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Interview mit Vattenfall-Norddeutschland-Chef Peter Wasmuth. WZ vom 01.11.2012

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Autor Beitrag
Claudia

Beiträge: 4532

BI Teilnehmernummer: 106

New PostErstellt: 02.11.12, 23:56  Betreff: Interview mit Vattenfall-Norddeutschland-Chef Peter Wasmuth. WZ vom 01.11.2012  drucken  weiterempfehlen



„An der Realität vorbei“

Mit dem Vattenfall-Norddeutschland-Chef Pieter Wasmuth sprach unser Redaktionsmitglied Rainer Mohrmann über AKW-Rückbau und Windkraft

Herr Wasmuth, welche Bedeutung hat Schleswig-Holstein für Vattenfall?


Wasmuth: Eine große Bedeutung. Wir sind als Nachfolgerin der HEW seit
Jahrzehnten eng verflochten mit dem Land und seinen Menschen. Seit 25
Jahren erzeugen wir im Windpark Westküste regenerativen Strom. Vor dem
Hintergrund der Energiewende wollen wir insbesondere die Windkraft in
Schleswig-Holstein weiter ausbauen – an Land und vor der Küste. Gerade erst wurde der Nobiskrug-Werft in Rendsburg der Auftrag zum Bau einer Wohnplattform für unseren neuen Offshore-Windpark
Dan Tysk erteilt. Aktuell starten wir mit den Vorbereitungen für den
Rückbau des Kernkraftwerks in Brunsbüttel. Vattenfall hat bisher in
Schleswig-Holstein Arbeitsplätze geschaffen und
Steuern und Abgaben gezahlt. Das wollen wir auch in Zukunft in anderen
Bereichen der Energieerzeugung tun.

Die
Landesregierung hat im Bundesrat gerade eine Initiative gestartet, um
den sicheren Einschluss für Kernkraftwerke aus dem Atomgesetz zu
streichen und den Rückbau verpflichtend zu machen – was sagen Sie dazu?


Beide Varianten haben Vor- und Nachteile. Für unsere Entscheidung hat
die Tatsache eine wichtige Rolle gespielt, dass wir die Fachkenntnisse
unserer Mitarbeiter optimal nutzen können, die die Anlage kennen.
Außerdem haben wir beim direkten Rückbau mehr Sicherheit in der
Kalkulation – wir müssen nicht mit Kosten kalkulieren, die irgendwann in
ferner Zukunft anfallen. Der direkte Rückbau kostet natürlich auch
Geld, aber dafür haben wir seit Langem Rückstellungen gebildet, die
jedes Jahr von Wirtschaftsprüfern testiert werden.

Dann unterstützen Sie also die Landesregierung in ihrem Vorhaben?

Ein Vertreter des Bundesumweltministeriums hat auf einer Veranstaltung
die Bundesratsinitiative dahingehend kommentiert, sie sei nicht sinnvoll
und insbesondere die starre Fristenregelung gehe an der Realität
vorbei. Das sehen wir genauso.

Was sind die wirklichen Probleme?

Wenn wir Kernkraftwerke zurückbauen wollen, brauchen wir Endlager. Es
stellt sich die Frage, warum die Landesregierung Fristen für den
schnellen Rückbau durchsetzen will, während sie bei der Endlagerfrage
bisher wenig Initiative gezeigt hat. Schacht Konrad als Endlager für
schwach- und mittelradioaktive Abfälle ist seit 2007 genehmigt, aber die
Inbetriebnahme wurde schon mehrmals verschoben. Derzeit heißt es, es
stünde ab 2019 zur Verfügung – frühestens. Außerdem zeigt sich in der
Praxis, dass selbst die Verbringung von einfachem Bauschutt vom früheren
Kernkraftwerk Stade Schwierigkeiten mit sich bringt, weil aus einem
gefühlten Unbehagen Deponien die Annahme solcher Abfälle verweigern. Wir
haben das Energiewendeministerium in Kiel schon vor Wochen darauf
hingewiesen, dass hier mit Problemen gerechnet werden muss, die wir
allein nicht lösen können.

Warum beschreiten Sie dann den Rechtsweg und klagen gegen den Atomausstieg?

Wie schon gesagt: Vattenfall stellt nicht die Energiewende in Frage –
im Gegenteil, wir investieren kräftig in erneuerbare Energien. Es geht
uns aber darum, dass wir die 13. Atomgesetznovelle als Eingriff in unser
verfassungsrechtlich geschütztes Eigentum betrachten, der ohne
angemessene Entschädigung verfassungswidrig ist.


Wann werden Sie mit dem Rückbau in Brunsbüttel beginnen?

Der Rückbau der Kernkraftwerke ist eine komplexe Herausforderung.
Sicherheit hat unverändert die Priorität. Wir wollen den Rückbau so
schnell wie möglich beginnen und im etablierten Aufsichts- und
Genehmigungsverfahren durchführen. Es liegt aber nicht nur an uns
allein. Das jetzt kommende Antragsverfahren wird wahrscheinlich mehrere
Jahre benötigen. Erst wenn die Behörde in Kiel die Genehmigung erteilt
hat, können wir richtig loslegen.

Die Grüne Wiese in Brunsbüttel noch in diesem Jahrzehnt ist also unrealistisch?
Auf jeden Fall. Ich sehe mit Sorge, dass gerade in letzter Zeit immer
wieder vollkommen übertriebene Erwartungen geweckt werden. Da wird mit
den Menschen gerade an den Kraftwerksstandorten nicht ehrlich
umgegangen, und das lehne ich ab. Die Energiewende ist ein zu wichtiges
Thema für die Zukunft nicht zuletzt des Wirtschaftsstandorts
Deutschland, um sie für kurzatmige Effekthascherei zu missbrauchen,
dessen sollte sich jeder bewusst sein. Wir wollen den Dialog mit der
Bevölkerung, aber der muss seriös und ehrlich geführt werden.

Welche Projekte haben Sie neben dem Rückbau der Kernkraftwerke für Schleswig-Holstein in der Pipeline?
Die Energiewende bietet auch neue Chancen für uns als Energieversorger.
Wir verfolgen dabei zwei Ziele. Zum einen wollen wir in Schleswig-Holstein
aktiv zum Ausbau erneuerbarer Energien beitragen. Unser Projekt DanTysk
vor der Küste von Sylt startet noch in diesem Jahr. Ein weiterer
Offshore-Windpark, Sandbank, ist bereits sehr
weit in der Planung fortgeschritten. Parallel dazu wollen wir die
Integration erneuerbarer Energien voranbringen. Das größte Problem von
Wind und Sonne ist ja die eingeschränkte Verfügbarkeit bei Flauten oder
Wolkenfeldern.

Wie wollen Sie das Problem lösen?

Wir brauchen insbesondere flexibel regelbare Kraftwerke und Speicher.
In Wedel bauen wir dazu ein modernes Gas- und Dampfturbinenkraftwerk mit
einem großen Speicher und Elektroboiler. Damit können wir die
Windproduktion großer Offshore-Windparks
problemlos integrieren. Außerdem gewinnt das einzige
Pumpspeicherkraftwerk Norddeutschlands in Geesthacht als Speicher für
Erneuerbare und Garant für Netzstabilität zunehmend an Bedeutung. Das
wurde zwar schon 1958 in Betrieb genommen, wird uns zur Speicherung der
Erneuerbaren aber noch sehr hilfreich sein.

Interview: Rainer Mohrmann







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