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Fukushima: Verstrahlte US-Soldaten klagen. WZ vom 15.01.2014

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Claudia

Beiträge: 4532

BI Teilnehmernummer: 106

New PostErstellt: 17.01.14, 00:01  Betreff: Fukushima: Verstrahlte US-Soldaten klagen. WZ vom 15.01.2014  drucken  weiterempfehlen

Fukushima: Verstrahlte US-Soldaten klagen
Washington

Zunächst freuten sich die Crewmitglieder des US-Flugzeugträgers
„Ronald Reagan“ über den Schnee, der am 13. März 2011 plötzlich vor der
Küste Japans auf das Landedeck fiel. Einige Matrosen begannen sogar
eine Schneeballschlacht, bis der Kapitän anordnete, die weiße Pracht
über Bord zu fegen. Dabei bemerkten die Männer und Frauen erstmals das,
was Lindsay Cooper als „Wolke warmer Luft mit metallischem Geruch“
bezeichnet. Heute wissen die 24-jährige Cooper und die anderen
Marinesoldaten: Es war der radioaktive „Fallout“ des nahen
Unglücksreaktors in Fukushima, der sich während des Hilfseinsatzes für
die Erdbeben- und Tsunami-Opfer über sie gelegt hatte.


Die gesundheitlichen Folgen sind für Cooper and andere Crewmitglieder
so verheerend, dass ihre Anwälte jetzt an einer Sammelklage gegen den
Reaktorbetreiber „Tepco“ arbeiten. Im kommenden Monat soll diese Klage
in Kalifornien eingereicht werden. Über 70 Besatzungsmitglieder leiden
unter Symptomen, die aus medizinischer Sicht typisch für
Strahlungsschäden sind: Vergrößerte Schilddrüsen, Sehstörungen, Blut-
und Hodenkrebs. Die Erkrankten geben heute nicht nur dem radioaktiv
durchsetzten Schnee, sondern auch dem Pazifikwasser die Schuld. „Tepco“
habe, so Anwalt Charles Bonner, Millionen Liter nuklearverseuchtes
Wasser ins Meer geleitet – aber Hilfsschiffe wie die „Ronald Reagan“
nicht von den Gefahren informiert. Manche Matrosen sprangen sogar ins
Wasser, um Menschen zu retten. Andere tranken Wasser, das durch eine
Entsalzungsanlage an Bord geleitet worden war.


Die meisten der Betroffenen sind jung, gerade 25 oder 26 Jahre alt – und könnten bald Invaliden sein. Ansprüche an die US-Marine
haben sie aber nicht: Der Oberste Gerichtshof urteilte bereits vor mehr
als 60 Jahren, dass Militärangehörige kein Klagerecht gegen ihren
Arbeitgeber und damit die USA haben.


„Tepco“ hat bereits zu erkennen gegeben, dass man die Forderungen nach
Schadensersatz nicht anerkennen will. Die Krankheiten stünden in keinem
Zusammenhang mit der Verstrahlung. Eine Behauptung, die jedoch im
krassen Gegensatz zum Verhalten Japans nach der Katastrophe steht: Als
der US-Flugzeugträger nach der dreiwöchigen
Rettungsmission in einem japanischen Hafen anlegen wollte, wurde dies
mit der Begründung versagt: Die radioaktive Verseuchung des Schiffes sei
zu hoch.
Friedemann Diederichs



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