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Biogasanlagen: Jetzt droht die Pleitewelle. WZ vom 14.04.2014

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Claudia

Beiträge: 4532

BI Teilnehmernummer: 106

New PostErstellt: 15.04.14, 00:20  Betreff: Biogasanlagen: Jetzt droht die Pleitewelle. WZ vom 14.04.2014  drucken  weiterempfehlen

Biogasanlagen: Jetzt droht die Pleitewelle

Gekappte EEG-Förderung bringt immer mehr Betreiber in Bedrängnis

Rendsburg/Kiel /was

Der über Jahre andauernde Zuwachs an Biogasanlagen in Schleswig-Holstein
ist praktisch zum Erliegen gekommen. Dies lässt sich aus Zahlen des
Kieler Energiewendeministeriums zur Feuerungswärmeleistung (FWL) neu
genehmigter Anlagen pro Jahr ablesen. Demnach wurden im Jahr 2010 rund
63 Megawatt(MW) FWL zugelassen, 2011 noch einmal rund 70. Im Jahr 2012
hingegen brach der Zubau auf rund 17 MW ein, 2013 halbierte sich diese
Zahl noch einmal auf 8,45 MW.


„Der Boom ist komplett vorbei“, sagt Dirk Wietzke, Experte für
Biogasanlagen bei der Landwirtschaftskammer. Er geht von einem Bestand
von derzeit rund 650 Biogasanlagen im Norden aus, der sich zukünftig
nicht mehr nennenswert vergrößern wird.


Ausschlaggebend für die drastische Entwicklung sei die Neufassung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes
(EEG) im Jahre 2012, wodurch die Förderung für Mais – dem anteilig
meistgenutzten Substrat – gekappt wurde. „Durch den Boom, der in den
Jahren 2009 bis 2011 seinen Höhepunkt hatte, sind in einem schleichenden
Prozess die Flächen für den Anbau von Mais immer knapper und in der
Pacht teurer geworden“, so Wietzke. Die Folge: „2004 lag der Preis für
eine Tonne noch bei 20 Euro, heute zahlt man bis zu 60 Euro. Viele
Anlagen sind in ihrer Wirtschaftlichkeit aber auf einen Maispreis von
maximal 30 Euro gerechnet.“ Wietzke spricht von bislang bis zu 20
Pleiten bei Biogasanlagenbetreibern, einige weitere seien bereits in
Bedrängnis. „Es wird noch viel mehr Insolvenzen geben, vor allem bei
Betrieben, die viele Fremdflächen teuer zugepachtet oder Mais aus
Dänemark importiert haben.“ Bei Ablauf der Pachten nach zehn Jahren sei
weiter mit hohen Preisen zu rechnen. „Wenn der Mais 100 Prozent teurer
ist als gerechnet, dann bricht denen das das Genick.“ Karl-Wilhelm Rave, Sprecher des Fachverbands Biogas in Schleswig-Holstein,
sieht ebenfalls schwarz für seine Branche. Er fürchtet die von der
Bundesregierung beschlossene weitere Neufassung des EEG, die dieses Jahr
in Kraft treten soll – und die gänzliche Streichung der Förderung von
Mais vorsieht. Sicherlich seien die Betreiber mit dem Thema zu
leichtfertig umgegangen, so Rave. „Aber wir brauchen Zeit, um diese
Dinge zu optimieren. Ohne die Vergütung ist die Wirtschaftlichkeit
vieler Anlagen nicht mehr gegeben. Dann ist der Drops gelutscht.“


Die Entwicklung der letzten Jahre sei auch Ergebnis einer in Teilen falschen politischen Steuerung, so Schleswig-Holsteins
Agrarminister Robert Habeck. Dadurch sei zusätzlich viel Mais für
Biogasanlagen angebaut worden, das habe zu erheblichen ökologischen
Problemen durch Monokulturen und Bodenerosionen geführt. Diese
Entwicklung habe man mit der EEG-Reform gestoppt, sie sei „an dieser Stelle richtig.“ Schleswig-Holstein habe genug Biogasanlagen.



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