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Klimawandel: So extrem wird das Wetter. WZ vom 15.04.2014

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Autor Beitrag
Claudia

Beiträge: 4532

BI Teilnehmernummer: 106

New PostErstellt: 16.04.14, 00:02  Betreff: Klimawandel: So extrem wird das Wetter. WZ vom 15.04.2014  drucken  weiterempfehlen



So extrem wird das Wetter

Hitze, Stürme, Starkregen – Forscher wollen herausfinden, ob der Klimawandel das Wetter verrückt macht

Hamburg/Bremerhaven

„Unwetter werden extremer und teurer“, warnt der Gesamtverband der
Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) – und ist damit nicht allein.
Wenn vom Klimawandel die Rede ist, dann folgt häufig die Ankündigung der
Apokalypse in Gestalt von Dürren, Starkregen, todbringenden Stürmen
oder extremer Hitze. Tatsache ist: Klimaforscher gehen zwar davon aus,
dass sich mit der globalen Erwärmung das Potenzial für extreme
Wetterereignisse erhöht, sie können aber nur schwer vorhersagen, wie
häufig und stark diese überdurchschnittlich nassen, stürmischen oder
heißen Tage sein werden.


Der Verdacht der Wissenschaftler, dass sich mit dem Klimawandel auch
die Zahl der Extremwetterereignisse erhöht, hängt mit der Erwärmung der
Atmosphäre zusammen. „Mit der Temperatur steigt der Energiegehalt der
Atmosphäre. Diese Energie kann sich zum Beispiel in starken Stürmen
wieder entladen“, erklärt Dr. Daniela Jacob vom Climate Service Center
in Hamburg. Außerdem könne eine wärmere Atmosphäre auch mehr Wasserdampf
aufnehmen, was sich auf die Niederschlagsmenge auswirkt.


Soweit die physikalische Grundlage. Im Detail ist es wichtig, so
Daniela Jacob, dass die verschiedenen Wetterextreme unterschieden
werden. So fällt es den Forschern leichter, Aussagen über
außergewöhnliche Niederschläge und Hitzeperioden zu machen, als über
Stürme. Das gilt auch für Norddeutschland. „Unsere regionalen
Klimamodelle zeigen recht sicher, dass einzelne Regenschauer im Sommer
mehr Wasser mit sich bringen werden, als es vor 30 Jahren der Fall war.“


Solch genaue Aussagen können über die Änderungen von Trockenperioden
noch nicht gemacht werden. Im Sommer, so vermuten Wissenschaftler, wird
sich der Hochdruckgürtel über dem Mittelmeer weiter nach Norden
verschieben, sodass auch in Schleswig-Holstein
häufiger längere Trockenphasen zu erwarten sind. An der Statistik lasse
sich das bereits ablesen, sagt Dr. Michael Theusner vom Klimahaus in
Bremerhaven. Er erklärt dieses Phänomen mit dem Hochdruckgürtel über dem
Mittelmeer, der sich im Sommer weiter nach Norden verschiebt und auch
in Schleswig-Holstein die Zahl und Länge der Trockenphasen steigen lässt.


Zudem hat der Meteorologe in der jüngsten Vergangenheit immer mehr
„blockierte Wetterlagen“ beobachtet – zum Beispiel im letzten Winter.
Wenn es erstmal stürmte und regnete, konnte man die Gummistiefel
frühestens nach einer Woche wieder in den Keller bringen. Oder aber
milde Temperaturen und Trockenheit hielten sich über Wochen. Eine
mögliche Ursache dafür könnte in der Arktis liegen. Gerade dort schlägt
die globale Erwärmung besonders stark zu: „Die Eisdecke schmilzt und
somit die Isolierschicht des Ozeans“, erklärt Michael Theusner. Dadurch
erwärme sich die Arktis verhältnismäßig stärker als unsere mittleren
Breiten, der Temperaturunterschied nehme ab. Das hat Auswirkungen auf
den Jetstream, ein starkes Windband in großer Höhe, das die polare
Kaltluft von der wärmeren Luft der mittleren Breiten trennt und Motor
der Wetterentwicklung ist. „Der Jetstream wird messbar schwächer“, sagt
Theusner. „Dadurch setzen sich Wetterlagen regelrecht fest.“ Und noch
eine weitere Folge bekommen wir laut ihm zu spüren: „Der Jetstream kann
leichter abgelenkt werden und zeigt zum Teil starke Ausbuchtungen nach
Norden und Süden. Dadurch kann polare Kaltluft weit nach Süden und
subtropische Warmluft ungewöhnlich weit nach Norden vordringen, und es
kommen solche Extremsituationen zustande, wie der kalte Winter im
Mittleren Westen der USA und der sehr warme Winter bei uns.“


