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Klimawandel in Schleswig-Holstein. WZ vom 22.04.2014

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Autor Beitrag
Claudia

Beiträge: 4532

BI Teilnehmernummer: 106

New PostErstellt: 23.04.14, 22:28  Betreff: Klimawandel in Schleswig-Holstein. WZ vom 22.04.2014  drucken  weiterempfehlen



Mit gutem Beispiel voran

Weltweit muss der Treibhausgasausstoß drastisch gesenkt werden, damit uns nicht zu heiß wird – Was kann Schleswig-Holstein beitragen?

Berlin

Die Nachricht, auf die sich über 800 Wissenschaftler aus 166 Ländern
geeinigt haben, ist nicht neu: Mit seinen Treibhausgasemissionen
verändert der Mensch das Klima auf der Erde und wenn nicht bald etwas
dagegen getan wird, dann ist ein Temperaturanstieg von über zwei Grad
Celsius kaum mehr zu verhindern. Sie sind sich darüber, das erklären die
Klimaforscher immer wieder, so sicher wie nie. Bereits im Februar
brachte es der Direktor des Climate Service Centers in Hamburg,
Professor Guy Brasseur, auf den Punkt: „Die Frage ist nicht, was kann
die Wissenschaft noch herausfinden, die Frage ist jetzt, was machen
wir?“ Der Weltklimarat IPCC hat seine Aussagen fünfmal bestätigt und in
dem jüngsten Teilbericht zu den Möglichkeiten der Klimawandelminderung
erneut betont: Will man die Erwärmung bis Ende des Jahrhunderts auf zwei
Grad begrenzen, müssen die Treibhausgasemissionen bis 2050 um 40 bis 70
Prozent gesenkt werden (im Vergleich zu 2010).


Und jetzt?

„Das bedeutet, der Handlungsdruck ist deutlich gestiegen“, sagt
Professor Manfred Fischedick, Vizepräsident des Wuppertal Institut für
Klima, Umwelt, Energie und Mitautor des Berichts zur
Klimawandelminderung. Denn im Moment befinden wir uns auf einem
Emissions-Pfad, der das genaue Gegenteil
bewirkt, nämlich eine weitaus stärkere Erwärmung auf 3,7 bis 4,8 Grad.
Aber was genau kann getan werden, um den CO2-Anstieg
und all seine Folgen (Schmelzen des arktischen Eises,
Meeressspiegelanstieg, Dürren, Artensterben, Versauerung der Meere) zu
verhindern? „Es gibt keine Königstechnologie für den Klimaschutz, man
muss auf ein breites Portfolio von Optionen zurückgreifen“, sagt
Professor Fischedick. Den größten Anteil an den Treibhausgasemissionen
hat nach wie vor die Energieerzeugung. Bis Mitte des Jahrhunderts bedarf
es daher einer „beispiellosen Ausweitung der CO2-armen Stromproduktion“, befindet der IPCC-Bericht.
Deutschland nimmt sich des Problems mittels der Energiewende an, doch
das allein ist nicht genug, mahnt Professor Fischedick.


Energieeffizienz steigern

Insbesondere im Bereich Energieeffizienz könnten weitaus schneller
viel mehr Treibhausgasemissionen verhindert werden. Die Politik der
deutschen Bundesregierung und der EU seien zu erzeugungsfokussiert, so
Fischedick. So will die EU zwar konkrete Ziele für den CO2-Ausstoß
und die erneuerbaren Energien machen, aber keine zur Energieeffizienz.
„Das ist ein allgemeines Politikmuster, was ich für ziemlich fatal
halte“.


Verbraucherverhalten ändern

Und noch etwas stellt der neue Bericht heraus: Nicht nur
technologische Möglichkeiten müssen ausgeschöpft werden, sondern vor
allem muss jeder einzelne sein Verhalten ändern. Durch mehr
Aufmerksamkeit beim Heizen und Lüften, der Ernährung und unserm
Konsumverhalten, könnten wir unsere persönlichen CO2-Emissionen auf ein verträglicheres Maß senken. Während ein Deutscher etwa 11 Tonnen CO2 pro Jahr verursacht, sind es bei einem Schleswig-Holsteiner
„nur“ 9 Tonnen – was aber nicht daran liegt, dass wir so umsichtig
leben, sondern daran, dass im Norden weniger energieintensive Industrien
angesiedelt sind und der Anteil an erneuerbaren Energien steigt.
Erreicht werden müsste, dass weltweit alle Menschen nur noch einen CO2-Ausstoß
von zwei Tonnen pro Jahr haben. Schwierig ist das nicht nur, weil in
reichen Ländern immer noch neunmal so viel Treibhausgas produziert wird,
wie in ärmeren Staaten, sondern auch weil die Menschen in Ländern wie
Indien und China zunehmend wohlhabender werden, wodurch ihre Emissionen
steigen.


