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Krebs - Informationsveranstaltung

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Beiträge: 120
Ort: Brunsbüttel

BI Teilnehmernummer: 108

New PostErstellt: 06.04.09, 21:25  Betreff: Krebs - Informationsveranstaltung  drucken  weiterempfehlen

Montag, 6. April                            Brunsbütteler Zeitung                                 Seite 10

Noch viele Fragen offen

Informationsveranstaltung zur Krebs-Situation in der Stadt klammert Thema Schiffsemission aus

Von Michael Behrendt

Brunsbüttel – Ist die Schleusenstadt ein „Krebsnest“? Und wenn ja: Liegt das womöglich an gesundheitsschädlichen Schiffsemissionen?  Diesen Fragen sollten sich am Freitagabend  Experten im Bildungszentrum stellen. Eingeladen hatte der Bürgermeister, der mit dieser Informationsveranstaltung Sorgen zerstreuen wollte. Doch nach fast drei Stunden blieben viele Fragen offen.

 

    Nicht die erste: Rein statistisch gesehen bewege sich Brunsbüttel auf Landesniveau und dort innerhalb von international anerkannten Toleranzbereichen, wusste Professor Dr. Alexander Katalinic, Direktor des Krebsregisters Schleswig-Holstein, zu berichten. Mal davon abgesehen, dass der Löwenanteil der Krebserkrankungen vor allem durch den Lebensstil – Stichwort: Rauchen und Ernährung -, erbliche Vorbelastung, das Alter oder schlicht den Zufall hervorgerufen ist: In den Fällen, in denen Umwelteinflüsse eine Rolle spielen dürften, seien selbige nur höchst selten nachzuweisen. So bitter das auch klinge: „Krebs gehört mit zum Leben dazu.“ Statistisch gesehen erkranken vier von zehn Männern an Krebs, bei Frauen sind es drei von zehn. Ein Viertel aller Menschen stirbt an der Volkskrankheit. Jedes Jahr erkranken 16.500 Schleswig-Holsteiner neu daran. Mit rund 90 Neuerkrankungen pro Jahr liegt Brunsbüttel im Landesschnitt. Auch in den Anrainergemeinden  gebe es keine Auffälligkeiten.

    Aber gibt es denn nun eine Ballung von Krebsfällen in Schleusennähe, so wie der Brunsbütteler Allgemeinmediziner Dr. Christian Schöning registriert haben will? Der Frage sei man noch nicht auf den Grund gegangen, bekannte Katalinic. Aus Zeitgründen. Doch man habe sich mit Schöning – der Freitagabend in Berlin weilte und zum Bedauern vieler nicht an der Veranstaltung teilnehmen konnte – verabredet, den Zahlen nachzugehen.

    Das sagte auch Bürgermeister Wilfried Hansen zu, der nicht verhehlte, die Informationsveranstaltung zeitlich forciert zu haben. Ihm gehe es um „Aufklärung, nicht Verschleierung – die ist auch gar nicht erforderlich“. Aber es sei ihm auch wichtig, dass „jeder mit einem guten Gefühl nach Hause geht“.

    Doch nach fast drei Stunden blieb bei vielen der mehr als hundert Anwesenden, die trotz des schönen Frühlingsabends ins Bildungszentrum strömten, ein gemischtes Gefühl. So mancher sah sich förmlich erschlagen von den Zahlen und Tabellen., mit denen Joachim Lehmhaus vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und Ländliche Räume die Umwelteinflüsse der Schifffahrt am Ort relativierte. Das manche in Brunsbüttel angewandte Messmethoden ihre Schwächen hat, ging trotz des ermüdenden Vortrags aber nicht unter. Und so sehen auch die Stadtpolitiker weiteren Handlungsbedarf. Man müsse sich die Zahlen noch einmal anschauen, erklärte etwa CDU-Mann Olaf Hiel. Auch Wilhelm Malerius  (SPD) sah noch „viel zu viele Fragen offen“ und war so gar nicht zufrieden gestellt von den präsentierten Ergebnissen. Er forderte viel mehr verfeinerte und ausgeweitete Messungen, die kontinuierlich erfolgen und nicht auf Stichproben basieren, anhand denen Werte quasi hochgerechnet werden. Nur so hätte das echte Aussagekraft. „Dies ist erst der Anfang“, signalisierte Malerius zudem die Einflussnahme, die Politik nun nehmen soll: „Man kann jetzt nicht zur Tagesordnung übergehen.“

KOMMENTAR

Schiffsemissionen:

Schwachstellen aufarbeiten

Von Michael Behrendt

Wie gefährdet sind die Menschen der Schleusenstadt durch Schiffsemissionen? Eine Frage auf die die „Informationsveranstaltung“ am Freitagabend  keine klare Antwort lieferte. Auch nicht liefern sollte. Das sei eine andere Baustelle, bekam man eingangs zu hören. Bemerkenswert.

    Stattdessen wissen wir nun so viel: Eine isolierte Krebshäufung in Schleusennähe ist „wenig wahrscheinlich“, denn dann – so die Gesetzmäßigkeit der Statistik – müsste ja auch das  Ergebnis für ganz Brunsbüttel erhöht sein, was nicht der Fall ist. Im Detail ausgewertet sei das alles aber noch nicht. Man höre und staune: So viel Zeit war bislang nicht, schließlich war das Gebot der Stunde, die Sorgen so schnell wie möglich  aus der Welt zu schaffen, wie Bürgermeister Wilfried Hansen freimütig erklärte.

    Von Entwarnung, so wünschenswert sie auch wäre, kann allerdings keine Rede sein. Auch das Krebsregister will angesichts der „offensichtlichen Belastung der Brunsbütteler durch den Schiffsverkehr“ keinen Freibrief ausstellen.

    Auch die Fülle der präsentierten Messergebnisse, mit denen die Experten das Publikum förmlich – vielleicht sogar mutwillig – bombardierten, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier noch eine Menge Schwachstellen aufzuarbeiten sind.

    Die Verantwortlichen täten daher gut daran, der Sache weiter und vor allem beherzt auf den Grund zu gehen – auch wenn das Thema unbequem für eine Stadt, in der viele von der Schifffahrt leben. Wer es wirklich ernst meint mit der Aufklärung, für den kann diese Veranstaltung nur ein erster Schritt gewesen sein. Wer dagegen darauf spekuliert, die Angelegenheit im Sande verlaufen zu lassen, in der Annahme, die präsentierten Zahlen hätten die Sorgen der Brunsbütteler erfolgreich zerstreut, ist auf dem falschen Dampfer.

 





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