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Freies Politikforum für Demokraten und Anarchisten

PLATTFORM FÜR LINKE GEGENÖFFENTLICHKEITEN

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LL-Demo 2014

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bjk

Beiträge: 7332
Ort: Berlin


New PostErstellt: 10.01.14, 08:32  Betreff:  LL-Demo 2014  drucken  Thema drucken  weiterempfehlen Antwort mit Zitat  

entnommen aus: http://www.dkp-berlin.info/termine/details/43-ll-demonstration-2014


Der nachfolgende Aufruf zur diesjährigen LL-Demo bringt den eigentlichen Anlaß des alljährlichen LL-Gedenkens ohne sektiererisch-ideologische Dogmen auf den Punkt, nämlich eine gemeinsame Ehrung von Karl und Rosa durch verschiedendste linke Strömungen. Gute Tradition des LL-Gedenkens ist, innerlinke Konflikte haben während der Gedenk-Demo zurückzustehen. (Einschub bjk)



Titel:
    LL-Demonstration 2014
Wann:
    12.01.2014 10.00 h
Kategorie:
    Demonstrationen & Aktionen

Beschreibung

12. Januar 2014, 10.00 Uhr, vom U-Bhf. Frankfurter Tor zur Gedenkstätte der Sozialisten in Friedrichsfelde

»Liebknecht kämpfte für uns alle«, schrieb Rosa Luxemburg, als man ihn nach der berühmten Maidemonstration 1916 auf dem Potsdamer Platz verhaftet hatte. »... Er hat gezeigt, dass man auch in Deutschland für seine sozialistische Überzeugung mit dem ganzen Menschen einsteht.«

Dieser Überzeugung, für die Rosa und Karl von der Reaktion ermordet wurden, fühlen wir uns unverändert verpflichtet. Wir gedenken ihrer mit unserer Demonstration im Rahmen der Luxemburg-Liebknecht-Ehrung am 12. Januar 2014. Es ist das Jahr, in dem sich der Beginn des Ersten Weltkrieges zum 100. Mal jährt.

1914 hatte Karl Liebknecht im Reichstag als einziger gegen die Kriegskredite gestimmt. Und Rosa Luxemburg stellte im selben Jahr fest: »Dass es die herrschenden Klassen sind, die allzumal zu Katastrophen treiben, dafür ist Deutschland heute ein klassisches Beispiel.«

Diese Einschätzung des Systems der Profitmaximierung fand im Faschismus und dem von Hitlerdeutschland nur 25 Jahre später mit dem Überfall auf Polen am 1. September 1939 ausgelösten Zweiten Weltkrieg, fand im Völkermord an jüdischen Menschen, Slawen sowie Sinti und Roma seine unfassbar grauenerregende Bestätigung.

»Wir brauchen keine Katastrophen«, hatte Rosa Luxemburg formuliert. Auch heute benötigen wir diese nicht. Wir brauchen keine Militärinterventionen. Nicht in Syrien, nicht in Mali, nicht im Iran. Nirgendwo. Wir brauchen keine Bundeswehrsoldaten in Afghanistan, in der Türkei oder andernorts. Wir brauchen keine Drohnenmorde und keine Rüstungsexporte. Wir brauchen keine zigmillionenfache Spitzelei durch NSA, BND und andere Geheimdienste, die die bürgerliche Demokratie zur Farce werden lassen. Wir brauchen keine Nazis und nicht deren in Krisenzeiten besonders gefährliche soziale Demagogie. Wir brauchen keinen Rassismus, keinen antimuslimischen, keinen Antisemitismus und keinen Antiziganismus. Wir brauchen keinen stetig wachsenden Sozialabbau, und nicht die damit einhergehenden Entwürdigungen von Millionen Menschen. Wir brauchen keine Rettungsschirme für Banken.

Wir - Linke verschiedenster Strömungen - demonstrieren friedlich gegen Kriege, für Menschlichkeit und Internationalismus - für eine solidarische, friedliche und sozial gerechte Welt.

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... ich tue was Linke tun, Ungerechtigkeit bekämpfen!
von Yossi Wolfson
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bjk

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New PostErstellt: 11.01.14, 07:06  Betreff:  Dossier: Karl und Rosa  drucken  weiterempfehlen Antwort mit Zitat  

entnommen aus: http://www.jungewelt.de/bibliothek/dossier/46



Dossier:
Karl und Rosa

Ich war, ich bin, ich werde sein!


Am 15. Januar 1919 wurden die Begründer von Spartacus-Bund und KPD, Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, in Berlin von Freikorps-Soldateska ermordet. Eines der folgenschwersten politischen Verbrechen des 20. Jahrhunderts - unter Beihilfe rechter SPD-Führer.


vollständiges Dossier lesen unter http://www.jungewelt.de/bibliothek/dossier/46




... ich tue was Linke tun, Ungerechtigkeit bekämpfen!
von Yossi Wolfson
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bjk

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New PostErstellt: 12.01.14, 19:05  Betreff:  bjk's Fotoimpressionen von der LL-Demo 2014  drucken  weiterempfehlen Antwort mit Zitat  

Tausende auf der LL-Demo 2014


69 Foto-Impressionen


Sämtliche Demo-Fotos dürfen bei namentlicher Nennung des Knipsers und Angabe der Quelle für nichtkommerzielle Zwecke gerne heruntergeladen, gespeichert und weiterverbreitet werden.


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Sammelpunkt U-Bahnhof Frankfurter Tor

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10 Uhr vorbei, die Demo wird gleich starten

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Krokodilstränenkranz der antikommunistischen Reaktion an der rotroten Schandklamotte

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heuchlerische "Erklärung" des Hetzkranzes

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primitive Kommunistenhetze

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Schande über die Berliner PDL, die provokatorischen Antikommunismus am Ehrenfriedhof der Sozialisten zuläßt und teilweise sogar mitträgt !!!

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postenundpfründegeile PDL-BerufspolitikerInnen entblödeten sich wieder nicht, auf die eingegitterte Schandklamotte mitregierungsanbiedernd ein paar Nelken abzuwerfen, Das Absperrgitter rund um die Schandklamotte ist übrigens ein bezeichnendes Alleinstellungsmerkmal auf dem ansonsten offenen Ehrenplatz der Sozialisten. Assoziationen zum aktuellen Hamburger "Gefahrengebiet" drängen sich auf. Wenn's nicht so traurig wäre, wär's zum Lachen.

60
die rotrote Schandklamotte wird sogar staatsmachtlich bewacht, ein Armutszeugnis der Berliner PDL

61
die Gedenkstätte der Sozialisten kommt dagegen ganz ohne Gitter und Bewachung aus!

62
am Mahnmahl liegen bereits Tausende Nelken

63
rundherum an der Gedenkmauer sind weitere Tausende Nelken abgelegt

64
geduldig wird gewartet, bis Nelken bei Karl und Rosa abgelegt werden können

65

65
nach der Ehrenbezeugung geht's heimwärts

66
das Schalmeien-Orchester Berlin "Fritz Weineck"

67
noch immer treffen DemonstrantInnen ein

68

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[editiert: 13.01.14, 11:18 von bjk]
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AriZona
New PostErstellt: 12.01.14, 22:32  Betreff: Re: LL-Demo 2014  drucken  weiterempfehlen Antwort mit Zitat  

Die Kommunistische Partei Middleton sendet den Teilnehmern der LL Demo ihre solidarischen Grüße und dankt für die nice pics. Rot Front Genossen!
Gez.
AriZona: Vorsitzende der KPM
AnnaConda: Vorsitzende der KPM

PS:
Die AAM sendet ebenfalls ihre Solidaritätsgrüße an die LL Demo und dankt für die kommiästhetischen Pics und an die Teilnehmer des Bündnises Rosa und Karl gehen besonders solidarische Grüße.
Gez.
VisConsin: Vorsitzedende der AAM
Autonome Antifa Middleton
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bjk

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New PostErstellt: 13.01.14, 08:41  Betreff: Re: LL-Demo 2014  drucken  weiterempfehlen Antwort mit Zitat  

erste Demoberichte in den Medien


http://www.taz.de/Luxemburg-Liebknecht-Gedenken/!130860/

http://www.jungewelt.de/2014/01-13/037.php

http://www.tagesspiegel.de/berlin/sags-mit-nelken/7623510.html

http://www.neues-deutschland.de/artikel/920548.tausende-beim-gedenken-an-rosa-und-karl.html




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Das Gleiche wie immer
New PostErstellt: 13.01.14, 19:38  Betreff: Du lernst es leider nie....  drucken  weiterempfehlen Antwort mit Zitat  

Gerade heutzutage mit Repression von Staatsseite und wieder zunehmender Anzahl an Nazibanden sollte doch solangsam selbstverständlich sein, dass die Gesichter auf den Bildern verpixelt werden, Genosse.

Nicht jede_r hat Lust ihr/sein Gesicht im Internet zu sehen.
Äußerst unsolidarisch
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bjk

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New PostErstellt: 13.01.14, 20:04  Betreff:  Das Gleiche wie immer ...  drucken  weiterempfehlen Antwort mit Zitat  

... zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit. Aber beim Universum bin ich mir nicht ganz sicher. (Albert Einstein zugeschrieben)



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von Yossi Wolfson
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bjk

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New PostErstellt: 14.01.14, 17:51  Betreff:  kleine Statistik zum Thread "LL-Demo 2014" - Update  drucken  weiterempfehlen Antwort mit Zitat  

Kleine Statistik zum 13. Januar 2014


BesucherInnen des Forums am 13. Januar: 3.048

diese haben zugegriffen auf 148.475 Seiten



Update am 15. Januar 7:15 Uhr


den Thread "LL-Demo 2014" besucht haben bisher 2.770 Personen

die Demo-Fotos heruntergeladen haben bisher 2.422 Personen




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von Yossi Wolfson


[editiert: 15.01.14, 07:19 von bjk]
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bjk

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New PostErstellt: 18.01.14, 06:55  Betreff:  Re: LL-Demo 2014  drucken  weiterempfehlen Antwort mit Zitat  

entnommen aus: http://www.jungewelt.de/2014/01-18/061.php



Information als Waffe

10000 oder 50000? Jedes Jahr lügen bürgerliche Medien die Teilnehmerzahlen der Liebknecht-Luxemburg-Kundgebung herunter

Von Dietmar Koschmieder



Es ist die größte regelmäßige antikapitalistische Manifestation im deutschsprachigen Raum: Jährlich gedenken am zweiten Januarsonntag 50000 bis 100000 Menschen der revolutionären Mitgründer der KPD, Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. Anfang der 90er Jahre machte man sich in allen Medien über diese »Erscheinung« lächerlich. Ein Auslaufmodell, ein biologisches Problem sei das: Wenn erst einmal die letzten Kommunisten weggestorben sind, wird es diese Art von Aufmarsch in der neuen alten deutschen Hauptstadt nicht mehr geben. Auch um dem entgegenzuwirken, startete die junge Welt 1996 die Rosa-Luxemburg-Konferenzen und hat sie bewußt auf den Tag vor dieser wichtigen Veranstaltung gelegt.

