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Das Basilikummädchen

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Thelar

Beiträge: 268
Ort: auf dem Lechfeld


New PostErstellt: 22.01.10, 10:07  Betreff: Das Basilikummädchen  drucken  weiterempfehlen

Eine meiner Lieblingsgeschichten für Erwachsene.
Ein schönes Beispiel für eine Frau als Hauptfigur im Märchen. (sog. "Frauenmärchen")

Für mich geht es in dieser Geschichte um Liebe, Demut, Einfallsreichtum, Durchsetzungskraft und Geduld.

Die hier gepostete Fassung ist eine jugenfreie Variante davon, welche ebenfalls ihren Reiz hat.
Ich lasse das Tekerleme (Vormärchen) aus, weil es beim erzählen selber besser zur Geltung kommt.

***

Das Basilikummädchen
(Ein türkisches Volksmärchen)

In dieser Zeit lebte einmal in einem fernen Land ein Fürstensohn.
Jeden Tag ritt er an einem gut gepflegten Wohlduftenden Garten vorrüber und sah darin die Tochter des Gärtners die Basilikumstöcke giessen.
Das pappelschlanke Mädchen mit dem mondschönen Gesicht gefiel dem Fürstensohn sehr. Jedes Mal wenn er an dem Garten vorbei kam, hielt er sein Pferd an, schaute über den Gartenzaun und sagte:

Basilikummädchen, Basilikummädchen,
Tag und Nacht giesst du Basilikum,
Sag, wie viele Blätter hat das Kraut?

Das stolze Mädchen aber, anstatt dem hochmütigen Fürstensohn ehrerbietig zu antworten, fragte zurück:

„Fürstensohn, Fürstensohn,
Du reitest hoch zu Pferd,
Du regierst die Welt,
Sag, wie viele Sterne stehen am Himmel?“

Der Fürstensohn lachte zwar, aber innerlich ärgerte er sich über die unerschrockene Art, die die Tochter des Gärtners an den Tag legte. Dir werde ich es zeigen dachte er und fragte eines Tages:
„Basilikummädchen, willst du meine Frau werden?“

„Nur wenn Du meinen Wasserkrug füllst und meine Holzschuhe vor der Tür umdrehst.“ antwortete die stolze Gärtnerstochter.

Für einen Fürstensohn war es undenkbar, solch niedrige Arbeiten zu verrichten. So geschah es, daß sie Tag für Tag dieses Spielchen trieben und sich gegenseitig neckten. Zu der Hochzeit kam es hingegen nicht, obwohl sie für einander tiefe Zuneigung hegten. Immer wieder stellte der Fürstensohn seine Frage und immer wieder bekam er die selbe Antwort zu hören:

„Nur wenn Du meinen Wasserkrug füllst und meine Holzschuhe vor der Tür umdrehst.“

Bis der Fürstensohn schliesslich eines Tages sagte: „Basilikummädchen, dur wirst mich eine Weile nicht sehen. Ich gehe auf Hirschjagd am Berg Lebbi.“ Der Berg Lebbi lag weit, weit weg am Ende der Welt.

Am nächsten Morgen stand das mutige Mädchen noch vor Sonnenaufgang auf, sattelte ihr Pferd, packte ein Zelt und auch ihre Laute darauf und ritt davon.
Sie konnte besser reiten und Bogenschießen als mancher Bursche, der sich selber für unbezwinglich hielt.
Nach einer langen, beschwerlichen Reise kam sie noch vor dem Fürstensohn am Berg Lebbi an, schlug ihr Lager mitten in der Wildnis auf und wartete. Sie hatte sich einen Schnurrbart angeklebt und trug die Kleidung eines Mannes.

