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Claudia

Beiträge: 4532

New PostErstellt: 15.08.10, 16:48     Betreff: Blasenschleier zum Schutz von Walen. WZ vom 10.08.2010

Weider Shaker "
Blasenschleier zum Schutz von Walen

Firmen aus Schleswig-Holstein entwickeln neue Technik, um Wale beim Bau von Offshore-Windparks zu schützen

Kaltenkirchen/Lübeck

Der riesige Stahlkoloss mit drei Beinen muss fest auf dem Meeresboden
stehen. Die Stahlrohre des so genannten Tripods, das aussieht wie ein
übergroßes Stativ und als Fundament für Windkraftanlagen auf See dient,
haben mehrere Meter Durchmesser. Um sie zu verankern, werden dicke
Stahlrohre in den Boden gerammt. Rund 15 000 Rammschläge waren nötig, um
den Unterbau einer einzigen Windkraftanlage im Offshore-Windpark Alpha
Ventus etwa 35 Meter tief im Boden der Nordsee zu verankern. Der enorme
Lärm, der dabei unter Wasser entsteht, kann besonders Schweinswalen
Schaden zufügen. Ein Schleier aus Luftblasen soll den Baustellenlärm
reduzieren – so die Hoffnung von Industrie-Unternehmen. Zwei schleswig-holsteinische
Firmen – Menck aus Kaltenkirchen und Hydrotechnik aus Lübeck –
entwickeln derzeit Verfahren für eine sichere und einfache Anwendung.


Alpha Ventus diente für Menck und Hydrotechnik als Testfeld. Bei
einer der Windkraftanlagen waren um zwei Pfähle des Fundaments
ringförmig Luftleitungen angebracht worden. Das Prinzip klingt simpel:
Durch die Luftleitungen, die perforiert sind, wird während der Rammung
Druckluft geleitet. Die aufsteigenden Luftblasen ummanteln die Baustelle
und verhindern die Ausbreitung des Schalls. Das Verfahren nennt sich
„kleiner Stufenblasenschleier“. Die Firma Menck, die auf den Bau
hydraulischer Hämmer spezialisiert ist, die in tiefen Gewässern
Stahlrohre in den Meeresgrund rammen, hat den Stufenblasenschleier im
Rahmen eines vom Bund und dem Projektträger Jülich geförderten Projektes
zum Schutz von Schweinswalen entworfen.


Bei den Arbeiten an Alpha Ventus wurden nach Informationen der Firma
Menck jedoch noch einige Probleme deutlich. Zum Einen beschloss die
Bauleitung die Versuche zur Schallminderung radikal zu verkürzen, weil
Sturm vorausgesagt worden war. Zudem drifteten die am Fuß erzeugten
Luftblasen aufgrund der starken Tidenströmung zum Teil weg, so dass die
Schallreduktion geringer war, als erhofft. Dennoch geht Martin Ros, der
bei Menck für Windenergie zuständig ist, davon aus, dass bei vollem
Einsatz des Blasenschleiers der vom Bundesumweltamt definierte Richtwert
von 160 Dezibel Schallenergie in 750 Meter Abstand der Baustelle
erreicht worden wäre.


Wie wichtig die Suche nach Lösungen ist, zeigt sich schon allein
daran, dass nach bisheriger Einschätzung durch den Bau von Alpha Ventus
einige der empfindlichen Schweinswale bereits geschädigt wurden. Viele
seien zudem bei der Errichtung des Pilotprojektes 45 Kilometer nördlich
von Borkum gestört worden, sagt Klaus Lucke vom Forschungs- und
Technologiezentrum Westküste (FTZ Westküste). „Es muss alles eingesetzt
werden, was möglich ist, um solche Auswirkungen zu vermeiden“, sagt
Lucke. Der Schall schadet unter anderem dem Gehör der Tiere. Sie nutzen
Schall aber zum Beispiel auch zur Nahrungssuche, zur Orientierung und
zur Kommunikation. Ein gesundes Gehör ist für die Wale lebenswichtig.
Das FTZ Westküste arbeitet gemeinsam mit der Fachhochschule Kiel selbst
an einem Verfahren zum Einsatz von Blasenschleiern, allerdings für einen
Monopfahl.


Die Firma Menck hatte bereits für den Bau der Forschungsplattform
„Fino3“ nordwestlich von Sylt gemeinsam mit der Leibniz Universität
Hannover einen so genannten „großen Blasenschleier“ konstruiert, der
ebenso wie der „kleine Stufenblasenschleier“ von der Firma Hydrotechnik
Lübeck gebaut wurde. Bei diesem Blasenschleier handelt es sich um einen
einzelnen Leitungsring, der im Abstand von 70 Metern um den Pfahl auf
dem Meeresboden liegt. „Das hat den Vorteil, dass trotz einer möglichen
Drift die Blasen den Pfahl immer noch ummanteln“, erklärt Ros. Der
Schalldruck sei dadurch deutlich reduziert worden, auch wenn bei voller
Rammenergie die Lärm-Richtwerte noch
überschritten wurden. Ros: „Es gibt keinen Stand der Technik für einen
serienmäßigen Blasenschleier.“ Der Experte setzt aber große Hoffnungen
in ein neues Verfahren, bei dem die Luftblasen mit Schaumstoff ummantelt
werden. Die Versuche sollen in den kommenden Wochen folgen.
Tanja Nissen







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