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Claudia

Beiträge: 4532

New PostErstellt: 09.01.14, 23:26     Betreff: Rotorabsturz löst Sicherheitsdebatte aus. WZ vom 08.01.2014



Rotorabsturz löst Sicherheitsdebatte aus



In der Pfalz reißt von einer der größten deutschen
Windkraftanlagen ein Flügel bei laufendem Betrieb ab – Kritiker befürchten im
Norden ähnliche Unfälle



Kiel/Bad
Kreuznach



Zum
Jahreswechsel zog die deutsche Windkraftbranche Bilanz: „Windenergie ist
preiswert und sicher, steht aber vor großen Herausforderungen“, resümierte der
Spitzenverband BWE. Nur eine Woche später ist die Herausforderung schon da –
und die angeblich sichere Branche in der Kritik: Von einer der größten
deutschen Windkraftanlagen im Park Schneebergerhof nahe der
rheinland-pfälzischen Stadt Bad Kreuznach ist ohne erkennbaren Grund ein 60
Tonnen schweres Rotorblatt bei laufendem Betrieb abgerissen und aus fast 140
Metern Höhe auf ein Feld gekracht. Das gab es so noch nie und hat jetzt eine
neue Debatte über Gefahren der immer größer werdenden Windräder ausgelöst –
nicht zuletzt im sturmreichen Norden.



„Ähnliche
Unfälle werden künftig öfter vorkommen“, fürchtet Frank Jurkat, Sprecher der
Initiative „Gegenwind Schleswig-Holstein“. Denn mit der Größe der Rotoren
drohten auch die Unterschiede beim Winddruck zuzunehmen, denen die Rotorblätter
häufig ausgesetzt sind. „Das Material wird dadurch über Gebühr belastet“, warnt
Jurkat. Schlimmstenfalls breche der Flügel ab und falle in die Tiefe. „Und wenn
der Gesetzgeber nicht endlich vernünftige Abstände der Anlagen zu Häusern und
Straßen beschließt, dann werden bei diesen Unfällen auch Menschen zu Schaden
kommen“, schimpft er.



Jurkat
fordert daher, die Mindestentfernung der Windräder nicht nur von Wohnbauten,
sondern auch von Verkehrswegen deutlich zu vergrößern: „Die Abstände zu Straßen,
Schienen oder Wanderwegen sind ein Witz“, kritisiert er. Laut Erlass der Kieler
Landesregierung sollen sie der Höhe des Turms plus Rotordurchmesser
entsprechen. Tatsächlich lägen sie aber oft unter 50 Metern, weiß Jurkat. Zu
Wohnsiedlungen dagegen muss eine Distanz von 800 Metern eingehalten werden, zu
einzeln stehenden Gehöften von 400 Metern. Das ist Jurkat zwar auch zu wenig –
aber immerhin mehr als bei Straßen und Wegen.



Zwar gibt es
in Schleswig-Holstein bisher noch keine so große Anlage wie die jetzt in
Rheinland-Pfalz havarierte „Enercon E-126“ mit ihren 198 Metern Höhe, 60 Meter
langen Flügeln und sechs Megawatt Leistung. Doch in Hamburg stehen zwei
Windräder genau desselben Typs nur rund 250 Meter neben der A 7 im
Hafenstadtteil Altenwerder. Und in Brunsbüttel ragt an der Elbe immerhin ein
Windrad 183 Meter hoch in den Himmel, im benachbarten Büttel sogar gleich fünf
Räder 180 Meter hoch. Auch andernorts in Schleswig-Holstein werden die
Propellertürme mächtiger, weil alte, kleine Anlagen zunehmend durch neue, große
ersetzt werden, die mehr Strom produzieren.



Der Betreiber spricht von einem „singulären
Schadensereignis“



Trotzdem
sieht der Kieler Energieminister Robert Habeck keinen Grund zur Sorge –
jedenfalls noch nicht. „Erst mal muss die Ursache des Vorfalls in
Rheinland-Pfalz geklärt werden“, erklärt der Grünen-Politiker. Grundsätzlich
habe er keine Bedenken gegen die neuen Riesenrotoren: „Die Anlagen werden als
ausreichend sicher angesehen.“ Ebenso wenig sieht die Opposition im Landtag in
der zunehmenden Größe der Windräder ein Problem: „Das ist der Fortschritt einer
Technologie, die maßgeblicher Bestandteil der Energiewende ist“, sagt
CDU-Experte Jens-Christian Magnussen. Auch die geltenden Abstände der Anlagen
zu Häusern und Straßen seien „wohldurchdacht und sicher“.



Der
Betreiber des pfälzischen Windparks Schneebergerhof, die Firma Juwi, beruhigt
ebenfalls: Der Absturz des Rotorblatts sei ein „singuläres Schadensereignis“
gewesen und nicht auf ein generelles Problem wegen der Größe oder der Konstruktion
der 2010 errichteten Anlage zurückzuführen, sagt Juwi-Sprecher Michael Löhr.
Zudem sei niemand verletzt worden und der Flügel weit weg von der nächsten
Straße nur 30 Meter neben dem Turm gelandet. Auch habe zur Zeit des Unfalls am
Montag letzter Woche kaum Wind geweht, so dass eher ein Fehler beim Material
oder Verschrauben des Rotors an der Nabe als Grund für das Abreißen in Frage
komme. Die genaue Ursache werde erst in ein paar Wochen feststehen.



Um kein
Risiko einzugehen, hat der Auricher Anlagenhersteller Enercon in den letzten
Tagen alle Windräder vom Typ E-126 in Deutschland auf mögliche Fehler
kontrollieren lassen. Rund 50 davon stehen in der Republik verteilt – vor allem
in Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen, aber eben auch in Hamburg-Altenwerder.
Nach den Inspektionen gibt Enercon-Sprecherin Anne-Kathrin Gilberg bundesweit
Entwarnung: „Es wurden keine Auffälligkeiten festgestellt.“

Henning Baethge



Störungen: Warum Windräder immer wieder stillstehen

Defekte Bauelemente sind der häufigste
Grund für Störungen an Windkraftanlagen. Das hat eine Langzeitstudie des
Instituts für solare Energieversorgungstechnik in Kassel im Auftrag der
Bundesregierung ergeben. Demnach sind in 37 Prozent der Fälle kaputte Teile für
den Ausfall von Anlagen verantwortlich. Zu immerhin 23 Prozent liegen die
Störungen aber auch an der Regelung der Anlage. Und in 7 Prozent der Fälle sind
Schwierigkeiten im Stromnetz der Grund für den Stillstand. Auch Wetterphänomene
behindern die Windmüller: Zu 5 Prozent führen Stürme zum Ausfall der Rotoren,
zu 4 Prozent Blitze und zu 3 Prozent Eis. Bei 8 Prozent der Störungen konnte
keine Ursache gefunden werden. Beim Rest waren es noch andere Gründe als die
genannten. Insgesamt stehen Windräder in Deutschland durchschnittlich eine
Woche im Jahr wegen Störungen oder wegen Wartungsarbeiten still.

sh:z






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