Bald kam auch der Fürstensohn und wunderte sich nicht wenig, dort mitten in der Wildnis auf einen Menschen zu treffen.
Da das Basilikummädchen vor ihm dagewesen war, lud sie ihn zum Abendessen ein. Der Fürstensohn, der nicht die leiseste Ahnung hatte, wer sein Gastgeber in Wirklichkeit war, holte nach dem Essen sein Schachbrett hervor.
»Spielen wir eine Runde zum Zeitvertreib«, schlug er vor. Schach ist bekanntlich der König der Spiele, und der Fürstensohn spielte ganz ausgezeichnet.
Aber sagte ich nicht bereits, daß das Basilikummädchen manch einem Helden in nichts, also auch nicht im Schachspiel nachstand? Am Ende besiegte sie den Fürstensohn.
»Bei Allah, du hast gut gespielt«, sagte der Besiegte voller Anerkennung, nahm seine Goldkette vom Hals und reichte sie seinem Gegner als Preis. » Spielen wir noch eine Runde. « Diesmal gewann er.
Mir wurde erzählt, das Basilikummädchen habe absichtlich verloren, und das glaube ich auch, denn als das Spiel zu Ende war, sagte sie: »Ich habe keinen Schmuck bei mir. Aber ich werde dir nach-her meine schöne Sklavin, die mit Laute und Gesang ausgezeichnet unterhält, in dein Zelt schicken.«
Zuerst wollte der Fürstensohn ein solches Geschenk nicht annehmen, doch das Basilikummädchen bestand darauf. So ist es zwischen ebenbürtigen Helden, man darf das Geschenk des anderen nicht zurückweisen - das wäre eine tödliche Beleidigung.
»Meine Sklavin ist sehr scheu. Du darfst sie nur in völliger Dunkelheit empfangen«, sagte das verkleidete Basilikummädchen.

Der Fürstensohn, dem keine andere Wahl blieb, klappte sein Schachbrett zusammen, klemmte es unter den Arm und kehrte in sein Zelt zurück.
Das Basilikummädchen legte die Männersachen ab, zog ein schönes Kleid an, schmückte und parfümierte sich und ging im Schutz der Dunkelheit zum Zelt des Fürstensohns.
Bis zum Morgengrauen blieb sie bei ihm, und die beiden unterhielten sich vorzüglich, ohne daß der Fürstensohn den geringsten Verdacht schöpfte, mit wem er da zusammen war.

Als er am nächsten Tag aufwachte, waren die vermeintliche Sklavin und ihr vermeintlicher Herr mitsamt dem Zelt verschwunden, und der Fürstensohn fragte sich, öb er nicht vielleicht alles geträumt hatte.

Neun Monate nach dem Jagdausflug zum Berg Lebbi brachte das Basilikummädchen einen Knaben zur Welt, den sie Lebbi nannte. Immer wieder ritt der Fürstensohn, der das Basilikummädchen nicht vergessen konnte, an ihrem Garten vorbei. Immer wieder neckte er die schöne und kluge Gärtnerstochter:

»Basilikummädchen, Basilikummädchen,
Tag und Nacht gießt du Basilikum,
Sag, wie viele Blätter hat das Kraut? «

Und immer wieder bekam er die gleiche Antwort:

»Fürstensohn, Fürstensohn,
Du reitest hoch zu Pferd,
Du regierst die Welt,
Sag, wie viele Sterne stehen am Himmel? «

»Wann heiratest du mich?« fragte er eines Tages erneut. Inzwischen verging er fast vor lauter unerfüllter Liebe. »Wenn du mir den Wasserkrug füllst und die Holzschuhe umdrehst«, kam die bekannte Antwort.

»Morgen reite ich nach Tschini«, sagte er. »Du wirst mich eine Weile nicht sehen. «
Das Land Tschini lag in der entgegengesetzten Richtung des Berges Lebbi am anderen Ende der Welt. Sogleich legte das Mädchen wieder ihre Verkleidung als Jüngling an, packte das Pferd und erreichte nach etlichen Tagesritten durch Steppe und Ödnis die Ebene von Tschini. Bis der Fürstensohn eintraf, hatte sie bereits ihr Zelt aufgeschlagen.

»Welch ein Zufall, daß ich an diesem entlegenen Ort ausgerechnet dich wiedertreffe! « rief der Fürstensohn erstaunt, als er denselben jungen Mann vor dem Zelt sitzen sah. Wieder spielten sie Schach, und wieder verlor der Fürstensohn die erste Partie.

Diesmal schenkte er dem Gewinner seinen mit kostbaren Steinen besetzten silbernen Armreif. Nachdem er die zweite Partie gewonnen hatte, kam wie beim erstenmal die schöne Sklavin im Schutz der Dunkelheit in sein Zelt. Und wieder fand er sich, als er am nächsten Tag erwachte, alleine in der Ebene von Tschini.

Neun Monate nach diesem zweiten Jagdausflug brachte die junge Gärtnerin ein Mädchen zur Welt, das sie Tschini nannte.

Kinder wachsen schnell, im Märchen noch schneller. Ehe man sich versah, waren Tschini vier und Lebbi fünf Jahre alt geworden.