Seit 24 Jahren wird nun die LL-Kundgebung nicht mehr staatlich organisiert. Der erste sozialistische Staat auf deutschem Boden existiert nicht mehr. Die große antikapitalistische Manifestation im Januar aber hat Bestand. Daran konnten weder rabiate Übergriffe der Polizei noch Bombendrohung noch Spalterdemos etwas ändern. Ursache für die Lebendigkeit dieser Tradition ist aber nicht nur das Bedürfnis nach Würdigung der Lebensleistung von Liebknecht, Luxemburg und anderen Genossinnen und Genossen – sondern vor allem die wachsende Unzufriedenheit mit bestehenden Verhältnissen, die Wut auf das überlebte kapitalistische System, die Hoffnung auf eine gerechtere Zukunft.

Lächerlich macht man sich heute nicht mehr über diesen Fakt. Unterdrücken kann man auch, in dem man Information unterdrückt. Oder wichtige mit unwichtigen Meldungen vertauscht. So wird in der Berliner und anderen Zeitungen hervorgehoben, wie sich am Sonntag Klaus Lederer, Vorsitzender der Berliner Partei Die Linke, schützend vor zwei Antistalinisten stellt. Aber auch vor Lügen schreckt man nicht zurück: Die Zahl der Teilnehmenden an Kundgebung und Demonstration wird heruntergelogen. In diesem Jahr allerdings frecher als sonst. Obwohl die Gedenkstätte am letzten Sonntag besonders gut besucht war, meldete die Berliner Zeitung am Montag, daß im Laufe des Tages nach Angaben der Polizei 8000, nach Angaben der Partei Die Linke 10000 Menschen in Friedrichsfelde gewesen wären. Auch das Neue Deutschland behauptet in seiner Montagausgabe, daß »rund 10000 Linke aus ganz Deutschland (…) an den Gedenkveranstaltungen« teilgenommen hätten. Der Schreiber dieser Zeilen traf kurz nach 10 Uhr am Friedhof ein – zu diesem Zeitpunkt waren dort mindestens 20000 Personen im stillen Gedenken versammelt. Später stieß der Demonstrationszug mit mindestens weiteren 10000 Menschen hinzu. Und wie immer strömten darüber hinaus von den frühen Morgenstunden bis zum Nachmittag viele Menschen zum Ehrenhain. Es waren mindestens 50000 Teilnehmende, es können aber auch gut 80000 gewesen sein.

Bleibt die Frage, wieso seit Jahren hinsichtlich der Zahl der Teilnehmenden an diesen Veranstaltungen so offensichtlich gelogen wird. Ein Grund könnte darin liegen, daß alles, was auf ein Erstarken linker, gar revolutionärer Bewegung im Lande hinweist, ganz bewußt verschwiegen werden soll. So wie man eine beliebige Strömung durch einschlägige Berichterstattung großschreiben kann, gibt es auch Erfahrungen, wie man ganze Bewegungen medial kleinmacht. Medien sind Herrschaftsinstrumente, werden im Interesse einer Klasse eingesetzt. Weshalb wir über die bürgerlichen nicht verfügen und weshalb wir eigene klassenbewußte Medien so dringend benötigen. Und damit auch die junge Welt künftig nicht mehr undeutlich von Zehntausenden Teilnehmenden sprechen muß, sollten wir gemeinsam mit Unterstützern bei wichtigen Demonstrationen eine unabhängige Zählkommission einrichten. Denn Informationen sind Waffen im Klassenkampf.


Probeabo: https://www.jungewelt.de/abo/3wochenabo.php




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Beiträge: 7332
Ort: Berlin


New PostErstellt: 21.01.14, 08:58  Betreff:  Rosa-Luxemburg-Berlintour mit Dr. Seltsam - Teil 1 - 6  drucken  weiterempfehlen Antwort mit Zitat  

entnommen aus: http://kommunisten-online.de/mithilfe-der-matrosen-werden-uberall-arbeiter-und-soldatenrate-gebildet-die-fursten-treten-ab-es-fehlt-aber-die-verhaftung-der-reichsregierung-enteignung-der-banken-und-grosbetriebe-insgesamt-ist/



Die Rosa-Luxemburg-Berlintour mit Dr. Seltsam 2013



Rosa Luxemburg Teil 1

Zu Beginn 2013 bezahlte mir der Euopäische Sozialfonds eine Umschulung zum Stadtführer/Reiseleiter, aber in Berlin gibt’s ja alles schon. Durch die wunderbaren Bücher von Knobloch („Liebste Mathilde“) und Gietinger („Der Konterrevolutionär“) begann ich, die Lebensorte Rosa Luxemburgs wieder und wieder aufzusuchen und zu vergleichen, was in den verschiedenen Büchern über die Abschnitte ihres Lebens geschrieben wurde und stellte bald fest, dass das Bild Rosas als einer gestrengen Revolutionärin nicht immer stimmt und dass an ihren Lebensorten ihre Theorien gut zu erklären sind. Diese Rosa-Touren führe ich nun seit Oktober, jeden Donnerstag nach Voranmeldung tel. 01577 386 2029.

HERKUNFT

Geboren wurde sie am 5.März 1871 in Zamosc in Russisch-Polen. Polen als Staat existierte damals gar nicht, war zum dritten Mal geteilt zwischen den Großmächten Deutschland, KuK-Österreich und Russland. Das erklärt einiges in ihrem Leben, etwa die persönliche Teilnahme der längst Deutsche gewordenen Rosa an der Russischen Revolution von 1905, wo sie im Gefängnis vermodern sollte, und einen der wenigen Streitpunkte mit Lenin, der das Nationalgefühl der entrechteten Minderheiten für die Revolution nutzen wollte. Rosa war sehr gegen den Artikel des SDAPR-Programm des Rechts der kleinen Nationen auf Loslösung von Rußland, weil das nur die überlebte polnische Adelskaste begünstigen würde. Ihr Vater war Holzgroßhändler mit großem Haus am Marktplatz, ein Tourgast hat mir erzählt, dass man früher in Zamosc das falsche Haus gezeigt hat, aber jetzt das richtige Rosa- Geburtshaus besichtigt werden kann. Ich selber war noch nicht da, es gibt keine linken Reisen in diese interessante Gegend; aber Zamosc wirbt auch nicht damit, eigentlich kennt das kaum jemand.

Der Vater hatte geschäftliche Verbindungen bis nach Westeuropa, fuhr auch gelegentlich nach Berlin und war für die neugierige Tochter Quell aller aufregenden Erzählungen über die illegale deutsche Sozialdemokratie, damals die größte linke Bewegung der Welt und sie war wohl früh entschlossen, sich darin nützlich zu machen. Das Revolutionäre in Rosas Wesen kam also nicht daher, dass sie selber arm und unterdrückt war, sie war soziale Aufsteigerin nur in dem Sinne, dass sie als polnische Schülerin die russischen Beamtentöchter am Warschauer Gymnasium durch beste Noten deklassierte. Ihre lebenslange Empörung über unverdiente Privilegien bei frech ausgestellter Dummheit dürfte aus dieser Zeit stammen. Und sie hatte ein Handicap: Mit fünf Jahren befiel sie eine merkwürdige Krankheit, wahrscheinlich eine schmerzhafte Knochenentzündung, und die Ärzte wussten sich nicht anders zu behelfen, als ihre Hüfte ein Jahr lang einzugipsen. Seitdem hatte sie ein kürzeres Bein und „humpelte“ ein wenig.“Wer sie in diesen Tagen sah, wie sie hüftenwiegend durch die sonnigen Straßen ging, mit einem Gesicht, das in der Entspannung aufblühte, mit einer Stimme und einem Lachen voll Charme und Übermut, – wer sie so sah, behielt für immer die Erinnerung an ihren außergewöhnlichen Liebreiz.“ So später Henriette Roland-Holst, die bekannte sozialistische Millionärin aus Holland.

Zum Glück konnte sie während ihrer Liegezeit schon lesen und verschlang alles was ihr in die Hände kam, das schulte ihr Gedächtnis. Und sie wollte dem Dienstpersonal das ABC beibringen, das schulte ihre pädagogische Intelligenz. Ihr eigentlicher polnischer Name war Rosza oder Rozalia Luksenburg. Sie entstammte einer alten rabbinischen Familie, („jüdischer Adel“). Da haben wir nun alles beisammen, was das revolutionäre Feuer in ihr schürte: Intellektuelle Überlegenheit gegenüber der spießigen Schulumgebung, immer wache Abwehr wegen Behinderung und Judenspott. Natürlich lernte sie in diesem Treibhaus Selbstbewußtsein, selbständiges Denken und Sichwehren.

