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Autor Beitrag
Farfuglinn
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Beiträge: 3

New PostErstellt: 19.03.04, 22:52     Betreff: Re: Hier bin ich glücklich...

Hallo zusammen,
ich bin diejenige, die vor fast 2 Jahren den Artikel „Nur weiter träumen...?“ ins Heimatfrust-Forum setzte.

Damals war ich völlig deprimiert und wollte nur fort aus Deutschland, hinaus in die weite Welt. Durch Zufall wurde Island das Land meiner Träume - bloß war ich so unsicher, ob ich den Sprung ins Ungewisse wagen sollte, ich alleine, die ich nicht mehr als eine unqualifizierte Abiturientin ohne große Geldreserven war.


Heute lebe ich nun schon fast zwei Jahre auf der kleinen Insel am Polarkreis und kann nur sagen: ich bereue nicht einen Tag in der neuen Heimat!
Ich fand es nie schwierig, hier oben Fuß zu fassen; das mag auch an meinem Alter liegen (ich bin jetzt 21 Jahre alt), zumal ich allen Jobangeboten sehr aufgeschlossen war. Das erste Jahr verbrachte ich hier oben als Magd auf insgesamt drei Bauernhöfen, und das, obwohl ich zuvor noch nie in der Landwirtschaft gearbeitet hatte. Ich bekam Kost, Logis und ein in Anbetracht der Arbeit lächerliches Gehalt, aber dafür konnte ich erste Erfahrungen sammeln und viel wichtiger: ich lernte die Landessprache Isländisch; die Sprache der Wikinger.
Damit war die Grundvoraussetzung gelegt, hier ein Studium zu beginnen - und so befinde ich mich nun zweiten Semester eines agrarwissenschaftlichen Studiengangs, erhalte Wohngeld vom isländischen Staat und konnte mich bisher mit den Ersparnissen meines Bauernlebens über Wasser halten. Demnächst werde ich es so halten müssen, wie die Isländer: arbeiten, arbeiten und arbeiten, um mir meinen Unterhalt zu finanzieren. Denn das Leben hier oben entspricht zwar sehr hohen Standards, ist aber auch teuer.
Aber man kommt über die Runden, wenn man es will.

Meine Einstellung zu Deutschland hat sich Dank des Abstandes ein wenig geändert. Ich sehe nun auch wieder die positiven Seiten meines Heimatlandes und freue mich auf Deutschlandurlaub. Aber wieder dort leben? Nein, dafür fühle ich mich hier viel zu wohl!
Heimweh habe ich deswegen auch nie. Natürlich vermisse ich meine deutschen Freunde und Familie, aber wozu gibt es Telefon und Internet? Und natürlich meine Besuche in „good old Germany“.

Die Isländer sind ein schräges Völkchen, liebenswert chaotisch, öfters auch stursinnig - ein Bauernvölkchen eben. Doch eines mag ich besonders an ihnen: ihre Offenheit und ihre positive Einstellung zum Leben. Was passiert, das passiert halt, und es wird schon wieder gut, irgendwie. Man plant hier nicht, alles ist spontan, was gleich viele positive wie negative Seiten hat. Doch ich komme gut zurecht hier oben und liebe das Leben in der kargen Natur. Man steht mit beiden Beinen mitten im Leben, hat noch Bezug zum „einfachen“ Leben der Landwirtschaft aber gleichzeitig einen hochmodernen Lebensstandard und ein oft besseres Sozialsystem, als in Deutschland. Man lebt zwischen aktiven Vulkanen und Gletschern und hat direkt vor der Haustür die wunderschönste Landschaft, die man sich nur denken kann. Die Luft ist sauber, das Wasser schmeckt noch nach Leben; man hört weder Autobahnen noch Flugzeuglärm. Statt dessen trompeten Singschwäne auf dem See vor dem Haus und tollen Fuchswelpen im Garten umher. Von den allgegenwärtigen Pferden und Schafen einmal ganz abgesehen.

Ihr seht - ich liebe die Natur mit ganzem Herzen und vermisse das Leben der Stadt nicht im geringsten. Zugegeben: Island ist lange nichts für jeden! Eingefleischte Stadtmenschen werden sich hier nur verloren fühlen; 280.000 Einwohner auf einer Fläche von Bayern und Baden-Württemberg - abseits der "großen" Städte ist es einsam. Das nächste Kino ist zwei Autostunden entfernt, die nächste wirklich große Einkaufsmöglichkeit ebenso. Alkohol ist unbezahlbar teuer, und auch wer viel kränkelt, sollte vielleicht eher in Deutschland bleiben, denn die Qualität der Dorfärzte lässt leider oft zu wünschen übrig.
Und Sonnenanbeter werden die sommerliche Mitternachtssonne zwar lieben, aber im langen, dunklen Winter wahrscheinlich eingehen.
Ich bin ein Wintermensch, mag den kühlen Norden also zu jeder Jahreszeit und kann auch den dunklen Wintern viel Positives abgewinnen, wohl auch ob der Polarlichter, die die langen Nächte erhellen.

Dennoch werde ich nicht auf ewig auf diesem Inselchen bleiben, dafür bin ich zu jung und die Welt zu groß! In zweieinhalb Jahren werde ich nicht nur einen isländisch/internationalen Hochschulabschluss besitzen, sondern auch die Möglichkeit, in Partnerschulen der Nachbarländer (Skandinavien, Kanada) mein Studium fortzuführen. Um dann dort Erfahrungen zu sammeln, Kontakte zu knüpfen, und dort Fuß zu fassen. Für ein paar Jahre. Oder länger.
Denn nach Island kann ich nun immer zurück.
Und nach Deutschland sowieso.
Ich habe durch meinen so „gewagten Schritt“ also nur dazu gewonnen - keineswegs verloren!
Vielleicht macht das ja dem einen oder anderen Mut!
?

Liebe Grüße vom Polarkreis
Kristín


[editiert: 20.03.04, 01:24 von Farfuglinn]
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