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Bürgerinitiative Gesundheit u. Klimaschutz Unterelbe/Brunsbüttel
 
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Arne

Beiträge: 539

New PostErstellt: 07.12.08, 15:17     Betreff: "Proteste gegen die Kohlepolitik der Rätia Energie", europaticker - 04.12.2008

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04.12.2008

europaticker: Kohlekraftwerk Brunsbüttel: 

Proteste gegen die Kohlepolitik der Rätia Energie

Mit „großer Bestürzung“ reagieren die Einwohner der Regionen Brunsbüttel und Wilstermarsch auf die Pläne der Rätia Energie, sich mit bis zu 900 Megawatt (einem Kraftwerksblock) am Bau und Betrieb des Steinkohlekraftwerkes der Südweststrom Kraftwerk GmbH (SWS) in Brunsbüttel (Schleswig-Holstein) zu beteiligen. 64% der befragten Brunsbütteler Einwohner und die große Mehrheit der Einwohner der angrenzenden Gemeinden in der betroffenen Region lehnen das Projekt ab und unterstützen die Bürgerinitiative für Gesundheit und Klimaschutz Unterelbe / Brunsbüttel (BI).

Protestaktion

Die BI sendet daher am 4. und 5. Dezember eine Delegation mit 3 Vertretern zu einer Protestreise nach Chur und Poschiavo im Kanton Graubünden. Am 4.12. werden Dr. Arne Firjahn, Dr. Karsten Hinrichsen und Stephan Klose ein Manifest an Herrn Stefan Engler, Regierungsrat des Kanton Graubünden übergeben und ihr Anliegen vortragen. Der Kanton Graubünden ist mit 46% der größte Aktionär der Rätia Energie. In einer anschließenden Medienkonferenz im Grossratsgebäude Chur werden die Vertreter der BI, gemeinsam mit Vertretern der Sozialdemokratischen Partei Graubünden (SP) und der WWF Graubünden, den Kanton Graubünden und dessen Bevölkerung eindringlich bitten, die Entscheidung über eine weitere Beteiligung der Rätia Energie an sich zu ziehen und den Ausstieg aus der geplanten Kraftwerksbeteiligung zu fordern. Die Kraftwerksbeteiligung wäre ökologisch, wirtschaftlich und politisch von einer Tragweite, die nicht von der Rätia Energie alleine, sondern im Kanton Graubünden öffentlich diskutiert und entschieden werden sollte. Am 5.12. wird die Delegation mit dem Bernina-Express nach Poschiavo, dem Stammsitz der Rätia Energie, fahren. Dort soll mit Herrn Kurt Bobst, Direktor der Rätia Energie, über die jeweiligen Standpunkte diskutiert werden. Die BI wird der Rätia Energie einen 36 kg schweren versiegelten Eimer übergeben. Dieser symbolisiert die Schadstoffe die innerhalb von einer Minute durch das geplante Kohlekraftwerk ausgestoßen werden. Die Protestaktion endet am Abend des 5.12. mit einer von der WWF geplanten Podiumsdiskussion in Chur. Neben den Vertretern der Rätia Energie werden Johannes Pfenninger, Grossrat der SP und Rainer Baake, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe diskutieren.  

