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Auf der Flucht vor dem teuren Strom. WZ vom 02.07.2013

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Autor Beitrag
Claudia

Beiträge: 4532

BI Teilnehmernummer: 106

New PostErstellt: 03.07.13, 23:27  Betreff: Auf der Flucht vor dem teuren Strom. WZ vom 02.07.2013  drucken  weiterempfehlen



Auf der Flucht vor dem teuren Strom

Unternehmer reagiert mit Verkauf einer Produktionslinie nach China auf steigende Energiekosten / Studie warnt vor höherer EEG-Umlage

Kaltenkirchen

Der Januar dieses Jahres brachte für Günter Strätker die Wende. Es
musste sich etwas ändern. Bei den Strompreisen habe es da noch einmal
eine Erhöhung gegeben, erinnert sich der Unternehmer. Zur selben Zeit
habe seine Firma eine Ausschreibung verloren – statt ins schleswig-holsteinische
Kaltenkirchen ging der Auftrag für Bauteile von Autobremsen nach
Spanien. Die europäische Konkurrenz konnte ein besseres Angebot abgeben –
dank günstigerer Energiekosten.


50 Mitarbeiter beschäftigt Strätker gegenwärtig noch, seine
monatliche Stromrechnung beziffert der Unternehmer auf rund 10 000 Euro.
Seit 14 Jahren ist das Unternehmen als Zuliefer für den Automobilbau
tätig. Wie viele mittelständische Unternehmen in Deutschland leidet auch
Strätkers Unternehmensgruppe unter den immer weiter steigenden
Strompreisen. Günter Strätker zog jetzt die Konsequenz. Eine
Produktionslinie aus seinem Werk in Kaltenkirchen hat er nach China
verkauft. Ende vergangener Woche wurde das letzte Bauteil – ein
Trockenofen – von den neuen Eigentümern abgeholt.


Wie er sich allerdings international noch länger behaupten soll, wenn
die Strompreise weiter steigen, kann Strätker gegenwärtig nicht sagen.
„Heute wird ja global ausgeschrieben“, erzählt er. Und selbst da, wo
sich ein mittelständisches Unternehmen aus Deutschland durchsetzen kann,
können unkalklulierbare Strompreise zum Risiko werden. Habe man da
einmal den Preis abgegeben sei man für einige Jahre gebunden, sagt
Strätker. Wenn die Stromkosten in dieser Zeit in die Höhe schnellen,
haben Unternehmer wie Strätker das Nachsehen. Großkonzerne und die
internationale Konkurrenz interessierten sich nicht dafür, was in
Deutschland derzeit geschehe, sagt er. „Die Aktionäre wollen Geld
verdienen“, so Strätker.


Wie viele mittelständische Unternehmer es Strätker gleich tun, ist
unklar. Das Problem der hohen Strompreise ist bei der Industrie- und
Handelskammer (IHK) Schleswig-Holstein
allerdings gut bekannt. Seit längerem drängt sie zusammen mit anderen
IHKs in Norddeutschland auf Korrekturen bei der Energiegesetzgebung der
Bundesregierung und vor allem der kostentreibenden Ökostrom-Förderung.
Durch alle Parteien hinweg sei der Reformbedarf auch verstanden worden,
so der Energieexperte der Kammer, Peter Mazurkiewicz. Und dennoch: „Das
packt die Bundesregierung in dieser Legislaturperiode aber nicht mehr
an.“


Mittelständische Unternehmen und Verbraucher können schon heute fest
mit einem weiteren Strompreisanstieg rechnen. „Angesichts der aktuellen
Entwicklung müssen sich Verbraucher 2014 auf weiter steigende Umlagen
und Strompreise einstellen“, sagt Daniel Dodt vom Vergleichsportal
TopTarif. „Sollte es den politischen Akteuren kurzfristig nicht
gelingen, die ausufernden Kosten wirksam einzudämmen, ist ein Anstieg
der Umlagen und dafür fälliger Steuern auf deutlich über 300 Euro je
Haushalt wahrscheinlich.“