(…)

Wer denkt, Rosa käme aus der unkultivierten östlichen Steppe, erlebt bei einer Google-Recherche eine Überraschung: „The Old city of Zamosc“ gehört zum UNESCO Weltkulturerbe, 1630 geplante Anlage als Renaissancestadt, „PADUA DES OSTENS“. Die Landschaft heißt Wolhynien, Kreis Lublin,Ostpolen, heute im Grenzdreieck Weißrussland, Ukraine, Polen. In der Nähe lag das Vernichtungs-KZ Chelmno, 1939 wurden hier alle Juden in Abgasen von Lastwagen erstickt. Dann kam in den Propaganda-Wochenschauen der Zuzug deutscher Siedler aus den eroberten Ost- Gebieten, es hieß statt „Samosch“ nun ausgerechnet „Himmlerstadt“, die SS wollte diesen Gau „judenrein“ zur Musterkolonie der Auslandsdeutschen-Ansiedlung machen, ein eigenes Königreich für Kaiser Heinrich. Zynisch gesagt: Rosa ist einiges erspart geblieben. (5167 Zeichen)

Rosa Luxemburg Teil 2

JUGEND BIS 1900


Als Rosa drei wird, zieht die Familie in die Großstadt Warschau um, mit fünf wird sie krank, mit neun erfolgt ihre Aufnahme ins Zweite Mädchengymnasium, mit sechzehn tritt sie vermutlich als einzige Schülerin dem illegalen kommunistischen Zirkel „Proletariat“ bei und hat ihre erste Begegnung mit marxistischer Theorie. In der Schule hat sie beste Noten „in einer Umgebung, die eigentlich den Töchtern der russischen Besatzungsbeamten vorbehalten war“. Sie sagt später von sich selbst, sie sei eigentlich faul, aber ihr „gutes Gedächtnis“ beschert ihr stets gute Zensuren Sie lernt perfekt vier Sprachen polnisch , deutsch, französisch, russisch und z.B. beim Internationalen Sozialisten-Kongress wird sie offizielle Dolmetscherin für Jean Jaurès. Aber ihre eigentliche Begabung ist Statistik und Ökonomie.

1889 macht sie Abitur, unter ungeheurem Druck, denn die zaristische Geheimpolizei Ochrana ist ihr schon auf der Spur. Von Warschau flieht sie in die Schweiz, in einer Ladung Heu versteckt. Zürich ist die erste Uni Europas, wo Frauen studieren dürfen. In Zürich jobt sie bei Familie Carl Lübeck, deutsche Sozialdemokraten im Exil, wo sie den Haushalt führt. Neben dem Sudium beteiligt sie sich an der Gründung der SDKP, der „Sozialdemokratie des Königreichs Polen“, (das es zu der Zeit nur nominell gibt), schreibt illegal in der ersten linken Zeitung Polens „Arbeitersache“.

Bereits 1897, mit 26, erwirbt sie die staatswissenschaftliche Doktorwürde mit der Dissertation „Die industrielle Entwicklung Polens.“ (Leipzig 1898, in den Werken Band 1). Zuhause stirbt ihre Mutter an Krebs. Rosa hat es wirklich niemals leicht!

Ihr Ziel bleibt die revolutionäre SPD. Um nach Deutschland zu kommen, geht sie mit dem dritten Sohn der Lübecks, Gustav, eine Scheinehe ein. Das verhilft ihr zur preußischen Staatsbürgerschaft. Gustav war ein netter Kerl, wohl schwul, später versucht Rosa, ihm manchmal etwas Geld zu schicken. Um nach vier Jahren die Scheidung zu erlangen, wurde eine Prostituierte bestochen, um „Ehebruch“ vorzutäuschen. Auf Reisen in Italien trägt sie sich als Dr. Rosalia Lübeck ein. Gustav Lübeck war linker Arbeiter, Freund Erich Mühsams und Anarchist, der Kriege und Nazizeit überlebte, er verhungerte Ende 1945 in einem zerbombten Wohnhaus in der Zietenstraße 10, heute Werbellinstraße im proletarischen Rollbergviertel in Neukölln. Am 4.4.1903 wird das Scheidungsurteil gültig, Rosa ist frei.

Rosa-Luxemburg-Tour mit Dr. Seltsam jeden Donnerstag , Anmeldung Tel. 01577-3862029

(2480 Zeichen )

Rosa Luxemburg Teil 3

BERLIN! BERLIN!


Wenn man bedenkt, wie spießig um 1900 selbst fortschrittliche Menschen das Geschlechterverhältnis ansehen, können wir Rosa nur bewundern, wie sie mittels Beziehungs-Networking alles ganz modern managt. Mit geradlinigem Ehrgeiz verfogt sie ihre Ziele. Gustav Lübeck sorgt für den Pass, Leo Jogiches zahlt die Miete, Kostja Zetkin teilt ihr Bett, Hans Dieffenbach vererbt ihr sein Vermögen und Anwalt Levi wird ihr letzter Tröster. Aber die Männer sind für solch harte emanzipative Verhältnisse nicht bereit. Jogiches bedroht sie eifersüchtig mit Revolvern, Kostja findet sie zu anstrengend, Hans wird Soldat und Levi veröffentlicht rachsüchtig später ihre geheimen Gedanken über Russland, nachdem er aus der KPD geflogen ist und begründet damit den „Luxemburgismus“.

Aber jetzt ist Rosa 27, frisch gebackene Doktorin und zieht im Mai 1898 nach Berlin. Das kennen wir ja alle hier: Die erstbeste Bleibe wird genommen, meist zu teuer, dann die zweite schon in der Gegend wo es einem gefällt, die dritte oder vierte Wohnung ist dann die eigentliche, wo man bleibt und lebt. Rosas erste Adresse in Berlin ist die Cuxhavener Straße 2, Gartenhaus links für 120 Mark. Brieflich entschuldigt sie sich bei Jogiches, der bezahlt, für die hohe Miete. Die Adresse gibt es heute nicht mehr., nicht mal die Straße, alles ist modern überbaut vom Hansaviertel. Der Ort heißt heute Klopstockstraße 23. Hier gibt es eine Gedenktafel vom Bezirk für Lovis Corinth, der zur selben Zeit dort lebte, aber nicht für Rosa. Wer das Gefühl nachempfinden wills, wie Rosa in dem frischen palastartigen Neubau wohnte, kann das in der Botschaft von Honduras jenseits der S-Bahn im Restteil der Cuxhavener Straße sehen oder in der Haydnstraße 1 am S-Bahnhof Tiergarten. Keine 500 Meter von hier entfernt wird sie 20 Jahre später ermordet. Aus dem äußerlich so prächtigen Wohnblock schreibt sie entsetzt nach Zürich: „Und erst die Reinlichkeit! Ich weiß nicht, woher das Märchen von den reinlichen deutschen Hausfrauen stammt; ich habe hier noch keine einzige gesehen!“

Überraschend fix schafft sie es in den innersten Führungszirkel der SPD. Sie marschiert einfach in die Katzbachstr. 9 in Kreuzberg: Die erste legale SPD-Zentrale (Brave Gedenktafel an der Hauswand: Hier schufen Bebel, Liebknecht , Singer die moderne SPD…), Rosa wird von Singer sofort als Wahlkampfhelferin für Schlesien eingesetzt und Partei-Referentin .Sie befreundet sich mit Kautsky, Mehring, Zetkin, Bebel und den anderen Größen, Auf „Familien“-Feiern wird gestritten und geflapst. „Rosa, nach der Revolution wird man dich erschießen müssen“, orakelt Papa Bebel, Rosas Antwort: „Oder Dich!“

1898 wird sie bereits Chefredakteurin der Sächsischen Arbeiterzeitung, alles im ersten Jahr nach ihrer Ankunft in Berlin! Und sie nutzt ihre Position gleich revolutionär zur Polemik gegen die Reformisten. Ihre Artikel sind die allerersten gegen Bernstein („Die Bewegung ist alles, das Endziel nichts.“) und so hilft sie auf dem SPD-Parteitag 3.-5 Oktober 1898 in Stuttgart den ideologischen Sieg über den Revisionismus zu erringen. Bebel will die Revolution in der Arbeiterbewegung am Leben erhalten, aber er will auch die Einheit der Partei. Rosa dagegen fordert klar den Ausschluß Bernsteins, ehemals Sekretär von Engels! (In „Sozialreform oder Revolution“1898/ 99) Mit 27 Jahren!

Wie müssen sich die in mühsamer Ochsentour ergrauten Alten vorkommen, als sie von der jugendlichen begabten Polin runtergeputzt werden?! Ich empfinde Rosa als ganz modernen jungen Menschen: Studieren, die Welt sehen, Doktor machen, mit Chuzpe eine Stelle finden, angestrengt arbeiten. Nur ist sie im Unterschied zu unseren heutigen Yuppies eben antikapitalistisch, kritisch und revolutionär. Für die heutigen Karrieristen in der Linken gilt Ulrike Meinhofs Verdikt: „Wer in der Bewegung nur seine persönliche Lage verbessern will, wird sie über kurz oder lang auch durch Verrat verbessern“. Ignaz Auer, Bayrischer Revisionist, über RL:“Diese gescheite Giftnudel wird auch nach Hannover kommen. Ich habe Respekt vor ihr. Sie aber haßt mich aus tiefstem Herzensgrund.“ (4000 Zeichen)

Dr.Seltsams Rosa-Luxemburg-Tour, jeden Donnerstag , Anmeldung 015773862029

Rosa Luxemburg Teil 4

MASSENSTREIKDEBATTE IM FRIEDLICHEN FRIEDENAU


Die S-Bahn nach Potsdam gab es schon 1900, es war eine der ersten Bahnlinien in Preußen, kongenial von Menzel gemalt. Damals noch mit Dampf. Rosa stieg am Anhalter Bahnhof in die Wannseebahn ein und am Bahnhof Friedenau wieder aus.Es ist dort heute noch fast so schon gemütlich und altertümlich wie zu Rosas Zeiten. Am Cafe im S-Bahnhof Friedenau beginnt immer unsere Rosalux-Stadtführung.