Argumente der Kraftwerksgegner
Es gibt keine ineffektivere und CO2-intensivere Art der Stromerzeugung als die in Kohlekraftwerken ohne Wärmeauskopplung. Mehr als die Hälfte der erzeugten Wärmeenergie wird direkt in die Elbe geleitet (anders ausgedrückt: jedes zweite Kohle-Schiff, dass von weit her in Brunsbüttel anlegt, kommt ausschließlich, um dort den Fluss aufzuheizen und verursacht zusätzliche ökologische Probleme). Gleichzeitig arbeiten in südamerikanischen Kohleminen Kinder zwölf Stunden am Tag für Hungerlöhne, um Kohle zu fördern, die dann in Brunsbüttel zu über 50% ungenutzt verschleudert wird.Das geplante Kohlekraftwerk ohne Kraft-Wärme-Kopplung erzeugt pro Kilowattstunde fast viermal soviel CO2 wie ein gleich großes Gas-Kraftwerk mit Kraft-Wärme-Kopplung. Das Kraftwerk wird rund 10 Millionen Tonnen CO2 jährlich ausstoßen. Der Kanton Graubünden kann mit allen denkbaren lokalen Initiativen gar nicht soviel Kohlendioxid einsparen, wie durch eine Kraftwerksbeteiligung zusätzlich erzeugt würde. Rätia Energie wirbt für ein „modernes“ Kohlekraftwerk, welches gegenüber alten bestehenden bis zu 30% CO2-Emissionen einsparen soll. Nicht erwähnt wird, dass dieses Kohlekraftwerk mit 1.800 Megawatt eines der größten Steinkohlekraftwerke in Deutschland ohne Kraft-Wärme-Kopplung sein wird. Viele existierende bzw. neu geplante Kraftwerke werden dagegen heute in so genannter Kraft-Wärme-Kopplung (z.B. für Fernwärme oder industrielle Prozesswärme) betrieben und weisen somit eine weit bessere Klimabilanz auf. Ein elektrischer Wirkungsgrad von knapp 46% nützt im Ergebnis wenig, wenn mehr als die Hälfte der erzeugten Wärmeenergie ungenutzt bleibt. Das Kraftwerk wird rund 750 Gramm CO2 pro erzeugte Kilowattstunde produzieren, während der Weltdurchschnitt der Stromerzeugung nur bei rund 578 Gramm pro Kilowattstunde liegt. Hinzu kommen gesundheitsgefährdende Schadstoffbelastungen in der Region, durch Tonnen von Feinstaub sowie giftige und krebserregende Schwermetalle, Dioxine und Benzo(a)pyrene.   Das Kohlekraftwerk ist aber nicht nur für das Weltklima und die Anwohner des Kraftwerks ein Risiko, sondern auch für seine Betreiber. Eine neue Generation von Kohlekraftwerken, die immer noch weniger als die Hälfte der eingesetzten Energie in Strom umsetzt, wird in Zukunft kaum noch wirtschaftlich sein. Kohlestrom ist heute nur mit abgeschriebenen Kraftwerken sicher konkurrenzfähig zu produzieren. Das geplante Kraftwerk in Brunsbüttel konkurriert in 20 Jahren unter anderem mit abgeschriebenen Windparks, die keine Brennstoffkosten haben und damit unabhängig vom Kohlepreis sind. Der Preis für eine Tonne Kohle hat sich seit Beginn der Kraftwerksplanungen (2002) fast um das 2,5-fache verteuert. Die Baukosten werden sich bis zum Baubeginn voraussichtlich verdoppeln. Wegen des massiven Anstiegs der Windenergieerzeugung in der Nordsee und der erwarteten Engpässe in den Stromnetzen wird es aufgrund des gesetzlich geregelten Windstromvorranges zu einer verringerten Ausnutzung des Kohlekraftwerks in Brunsbüttel kommen. Dies erläuterte Prof. Dr. Olav Hohmeyer, als Mitglied im UN-Klimarat (IPCC) auch Träger des Friedensnobelpreises, in einem Vortrag zum Thema Kohlekraftwerk Brunsbüttel.

Wenn der Kanton Graubünden den Klimaschutz ernst nimmt, kann er nicht gleichzeitig den klimafeindlichen Energieträger Steinkohle fördern. Wer jetzt auf den Bau von Steinkohlekraftwerken mit einer Betriebsdauer von 40-50 Jahren setzt, blockiert zudem Investitionen in effizientere und klimafreundliche Energietechnologien auf Jahrzehnte. Die Rätia Energie sollte bei der Beurteilung ihrer künftigen Energieerzeugung berücksichtigen, welche Auswirkungen sie auf die regionale und die nationale CO2-Bilanz hat und wie die beschlossenen mittel- und langfristigen nationalen Klimaschutzziele damit zu vereinbaren sind. Der Kanton Graubünden und die Rätia Energie sollten sich ihrer Verantwortung für Ihre Bürgerinnen und Bürger und das Klima bewusst werden und statt in Kraftwerkstechnologie des 20. Jahrhunderts in ökologisch und wirtschaftlich sinnvollere Lösungen wie Gas- oder Biomassekraftwerke mit Wärmeauskopplung im Verbund mit Wasserkraft- und Geothermie-, sowie Windkraft- und Solarenergie-Anlagen investieren.

URL: http://www.umweltruf.de/news/111/news0.php3?nummer=20513





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