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Claudia

Beiträge: 4532

New PostErstellt: 04.09.13, 23:24     Betreff: Re: Stromausfall: Land arbeitet an Notplänen. WZ vom 04.09.2013

Kalter Zwilling: Thriller
Kommentar von Seite 2:



Stromausfall – das Risiko wächst

Planwirtschaft und der steigende Anteil erneuerbarer Energien am deutschen Strommix gefährden die Versorgungssicherheit


Margret Kiosz

Einmal im Jahr für zehn Minuten zwangsweise bei Kerzenlicht sitzen –
das überstehen alle. Aber ein landesweiter, womöglich mehrtägiger
Stromausfall, das wäre der Supergau. In den Kliniken reicht der Diesel
für die Notstromaggregate ganze zwei Tage. Beim Discounter würden die
Lebensmittel verderben, Heizungen würden ausfallen, die
Sicherheitsvorkehrungen in den Gefängnissen und die Klospülung im
Eigenheim würden außer Kraft gesetzt – kurz: Zivilisiertes Leben wird in
Frage gestellt. Schleswig-Holsteiner haben bei
der Schneekatastrophe erlebt, was das bedeutet. Weil auch die
wirtschaftlichen Folgen von Stromausfällen enorm sind, muss die
Bundesregierung mit einem Kraftakt dafür sorgen, dass die
Energieversorgung auch in Zukunft reibungslos funktioniert. Gelingt ihr
das nicht und der Bürger sitzt öfter im Dunkeln als ihm lieb ist, wird
die Akzeptanz für die Energiewende schneller schmelzen als Eis in der
Sonne. Schon jetzt kippt die Stimmung, weil die Öko-Umlage Strom zum Luxusgut macht.


Warner und Mahner hat es genug gegeben. Vor mehr als einem Jahr hat
sogar die bundeseigene Netzagentur auf das wachsende Risiko eines
großflächigen Blackouts hingewiesen. Das Problem liegt schließlich auf
der Hand: Auf der einen Seite haben die Marktliberalen in der Berliner
Koalition das alte Oligopol von RWE, Eon & Co. geknackt und die
Energieriesen gezwungen, ihre Stromnetze an Dritte zu verkaufen. Im
Prinzip ein guter Ansatz, der endlich für mehr Wettbewerb gesorgt hat.
Auf der anderen Seite wird jedoch der Bereich der erneuerbaren Energien
nach dem klassischen Prinzip einer Planwirtschaft reguliert. Alle
Marktmechanismen hat man außer Kraft gesetzt, indem man Wind- und
Sonnenstrom in beliebiger Menge zum festen Preis ankauft – egal ob er
gebraucht wird oder nicht.


Hier kollidieren zwei Systeme, die nicht zusammen passen. Das muss
mittelfristig zum Kollaps führen, weil im deregulierten Bereich niemand
mehr investiert und fossile Kraftwerke baut, um bei Windstille Strom zu
liefern. Katastrophenübungen und Arbeitskreis-Gründungen
sind nur der hilflose Versuch, angesichts der brisanten Lage Aktivität
zu demonstrieren. Nötig ist spätestens nach der Bundestagswahl eine
echte Wende in der Energiepolitik.







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