Schreib, was dich bewegt: Dein kostenloses Blog auf Üblog.de.
  Forum der BiGKU
Bürgerinitiative Gesundheit u. Klimaschutz Unterelbe/Brunsbüttel
 
Sie sind nicht eingeloggt.
LoginLogin Kostenlos anmeldenKostenlos anmelden
BeiträgeBeiträge SucheSuche HilfeHilfe
ChatChat VotesUmfragen FilesDateien CalendarKalender
Wissenschaftler stellen neuen Bericht über Folgen des Klimawandels vor. WZ vom 01.04.2014

Anfang   zurück   weiter   Ende
Autor Beitrag
Claudia

Beiträge: 4532

BI Teilnehmernummer: 106

New PostErstellt: 02.04.14, 00:12  Betreff: Wissenschaftler stellen neuen Bericht über Folgen des Klimawandels vor. WZ vom 01.04.2014  drucken  weiterempfehlen



Nicht gleich Palmen pflanzen

Wissenschaftler stellen neuen Bericht über Folgen des Klimawandels vor / Schleswig-Holstein wird von Erwärmung betroffen sein

Kiel

Wenn die kleine Mia (geboren im Frühjahr 2014 in Schleswig-Holstein)
ihren 76. Geburtstag feiert, schreiben wir das Jahr 2090. Ob Mia eine
Ausbildung macht, studiert, heiratet und selbst Kinder haben wird,
wissen wir nicht – wie sich Klima und Umwelt im Land bis Ende des
Jahrhunderts verändert haben werden, können Forscher immerhin mit
einiger Wahrscheinlichkeit berechnen. Trotzdem erscheint vielen der so
häufig zitierte Klimawandel abstrakt und weit weg. Meist beziehen sich
die Prognosen auf das Jahr 2100. Klima-Wissenschaftler
wie der Stockholmer Professor Johan Rockström werden daher nicht müde
zu erklären: „Unsere Kinder werden das erleben“. Kinder wie Mia werden
in Schleswig-Holstein leben, wenn es hier im Durchschnitt 2,8 Grad wärmer ist als heute.


Mia ist eine Generation, die in einem neuen Erdzeitalter aufwächst,
dem Anthropozän (anthropos = griechisch für Mensch), in dem zum ersten
Mal nicht äußere Einflüsse wie die Erdumlaufbahn um die Sonne oder
Vulkanismus das Klima bestimmen, sondern menschliche
Treibhausgasemissionen – und die könnten das Klima ziemlich
durcheinander bringen. Professor Rockström glaubt, dass der Siegeszug
der Menschheit erst in der klimatisch sehr stabilen Periode nach der
letzten Eiszeit überhaupt möglich wurde. Vorher waren Sesshaftigkeit und
Landwirtschaft schwierig. Die Frage ist nun: Wird der moderne Mensch im
Anthropozän weiterhin so erfolgreich leben können? „Mit etwas
Anstrengung ja, aber...“, so lautet stark vereinfacht die Antwort des
Weltklimarates (IPCC), der gestern in Japan seinen neuen
Sachstandsbericht zu den Folgen des Klimawandels und
Anpassungsmöglichkeiten vorstellte.


Dem Bericht zufolge ist die Menschheit bereits dabei, sich an
Klimaveränderungen anzupassen. Desweiteren wird die Bedrohung durch
steigende Temperaturen und höhere Meeresspiegel nicht überall auf der
Welt gleich brisante Wirkungen entfalten. Während verlängerte
Trockenperioden für viele afrikanische Länder und auch in Südeuropa
gravierende Folgen haben werden, wird es sich für Mia auch in einem
Schleswig-Holstein mit wärmeren und trockeneren
Sommern (bis zu 40 Prozent weniger Niederschlag) und wärmeren und
feuchteren Wintern (bis zu 40 Prozent mehr Niederschlag, aber 75 Prozent
weniger Schnee bei bis zu 45 weniger Frosttagen) voraussichtlich noch
gut leben lassen. Die Modellrechnungen, die vom Norddeutschen Klimabüro
für Schleswig-Holstein zusammengestellt wurden,
zeigen auch, dass sich bis Ende des Jahrhunderts die Vegetationsperiode
um bis zu 86 Tage verlängern wird. „Es sollte jetzt aber niemand
anfangen, Palmen zu pflanzen“, sagt Dr. Insa Meinke, Leiterin des Büros
in Geesthacht. „Auch wenn die Frosttage abnehmen, es wird im Winter
trotzdem immer noch frieren“.


Wenn auch nicht durch einen Umstieg auf Palmen – eine Anpassung der Schleswig-Holsteiner
an den Klimawandel wird sich vor allem in der Landwirtschaft vollziehen
müssen. Den größten Anteil der bewirtschafteten Flächen nimmt heute das
Grünland vor Weizen- und Maisanbau ein. „Längere Trockenzeiten im
Frühjahr und Sommer sprechen dafür, dass dem Mais der Vorzug eingeräumt
werden wird, denn er braucht weniger Wasser als die Getreidearten“, sagt
Professor Friedhelm Taube von der Uni Kiel. Der Experte für Grünland
und Futterbau hält es zudem für wahrscheinlich, dass die Anbau- und
Erntezeit nach vorne verschoben werden wird. Zum einen, weil der
Vegetationsbeginn ohnehin früher einsetzt, zum anderen, damit die
Pflanzen noch von der Bodenfeuchtigkeit aus dem Winter profitieren
können. Zu Mias Zeiten findet die Weizenernte also eher Mitte Juli als
Mitte August statt. Gleichzeitig wird es für die Bauern der Zukunft eine
Herausforderung sein, sich bei Hitze und Feuchtigkeit prächtig
gedeihender Schädlinge und Pilze zu erwehren. Professor Taubes Lösung
lautet: Monokulturen vermeiden. Das Grünland wiederum könnte von der
Kombination „trockene Sommer und Düngung durch mehr CO2
in der Luft“ sogar profitieren. Auch der IPCC ist sich, was diese
Größen angeht, noch unsicher: Zwar prophezeit er Einbußen bei den
Getreideernten, gibt aber auch zu, dass landwirtschaftliche Maßnahmen
solche Rückgänge ausgleichen könnten.


Eine weitere Veränderung im Land, die mit steigenden Temperaturen
einhergeht, lasse sich schon heute an den Tieren auf der roten Liste der
bedrohten Arten ersehen, sagt Professor Uwe Rammert vom Landesamt für
Landwirtschaft und Umwelt in Flintbek. Neun von 30 Libellenarten in
Schleswig-Holstein sind wegen des Klimawandels
in Bedrängnis. Zwar lässt sich bislang kaum das Aussterben einer Art
allein auf den Klimawandel zurückführen, heißt es in dem neuen Klima-Report,
es sei aber bekannt, dass es bei Klimaveränderungen in der
Vergangenheit, die weitaus weniger rasant vonstatten gingen, zu
Massenaussterben kam. Eines jedenfalls empfehlen alle Szenarien und
Berichte: Damit es Mia und anderen Kindern ihrer Generation 2100 noch
gut geht, sollte sich am Klima möglichst wenig verändern.


Kerstine Appunn




Karten zum aktuzellen Forschungsstand über den Klimawandel in Schleswig-Holstein: http://www.norddeutscher-klimaatlas.de



nach oben
Benutzerprofil anzeigen Private Nachricht an dieses Mitglied senden
Sortierung ndern:  
Anfang   zurück   weiter   Ende
Seite 1 von 1
Gehe zu:   
Search

powered by carookee.com - eigenes profi-forum kostenlos

Layout © Karl Tauber