Wilhelm-Hauffstr. 4 in Friedenau, zur Untermiete ab 15.8.1899, das Haus existiert nicht mehr. Dann um die Ecke umgezogen: Wielandstr. 23, 1900-1901, Gedenktafel vom Bezirk. RL wohnte zur Untermiete im schönsten Zimmer, 2.Etage für 80 Mark incl. Frühstück, Plüschmöbel und großer Schreibtisch. Um die Ecke wohnt in der Saarstrasse 14 Familie Kautsky und lädt sie immer zum Essen ein, was ihr gar nicht passt. Bürgerliche Gegend, noch heute kann man die eleganten Hausfassaden sehen. Heute wohnt man hier vom Autobahnrauschen gestresst, aber tolle Bahnstation mit Cafe. sehr nett, ganz unbekannte Szene-Ecke Berlins. In dieser Zeit widmet RL sich verstärkt der Flottenpoltik, der Agitation in den deutsch besetzten polnischen Gebieten und untersucht die aufstrebenden US-Amerikanischen Finanztrusts. Leo Jogiches zieht zu ihr und gemeinsam organisieren sie die polnischen Sozialdemokraten . Rosa wird Delegierte zum Kongress der II. Internationale in Paris, wird in das Büro der Internationale gewählt. Leider wieder das alte Muster ihres Lebens: Während Rosa „Karriere“ macht, stirbt ihr Vater. Diese Gegensätze ihres Lebens setzten sie so unter Spannung, dass sie öfter Migräne hat und dann nichts arbeiten kann; noch in ihrer Todesnacht wird sie unter Migräne leiden.Reichen eigentlich ihre kargen Parteieinkünfte und Honorare für die großen Zimmer in dieser gutbürgerlichen Gegend? Sie erhält etwas Geld von ihrer Familie, Leo Jogiches gibt das meiste dazu und zieht bei ihr ein. Das geht aber nicht lange gut.

Cranachstr. 58 1901-1911 Die entscheidenden 10 Jahre im Leben Rosas.(Unter der S-Bahn Friedenau hindurch, Dürerplatz, dann bis zum Eisladen) Hier eine große Gedenkstele aus Bronze auf dem Fußweg am Baumkranz , also wohl vom Hausbesitzer nicht gestattet. Kann mir vorstellen, dass sie hierhin umgezogen ist, weil sie Abendsonne und im Grünen wohnen wollte und endlich eine eigene Wohnung hatte, Miete gemeinsam mit Leo Jogiches,. Balkone fehlen heute, es gibt ein schönes Foto mit Clara Zetkins Sohn Kostja auf dem Balkon 2.Etage. „…der Lebenspuls wird stark, man fühlt, dass man lebt und nicht vegetiert, und ich hasse so das Vegetieten, daß ich mich dagegen und gegen Friedenau jeden Augenblick auflehne.“ (Brief an Kostja) Das gilt wohl den Nachbarn.

24.8.-25.10.1904 Amtsgerichtsgefängnis Zwickau wg. Majestätsbeleidigung. Insgesamt muß Rosa bis 1919 neunmal für Monate ins Gefängnis, im Krieg für Jahre, immer wegen politischer Aussagen.

1905 Revolution in Rußland. RL mit Jogiches in Warschau inhaftiert, SPD-Vorstand bezahlt 3000 Rubel Kaution. Rosa tobt, aber Bebel wollte sie nicht im russischen Knast verschimmeln lassen. Jogiches flieht auf eigene Rechnung, über den Körper einer schönen Frau, das erträgt Rosa nun gar nicht, sie nimmt sich den jungen Kostja.

1906 Massenstreikdebatte „Massenstreik, Partei und Gewerkschaften“, Hamburg(!) 1906. Große Auseinandersetzung in der SPD, Politischer Generalstreik ja oder nein. Rosa empfiehlt aus den Erfahrungen der Russischen Revolution 1905 den Massenstreik / Generalstreik für demokratische Forderungen in das Arsenal der Sozialdemokratie aufzunehmen. Wird von der Gewerkschaftsbürokratie und der Parteirechten bekämpft. Bebel-Kompromiß: Kein Generalstreik darf in Deutschland stattfinden ohne Genehmigung der Gewerkschaftszentrale! Lächerlich! Als ob die Proleten darauf warten würden, wenn es einmal wirklich losgeht!

Danach schreibt 1907 Erich Mühsam sein Spottgedicht auf die rechten Sozis das Lieblingsgedicht alter SPD-Mitglieder:

„Der Revoluzzer" - gewidmet der deutschen Sozialdemokratie.

War einmal ein Revoluzzer, im Zivilstand Lampenputzer,
ging im Revoluzzerschritt mit den Revoluzzern mit.

Und er schrie: „Ich revolüzze!“ Und die Revoluzzermütze
schob er auf das linke Ohr, kam sich sehr gefährlich vor.
Doch die Revoluzzer schritten mitten in der Straßen Mitten,
wo er sonsten unverdrutzt alle Gaslaternen putzt.

Sie vom Boden zu entfernen, rupfte man die Gaslaternen
aus dem Straßenpflaster aus zwecks des Barrikadenbaus
Aber unser Revoluzzer schrie: „Ich bin der Lampenputzer
dieses guten Leuchtelichts. Bitte, bitte tut ihm nichts!

Wenn wir ihm das Licht ausdrehen, kann kein Bürger nichts mehr sehen.
Laßt die Lampen stehn, ich bitt! Denn sonst spiel’ ich nicht mehr mit!“
Doch die Revoluzzer lachten, Und die Gaslaternen krachten,
Und der Lampenputzer schlich fort und weinte bitterlich.

Dann ist er zuhaus geblieben und hat dort ein Buch geschrieben:
Nämlich, wie man revoluzzt und dabei doch Lampen putzt.

(4500 Zeichen)

Rosa Luxemburg Teil 5

LENIN IN DER CRANACHSTRASSE


Endlich ist es soweit: Rosa fühlt sich einigermaßen gesettelt: Der SPD-Vorstand stellt sie als Redakteurin beim Vorwärts ein. Ein Jahr später eröffnet in einer Fabriketage die Parteischule. Rosa hat erstmals regelmäßige Einkünfte, kann sich ihre Wohnung in der Cranachstraße gut einrichten, Planen, Urlaub machen.

1907 fährt sie zum V.Parteitag der (russischen) SDAPR in London 13.5-1.6. RL ist sowohl Delegierte für die SPD als auch für die polnische SDKPil. Unterstützt in allen Fragen die Bolschewiki.

1907 Stuttgarter Sozialisten-Kongress 18.-24.8.1907 Rosa unterstützt mit Lenin folgende Resolution:

„Droht der Ausbruch eines Krieges, so sind in den beteiligten Ländern die Arbeiter und ihre parlamentarischen Vertreter verpflichtet, alles aufzubieten, um den Ausbruch des Krieges durch Anwendung entsprechender Mittel zu verhindern, die sich je nach der Verschärfung des Klassenkampfes und der allgemeinen politischen Situation naturgemäß ändern und steigern. Falls der Krieg dennoch ausbrechen sollte, sind sie verpflichtet, für dessen rasche Beendigung einzutreten, und mit allen Kräften dahin zu streben, um die durch den Krieg herbeigeführte wirtschaftliche und politische Krise zur politischen Aufrüttelung der Volksschichten und zur Beschleunigung des Sturzes der kapitalistischen Klassenherrschaft auszunutzen.“ Also falls die Imperialisten Krieg anfangen, sollen die Arbeiter mit Revolution antworten.

12.Juni-12. August 1907 Gefängnis Barnimstraße „Zwei Monate im Abtritt wohnen.“

Parteischule 1. Oktober 1907 . Rosa wird anstelle des „Schönen Rudolf“ Hilferding Dozentin an der SPD- Parteischule, im neuen Vorwärts-Gebäude in Kreuzberg, Lindenstr. 3, 2. Hof, 4 Treppen, für Nationalökonomie, erhält 3000 Mark pro Semester. Schule, Straße und SPD-Haus: Heute alles vom neuen Mehringplatz/West überbaut. Kein Denkmal, kein Hinweis. Anfrage bei der Gedenktafel-Kommission Kreuzberg erfolglos.Wenn man die alten Straßenpläne über die heutigen legt, dann wäre der Ort der Parteischule etwa im zweiten Kreis des Mehringplatzes, just dort, wo das „Bürgerbüro“ der Abgeordneten Wawziniak der Linkspartei liegt. Ob die wohl genug Wumm hat, um sich an das Gedenken der unbeugbaren Kommunistin Rosa zu heranzuwagen?

1908, 4. Januar Besuch von Lenin und Krupskaja in der Cranachstr. 58.

„Heute war wieder einer aus Rußland hier und hat mir das Herz ganz wund gemacht.“ RLBriefe2, 321) Lenin bringt ihr den linken Kalender 1908 mit seinem Bericht vom Sozialistenkongress, worin er Rosa sehr lobt. Lenin hält Rosa zeitlebens für die bedeutendste Verbündete der Bolschewiki in Deutschland. Weil die SPD-Rechten sie an der Teilnahme am Sozialistenkongreß hindern wollten, besorgte ihr Lenin ein Mandat der russischen SDAPR, um die Antimilitaristen zu stärken. Der Kampf gegen den drohenden Weltkrieg wurde immer wichtiger und Lenin forderte die rechtzeitige Loslösung der Linken von der opportunistischen SPD. Luxemburgs Kritik an Lenin wurde später von SPD-Seite überschätzt. Rosa war durchaus für die Diktatur des Proletariats, ihre berühmten Worte sind gegen die Verhältnisse unter unserer kapitalistischen „Pressefreiheit“ gerichtet: „Das öffentliche Leben der Staaten mit beschränkter Freiheit ist eben deshalb so dürftig, so armselig, so schematisch, so unfruchtbar, weil es sich durch Ausschließung der Demokratie die lebendigen Quellen allen Reichtums und Fortschritts absperrt…Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden.“ Soviel Rosa über unsere Bundestagswahlen, wo 95 % für den Kapitalismus stimmten.

