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Biosprit schadet Klima. WZ vom 14.02.2012

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Autor Beitrag
Claudia

Beiträge: 4532

BI Teilnehmernummer: 106

New PostErstellt: 14.02.12, 19:59  Betreff: Biosprit schadet Klima. WZ vom 14.02.2012  drucken  weiterempfehlen

Seite 1:

Biosprit schadet Klima

EU-Studie: Ökobilanz schlechter als bei Erdöl-Kraftstoffen

Berlin/Brüssel /sh:z

Schlechte Noten für Biodiesel: Kraftstoff aus Raps, Palmöl und Soja
belastet das Klima stärker als Treibstoffe aus Erdöl. Das geht aus einer
Studie der EU-Kommission hervor. In der bislang
unveröffentlichten Untersuchung würden auch die indirekten Folgen der
Herstellung von Biokraftstoffen für die Ökobilanz berücksichtigt.
Bereits vor mehr als einem Jahr hatte das Londoner Institut für
europäische Umweltpolitik (IEEP) davor gewarnt, dass der zunehmende
Einsatz von Agrotreibstoffen zum Anstieg der Kohlendioxid-Emission führen wird. Jede Umwandlung von Grünland in Ackerland setzt CO2 frei. Für Biosprit in Deutschland ein weiterer Image-Schaden: E10, dem zehn Prozent Ethanol beigemischt werden, wird von vielen Autofahrern verschmäht.


Seite 6:

Experten streiten über Biosprit

Studie bescheinigt schlechte Ökobilanz / Naturschützer sehen sich bestätigt / EU-Energiekommissar Oettinger verteidigt Mix von Kraftstoffen

Berlin/Brüssel/Plön /dpa /blu

Biosprit aus Raps, Palmöl oder Soja belastet das Klima einer Studie
zufolge mitunter stärker als herkömmliche Treibstoffe aus Erdöl. Zu
diesem Ergebnis kommt eine noch unveröffentlichte Untersuchung der EU-Kommission,
wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtete. In der
Untersuchung würden auch die indirekten Folgen der Herstellung von
Biokraftstoffen für die Ökobilanz berücksichtigt, etwa wenn Regenwald
brandgerodet oder Feuchtgebiete ausgetrocknet werden, um auf den Flächen
Pflanzen zur Biosprit-Produktion anzubauen.
Demnach schneiden nur Biokraftstoffe aus Zuckerrohr, Zuckerrüben oder
Mais klar besser ab als herkömmliche Kraftstoffe.


So neu ist diese Einsicht nicht. Bereits Ende 2010 warnte das
Londoner Institut für europäische Umweltpolitik (IEEP), dass der
zunehmende Einsatz von Agrotreibstoffen zu einem Anstieg der
Kohlenstoffdioxid-Emission führen wird. Biosprit
werde nahezu vollständig aus Ölsaat, Palmöl, Rohr- und Rübenzucker
sowie Weizen produziert. Sollten bis zum Jahr 2020 knapp zehn Prozent
der Energie für den Verkehr in Europa aus Agrotreibstoffen bestehen,
müssten laut IEEP weltweit bis zu 69 000 Quadratkilometer Wald, Weiden
und Feuchtgebiete in Ackerland umgewandelt werden. In der Folge werde
der CO2-Ausstoß von 12 Millionen bis 26 Millionen Pkw zusätzlich freigesetzt, hieß es.


„Jede Umwandlung von Grünland in Ackerland bringt die Freisetzung von CO2 mit sich, sagt auch Fritz Heydemann (55), Biologe beim Naturschutzbund (Nabu) Schleswig-Holstein,
der Ende 2011 eine kritische Umweltbilanz für Energien aus
nachwachsenden Rohstoffen vorgelegt hat. „Bei Grün- oder Grasland und
vor allem im Humus ist Kohlenstoff in den Pflanzen gebunden. Einmal
umgebrochen, wird organisches Material zersetzt und Kohlendioxid (CO2) „ausgegast“. „Und dies auch noch nach 100 Jahren“, sagt Heydemann.


Die Branche indes kontert: Hierzulande und in der EU dürfte ohnehin
nur Biosprit verwendet werden, die strenge Nachhaltigkeitskriterien
erfüllt, heißt es beim Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie
(VDB) in Deutschland. Sie müssten mindestens 35 Prozent weniger
Treibhausgase ausstoßen als fossile Kraftstoffe – vom Pflanzenanbau auf
dem Acker über Düngung, Transporte und Produktion des Kraftstoffs. Für
den Anbau dürfen weder Regenwälder noch Torfmoore oder sonstige
schützenswerte Flächen genutzt werden. Daher betreffen einige Annahmen
wohl eher die außereuropäische Biokraftstoffproduktion.


