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Nach dem Atomausstieg muss der Kohleausstieg kommen. WZ vom 05.03.2014

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Autor Beitrag
Claudia

Beiträge: 4532

BI Teilnehmernummer: 106

New PostErstellt: 06.03.14, 00:22  Betreff: Nach dem Atomausstieg muss der Kohleausstieg kommen. WZ vom 05.03.2014  drucken  weiterempfehlen



„Nach dem Atomausstieg muss der Kohleausstieg kommen“

Professor Claudia Kemfert, Energieökonomin am
Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin, erklärt warum
die Energiewende nicht den Interessen Einzelner geopfert werden darf.

Frau Professor Kemfert, der Autor
Olaf Preuß befürchtet in „Kraftwerk Küste“, dass die verschiedenen
Interessen der einzelnen Bundesländer nicht zur „wirtschaftlich und
technologisch idealen“, sondern der politisch am wenigsten umstrittenen
Energiewende führen könnten. Wie kann dieser Gefahr begegnet werden?


Claudia Kemfert: In erster Linie durch Information und Transparenz.
Nur wenn deutlich gemacht wird, dass die wirtschaftlich und
technologisch ideale Energiewende viele Vorteile für die gesamte
Gesellschaft schafft, diese aber von vielen Partikularinteressen aus den
verschiedensten Bereichen der Wirtschaft torpediert wird, wird man
verstehen, dass es hier einen „Kampf um Strom“ gibt. Die Menschen in
Deutschland wollen die Energiewende, daher ist es auch so wichtig, dass
sie nicht Einzelinteressen geopfert wird.


Und wie sieht es mit den Interessen der
Onshore- und Offshore- Windkraft und der Fotovoltaik aus? Wie können
diese unter einen Hut gebracht werden?


Es ist oftmals schade, dass sich die erneuerbaren Energien
untereinander ausspielen, anstelle gemeinsam Lösungen anzubieten. Diese
Branche hat eine Schlüsselaufgabe: Anstelle sich lamentierend und
deprimiert auf der Stelle zu bewegen, wäre es wichtig, der Gesellschaft
und Politik Lösungen anzubieten, und vor allem die Vorteile einer klugen
Energiewende deutlich zu machen.


Günstiger, durch Einspeisevergütungen
geförderter Ökostrom und die Abschaltung zahlreicher Atomkraftwerke hat
dazu geführt, dass ausgerechnet der Strom aus Braunkohle boomt. Warum
kommt es bei der Energiewende zu diesen paradoxen Situationen, die die
Glaubwürdigkeit des Vorhabens in Frage stellen?


Derzeit gibt es massive Überkapazitäten durch alte Kohle- und
Atomkraftwerke sowie phasenweise erneuerbare Energien. Durch die
Überkapazitäten sinkt der Strompreis an der Börse, wodurch die
Wirtschaftlichkeit von konventionellen Kraftwerken geschmälert wird. Aus
diesem Grund und aufgrund der Tatsache, dass die CO2
Preise auf einem historisch niedrigen Niveau sind, sind
Braunkohlekraftwerke derzeit sehr wirtschaftlich. Aus diesem Grund
steigt der Einsatz an, mit ihm die Treibhausgasemissionen. In der Tat
ist das der völlig falsche Weg, da man sich mehr und mehr aus der Kohle
verabschieden muss. Nach dem Atomausstieg muss der Kohleausstieg folgen.
Wenn der Emissionsrechtehandel nicht repariert werden kann, weil man
sich in Europa nicht einigen kann, wäre es wünschenswert über weitere
Lösungen nachzudenken, die den Kohleausstieg in Deutschland in den
kommenden Jahrzehnten ermöglichen. Denkbar sind ähnliche Vereinbarungen,
wie man sie beim Atomausstieg getroffen hat, oder aber die Einführung
von CO2 Grenzwerten.


Befürworter der Energiewende fordern ein neues
Strommarktdesign, das sich um die erneuerbaren Energien herum gestaltet.
Wie könnte so ein System aussehen?


Die Strukturen werden sich ja verändern, man wird mehr dezentrale
Energieversorgungsstrukturen bekommen, in denen erneuerbare Energien,
Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen
und intelligente Verteilnetze sowie Speicherlösungen ineinander
verzahnt werden. Dazu bedarf es auch einem effektiven Lastmanagement,
welches Angebot und Nachfrage aufeinander abstimmt. Ein Marktdesign muss
so geschaffen sein, dass es einen ausreichenden Rahmen und finanzielle
Anreize gibt, um diese Entwicklungen zu ermöglichen. Dabei sollte das
EEG nicht abgeschafft, sondern klug angepasst werden.


Nach der jüngsten Debatte um steigende Strompreise und die EEG-Umlage
droht der Rückhalt für die Energiewende in der Bevölkerung zu
schwinden. Was raten Sie der Bundesregierung bei der Neufassung des EEG
anders zu machen, damit die Energiewende auf Kurs bleibt?


Zuallererst aufhören, die Ökoenergien als alleinige Preistreiber zu
stigmatisieren. Schon heute könnte der Strompreis sinken, wenn auch die
niedrigen Strombörsenpreise an die Verbraucher weiter gegeben werden
würden. Es gibt ja auch zahlreiche Anbieter, die die Strompreise senken.
Anstelle einseitig die Öko-Energien als Sündenbock für unverhältnismäßige Strompreissteigerungen zu stigmatisieren und Vergütungssätze für Öko-Energien
zu vermindern und den Ausbau zu drosseln, wäre ein Gesamtpaket
notwendig, welches wirklich geeignet wäre, den Strompreis zu senken: die
Industrieausnahmen müssen vermindert werden, der Strompreis an der
Börse stabilisiert werden – alte, überflüssige Kohlekraftwerke können in
den Regionen, wo der Überschuss besonders hoch ist, dauerhaft
abgeschaltet werden – und die richtigen Investitionsanreize müssen für
Gas- und Speichertechnologien geschaffen werden.


Interview: Kerstine Appunn






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