Nachruf Lenins über Rosa Luxemburg:“—ein Adler kann wohl manchmal tiefer hinabsteigen als ein Huhn, aber nie kann ein Huhn in solche Höhen steigen wie ein Adler. Rosa Luxemburg irrte in der Frage der Unabhängigkeit Polens; sie irrte in der Beurteilung des Menschewismus…, sie irrte in ihren Gefängnisschriften (wobei sie selbst ihre Fehler 1918 korrigierte). Aber trotz aller dieser Fehler war sie und bleibt sie ein Adler…“Die deutsche Sozialdemokratie ist nach dem 4. August 1914 ein stinkender Leichnam“ – mit diesem Ausspruch wird ihr Name in die Geschichte der Arbeiterbewegung der ganzen Welt eingehen.“ LW33, 184 (4000 Zeichen)

Rosa Luxemburg Teil 6

DIE LETZTE WOHNUNG


Endlich erleben wir Rosa etwas beschwingt: Drei Jahre lang von 1906 bis 1909 dauert die Liebe zu Kostja Zetkin. Mutter Clara ist sauer, Ex-Lover Jogiches ist sauer, aber Rosa steht zu ihrem Jungen. Dann verliert er selber die Lust an dieser anstrengenden Freundin. Rosa gibt ihn frei. Das sind ziemlich emanzipiertze Briefe, die es da von ihr zu lesen gibt. Kein Jammern, kein Nachtreten, kein erpresserisches Trauern, stattdessen plant sie gemeinsam mit der Freundin Luise Kautsky die ersehnte große Reise nach dem Süden, April bis September 1909: Stuttgart, Zürich, Genua, Gardasee, Sestri Levante, St. Gallen. Sie trägt sich ein als Dr. Rosalia Lübeck..

Und wieder ein Umzug. In Friedenau ist es mittlerweile nicht mehr ländlich genug. Der Weg geht so: Cranachstraße, Thorwaldsenstraße, Grazer Damm, Steglitzer Damm, fünfte rechts:

Biberacherweg 2. 1911-1919 hieß das hier Lindenstr.2 in Steglitz., S-Bahn Attilastraße bzw. S-Bahn Südende.

Das alte Haus ist weg, in einem häßlichen Neubau residiert eine Investmentfirma. Nur Nachbarn aus Nr. 3 erinnern sich noch, dass eine alte Bewohnerin mal von der Roten Rosa erzählt habe. Keine Gedenktafel hier. Rosa liebte diese Gegend, weil sie damals noch unbebaut war und sie oft in der Natur spazierengehen konnte: 7.11.18 Mieterhöhung. „Mir graute vor dem Gedanken, daß Sie nun auf die Suche nach einer neuen Wohnung gehen müßten und daß wir unser liebes Nest in Südende verlieren könnten“ so in ihrem letztern Brief an ihre Sekretärin Mathilde Jacob.

Hier entsteht 1913 „Die Akkumulation des Kapitals“ in der Buchhandlung. Paul Singer, das ist der hochoffizielle SPD Parteiverlag: Der Versuch, „Das Kapital“ von Marx weiterzuschreiben. Die rechtzeitige Übernahme der kapitalistischen Wirtschaft in die Hände der Arbeiter („geplante Genossenschaftsökonomie“) würde Krisen und Kriege verhindern. Die imperialistische Wirtschaft wird wachsen, bis sie die ganze Erde erfaßt und dann möglicherweise von selbst zusammenbricht, falls die Arbeiter ihr nicht rechtzeitig den Garaus machen.Wie es früher allenthalben „Kapital“-Lesekreise gab, so weiß ich heute von „Akkumulation“-Lesekreisen, aus denen mir gesagt wurde, dass das direkt anschließende Werk, die „Antikritik“ noch viel besseren Stoff zur Einsicht in die Ökonomie böte. Ich weiß das nicht genau, ehrlich gesagt vermag ich Rosas theoretisches Hauptwerk nicht zu kritisieren, die Ergebnisse ihrer Forschung liegen noch zu weit in der Zukunft, um entscheiden zu können ob sie Recht hat oder nicht. Als leicht verständliche Einführung empfehle ich das Suhrkamp-Buch über Rosa von Dietmar Dath. Wir Linken sollten wieder mehr politische Ökonomie lernen und diskutieren.

Ob der Investmentberater in Nr. 2 weiß, auf welchem Vorgänger sein Geschäft gebaut ist?

(2645 Zeichen)

Dr. Seltsams Rosa-Luxemburg-Tour jeden Donnerstag. Anmeldung 015773862029.



... ich tue was Linke tun, Ungerechtigkeit bekämpfen!
von Yossi Wolfson


[editiert: 21.01.14, 08:58 von bjk]
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New PostErstellt: 21.01.14, 09:05  Betreff:  Rosa-Luxemburg-Berlintour mit Dr. Seltsam - Teil 7 - 12  drucken  weiterempfehlen Antwort mit Zitat  

Dr. Seltsams Rosa-Luxemburg-Tour jeden Donnerstag. Anmeldung 015773862029.


Rosa Luxemburg Teil 7

DER ERSTE WELTKRIEG


Im Jahr 2014 werden eine Menge Bücher erscheinen, die den Ausbruch des Ersten Weltkrieges als zufällige dynastische Fehde von Rache und Ehre darzustellen versuchen. Dabei war Lenin, Luxemburg und den paar europäischen Linken klar, dass nun die imperialistische Weltaufteilung mit Gewalt erfolgte. Von Beginn an versuchte der deutsche Militarismus, seine Hauptgegnerin mundtot zu machen. Bereits am 20.Februar 1914 gab es den großen politischen Prozess gegen Rosa vor dem Landgericht Frankfurt mit der Strafe von 1 Jahr Gefängnis, nur weil sie auf einer Kundgebung gesagt hatte, Deutsche und Franzosen würden niemals aufeinander schießen. Das ist das Jahr, das sie im Weibergefängnis Barnimstraße absitzen wird, wo sie die berühmte Juniusbroschüre verfaßte. Fast muß man den Richtern dankbar sein, dass sie die Gelegenheit zu dieser mitreißenden Polemik geliefert haben. Schon ein paar Monate später am 29.Juni im Kriminalgericht Moabit versuchte die Heeresleitung sie wegen Beleidigung der Armee zu bestrafen, weil Rosa Mißhandlungen an Rekruten anprangerte. Nachdem über tausend Soldaten bereit waren, als Zeugen für Rosa aufzutreten, wurde dieser Prozess erst verschleppt und schließlich ohne förmliche Einstellung vergessen, weil die Generäle eine tödliche Blamage fürchteten. So kämpfte Rosa gegen den Kriegsausbruch, während um sie her schon alles zusammenbrach. Nun war sie Kassandra, diese letzten Sommerwochen bis zum August müssen für sie von hoffnungsloser Klarsicht erfüllt gewesen sein, wenn man nur die Daten sprechen läßt:

28.Juni 1914 Das tödliche Attentat auf den Österreichischen Kaiserthronfolger in Sarajewo durch serbische Nationalisten.

5.Juli 1914 Kaiser Wilhelm II. ermuntert Österreich zum Krieg.

28.Juli 1914 Österreichisches Ultimatum an Serbien, Kriegserklärung.

28.Juli 1914 Die SPD organisiert überall große Massenversammlungen gegen den Krieg mit Hunderttausenden Teilnehmern

29.Juli 1914 Südekum versichert dem Reichskanzler im Namen von SPD und Gewerkschaft , dass die Arbeiter nichts gegen den Krieg unternehmen werden.

29.Juli 1914 Letzte Anti-Kriegsdemonstration auf dem Hermannplatz Berlin Kreuzberg.

1.August 1914 Mobilmachung, Kriegserklärung Deutschlands an Rußland.

4. August 1914 Die gesamte SPD-Fraktion stimmt den Kriegskrediten zu („Die Schande der SPD“), gleichzeitig erfolgt der absolut völkerrechtswidrige Einmarsch deutscher Truppen in das neutrale Belgien, um Frankreich zu schlagen, mit dem es gar keine aktuellen Streitfragen gibt. Nationaler Wahnsinn bricht aus.

Erst am 2. Dezember 1914 stimmt Karl Liebknecht als erster und vorerst einziger gegen die Kriegskredite.

Zuvor noch der verzweifelte Versuch, die Internationale zu retten: In Brüssel wendet sich am 29./30. Juli 1914 ein Kongress des Büros der II. Sozialisten-Internationale pathetisch gegen Krieg.

„Man wollte Rosa Luxemburg hören, weil man hoffte, diese merkwürdige Frau, die schon eine Tradition als Radikalistin hatte, könne einen Ausweg aus dem bevorstehenden Jammer zeigen. Rosa Luxemburg saß traurig gebrochen auf der Rednertribüne. Sie schaute sich mit einem wehmütigen Lächeln die bei ihr sitzenden Führer und auch Jaures an und sagte nichts. Ich wußte, dass sie in Deutschland einen Prozess wegen ihres Antimilitarismus hatte. Ich versuchte, in ihrem damals sehr traurigen Blick und wehmütigen Lächeln zu lesen und fand, dass sie damit der Masse eine stumme, grausame Rede hielt. „Was wollt ihr? Wie kann ich, eine einzelne Frau, die in der Partei von jedem bekämpft wird, für euch etwas tun? Wenn eure größten und angesehendsten Führer, ein Jaures, auch nichts wollen, nur Reden halten. Eure Führer fürchten, ein Opfer zu bringen.“ Heute weiß ich ganz genau, dass ich Rosa Luxemburgs nicht gehaltene Rede richtig hörte.“ So beschreibt es Emil Sittya, ein polyglotter Zeitzeuge.