Auch EU-Energiekommissar Günther Oettinger
nahm Biokraftstoffe gestern in Schutz. „Der Mix von Biokraftstoffen, die
wir benutzen, spart im Vergleich mit Benzin und Diesel CO2-Emissionen“,
teilte Oettinger in Brüssel mit. Schon heute seien gebräuchliche
Biokraftstoffe umweltfreundlicher als fossile Brennstoffe, betonte
Oettingers Sprecherin. „Stimmt nicht“, entgegnet Nabu-Biologe
Heydemann: Es werden mehr Kohlendioxid und andere Treibhausgase
freigesetzt, als später durch den vermeintlichen Biokraftstoff
eingespart wird.


In Schleswig-Holstein übrigens ist die Anbaufläche für Biosprit-Pflanzen
relativ gering. Einzig Raps kommt hierzulande dafür in Frage, der wird
auf 89 000 der insgesamt 1 000 000 Hektar Landwirtschaftsfläche im
Norden angebaut, berichtet Daniela Rixen, Sprecherin der
Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein. Etwa 60 Prozent des Rapses werde für die Biosprit-Produktion verwendet.

Biosprit oftmals verschmäht /sh:z
In
Deutschland steht besonders der Biosprit E10 in der Kritik, dem zehn
Prozent Ethanol beigemischt werden und der von vielen Autofahrern
verschmäht wird. Hier geht es neben allgemeinen Zweifeln an der
Biospritstrategie vor allem um eine geringere Leistungsfähigkeit und um
Sorgen, ob alte Autos den Biosprit tatsächlich vertragen. Auch ein Jahr
nach der Einführung sind hier aber keine größeren Schäden bekannt
geworden. Bis 2020 sollen zehn Prozent des Energieverbrauchs im Verkehr
mit Ökoenergien gedeckt und 21 Prozent der klimaschädlichen
Treibhausgase durch Biokraftstoffe eingespart werden.


Pro und Kontra von Seite 2:

Biokraftstoff ein Segen für die Umwelt?

Pro von Kerstine Appunn
Wir können es uns nicht leisten,
den Biokraftstoff als Energieform zu verteufeln. Natürlich ist es falsch
und unverzeihlich, wenn artenreiche Regenwälder Palmölplantagen
weichen, wenn mit Getreide nicht hungernde Kinder, sondern Automotoren
gefüttert werden oder zusätzliches CO2
freigesetzt wird, weil Dauergrünland für Rapsfelder umgebrochen wird.
Daran ist aber nicht das Prinzip „nachwachsende Rohstoffe“ schuld. Dass
Biosprit heute noch nicht „Bio“ ist, liegt an der haarsträubenden
Auswahl der Anbauflächen. Auf Teilen unseres Agrarlands wurden schon
immer Pflanzen kultiviert, die nicht als Nahrungsmittel dienen, das
allein ist nicht verwerflich. Spezielle Pflanzenarten, die auch dort, wo
sonst kaum etwas wächst, nützliche Biomasse hervorbringen können,
werden momentan getestet. Überhaupt steckt die Technologie der Gewinnung
von Kraftstoffen aus Biomasse noch in den Kinderschuhen und wird aller
Voraussicht nach in Zukunft um einiges effizienter und „grüner“ werden.
Angesichts des Klimawandels und der Endlichkeit der Erdölreserven wäre
es fatal, ihr nicht wenigstens eine Chance zu geben – und die Flächen
dafür mit Bedacht zu wählen.


Kontra von Wolfgang Blumenthal
Weltweit schrumpft die
Agrarfläche. Schuld ist zum einen die fortschreitende Zubetonierung. Zum
anderen aber der Klimawandel: Katastrophale Wetterereignisse wie
Extremwinter, lang anhaltende Dürren, Ausbreitung von Wüsten, Starkregen
oder Überschwemmungen nehmen Jahr für Jahr zu, sie vernichten ganze
Ernten oder machen die Aussaat gar unmöglich. Menschen leiden. Da klingt
es schon irre, wenn weitere Agrarflächen dem Anbau von Biosprit-Pflanzen geopfert werden. Biosprit-Pflanzen,
die dem Menschen nichts auf den Teller bringen und deren Anbau zudem
das aus den Fugen geratene Klima weiter anheizt, wie die eine neue EU-Studie
belegt. Das alles ist nicht neu. Schon seit Jahren kritisieren
Umweltschützer und Wissenschaftler, dass Länder wie Indonesien,
Brasilien und Kolumbien Grasflächen und Regenwälder – große natürliche
CO2-Speicher – roden, um Rohstoffe für
Biosprit anzubauen. Die Böden sind schnell ausgemergelt, weitere Flächen
müssen her. Sollte die weltweit anschwellende, hungrige Autoschwemme
mit immer mehr Biosprit gefüttert werden, wird die Spirale von
Agrarflächenvernichtung und Klimachaos nie enden.




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