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Neues Ökostrom-Ranking: Bayern hängt Schleswig-Holstein ab. WZ vom 27.11.2014

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Claudia

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New PostErstellt: 30.11.14, 22:28  Betreff: Neues Ökostrom-Ranking: Bayern hängt Schleswig-Holstein ab. WZ vom 27.11.2014  drucken  Thema drucken  weiterempfehlen

Neues Ökostrom-Ranking: Bayern hängt Schleswig-Holstein ab
Berlin/Kiel

Bayern ist führend bei den erneuerbaren Energien, Schleswig-Holstein fällt von Platz drei auf Platz sechs zurück – das ergibt sich aus einem großen Bundesländervergleich, den die Agentur für erneuerbare Energien gestern in Berlin vorgestellt hat. „In Bayern ist der Ausbau der erneuerbaren Energien am weitesten fortgeschritten“, lobte Jochen Diekmann vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), das die Studie für die Agentur erstellt hat.

Insgesamt 60 Indikatoren haben die DIW-Forscher in den alle zwei Jahre angestellten Ländervergleich einfließen lassen. Dass das zuletzt zweitplatzierte Bayern diesmal Brandenburg als Spitzenreiter ablöst, liegt unter anderem am rasch fortschreitenden Ausbau der Solarkraft im Süden. Bayern könne daher „die größten Erfolge bei der Nutzung erneuerbarer Energien vorweisen“, loben die Forscher. Kaum ein anderes Land habe den Anteil der erneuerbaren Quellen am Energieverbrauch so schnell gesteigert. Mit gut 14 Prozent ist Bayern nahezu genauso weit wie Schleswig-Holstein. Da die verwendeten Zahlen allerdings aus 2011 stammen, lässt die Studie zum Beispiel den diesjährigen Rekordausbau der Windkraft in Schleswig-Holstein außer Acht.

Aktuelle politische Entwicklungen berücksichtigen die Forscher dagegen. So kritisieren sie, dass die CSU-Regierung in Bayern das Aufstellen von Windrädern jetzt deutlich erschwert hat und die Mindestabstände zu bewohntem Gebiet auf bis zu zwei Kilometer erhöht hat. Zudem stellt Ministerpräsident Horst Seehofer neue Stromtrassen für Windstrom aus Norddeutschland in Frage. „Bei der Bewertung der Landespolitik zu erneuerbaren Energien ist Bayern daher vom ersten auf den letzten Platz gefallen“, erklären die Forscher. Doch im Gesamtranking wirkt sich das kaum aus.

Schleswig-Holstein dagegen fällt vom Treppchen der besten drei herunter. Dass das nördlichste Bundesland diesmal nur auf Platz sechs hinter Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Brandenburg landet, liegt vor allem am nachlassenden Forschungseifer für die erneuerbaren Energien. Die Ausgaben des Landes seien „relativ gering“, schreiben die DIW-Forscher. Der Kieler Energieminister Robert Habeck will das jetzt mit Hilfe von EU-Geld ändern: „In der jetzt anlaufenden neuen Förderperiode sollen mindestens 40 Prozent der Fördermittel für Projekte der Energiewende, des Klimaschutzes, zur energetischen Optimierung sowie entsprechende Forschungs- und Entwicklungsprojekte verwendet werden", kündigte der Grünen-Politiker gestern an.

Gleichzeitig freute er sich, dass Schleswig-Holstein im Ranking bei den „politischen Anstrengungen zur Nutzung der erneuerbaren Energien“ auf Platz eins liegt. „Das bestätigt uns in unserem Kurs", sagte Habeck. Auch zeigte er sich zufrieden, dass die Studie die hohe Akzeptanz des Netzausbaus im Norden hervorhebt. „Das ist besonders erfreulich“, sagte Habeck. In Sachen Vorbildfunktion verbessert sich das Land zwar etwas – landet aber weiterhin in der unteren Hälfte. Ein Grund dafür: Auch unter der rot-grün-blauen Küstenampel werden die meisten landeseigenen Gebäude nicht mit Ökostrom versorgt – sondern oft sogar noch mit Atomstrom.
Henning Baethge

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Claudia

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BI Teilnehmernummer: 106

New PostErstellt: 30.11.14, 22:44  Betreff: Re: Neues Ökostrom-Ranking: Bayern hängt Schleswig-Holstein ab. WZ vom 27.11.2014  drucken  weiterempfehlen

Standpunkt von Henning Baethge (Berlin Korrespondent):

Absurder Ländervergleich
Viel Tamtam um Studie zu Ökoenergie

Preisfrage: Was machen die Agentur für erneuerbare Energien und das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung mit einem Land wie Bayern? Einem Land, das gerade per Parlamentsbeschluss den Ausbau der Windkraft praktisch unmöglich gemacht hat? Einem Land, das keine neuen Leitungen für den Transport von Ökostrom bauen lassen will? Genau: Sie machen es zum Sieger im „Bundesländervergleich erneuerbare Energien“, der gestern mit viel Tamtam in Berlin vorgestellt wurde. Wer dieses Ergebnis absurd findet, der hat noch nicht gelesen, was die Forscher in ihrem aus 60 verschiedenen Indikatoren gebildeten Ranking sonst noch so schreiben. Ein Land wie Schleswig-Holstein etwa, das gerade einen einsamen Rekord im Ausbau der Windkraft aufgestellt hat, verschlechtert sich am zweitmeisten und landet statt wie vor zwei Jahren auf Platz drei nur noch auf Platz sechs. Der jüngste Rekord konnte leider, leider nicht berücksichtigt werden – die Zahlen des Rankings stammen aus 2012, teils sogar aus 2011. Nun lässt sich zu Recht einwenden, dass zum Ausbau der erneuerbaren Energiequellen nicht nur die Windkraft gehört – auch wenn Schleswig-Holsteins zuständiger Minister Robert Habeck diesen Eindruck manchmal erwecken möchte. Vielmehr tragen andere Quellen auch viel zum Ökostrom bei – und bei Sonnen- und Wasserkraft ist Bayern tatsächlich weit vorn. Auch kann man umgekehrt der windfreundlichen Kieler Küstenampel zum Beispiel vorwerfen, dass sie noch immer viele Gebäude des Landes mit Atomstrom versorgt und darum in Sachen Vorbildfunktion noch immer zurückliegt. Trotzdem: Eine Studie, die ein Land zum Ökostromvorreiter kürt, dessen Regierungschef gerade ganz offensichtlich die Energiewende blockiert, gewichtet die Kriterien falsch. Bei der Vielzahl der Indikatoren kann man ja mal die Übersicht verlieren. Doch will die Agentur mit ihrem Ländervergleich in zwei Jahren noch ernst genommen werden, muss sie ihr Bewertungssystem überprüfen und vereinfachen – und dafür sorgen, dass sie nicht mehr völlig veraltete Daten verwenden muss.

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