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Die Nordsee ist sauer. WZ vom 31.10.2009

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Autor Beitrag
Claudia

Beiträge: 4532

BI Teilnehmernummer: 106

New PostErstellt: 03.11.09, 23:41  Betreff: Die Nordsee ist sauer. WZ vom 31.10.2009  drucken  weiterempfehlen



Die Nordsee ist sauer

Der Säure-Gehalt der Nordsee ist aufgrund der
CO2-Emissionen
viel stärker angestiegen als erwartet. Um die Auswirkungen der
Versauerung in der Nordsee und anderen Meeren zu erforschen, trafen sich
in dieser Woche rund 100 Forscher am Leibniz-Institut für Meereswissenschaften in Kiel.

Kiel/sh:z

Eigentlich sei die Versauerung
der Ozeane eine ganz positive Sache, meint Prof. Dr. Ulf Riebesell.
„Immerhin haben die Weltmeere die Hälfte des Kohlendioxids aus fossilen
Energieträgern aufgenommen“, so der Ozeanograph vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften. Hätten die Ozeane nicht so viel CO2
geschluckt, wäre der Klimawandel heute schon sehr viel weiter
fortgeschritten. Doch die Meere zeigen erste Verdauungsprobleme: Das
Kohlendioxid macht das Wasser immer saurer, der pH-Wert
sinkt. Bedingungen, mit denen nicht alle Lebewesen zurecht kommen.
Gerade Organismen wie Muscheln, Seeigel oder Korallen haben Probleme.
Denn sie bauen Kalk-Skelette und -Schalen auf, die in einem zunehmend sauren Milieu angegriffen werden.


Diese und viele weitere Folgen der Ozean-Versauerung
sollen in dem neu aufgelegten Großforschungsprojekt BioAcid (Biological
Impact of Ocean Acidification) erforscht werden. Ulf Riebesell , Leiter
von „BioAcid“, lud in dieser Woche die beteiligten Forscher aus 14
deutschen Instituten und Universitäten zu einem Koordinierungstreffen
nach Kiel.


Dabei waren die Wissenschaftler ihrem Untersuchungsobjekt ganz nahe.
Denn die Ostsee ist eine Art Prognosemodell, wenn es um Versauerung
geht. „Das Besondere an der Ostsee ist, dass sich der pH-Wert
in einer Saison um mehrere Zehntel ändert. Das ist ein Betrag, den wir
eigentlich für die nächsten 100 Jahre prognostizieren“, so Riebesell.
Das Binnenmeer, das auch im Salzgehalt und in der Temperatur großen
Schwankungen unterliegt, zeigt daher Prozesse auf, die in den großen
Ozeane erst in der Zukunft erwartet werden.


Bei „BioAcid“ soll nun vor allem auch erforscht werden, ob und wie
sich die Organismen in der Ostsee schon an die stellenweise hohen
Konzentrationen von CO2 angepasst haben. Denn bisher sind meist nur Kurzzeit-Experimente durchgeführt worden. „Für die meisten Organismen-Gruppen
sind das Zeiträume, in denen eine Anpassung noch nicht möglich ist. Das
heißt, in der Realität haben sie, sagen wir mal, 100 Jahre Zeit“,
erklärt Ulf Riebesell. Die Frage ist nun: Reichen 100 Jahre?


Um das herauszufinden, ohne vor den Versuchs-Aquarien
graue Bärte zu bekommen, wenden die Wissenschaftler einen Trick an: Sie
wollen das Szenario einer ansteigenden Kohlendioxid-Konzentration
mit Mikroorganismen durchspielen. Denn die haben eine sehr kurze
Generationszeit, so dass die Forscher in zwei bis drei Jahren, 100 bis
1000 Generationen beobachten können. Eine Art Zeitraffer also.


Die Ergebnisse dieser Versuche und vieler anderer Experimente etwa
mit Heringen, Dorschen, Algen, Tintenfischen und vielem mehr landen
schließlich auch bei Prof. Dr. Andreas Oschlies. Er ist
„biogeochemischer Modellierer“ oder etwas einfacher: Prophet. Denn all
die Daten aus Experimenten speist er in Computermodelle ein, welche die
Zukunft simulieren sollen. Und einige düstere Szenarien hat der Rechner
bereits ausgespuckt: Dabei geht es um so merkwürdige Dinge wie
schnaufende Bakterien und Algen als Junk-Food. Aber der Reihe nach: Algen brauchen wie alle Pflanzen CO2.
Da sie davon besonders viel vorfinden, bauen sie mehr Biomasse auf.
Doch die sinkt irgendwann zu Boden und wird dort von Bakterien
„veratmet“, wie die Wissenschaftler sagen. Bei diese „Veratmung“ wird
Sauerstoff verbraucht. „Weil die Bakterien nun aber die fetten Algen
bekommen, also Junk Food quasi, fangen sie an zu schnaufen und
verbrauchen besonders viel Sauerstoff“, erklärt Andreas Oschlies. So
wird zwar an der Oberfläche durch das starke Wachstum der Algen CO2
verbraucht und Sauerstoff produziert. In den unteren Bereichen des
Ozeans könnten dann aber große sauerstoffarme, tote Gebiete entstehen.


Andreas Oschlies könnte noch viele weitere Zusammenhänge aufzeigen,
die aufgrund ihrer komplexen Wechselwirkungen oft erst durch die
Computermodelle deutlich werden. Irgendwann, so hoffen die Forscher,
können sie diesen Modellen auch den Wert entnehmen, der stets
nachgefragt wird: Den Schwellenwert, bei dem alles kippt, bei dem die
Folgen der Versauerung so gravierend sind, dass große Teile des
Ökosystems betroffen sind. Denn dieser Wert sollte zwar ermittelt, aber
nie erreicht werden. Dabei ist Ersteres zumindest wissenschaftlich
ungleich schwerer. Oder, wie Ulf Riebesell es ausdrückt: „Gegen die
Versauerung vorzugehen ist so simpel wie ökonomisch und
gesellschaftlich schwierig: CO2 sparen.“


Tomma Schröder








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