich muss nur den Bus in fünf Minuten kriegen, dann komme ich noch einigermaßen pünktlich an. Das passt schon. Vielen Dank!" plapperte er los, doch als Takaya aufstand und die Hand hob, verstummte er wieder.
"Ich wollte sowieso früher fahren, ich habe heute noch Training, deshalb ist das für mich gar kein Problem. Und außerdem..."
Er blieb an der Schlafzimmertür stehen.
"Außerdem schaffst du das nie im Leben in fünf Minuten!" Yuto schloss die Knöpfe seines Hemdes nicht mehr ganz so hastig und musste sich zugeben, dass er doch ziemlich Recht hatte, fünf Minuten wären schon wirklich mehr als sehr knapp gewesen.
"Also dann, ich gehe mich schnell anziehen und dann warte ich auf dich vor der Haustür draußen."
Yuto nickte kurz und sah, wie er aus dem Zimmer ging und die Tür hinter sich schloss. Einen Moment blieb er regungslos in seinem Zimmer stehen.
°Er ist doch ein netter Mensch, da hat sich meine Schwester aber den Richtigen geangelt!° lächelte er und zog sich dann weiter an.


"Ich hoffe du kennst den Weg!" Takaya stand an seinem Motorrad und hielt Yuto einen Helm und Handschuhe hin. Dieser konnte es kaum glauben: sie fahren gleich Motorrad!
Seine Augen leuchteten auf und er konnte seinen Blick von Takayas Maschine nicht abwenden.
"Ist das eine MT-03?" schwärmte er und Takaya staunte nicht schlecht, dass er sich so gut auskannte.
"Ja! Genau! Eine MT-03 von 2010, Stark oder?" Dass Ayumis Bruder sich "Terminator 2" anschaute, hatte ihn schon überrascht und dann noch das...
Was würde denn sonst noch alles kommen, überlegte er.
Damit Yuto sein breites Lächeln nicht bemerkte, setzte er vorsichtshalber den Helm auf und machte sich auf dem Sitz seines Motorrads bequem.
Auch Yuto setzte einen Helm auf, zog die Handschuhe an, die im Helm lagen und die Lederjacke seiner Schwester, die er auf dem Rücksitz fand. Dann setzte er sich direkt hinter Takaya. Er wusste nicht genau, wie er sich an ihm festhalten sollte und so entschied er sich ganz leicht in Takayas Lederjacke zu krallen, in der Hoffnung, es würde schon reichen, so schnell können sie ja auch nicht in der Stadt fahren.
"Bist du schon mal mit dem Motorrad gefahren?" startete Takaya den Motor und Yuto schüttelte kräftig den Kopf.
"Dann würde ich mich an deiner Stelle etwas besser an mir festhalten, sonst fliegst du runter! Das könnte sehr wehtun! Und in den Kurven nie dagegen lehnen, merk dir das!"
Kaum hatte er den Satz zu Ende gesprochen, fühlte er wie Yuto sich um ihn schlang und sich krampfhaft festkrallte. Er musste lachen dachte sich dann aber, besser so, als dass er später wirklich runterfällt...

Mit brummendem Motor fuhren sie los und Ayumi wachte in ihrem Zimmer vom diesem Krach auf. Sie rieb sich schläfrig die Augen und zog die Decke über ihren nackten Körper.
"Na so was, wo ist denn Takaya?" stellte sie verwundert fest, dass sie allein im Bett lag.


Der Unterricht lief schon seit 10 Minuten, als sie an der Schule ankamen.
Yuto zog die Sachen aus und verstaute sie in dem keinen Gepäckfach an der Seite des Motorrads. Auch Takaya nahm den Helm ab und schaute sich die Schule währenddessen an.
Sie war nicht sehr groß, doch sehr schön und im traditionellen Stil gebaut. Die letzten verspäteten Schüler rannten zum Gebäude und auch Yuto machte sich auf den Weg.
"Vielen Dank, dass du mich gefahren hast, ohne dich wäre ich eine ganze Stunde zu spät gewesen." verbeugte er sich von ihm und Takaya erinnerte sich sofort an diese Geste, als er sich vor Gästen der Games-Con freundlich verbeugte, die das Prospekt vom Cafe "Neko" an sich nahmen.
"Ach kein Problem, war ja nicht schwer." antwortete Takaya und zupfte seine Handschuhe zurecht.
"Also dann- " Den Satz konnte Takaya nicht ganz zu Ende sprechen, als er einen jungen Mann bemerkte, der vor dem Eingang nach Yuto rief.
Dieser schaute kurz zurück, wandte sich dann aber trotzdem schnell wieder zu Takaya.
"Danke nochmal."
Mit diesen Worten lief Yuto zum Eingang und wurde von dem Wartenden abgefangen. Er schnappte ihn bei den Schultern, doch Yuto duckte sich und konnte aus seiner etwas tollpatschigen Umarmung fliehen.
Erst beim zweiten Hinschauen bemerkte Takaya, dass es sich um keinen anderen handelte, als den Kerl auf Yutos Foto im Zimmer. Es war genau der Typ, den er seinen Bekannten genannt hatte und der damals auf der Games- Con mit ihm kurz zusammen war. Plötzlich klingelte Takayas Handy und riss ihn aus den Gedanken.
Als er sah, dass es Ayumi war, musste er die Augen verdrehen und laut seufzen.

