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Kein Interesse an der Leitung. WZ vom 17.10.2013

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Autor Beitrag
Claudia

Beiträge: 4532

BI Teilnehmernummer: 106

New PostErstellt: 18.10.13, 23:55  Betreff: Kein Interesse an der Leitung. WZ vom 17.10.2013  drucken  weiterempfehlen

Nur 100 Bürger investieren in die Stromtrasse

Ernüchterung bei Betreiber und Politik: Kein Interesse an der Leitung

Bayreuth/Husum/sh:z

Die Anleihe zur Finanzierung der Westküsten-Stromtrasse in Schleswig-Holstein
hat nur wenig Käufer gefunden – gerade mal ein paar mehr als hundert.
Das teilte der Netzbetreiber Tennet gestern in Hamburg mit. Das
Emissionsvolumen betrage rund eine Million Euro. Rund 160 000 Haushalte
zwischen Brunsbüttel und Niebüll hatte Tennet angeschrieben. Sie sollten
sich mit mindestens 1000 Euro an der Stromleitung beteiligen und dafür
zunächst drei und später fünf Prozent Zinsen erhalten. So wollte Tennet
auch die Akzeptanz der Bevölkerung für die 150 Kilometer lange
Stromtrasse gewinnen. Verbraucherschützer und Finanzexperten rieten
jedoch von der Anleihe ab, weil sie zu riskant sei.


Tennet-Chef Lex Hartman zeigte sich trotz der
geringen Nachfrage zufrieden: „Der Erfolg bemisst sich für uns nicht in
der Anzahl der gezeichneten Anleihen, sondern in der Erweiterung
unseres intensiven Dialog-Verfahrens um ein
weiteres Element.“ Der grüne Kieler Energieminister Robert Habeck
bedauerte dagegen, dass sich Tennet von einer „echten“ Bürgerbeteiligung
an der Leitung entfernt habe. Die ursprüngliche Idee, nach Vorbild von
Bürgerwindparks einen Teil der Wertschöpfung aus der Leitung in der
Region zu belassen, sei aber richtig gewesen.


Mit großem Bahnhof war die Zeichnungsfrist für die bundesweit erste
„Bürgeranleihe“ zum Bau einer neuen Höchstspannungsleitung Mitte Juni
gestartet worden. Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) und
Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten
Albig (SPD) formulierten zum Auftakt in Heide (Kreis Dithmarschen) große
Erwartungen: „Das Projekt hat Modellcharakter für ganz Deutschland“,
sagte Altmaier. Aber wohl nur bis gestern.


Anders als die kaum nachgefragte Tennet-Anleihe
bewegt die Bürger in Nordfriesland und Dithmarschen der geplante
Leitungsbau ganz erheblich. Im Bereich der Eidermündung ist das Projekt
besonders umstritten. Dass zu der bestehenden 110-Kilovolt-Leitung noch eine 380-Kilovolt-Trasse
hinzukommen soll, treibt viele Menschen um. Es geht um mögliche
Beeinträchtigungen für die Gesundheit, um Vogelschutz und das
Landschaftsbild. Vorgesehen ist, so weit wie möglich beide Leitungen auf
einem Gestänge zu führen.


Laut Energieministerium liegt die Westküstenleitung voll im Zeitplan.
Seit 7. Oktober liegen für den ersten Abschnitt zwischen Brunsbüttel und
Süderdonn in Dithmarschen die Planungsunterlagen aus. Einen Monat lang
können Grundstückseigentümer die Unterlagen einsehen und bis zum 4.
Dezember Einwendungen einreichen.




Kommentar von Seite 2:



Keiner lässt sich gerne kaufen

Warum kaum jemand die Anleihe für die Westküsten-Stromleitung gezeichnet hat

Henning Baethge

Sie wollten eine attraktive Beteiligung an der neuen Westküsten-Stromleitung
– sie bekamen eine riskante Unternehmensanleihe des ungeliebten
Netzbetreibers Tennet. Kein Wunder daher, dass am Ende kaum ein Bürger
aus Nordfriesland oder Dithmarschen das mit großem politischem Trara
angekündigte Wertpapier gezeichnet hat. Nur etwas mehr als 100 von
160 000 angeschriebenen Haushalten haben sich eingekauft.


Zwar verspricht der holländische Staatskonzern Tennet eine Rendite
von erst drei und später fünf Prozent – was angesichts der kümmerlichen
Sparzinsen viel ist. Doch gleichzeitig ist mit der Anleihe ein hohes
Risiko verbunden, vor dem Verbraucherschützer früh gewarnt haben:
Schlimmstenfalls droht ein Totalverlust des angelegten Geldes.


Das ist aber nicht der alleinige Grund für den Fehlschlag der
Anleihe. Vielmehr kommt ein weiterer Vorbehalt der Westküstenbewohner
hinzu: Die gute Idee der Bürgerbeteiligung hat von Anfang an darunter
gelitten, dass Tennet stets hervorgehoben hat, das Geld der Bürger
eigentlich gar nicht zu brauchen. Das stimmt zwar wohl – doch entstand
so gleich der Eindruck, dass der Netzbetreiber die Bevölkerung mit dem
Angebot zum finanziellen Einstieg gar nicht ernsthaft beteiligen als
vielmehr ruhig stellen und von weiteren Protesten abhalten will. Wer
aber mag sich schon nachsagen lassen, käuflich zu sein? Eben.


Daher ist auch zweifelhaft, ob die fehlgeschlagene Anleihe und die
Informationsabende drumherum zumindest den Dialog mit den Betroffenen
vorangebracht haben, wie Tennet-Chef Lex Hartman
hofft. Zwar gab und gibt es allein in diesem Jahr 30 Veranstaltungen
zur Westküstenleitung und zur Bürgerbeteiligung. Doch der Widerstand in
der Region ist nicht schwächer geworden.







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