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Netzausbau: Bürger halten ihr Geld zurück. WZ vom 13.07.2013

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Autor Beitrag
Claudia

Beiträge: 4532

BI Teilnehmernummer: 106

New PostErstellt: 16.07.13, 00:44  Betreff: Netzausbau: Bürger halten ihr Geld zurück. WZ vom 13.07.2013  drucken  weiterempfehlen

Netzausbau: Bürger halten ihr Geld zurück

Finanzierung der Westküstenleitung: Nachfrage erst für ein Drittel der Anteile

Jülich /Kiel /ky/til

Kaum ein Bürger will Geld in das Bürgernetz an der Westküste
investieren. Ein Sprecher des Netzbetreibers Tennet erklärte gestern auf
Anfrage unserer Zeitung, dass erst für ein Drittel aller
Beteiligungsmöglichkeiten Interesse von Bürgern besteht. Von festen
Zeichnungen von Anteilen ist dabei keine Rede. „Da ist noch Spielraum“,
so der Sprecher.


Mitte Juni hatte Tennet-Geschäftsführer Lex
Hartmann mit Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) und
Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) den Startschuss für die
Bürgerbeteiligung am Bau der 150 Kilometer langen 380-KV-Freileitung
zwischen Niebüll und Brunsbüttel gegeben. 15 Prozent der
Investitionssumme von 210 Millionen Euro können Bürger dazugeben. Die
Mindesteinlage beträgt 1000 Euro, die Rendite soll zwischen drei und
fünf Prozent liegen. Am 30. August läuft die Frist für die Beteiligung
aus, nur Anwohner aus der Region dürfen sich beteiligen. Mit dem
Bürgernetz wollten Politiker und Netzbetreiber die Akzeptanz des
umstrittenen Netzausbaus bei den Menschen, die an den Stromtrassen
leben, erhöhen – offenbar mit wenig Erfolg.


„Da will man uns doch etwas vorgaukeln“, sagt der Vorsitzende des
Vereins Westküste trassenfrei, André Tesch aus Fedderingen (Kreis
Dithmarschen), vor dessen Haus die Freileitung gebaut werden soll. „Wir
haben den Verdacht, dass diejenigen, die Leitungen vor die Nase
bekommen, sie auch noch bezahlen sollen.“ Selbst wenn seine Forderung
nach einem Mindestabstand von 400 Metern zwischen der Leitung und dem
nächsten Haus erfüllt werde, sieht er keinerlei Perspektiven für weitere
Beteiligungen von Bürgern. „Ich kenne nur zwei, die Geld geben – und
das sind Windmüller.“


Diesen Eindruck bestätigt eine repräsentative Umfrage des
Forschungszentrums Jülich. Nur jeder Vierte, der von den Forschern
befragten 1000 Bürger erklärte, eine Freileitung in der Nähe des eigenen
Hauses zu akzeptieren, falls er am Netz finanziell beteiligt wird und
sichere Renditen garantiert bekommt. Dagegen erklärte jeder Dritte, dass
er gegen eine neue Stromleitung in seiner Umgebung aktiv werden wolle.
Wenn die Gesundheitsrisiken minimiert werden, steigt jedoch die
Zustimmung: 44 Prozent würden den Bau neuer Leitungen unterstützen,
falls diese besonders wenig Strahlung verursachen oder das
Landschaftsbild kaum beeinträchtigen.


Energiewendeminister Robert Habeck (Grüne), der weiter für Bürgernetze
wirbt, sagt, er habe keine Ahnung, warum sich die Bürger nur zögerlich
beteiligten. Das Konzept sei aber „absolut richtig“. Er setzt auf
weiteren Dialog mit den Bürgern an der Westküste. Der Netzausbau sei
jedenfalls nicht in Gefahr.


Kommentar von Seite 2:



Trassen sind für alle da

Nur wenige Schleswig-Holsteiner wollen Geld in den Netzausbau investieren

Kay Müller

Stell’ Dir vor, es ist Energiewende – und keiner macht mit. So dürfte
sich Netzbetreiber Tennet derzeit fühlen, denn kaum ein Schleswig-Holsteiner interessiert sich für die Beteiligung am Ausbau der 380KV-Freileitung
an der Westküste. Und das, obwohl Bundesumweltminister,
Ministerpräsident und Energiewendeminister dafür wie wild getrommelt
haben.


Und nun? Alles für die Katz mit dem Paradebeispiel für gelebte Energiewende?


Es sieht so aus – und stimmt doch nicht. Sowohl die Nachfrage nach
Anteilen an der Westküstenleitung als auch eine Umfrage des
Forschungszentrums Jülich illustrieren, dass kaum ein Bürger eine
Leitung in seiner Nachbarschaft will – auch wenn er dafür
Renditeversprechen bekommt. Klar, denn so entsteht der Eindruck, dass
sich ein Konzern oder die Politik, die Zustimmung der Menschen vor Ort
erkaufen wolle. Und ja, in einer ländlichen Region wie Dithmarschen oder
Nordfriesland würde sich jeder an den Rand der örtlichen Gemeinschaft
stellen, der für eine Leitung Geld gibt, die über das Haus seines
Nachbarn führt. Energiewende ja, aber bitte nicht, wenn ich davon
Nachteile haben könnte – so die Meinung.


Wir sollten ehrlich sein: In der Region, die vom Bau einer Leitung
betroffen ist, wird es nur bedingt gelingen, die Akzeptanz der Bürger zu
erhöhen. Das passiert am ehesten noch durch Verhandlungen über den
Trassenverlauf vor Ort – so wie es der Netzbetreiber und
Energiewendeminister Robert Habeck bereits machen.


Und dennoch bleibt der Aufbau von Bürgernetzen ein wichtiges Element
der Energiewende. Es gilt, den Kreis derjenigen zu erweitern, die sich
finanziell daran beteiligen dürfen. Denn wer keine Leitung in seiner
Nähe hat, ist eher bereit ins Netz zu investieren. Und auf dieses Geld
ist der Betreiber oft angewiesen. Der bekommt eine garantierte
staatliche Rendite von neun Prozent, die Bürger bekommen aber viel
weniger, ihnen wird nichts garantiert und sie tragen auch das Risiko.
Bekämen Klein-Investoren so viel wie der Netzbetreiber, gebe es auch mehr Beteiligung.


Entscheidend ist, dass viele Bürger aktiv die Energiewende begleiten,
und nicht nur große Spekulanten. Denn sonst würde die Gesellschaft ohne
Not die Gestaltung der Energiewende aus der Hand geben.







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