Bestätigt wird Dodt durch eine Studie des Öko-Instituts, die gestern vorgestellt worden ist. Ihr zufolge soll die von allen Stromverbrauchern zu zahlende Ökostrom-Umlage – kurz EEG-Umlage
– von gegenwärtig 5,277 Cent je Kilowattstunde auf 6,1 Cent steigen.
Zum Vergleich: 2010 lag die Umlage gerade einmal bei 2,05 Cent. Die
tatsächlichen Belastungen für einen durchschnittlichen Drei-Personen-Haushalt
(Verbrauch: 3500 Kilowattstunden) sind seit dieser Zeit von 71 Euro auf
zuletzt 185 Euro gestiegen. 2014 könnten es über 215 Euro sein. Hinzu
kommt, dass eine Studie im Auftrag der Bundestagsfraktion der Grünen,
über die wir bereits berichteten, auch einen drastischen Anstieg von
Rabatten bei Netzentgelten voraussagt. Der Studie zufolge könnte diese
von rund 800 Millionen Euro auf bis zu 1,2 Milliarden Euro anwachsen –
Geld, das über höhere Stromkosten von Verbrauchern und mittelständischen
Betrieben zurückgeholt wird. Für den Durchschnittshaushalt könnte 2014
so am Ende das erste Jahr werden, in dem die jährlichen Kosten die
Schallmauer von 1000 Euro durchbrechen.
Till H. Lorenz






Kommentar von Seite 2:

 
 
Die (Alb-)träume der Energiewende

Unternehmen wandern ins Ausland ab, während Kommunen am großen Rad drehen

Stephan Richter

Mit der Energiewende sind Begehrlichkeiten geweckt worden, die den
Strompreis scheinbar ungebremst in die Höhe treiben. Das große Geld
lockt. Das fängt bei den staatlichen Subventionen an, die Betreiber von
Windkraft- oder Solaranlagen erhalten. Das setzt sich bei den Ländern
fort, die nach den milliardenschweren Zahlungsströmen greifen, die mit
dem Ausbau der erneuerbaren Energien einhergehen. Das endet bei den
Kommunen.


Jeder will ein Stück vom Kuchen abbekommen – mit der Folge, dass die
Energiewende aus dem Ruder läuft. Während erste Unternehmen wegen hoher
Energiepreise ins Ausland abwandern wollen, wird von Hamburg bis Berlin,
von Eutin bis Elmshorn der Ruf nach einer „Rekommunalisierung“ laut.
Städte und Gemeinden wollen die örtlichen Verteilnetze, über die der
Strom in die Haushalte kommt, in Eigenregie betreiben.


„Energienetze in Bürgerhand“: Ideologie und Kleinstaaterei geben sich
bei diesem Ruf die Hand. Zunächst einmal wird das Feindbild von den
bösen Energiekonzernen wiederbelebt. Tatsächlich werden die großen
Netzbetreiber von der Regulierungsbehörde strenger überwacht als
kleinere Stadtwerke. Ob diese ein örtliches Verteilnetz tatsächlich
effizienter betreiben können, darf bezweifelt werden. Zumal die
Zergliederung des gesamten Stromverteilnetzes im Land weder technisch
noch wirtschaftlich Sinn macht. Soll es künftig wirklich an jedem
Ortseingangsschild eine Art Mautstation für die Durchleitung von Strom
geben? Man sieht ihn schon, den Stadtelektriker, der beim Blackout
ausrückt. Und man bangt um die Versorgungssicherheit. Nur ein Beispiel:
Großbritannien kommt mit einem Dutzend Verteilnetzbetreibern aus; in
Deutschland sind es rund 1600.


Zwar locken Kommunen mit dem Argument, dass ihre Stadtwerke für
günstigere Netzentgelte sorgen könnten. Doch dies geht in aller Regel
nur durch Rosinenpickerei. In ländlichen Räumen ist das Betreiben von
Verteilnetzen bei entsprechend niedriger Zahl an Haushaltsanschlüssen
teurer als in städtischen Gebieten. Die Folge der Zersplitterung liegt
auf der Hand: Wer auf dem Land lebt, muss mehr zahlen als Stadtbewohner.
Das aber kann nicht Ziel der Energiewende sein, die die Gesellschaft
immer stärker spaltet.







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