31.Juli 1914 wird Jean Jaurès in Paris auf offener Straße ermordet. Die ersten Schüsse des Krieges treffen den weltberühmten Pazifisten. Am Beginn eines jeden Krieges, von Gleiwitz bis 9/11, steht solch eine Provokation der Kriegstreiber. (3800 Zeichen)

Rosa Luxemburg Teil 8

DIE JUNIUS-BROSCHÜRE


Vom Winter Februar 1915 -bis Februar 1916 verbringt Rosa die einjährige Gefängnishaft aus dem Frankfurter Urteil im „Königlich-preußischen Weibergefängnis“ Barnimstraße 10, Zelle 8. Sie hat Magenschmerzen, ihr Haar wird weiß. „Die Dividenden steigen, und die Proletarier fallen.“ Heute ist das düstere Gebäude abgerissen, einem Verkehrskindergarten gewichen und das ist gut so. Selbst die Straße ist nur zu finden, wenn man sie kennt. Als ich die Stelle suchte, in der Nähe der Tramstation Büschingstraße, fand sich eine nette Anwohnerin, die mich im Regen dahinführte. Es gibt eine kleine Informationstafel am Zaun und eine bronzene/goldene Gedenkstele am Nebenausgang Weinstraße aus der DDR.

Die JUNIUS-Broschüre, 1915 in der Haftzelle geschrieben und rausgeschmuggelt und in Zürich gedruckt, ist eine geniale Abrechnung mit der SPD: „Die Krise der Sozialdemokratie.“- „Geschändet, entehrt, im Blute watend, von Schmutz triefend – so steht die bürgerliche Gesellschaft da, so ist sie. Nicht wenn sie, geleckt und sittsam, Kultur, Philosophie und Ethik, Ordnung, Frieden und Rechtsstaat mimt – als reißende Bestie, als Hexensabbat der Anarchie, als Pesthauch für Kultur und Menschheit -, so zeigt sie sich in ihrer wahren, nackten Gestalt. Mitten in diesem Hexensabbat vollzog sich eine weltgeschichtliche Katastrophe: die Kapitulation der internationalen Sozialdemokratie...“ mit der Kriegszustimmung. Lenin schreibt „Über die Junius-Broschüre“: „Man spürt den allein Dastehenden, der keine Genossen in einer illegalen Organisation hat, die revolutionäre Losungen bis zu Ende durchdenken,… die diese Aktionen unbedingt durchführen: 1. Das Abstimmen gegen den Krieg. 2.Sprengung des Burgfriedens.3.Schaffung einer illegalen Organisation.4. Verbrüderung der Soldaten. 5. Unterstützung aller revolutionären Massenaktionen…Bürgerkrieg.“ Traurig, aber wahr.

Die Junius-Broschüre ist eine gewaltige Polemik, die offenbar versucht, die SPD trotz allem doch noch zu erreichen und vom völligen Versinken im Burgfrieden-Verrat an der sterbenden Arbeiterklasse abzuhalten. Aber die SPD-Führung selber spaltet nun die „linksextremen“ Kriegsgegner ab und läßt sie verfolgen, am Ende entsteht die USPD, nicht etwa durch Abspaltung der Linken, sondern sie werden als kleines Häufchen aus der Partei rausgeschmissen. Offenbar hatte Lenin Recht gehabt, man muss sich rechtzeitig den Massen als Kriegsgegner /Antiimperialist bekanntmachen, auch wenn man in der Minderheit unterlegen ist, damit sie eine Hoffnung auf Widerstand haben und die Chance des Bürgerkriegs ergreifen. Eine einfache Lehre, die man den Kräften der Linkspartei, die heute zur SPD streben, gar nicht oft genug vorlegen kann. Jetzt ist in Deutschland schon alles zu spät. Der Krieg kann nicht gewonnen werden, die ratlosen Generäle opfern Millionenmassen im sinnlosen Stellungskrieg vor Verdun.

Endlich, was für ein Lichtstrahl, welch erleichternder Durchbruch in dem allgemeinen Elend: es erfolgt die erste selbständige Äußerung der Linken. Am 15.April 1915 erscheint das erste Heft „Die Internationale“ mit 9000 Exemplaren. Eine Monatsschrift für Praxis und Theorie des Marxismus, Herausgegeben von Franz Mehring und Rosa Luxemburg- (Vom Gefängnis aus, über ihre Sekretärin Mathilde Jacob) Wird sofort illegal, erscheint weiter als Zirkularbrief der linken Opposition bis Nr. 23 am 25.12.1916. Daraus erscheint im Mai 1915 das Massenflugblatt von Liebknecht „Der Hauptfeind steht im eigenen Land!“= Die erste selbständige Erklärung der Linken. In der Wohnung von Karl Liebknecht tagt am 1.Januar 1916 die erste „Reichskonferenz der Linken“, miniklein, aber immerhin. Die politischen „Leitsätze“ von Rosa Luxemburg, als Kassiber aus dem Knast geschmuggelt, bilden die Grundlage der Diskussion. So ist sie zwar nicht persönlich anwesend, ihr Geist lenkt aber die Genossen draußen. Was für Helden!

Und endlich, am 1. Mai 1916 erleben wir den ersten mutigen Auftritt gegen das Schlachten. Rosa Luxemburg ist auf dem Potsdamer Platz dabei. Karl Liebknecht steigt auf einen Laternen sockel und brüllt in die ihn umwogende Menge: „Nieder mit dem Krieg! Nieder mit der Regierung!“ Die Menschen können seine sofortige Verhaftung nicht verhindern, aber sein Beispiel, sein Aufruf, wird weitererzählt und nach zwei Jahren Früchte tragen. Heute erinnert immerhin ein Denkmalsockel vor dem Balzac-Kaffeeladen an diese bemerkenswerte Demonstration, einer der wenigen Momente, auf die man als deutscher Mensch stolz sein kann.(4330 Zeichen)

Rosa Luxemburg Teil 9

DER BÜFFELBRIEF AUS WRONKE


Rosa bleibt nur ein halbes Jahr frei, die letzte halbwegs unverfolgte Zeit ihres Lebens. Sie beginnt sofort die Herausgabe der „Spartakusbriefe“ zur Sammlung der linken Opposition, Nr.1 am 20. September 1916. Nr. 12 Oktober 1918. Auflage unbekannt, aber danach heißt die Gruppe dann Spartakusgruppe und später sogar KPD/Spartakus. Ehrlich gesagt ein etwas unglücklich gewählter Name, denn dieser antike Sklavenaufstand, die „gewaltigste Tatsache der alten Geschichte“ (Marx) ist nach langen Kämpfen furchtbar gescheitert und 4000 Sklaven wurden entlang der Via Appia gekreuzigt; leider sollte der moderne Spartakusaufstand ein ähnliches Ende erleben. Widerrechtlich wird sie ohne Gerichtsurteil von der Militärverwaltung am 10.Juli 1916 in sogenannte „Sicherheitshaft“ genommen, zunächst im Polizeigefängnis Alexanderplatz (dort war in den Zwanziger Jahren die Karstadt-Hauptverwaltung), am 27.7.1916 landet sie wieder im Weibergefängnis Barnimstraße, danach bis 9.11.1918 in den schlesischen Festungsgefängnissen Wronke und Breslau. Die parlamentarische SPD-Regierung amnestiert Ende Oktober alle politischen Gefangenen, aber nicht Rosa in „Schutzhaft“ wie diese Institution unter den Nazis heißen wird. Erst ihre Durchsetzungskraft befreit Rosa am 9. November 1918 aus dem Breslauer Knast, deswegen ist sie nicht dabei, als die Revolution Berlin erreicht.

Trotz der grauenhaften Abgeschlossenheit und politischen Hoffnungslosigkeit entsteht hier in Wronke ein literarisches Meisterwerk, der sogenannte „Büffelbrief“, den sie im Dezember 1917 an Sonja Liebknecht schreibt, ein tröstlicher Weihnachtstext für alle einsamen Revolutionäre. Der Meister der deutschen Sprache Karl Kraus bekam im Jahre 1920 diesen Brief in die Hände und verlas ihn mehrmals unter Ausdrücken höchster Anerkennung für seine lyrische Kraft vor großem Publikum. An einem schweren Wintertag sieht Rosa im Gefängnishof ein Büffelgespann und muß erleben, wie ein Soldat auf die Zugtiere einschlägt bis sie weinen. Zur Rede gestellt sagt der Soldat: „Mit uns hat ja auch keiner Mitleid!“ Damit ist alles gesagt!. In seiner Zeitschrift „Die Fackel“ druckt Karl Kraus in der nächsten Nummer den Brief einer ungarischen Gutsbesitzerin ab, die meint, wenn die Rosa bei Blumen und Tieren geblieben wäre, „hätte sie wohl nicht Bekanntschaft mit dem Gewehrkolben gemacht“. Kraus kommentiert diesen Brief auf unnachahmliche Weise und unterzieht die zynische Gans quasi einer literarisch-moralischen Auspeitschung..“Der Kommunismus… – der Teufel hole seine Praxis, aber Gott erhalte ihn uns als konstante Drohung über den Häuptern jener, so da Güter besitzen …, damit sie wenigstens doch auch mit einem Alpdruck zu Bette gehen!“ (Karl Kraus Band 16) Alle drei Werke in dieser Reihenfolge gehören sicher zum Besten was in deutscher Sprache jemals verfasst worden ist und es wäre wert, an jedem Rosa-Gedenken ausgiebig zitiert zu werden. Auch dem Karl Kraus merkt man an, wie er die Rosa verehrt haben muß. (2850 Zeichen)

Rosa Luxemburg Teil 10

REVOLUTION


Am 7. November 1917 bricht in Russland die Oktoberrevolution aus, sie wird begrüßt von Karl Liebknecht (Brief 11.11.17), USPD-Vorstand (12.11.), SPD-Zeitung Vorwärts, sogar von den rechten SPD-Führern Ebert und Stampfer (15.11.), Clara Zetkin (16.11.), zehn USPD-Demonstrationen in Berlin, von der Polizei aufgelöst (18.11.), Brief von RL aus dem Gefängnis (24.11.). Lediglich ihr Exfreund, der „Renegat Kautsky“ kritisiert sofort die „Diktatur des Proletariats“. Es folgen Streiks bei Daimler in Berlin Marienfelde (3.-8.12.),Verbrüderungen an der Ostfront, im April 1918 Meutereien auf den Panzerkreuzern „Westfalen“ und „Posen“, 46 Matrosen werden erschossen.