Eines Tages kam der Fürstensohn, der, so unglaublich es klingt, noch immer von allem nichts ahnte, aber auch das geliebte Basilikummädchen nicht vergessen konnte, nach langer Zeit wieder einmal an ihrem Garten vorbei.
Basilikummädchen, Basilikummädchen,
Tag und Nacht giesst du Basilikum,
Sag, wie viele Blätter hat das Kraut?

Die Antwort, die er bekam, kannte er schon zur Genüge:

„Fürstensohn, Fürstensohn,
Du reitest hoch zu Pferd,
Du regierst die Welt,
Sag, wie viele Sterne stehen am Himmel?“

Der Fürstensohn hatte keine Hoffnung mehr, das Basilikummädchen umzustimmen.
Ihre Bedingungen aber zu erfüllen, kam für ihn trotz aller Liebe und Sehnsucht weiterhin nicht in Frage.
Hat man denn je gesehen, daß ein Fürstensohn der Tochter eines Gärtners den Wasserkrug füllte und die Holzschuhe vor der Tür umdrehte?

Schließlich kam er, um sich für immer von ihr zu verabschieden.

Er hatte sich nämlich überreden lassen, die Tochter des Großwesirs zu heiraten. Diese war zwar nicht so schön und klug wie das Basilikummädchen, kam aber aus einer adligen Familie und stellte vor allem keine Bedingungen.

»Basililzummädchen«, sägte er, »morgen werde ich heiraten. « Sprach's und gab seinem Pferd die Sporen. Lange schaute das Basilikummädchen der Staubwolke nach, die das Pferd aufgewirbelt hatte.

Am nächsten Morgen kleidete sie Lebbi und Tschini in festliche Gewänder und kämmte ihnen sorgfältig das Haar.
Lebbi hängte sie die goldene Kette um, Tschini legte sie den silbernen Armreif an.

Sie brachte den Kindern zwei kleine Lieder bei und schickte sie kurz vor Beginn der Hochzeitsfeier zum Palast. Wie ihre Mutter sie geheißen hatte, spielten Lebbi und Tschini in dem großen Palastgarten und sangen:


»Als Prinz und Prinzessin wollen wir gehen,
Die Hochzeit unseres Vaters zu sehen.«

Der Fürstensohn hörte die Kinder und schaute aus dem Fenster. Da kamen Diener herbeigelaufen und verscheuchten die beiden. »He, ihr da! Geht nach Hause!« schimpften sie.

In diesem Augenblick stimmten die Kinder das zweite Lied an:

„Den Jungen Lebbi
und das Mädchen Tschini
verjagt man aus ihres Vaters Haus.
Leute, wie sieht das denn aus?«

Der Fürstensohn überlegte kurz und lief dann, so schnell er in den Garten. Sofort erkannte er seine Goldkette um Lebbis Hals und seinen Armreif um Tschinis Handgelenk.
Wo kommt ihr her?« fragte er. «Wo wohnt ihr?«

Lebbi und Tschini führten ihn zu dem kleinen Haus des Gärtners mit den wohlduftenden Basilikumgarten davor. Da endlich ging dem Fürstensohn ein Licht auf. Jetzt, nach Jahren, begriff er, daß seine vermeintliche Sklavin niemand anderes als Basilikummädchen gewesen war und daß dies seine eigenen Kinder waren.

Vor dem Haus des Gärtners standen der Wasserkrug und die Holzschuhe des Basilikummädchens. Ohne auch nur noch zu zögern, füllte der einst so Hochmütige den ,Krug mit Wasser aus dem Brunnen und drehte die Holzschuhe um. Dann trat er das Häuschen. Die Tochter des Gärtners erwarte ihn.

Vierzig Tage und Vierzig Nächte feierten der Fürstensohn und das Basilikummädchen Hochzeit.
***
Viel Spaß beim Lesen. Und bitte nicht vergessen - weitererzählen! ^^
Vielleicht ist das für die musizierenden Barden eine Inspiration für ein neues Lied?

viele Grüsse,

Thelar


____________________
Die Ethik eines Barden ein Weg des sich-und-andere-spürens, des sich-darauf-einlassens und die Kunst stets selbst kritisch zu hinterfragen und zu reflektieren wie sich seine persönlichen Fähigkeiten weiter verbessern lassen.


[editiert: 22.01.10, 10:11 von Thelar]
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