"Wo bist du? Warum bist du einfach gefahren? Warum hast du mich denn nicht aufgeweckt? Ich wache auf und du bist weg! Und meine Eltern wissen auch nicht wo du bist! Was sollte das denn?"
Takaya hielt den Hörer weit von seinen Ohr, damit sein Trommelfell von Ayumis lauter Stimme nicht platzte. Erst als sie eine kleine Pause machte, um Luft zu holen, ging er wieder ans Telefon.
"Ich habe doch heute Training, schon vergessen!"
"Aber das ist doch erst Nachmittags um 16 Uhr!" startete Ayumi in die zweite Runde.
"Warum bist du dann trotzdem so früh gefahren? Und wo bist du jetzt überhaupt?"
Takaya ging ihr Gerede ziemlich auf die Nerven.
"Hör mal, Ayumi, ich habe keine Lust mich immer zu rechtfertigen."
"Aber..." Ayumis Stimme zitterte am anderen Ende. "So war das doch nicht gemeint, ich meine... bitte sei mir nicht böse, Schatz!"
"Ich bin schon mal nach Hause gefahren, weil ich nicht schlafen konnte und dich wecken wollte ich aus diesem Grund auch nicht. So einfach ist das!"
Über diese Antwort war er selbst etwas verwundert. Warum hatte er sich denn etwas ausgedacht und nicht einfach die Wahrheit gesagt?
Als Ayumi besänftig war und der Unterricht schon in vollen Gängen lief, machte sich Takaya auf nach Hause, wo seine Eltern schon auf ihn mit einer Überraschung erwarteten.



"Bin wieder zu Hause!" Takaya ging das Wohnzimmer, wo seine Eltern am Tisch saßen und frühstückten.
Suri, Takayas Mutter sprang fröhlich auf und eilte zu ihrem Sohn. Takaya verstand die Welt nicht mehr. Worüber freuten die sich denn so?
"Schatz, du hast einen Brief bekommen!"
Einen Moment lang grübelte Takaya was für einen Brief sie meinen konnte, den er erwartete. Doch dann fiel es ihm wieder ein und wie von Blitz getroffen wollte er etwas sagen, doch es kamen einfach keine Worte aus seinem Mund.
Die Mutter nickte, als sie sein erstauntes Gesicht sah.
"Die- Meister- schaft?" stotterte Takaya mit leiser Stimme und starrte seinen Vater an. Dieser verschränkte seine Arme und nickte lächelnd.
"Du darfst teilnehmen, mein Sohn. Herzlichen Glückwunsch!" sagte er stolz und Takaya konnte seinen Ohren nicht glauben. Hatte er das wirklich gerade gesagt?
"Scheiße! Ich glaubs nicht!!!!" rief er laut und seine Mutter hielt sich die Hände erschrocken vor den Mund.
"Ich habs geschafft! ich bin dabei!" Mit einem Ruck schnappte er sich seine Mutter, die bestimmt nicht schwerer war als 40 Kilo und drehte sich mit ihr einmal um seine eigene Achse. Mit hoher Stimme quickte sie auf und klopfte sanft auf den Rücken ihres Sohnes, damit er sie wieder runterließ.
"Ich glaubs wirklich nicht..." plapperte er vor sich hin.
"Du hast genau einen Monat und eine Woche Zeit dich intensiv darauf vorzubereiten. Also nutz die Chance! Heute Mittag beginnen wir mit dem Training! Und es wird nicht mehr so ein Weichei- Training wie sonst, verstanden?" befahl der Vater und Takaya nickte gehorsam.
"Ich will, dass du gewinnst!" Die Stimme seines Vaters und Trainers klang fordernd und dominant, doch Takaya war schon lange daran gewöhnt.
"Ich werde es sofort meinen Kumpels erzählen!" Kaum wollte Takaya in sein Zimmer hochlaufen, als ihn sein Vater wieder zurückrief.
"Du schläfst bis dahin nur zu Hause und deine Freundin darf auch nicht hier über Nacht bleiben!" brummte er und Takaya seufzte auf.
"Ach Vater, das ist doch ein alter Mythos, dass man keinen Sex vor einem Wettkampf haben darf! Aber wenn es dich beruhigt- ok..."
Sofort sprintete er die Treppen hoch und seine Mutter schaute ihn verzweifelt hinterher.
"Oh mein Gott! Hast du das gehört, Makoto? Denkst du etwa- sie machen das wirklich schon? Aber sie sind doch noch so jung... Das glaube ich nicht..." Sie faltete die Arme vor ihre Brust und schaute die Treppe hoch.
"Pah!"
Der Vater schlug wieder die Zeitung auf und las weiter.
"Heute ist die Jugend viel früher erwachsener. Nicht so wie wir..." lachte er laut auf.
"Kein Sex vor der Ehe, sag ihm das mal, er wird dich auslachen. Heute ist nichts mehr tabu, sogar Homosexuelle werden nicht mehr schräg angeschaut, wenn sie sich mitten auf der Straße küssen! Die Jugend geht den Bach unter, aber was willst du schon dagegen tun..." murmelte er, als sich seine Frau zu ihm setzte.
"Wir hatten uns doch damals auch nicht ganz daran gehalten..." sprach er kaum hörbar zu ihr. Wie auf Kommando lief sie rot an und schmunzelte.



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