Endlich beginnt am 3. November 1918 die deutsche Novemberrevolution. Matrosen der kaiserlichen Kriegsflotte in Wilhelmshaven und Kiel weigern sich, zur „letzten Schlacht“ gegen England auszulaufen und abzusaufen. Um nicht erschossen zu werden, müssen sie ihre Offiziere entwaffnen und die Verwaltung der Garnisonstädte übernehmen und dann in allen umliegenden Städten die reaktionäre Macht ausschalten, d.h. mithilfe der Matrosen werden überall Arbeiter- und Soldatenräte gebildet. Die Fürsten treten ab. Es fehlt aber die Verhaftung der Reichsregierung, Enteignung der Banken und Großbetriebe, insgesamt ist das eine merkwürdige Revolution. Wir heutigen Linken sollten daraus lernen, uns bereits in friedlichen Zeiten innerlich darauf vorzubereiten, wie man den Kapitalismus technisch entmachtet, wenns soweit ist.

Ohne Kenntnis der Ereignisse beschließen die „Revolutionären Obleute“ mit Liebknecht die Revolution für Berlin, aber

frühestens für den 11.November! So sehr täuschen sich auch glühende Revolutionäre über den Ausbruch der Massenenrevolte, sie verlieren eine entscheidene Woche, während derer sich schon der Konterrevolutionär Gustav Noske (SPD) zum Militärgouverneur von Kiel wählen läßt! Karl Liebknecht verkündet am 9. November vom Balkon des Schlosses die „Sozialistische Räterepublik“. An der Spitze von einer Handvoll linker Matrosen besetzt der Spartakist Hermann Duncker den reaktionären Scherl-Verlag. Mit den Worten „Meine Herren, die Zeiten haben sich geändert, sie wissen was sie nun zu schreiben haben!“ zwingt er die rechten Redakteure, die erste „Rote-Fahne“-Zeitung herauszubringen, die berühmte Nummer 1 vom 9. November mit dem Titel in Jugengstil-Schrift.(Die Schlagzeile „Berlin unter der roten Fahne“ steht allerdings in altdeutscher Fraktur.) Heute ist dieses Exemplar unbezahlbar. Die aus allen deutschen Ländern zusammenrekrutierten Matrosen werden in ihre Heimatstädte entsandt und revolutionieren dort die Verhältnisse, in Berlin entsteht so die linke und bis zuletzt revolutionstreue „Volksmarinedivision“ , ihre Zentrale war im Haus der Schiffahrt (Auszahung der Löhnung, Waffenausgabe) am Märkisches Ufer neben der China-Botschaft (eine Tafel im Innern der Gaststätte erinnerte früher daran), Bis Januar hält die Volksmarinedivision zuerst das Schloß als Kampfstellung besetzt, dann den Marstall daneben (Großes Wandrelief neben dem Eingang).

Von all dem bekommt Rosa Luxemburg gar nichts mit, denn sie ist am 9. November immer noch Gefangene. Erst am 10. November trifft sie aus Schlesien mit dem Breslauer Zug am Schlesischen Bahnhof ein, heute der Ostbahnhof. Man verfrachtet sie sofort zum Anhalter Bahnhof, wo in dem eleganten, heute nicht mehr existierenden Hotel Excelsior endlich der revolutionäre Spartakusbund gegründet wird und Aufgaben verteilt werden: Liebknecht Straßenagitation, Luxemburg Rote Fahne Redaktion usw. Nun könnte man endlich loslegen, aber der fette Scherl-Verleger hat sich schon hinter Ebert gesteckt und der läßt mit eigenen Soldaten die Revolutionäre rauswerfen. Zwar werden sie noch nicht umgebracht, das passiert erst zwei Monate später, aber Rosa steht jetzt ohne Zeitung da.

Erst am 18. 11. erscheint die RF Nr.3 unter der Redaktion von Rosa Luxemburg, über zwei Wochen nach Ausbruch der Revolution, da ist fast alles zu spät. Man kann noch so tolle Ideen und Pläne haben; wenn man sie im entscheidenden Moment nicht verbreiten kann, geht das Leben vorbei.Ständiger Hotelwechsel wegen Verfolgung, am 17. Dezember Übersiedlung der RF-Redaktion in ein Hotel Wilhelmstr. 114 oder Hotel Ascanischer Hof, wo schon Kafka 1913 wohnte. Erst Ende Dezember schläft Rosa erstmals wieder zu Hause.“Das kleine Journal“, Königgrätzer Str. 40/41 (Heute Stresemannstraße, wie in ganz Kreuzberg gibt es keine Erinnerungstafel an Rosa Luxemburg!) wird zum Verlag der Roten Fahne, Rosa schreibt das meiste und beaufsichtigt bis Mitternacht den Umbruch. Gelegentlich kommen Ebert-Soldaten vorbei und suchen sie zu verhaften. Das war Rosas ganze „Schuld an der Revolution“, wofür die Nosketruppen sie ermorden werden. (4665 Zeichen)

Rosa Luxemburg Teil 11

KPD UND SPARTAKUSAUFSTAND


Nun folgt Rosas größte Tat: Die Gründung der KPD! Ein Raum ist schnell gefunden, in dem alten Palais Hardenberg, dem preußischen Herrenhaus, tagt schon der Berliner-Arbeiter- und Soldatenrat in Permanenz, bewaffnete Matrosen bewachen das Haus; in den Festsaal unterm Dach passen die hundert Delegierten aus ganz Deutschland knapp hinein. Zu DDR-Zeiten stand der Saal unter Denkmalschutz und es gab eine Gedenktafel, allerdings unterstnd das Gebäude dem Grenzregime, so dass genau wie zum Schulze-Boysen-Gedenkort, kein Normalbürger Zutritt hatte. Jetzt ist alles wegrenoviert und die CDU tagt darin und wer es nicht weiß, findet es nicht. (zwischendrin war dies Görings „Haus der Flieger“ und im KPD-Festsaal zeigte er seine Hochzeitsgeschenke.) Die neue Berliner Republik hält es nicht für nötig, an die Gründung der größten linken Partei, an die klügste Politikerin und jedenfalls beste Autorin zu erinnern, die dieses Haus jemals gesehen hat. Heute ist hier das Berliner Abgeordnetenhaus, Käthe-Niederkirchner-Straße, Saal 306. Sylvester und Neujahr 31.12.1918 /1.1.1919 startet hier die Gründung der „KPD/Spartakusbund“ , Rosa hält die Programmrede. Endlich erfolgt die organisatorische Trennung von den Sozialdemokratischen Kriegsbefürwortern und den unentschlossenen Kautskyanern. Zwar erleidet Rosa eine Niederlage in der Diskussion, die sich gegen die Beteiligung an bürgerlichen Parlamentswahlen ausspricht, aber 12 Jahre später bei der letzten Wahl vor den Nazis wird aus dieser kleinen Gruppe die stärkste Partei Berlins geworden sein und bei der Präsidentenwahl bekommt der Kommunist Thälmann sechs Millionen Stimmen.

Der Gründungskongress und Rosas Rede sind gut dokumentiert. „Wir sind wieder bei Marx“, sagt sie und man spürt das Bemühen aller Beteiligten um marxistische Argumentation; allerdings, es fehlt an Einfluß, an realer Macht. Kein Vergleich mit der russischen bolschewistischen Partei, die ein Militärkomitee bildete und zum gegebenen Zeitpunkt die alte Regierung einfach verhaften und die Zarenfamilie killen ließ. Alle Projektionen der jungen zuspätgekommenen KPD reichen nur in die Zukunft, keiner weiß, wie man die verfahrene Revolution noch retten kann, die von den übermächtigen Sozialdemokraten gründlich an die Reaktion verraten wurde und die bereits ihre Mörder heranführt.

Bereits am 6. Januar 1919 gibt es ein Gespräch in der Wilhelmstraße: Gustav Noske erhält das militärische Oberkommando mit den Worten: „Einer muß der Bluthund werden, ich scheue die Verantwortung nicht!“. Jetzt ist alles klar, man muß die letzten bewaffneten Linken nur dazu kriegen, sich vor die Kanonen der Regierungstruppen zu stellen und sich abschlachten zu lassen. Der Anlaß ist Eichhorns Entlassung. Im Eingang der ehemaligen Garde-Dragoner, heute das Finanzamt Kreuzberg am Mehringdamm, versucht eine längere Denktafel den Spartakusaufstand zu erklären, ohne Noske und die SPD-Verantwortung dabei zu erwähnen:

9.November 1918 Unter den Linden. Die Revolution im kriegsmüden Deutschland hat die Hauptstadt erreicht. Die Republik wird ausgerufen. Die Monarchie bricht zusammen. Es kommt zu Massenstreiks, Arbeiter- und Soldatenräte werden gebildet, zwei Tage später wird der Waffenstillstand unterzeichnet.

5.Januar 1919 Demonstration am Dönhoffplatz, Berlin Mitte. Mit der Absetzung des Berliner Polizeipräsidenten Emil Eichhorn (Unabhängige Sozialdemokratische Partei USPD) durch den preußischen Innenminister Paul Hirsch (SPD) hat die radikale Linke tags zuvor ihre letzte Machtbasis verloren. Daraufhin erklären ihre Anhänger die Regierung für abgesetzt und besetzen das Zeitungsviertel um die Koch- und Lindenstraße. Im Januar 1919 wurden hier, in der ehemaligen Garde-Dragoner-Kaserne regierungstreue Truppen aus Potsdam einquartiert. Kurz zuvor hatten bewaffnete Arbeiter und Soldaten das nahegelegene Zeitungsviertel besetzt. Die in diesem Gebäude untergebrachten Truppen erstürmten am 11. Januar 1919 das besetzte „Vorwärts“-Gebäude in der Lindenstraße (heute Mehringplatz).

