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Konstanz: "Umstrittene Kohlekraft", Konstanz - 18.06.2008

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Arne

Beiträge: 539

BI Teilnehmernummer: 98

New PostErstellt: 26.06.08, 23:44  Betreff: Konstanz: "Umstrittene Kohlekraft", Konstanz - 18.06.2008  drucken  weiterempfehlen

Südkurier, Konstanz - 18.06.2008

Umstrittene Kohlekraft

Die Beteiligung der Stadtwerke Konstanz an einem Kohlekraftwerk in Brunsbüttel ist sehr umstritten. Die Befürworter setzen auf stärkere Unabhängigkeit des Unternehmens von den großen Stromkonzernen. Die Gegner befürchten ein wirtschaftliches Wagnis. Zudem sehen viele Kritiker Strom aus Kohlekraft als klimaschädliche Lösung.

PRO: Seriöse Prognosen

Selbst bei einem Ausbau aller alternativen Energieprodukte wird es auch in Zukunft nicht möglich sein, auf konventionelle Kraftwerkstechnik zu verzichten, dies auch im Hinblick auf den beschlossenen Ausstieg aus der Atomenergie. Nach allen seriösen Prognosen (auch von Politikern der Grünen) wird selbst in 20 bis 30 Jahren ein großer Teil der Stromproduktion aus konventionellen Kohlekraftwerken stammen. Für Brunsbüttel liegen sämtliche Genehmigungen vor. Es befindet sich in der Realisierungsphase. Ob sich die Stadtwerke Konstanz beteiligen oder nicht, es würde sich am CO<2>-Ausstoß nichts ändern.

Im kommunalwirtschaftlichen Zielkatalog zwischen der Stadt Konstanz und den Stadtwerken wird ausgeführt, dass für die Unternehmensleistungen, bei denen die Stadtwerke in liberalisierten Märkten agieren, eine an Marktbedingungen ausgerichtete Preispolitik verfolgt wird. Um dieses Ziel zu erreichen, die Bevölkerung mit bezahlbarem Strom zu versorgen, ist diese Kraftwerksbeteiligung notwendig, auch vor dem Hintergrund, dass die Gewinne aus den Netznutzungen durch staatliche Regulierung geringer werden. Lediglich circa 20 Prozent des von den Stadtwerken derzeit verkauften Stroms soll über die Kraftwerksbeteiligung abgedeckt werden. Darüber hinaus beteiligen sich die Stadtwerke bereits heute an der Produktion von regenerativer Energie. Auch diese Beteiligungen werden in Zukunft ausgebaut. Doch stößt dieser Ausbau derzeit an Grenzen. Es soll nur an den Konflikt Biomasse gegen Produktion von Lebensmitteln und Artenvielfalt erinnert werden. Ein namhafter Ökostromanbieter liefert entgegen eigener Werbung Strom aus Atom- und Kohlekraftwerken an seine Kunden. Dies zeigt, dass die Versorgungssicherheit der Bürger mit Energie auf Dauer nur unter Einbeziehung konventioneller Kraftwerke möglich ist. Wer behauptet, die Versorgungssicherheit sei mit dem Ausstieg aus Atom- und Kohleenergie zu erreichen, schafft sich eine virtuelle Welt zu Lasten der Bürger. Die Klimaschutzziele werden auch mit wirtschaftlichen neuen Kohlekraftwerken erreicht.

Klaus-Peter Kleiner ist Stadtrat der CDU und Aufsichtsrat der Stadtwerke

CONTRA: Kosten für Familien

Sieben von 27 geplanten Kraftwerksprojekten in Deutschland sind wegen wirtschaftlicher Bedenken bereits gekippt. Meine sechs Gründe gegen eine Beteiligung in Brunsbüttel:

1. Konstanz ist Mitglied im Klimabündnis und will den EEA (European Energy Award), das geht nicht mit Kohlekraft. Die effizientesten Kohlekraftwerke setzen 55 Prozent Wärme ungenutzt frei. Das leistet sich heute kein privater Haushalt mehr. Für den Klimaschutz ist dies katastrophal und nicht zukunftsfähig.

2. Der Gemeinderat will keine Produkte aus Kinderarbeit fördern. In südamerikanischen Kohleminen arbeiten Kinder zwölf Stunden am Tag für Hungerlöhne. Das würden wir keinem unserer Kinder zumuten.

3. Unsere Stadtwerke haben viele Kompetenzen in regenerativen Energien und im ÖPNV, Kohlekraft passt nicht dazu.

4. Konstanzer Geld wird nicht in der Region investiert! Über ein Investitionsvolumen von bis zu 20 Millionen Euro für Holzkraftwerke und BHKW (Blockheizkraftwerke) würden sich regionale Firmen freuen.

5. Es reicht die Umsetzung der Meseberger Beschlüsse, um mit Einsparungen, Effizienzsteigerungen und einem Umstieg auf Erneuerbare Energien eine zukunftsfähige Energieversorgung sichern.

6. Die wirtschaftlichen Grundlagen sind extrem unsicher: Kohlestrom ist heute mit abgeschriebenen Kraftwerken konkurrenzfähig, Brunsbüttel konkurriert in 20 Jahren mit abgeschriebenen Windparks, die unabhängig vom Kohlepreis sind. Kohle ist seit Planungsbeginn 2002 fast 2,5-mal so teuer geworden, die Baukosten werden sich bis zum Bau verdoppeln. Die EU will einen vollen Handel mit CO-Zertifikaten, für eine Familie kommen auf den Kohlestrom dann zehn Prozent mehr Kosten drauf. Brunsbüttel liegt wie andere Kraftwerke und entstehende Windparks am Meer, es braucht neue Stromtrassen, die Milliarden dafür müssen auf den Strompreis umgelegt werden. Im ersten Quartal 2008 gab es Engpässe in der Kohleversorgung, australische Minen waren überschwemmt, China und USA brauchen die Kohle selbst."

Thomas Schaefer, Geschäftsführer BUND für Umwelt und Naturschutz





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