Wenn es um Häufigkeit und Intensität von Stürmen geht, fällt es den
Forschern schwer, Aussagen über die Zukunft zu machen. Im Norddeutschen
Klimaatlas, der Ergebnisse von regionalen Klimamodellrechnungen zeigt,
wird von einem möglichen Anstieg von drei bis fünf Sturmtagen (mehr als
Windstärke 8) im Jahr ausgegangen. Man könne aber trotzdem noch nicht
sagen, ob Orkane wie Xaver oder Christian häufiger auftreten werden,
gibt Daniela Jacob zu bedenken. Gerade bei Stürmen ist es schwierig,
diese als Extrem jenseits der natürlichen Variabilität zu erkennen.
„Sehr starke Stürme sind sehr selten, und auch wenn wir in die Zukunft
schauen, werden sie immer noch selten sein“, sagt Daniela Jacob. Auch
Michael Theusner schreibt die Häufung von starken Herbststürmen im
vergangenen Jahr eher dem Zufall zu.


Dürfen also zerstörerische Taifune gar nicht mit dem Klimawandel in
Verbindung gebracht werden? Und kommen die Warnungen der
Versicherungswirtschaft zu Unrecht? „Nein“, sagt Daniela Jacob. Eben
weil eine erwärmte Atmosphäre ein erhöhtes Potenzial an starken Winden
und Überschwemmungen mit sich bringt. Gut zu erkennen ist das an den
Auswirkungen von Hitzewellen und Hochwasser. Bei den heißen Tagen, an
denen die Temperatur über 30 Grad steigt, zeichnet sich ein Trend ab. In
Schleswig-Holstein sind seit 1950 mehr als vier
solcher Tage im Jahr hinzugekommen, für die Zukunft zeigt die Prognose
im Norddeutschen Klimaatlas einen weiteren Anstieg um bis zu sechs Tage.


Längere Trockenzeiten mit sehr heißen Tagen können auch in Europa
erheblichen Schaden anrichten, wie die Hitzewelle im Sommer 2003 gezeigt
hat. Europaweit starben damals 23 000 Menschen, 3500 davon in
Deutschland, ermittelte die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft.
Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Mortalität in Mitteleuropa ab
35 Grad signifikant zunimmt. Allerdings haben Statistiker der London
School of Hygiene and Tropical Medicine auch ermittelt, dass die meisten
Opfer der Hitze bereits geschwächt und krank waren und zu einem großen
Teil auch ohne Hitzewelle wenige Wochen später gestorben wären. Durch
Ernteausfälle, verminderte Leistungsfähigkeit der Arbeitnehmer,
Niedrigwasser und Kraftwerksausfälle entstand laut der Münchener Rück
ein europaweiter Schaden von 13 Milliarden US-Dollar
(zirka 9,3 Milliarden Euro). Beim Elbehochwasser 2013 beliefen sich die
versicherten Schäden auf zwei Milliarden Euro. Orkan Christian soll in
Schleswig-Holstein Schäden von über 100 Millionen Euro verursacht haben.


Womöglich aufgrund dieser Wetterextreme versicherten sich in den
vergangenen Jahren immer mehr Deutsche gegen Klimaschäden. Hatten 2002
noch 19 Prozent aller Gebäude eine Elementarschadenversicherung, sind es
2014 schon 35 Prozent – in Schleswig-Holstein liegt der Anteil bei 17 Prozent.


K. Appunn, M. Bornemann






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