Die Ermordung der Parlamentäre. Sieben Besetzer, die durch Verhandlungen eine friedliche Übergabe des Verlagsgebäudes erreichen wollten, wurden gefangen genommen und anschließend hier erschossen. Bei der Räumung des „Vorwärts“-Gebäudes machten die Regierungstruppen 295 Gefangene und brachten sie ebenfalls in die Kaserne und mißhandelten sie schwer. Erschossen wurden W. Fernbach (29 Jahre); K. Grubusch (29) W. Heise (25); E. Kluge (24); W. Möller (31); A. Schöttler (26); P. Wackermann (29). (Text Gedenktafelkommission Kreuzberg)

Die RF-Redaktion arbeitete inmitten der Kämpfe.Verschiedene Verstecke, z.B. Blücherstr.13 gegenüber der Heilig-Kreuz-Kirche bei Dr. Bernstein (Anarchist), in der sozialistischen Musterschule Birkenwerder bei der Lehrerin Frieda Winkelmann und in Neukölln bei einer Arbeiterfamilie in der Boddinstr /Werbellinstraße x Hinterhaus 4 Treppen. Hier mußten sie weg, weil zuviel Laufverkehr die Aufmerksamkeit des Hausmeisters erregte. Jetzt war die Revolution massenmäßig erledigt, und man konnte darangehen ihre Führung liquidieren. In übergroßer Solidarität mit den toten Kämpfern verzichtete Rosa darauf, ins Ausland zu fliehen. (4695 Zeichen)

Rosa Luxemburg Teil 12

DER DOPPELMORD


Die wichtigste Frage gleich zu Anfang: War Noske schuld oder nicht?

Ich zitiere dazu den Tatort-Regisseur und Buchautor Klaus Gietinger:

Hauptmann Pabst hatte in der Mordnacht Noske in der Reichskanzlei angerufen! Ergänzt man Pabsts Memoiren-Hinweis mit der Aussage von RA Kranzbühler, ergibt sich folgendes nächtliche Telefongespräch:

Pabst: »Ich habe Luxemburg und Liebknecht. Geben Sie entsprechende Erschießungsbefehle?« Noske: »Das ist nicht meine Sache! Dann würde die Partei zerbrechen, denn für solche Maßnahmen ist sie nicht und unter keinen Umständen zu haben. Rufen Sie doch Lüttwitz an, er soll den Befehl geben.« Pabst: »Einen solchen Befehl kriege ich von dem doch nie! « Noske: »Dann müssen Sie selber wissen, was zu tun ist.«

Eine sensationelle Entdeckung, die nicht nur die allgemeine Verantwortung der SPD-Regierung für Freikorpsterror und politischen Mord untermauerte, sondern im speziellen Noske für den bestialischen Doppelmord mitschuldig erklärte. Als ich dies veröffentlichte, sah ich mich heftigen Angriffen von Seiten der selbstgerechten SPD ausgesetzt. Tilmann Fichter, ein gewendeter Alt-68er, bezeichnete meine Forschungen als »Räuberpistole«. Und Heinrich August Winkler, ein Schlachtroß rechter SPD-Geschichtsschreibung, rügte mich, »ohne jeden quellenkritischen Vorbehalt« vorgegangen zu sein; inzwischen werde ich von ihm als ein „von der PDS mißbrauchter Filmemacher“ tituliert.

Am 14. Januar übernachteten Karl und Rosa in der Wohnung Marcussohn, -er ist USPD-Mitglied, sie ist Rosas Freundin- in der Mannheimer Straße 43, einer ruhigen Gegend in Berlin-Wilmersdorf. (Heute trägt das Haus die Nummer 27 und im Gehsteigpflaster ist ein Gedenkstein eingelassen; untrügliches Zeichen dafür, dass der Hausbesitzer es nicht an seinem Gebäude haben will. Warum eigentlich nicht?) „Die Mannheimer Straße findet ihre konsequente historische Verlängerung in den Lagerstraßen von Dachau und Buchenwald“, schrieb Günter Kunert überaus passend: Am Ende der Straße gelangt man heute auf den Fehrbelliner Platz mit seinen Büroblocks im Nazistil für 15000 Beamte. Hier Verrat und Festnahme durch den „Sozialdemokratischen Helferdienst“ und Wilmersdorfer Bürgerwehr.

Abtransport Liebknechts zur Zentrale der Bürgerwehr im neugebauten Cecilien-Lyzeum am Nikolsburger Platz.

Autofahrweg: Mannheimerstraße-Fehrbellinerplatz-Hohenzollerndamm-Güntzelstraße-Trautenaustraße-Nikolsburger Platz / Cecilienschule. Hier wurde telefoniert. (Mit wem? Wahrscheinlich wurde SPD-Regierungs-Pressechef Breuer gefragt, ob man nun die angeblich 100.000 Mark Belohnung von Scheidemann kriegt. „Ein jeder der an der Aktion Beteiligten erhielt durch den Vorsitzenden des Wilmersdorfer Bürgerrats Fabian für den Fang die damals enorme Summe von 1.700 Mark“Gietinger.) Danach werden Pieck und Rosa geholt und direkt zum Edenhotel gebracht.

Bis 21 Uhr Ablieferung der drei Gefangenen Liebknecht, Rosa und Wilhelm Pieck im Hotel Eden bei Hauptmann Pabst, der in Absprache mit Noske den Mord befiehlt. Pieck kann sich rausreden, wird ins Polizeipräsidium gebracht und kann nachts fliehen. Seine genauen Zeugen-Aussagen führen späterhin nicht zur Verurteilung der Mörder.

Liebknecht wird erschossen um 23.45h bei der Rettungsstelle am Zoo (neben dem heutigen Elefantentor) abgeliefert, gleich danach wird Rosa rausgeschafft, mit Kolbenhieben von Jäger Runge verletzt und auf dem Weg zum Kanal von Hauptmann Souchon „aus der Menge“ in den Kopf geschossen, an der Brücke in den Landwehr-Kanal geworfen, —-und bleibt verschwunden! Ihr Tod wird später amtlich auf 23 Uhr 45 am 15. Januar 1919 festgelegt.

Heute steht im Tiergarten das Doppel-Denkmal von Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte von 1987, gegossen in Lauchhammer/DDR. Große Bronze-Buchstaben der Namenszüge RL und Karl L bezeichnen die jeweilige Mordstätte am Lützowufer/ Landwehrkanal bzw. Großer Weg am Nordufer des Neuen Sees, nähe S-Bahn Tiergarten. Hier finden schon seit den Sechziger Jahren an jedem 15. Januar am frühen Abend ergreifende Gedenkstunden der West-Linken statt. Beider offizielle Grabstelle befindet sich auf der Gedenkstätte der Sozialisten in Friedrichsfelde. Die gewaltige 6 Meter hohe expressionistische Granitwand von Mies van der Rohe wurde 1935 von den Nazis zerstört. Weder SED noch SPD dachten daran, dies würdige Kunstwerk wieder aufzubauen, stattdessen liegt dort ein Gedenkstein, der an die Opfer Stalins erinnern soll; das ist völlig unpassend, denn an dieser Stelle liegen nur Opfer der SPD und der Nazis.

Rosas Leichnam wird erst am 31. Mai 1919 an der Unteren Freiarchenbrücke gefunden, wg. Verwesung erst nach Tagen identifiziert. Heute floriert hier die Gaststätte Schleusenkrug, Müller-Breslau-Strasse.,Auch hier an der Schleuse findet sich kein Gedenkstein; dabei hätte die DDR dort ein eigenes RL-Denkmal errichten können, denn die Wasserwege, Schleusen, etc. waren bis 1990 unter DDR-Verwaltung. „So verlief an dieser Stelle die Grenze quasi horizontal. Im Untergeschoß sorgten die Genossen für reibungslosen Schiffsverkehr, darüber genossen die Westberliner Sonne, Bier und deftige Küche.“ (Speisekarte Schleusenkrug) (5100 Zeichen)

Hier ist die RL-Serie zuende. Bei Gefallen könnte ich noch einen kleinen Anhang schreiben über die gemeinen und fiesen Denkmale gegen Rosa vor der Grundkreditbank, dem Hotel Eden usw. Und einen kleinen Briefwechsel mit dem Hotel Schweizerhof und der Grundkreditbank initiieren, warum sie für jeden Klimbim teure Bronzen aufstellen, aber für Rosa nix übrig haben. Und einige andere Apercus. Bitte um Aufträge. Im übrigen vielen Dank für eure Mühe, beim ersten Durchlesen habe ich leider wieder viele Tippfehler gesehen, aber jetzt will ichs erstmal loswerden. Ich selber bin vom 10 bis 24. 12 nicht im Berlin. Wie üblich genehmige ich euch jegliche redaktionelle Änderung im Voraus., zum Beispiel eine originelle Überschrift über das Ganze hab ich noch nicht. Für euch zum Vergnügen noch ein Sätzchen aus dem letzten Kommentierenden Teil, den ich oben schon angeboten habe:

Ferner eine bronzene Rosa auf den Hof der Jungen Welt, wo sie drohend zur PDS rüberguckt und dieselbe Statue als Ensemble vor dem Haus des Neuen Deutschland, Franz-Mehring-Platz 1 in Berlin Friedrichshain, wo heute die Rosa-Luxemburg-Stiftung residiert. Am Rosa-Luxemburg-Platz heute die Zentrale der Linkspartei und die Hans-Poelzig-Bauten auf dem ehemaligen jüdischen Scheunenviertel, RL-Zitate auf Goldbändern im Straßenbelag . Jeden zweiten Sonntag im Jahr Gedenkdemo vom Frankfurter Tor („Stalinallee“) nach Friedrichsfelde mit hunderttausend Teilnehmern, jeden zweiten Samstag jedes Jahr LRL-Konferenz der Jungen Welt in der Urania mit tausenden Teilnehmern. Politische Nachahmung in der Linkspartei: „Jetzt fängt Sarah Wagenknecht schon an zu humpeln, um Rosa Luxemburg ähnlich zu sein.“ (Lothar Bisky), dabei fehlt der alles, die massenergeifende Rede, radikale Angiffslust und die Freundschaft mit Lenin.

ENDE.






... ich tue was Linke tun, Ungerechtigkeit bekämpfen!
von Yossi Wolfson


[editiert: 21.01.14, 09:10 von bjk]
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