Die leicht sinkenden Emissionszahlen pro Person in Europa sind
bislang nicht auf einen Verhaltenswandel, sondern darauf zurückzuführen,
dass die reichen Ländern immer größere Teile ihrer Industrieproduktion
in andere Staaten auslagern, was die hiesige CO2-Bilanz entlastet.


Kann SH einen Unterschied machen?

Nimmt sich also Schleswig-Holstein die Weisungen der Klimaforscher zu Herzen, könnten mehrere Millionen Tonnen CO2
pro Jahr verhindert werden. Doch macht das überhaupt einen Unterschied,
angesichts eines globalen Ausstoßes von 36 Milliarden Tonnen jährlich
(allein für fossile Brennstoffe – Tendenz steigend)? „Ja“, sagt
Professor Fischedick: „Beim Klimaschutz zählt jeder Tropfen auf den
heißen Stein und aus vielen Tropfen kann natürlich auch ein See werden“.
Außerdem könne jede Region einen Beitrag leisten, indem sie eine
Vorbildfunktion einnimmt, gerade regionale Aktivitäten haben bei der
Energiewende eine wichtige Wirkung auf die bundesweite Strategie. Das
sieht Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert
Habeck (Grüne) genauso. „Wir haben eine Vorbildrolle und wenn wir sie
nicht haben, dann müssen wir sie erkämpfen. Irgendwer muss zeigen, wie
es geht und irgendwer muss anfangen, sonst ändert sich nie was.“ Der
Minister bedauert, dass Europa diese Vorreiterrolle zu verlieren droht.
Statt auf regenerative Energien setzen die Europäer mehrheitlich auf
Kohle und Gas und ließen zu, dass die Verschmutzung des Klimas die
Verschmutzer kaum etwas kostet. Mit richtig gutem Beispiel gehe hingegen
Dänemark bei seiner Wärmeversorgung voran: „Dort gibt es 45 Prozent
erneuerbarer Energien, der Anteil soll bis 2025 auf 70 bis 85 Prozent
steigen.“


Positive Nebeneffekte

Und schließlich liefert der Klimaschutzbericht ein weiteres schlagkräftiges Argument für die Umstellung auf CO2-armes
Leben. Eine klimafreundliche Wirtschaftsentwicklung ist nicht nur von
Nachteil, sie hat sogar so viele positive Nebeneffekte (neben der
Senkung der Feinstaubemissionen oder den Schutz von Regenwäldern), dass
auch die Wirtschaft davon profitieren kann. „Bestes Beispiel ist die
Energiewende“, sagt Robert Habeck. „Sie hat einen gewaltigen
ökonomischen Hebel und ist Jobmotor für Schleswig-Holstein“.
Professor Fischedick bestätigt: „Im Bereich der
Klimaschutzinvestitionen hat man es häufig mit arbeitsintensiven
Technologien zu tun.“ 15 000 neue Jobs im Land seien das Ergebnis,
bestätigt Robert Habeck.





Klimawandel mindern - was können Land und Leute tun?
Die Verbraucher
Um die große CO2-Blase,
die jeder von uns jährlich verursacht (siehe Grafik links) zu
schrumpfen, bedarf es eigentlich nur kleiner Änderungen in unserem
Alltag ...
Auto > für Strecken unter 4 km stehen lassen: spart 170 kg CO2/Jahr; bei 5 km täglicher Fahrt zur Arbeit: -500 kg.
Fleisch > ein halbes Kilo weniger in der Woche: -200 kg CO2/Jahr.
Regionale Produkte > -250 kg.
Abwasch > Waschen im vollen Geschirrspüler statt mit der Hand: -150 kg.
Bahn statt Auto > (auf 2000 km) -185 kg.
Bahn statt Kurzflug > -130 kg.
Heizen > Raumtemperatur um 1˚C senken: -300 kg.
Lüften > Nur 5 Minuten und Heizung dabei aus: -500 kg.
Fenster > Abdichten: -350 kg .
Licht > Energiesparlampe statt Glühbirne:
-280 kg
. (Daten: ecogood.de)

Der Staat

Umweltminister Robert Habeck fasst zusammen: „Wir müssen beim
Klimaschutz nicht nur im Stromsektor vorankommen, sondern vor allem auch
bei der Wärmeversorgung und im Verkehr. Aber auch die Landwirtschaft
kann und muss einen Beitrag leisten. Wir werden in Zukunft spezielle
Beratungen fördern, damit mehr Klimaschutz auf den Höfen einzieht. Wir
schützen zudem seit dem vergangenen Herbst per Gesetz Dauergrünland vor dem Umbruch. Sehr preiswerter und erfolgreicher Klimaschutz ist auch die Wiedervernässung von Mooren, das treiben wir weiter voran. Schließlich sind unsere Wälder CO2-Speicher. Wir müssen sie so bewirtschaften, dass Kohlenstoff gebunden und nicht abgebaut wird.“




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