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Windpark vor Sylt sorgt für Ärger. WZ vom 11.06.2014

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Autor Beitrag
Claudia

Beiträge: 4532

BI Teilnehmernummer: 106

New PostErstellt: 16.06.14, 23:50  Betreff: Windpark vor Sylt sorgt für Ärger. WZ vom 11.06.2014  drucken  weiterempfehlen



Windpark vor Sylt sorgt für Ärger

Baustelle in der Nordsee: Umweltschützer beklagen Lärmbelästigung für Schweinswale – und Insulaner fürchten um den Horizont

Sylt

Auf den ersten Blick wirkt es wie eine Ölplattform vor Westerland:
Wer an den vergangenen, klaren Abenden am Sylter Weststrand den
Sonnenuntergang genossen hat, konnte gleichzeitig den Baufortschritt des
Offshore-Windparks Butendiek am Horizont
verfolgen. 32 Kilometer vom Ufer entfernt sollen sich ab Oktober dieses
Jahres die Flügel von 80 Windturbinen über der Nordsee drehen.


Der gerüstähnliche Turm, der momentan vom Sylter Strand aus zu sehen
ist, ist der leistungsfähigste Schwimmkran der Welt, die 82 Meter hohe
HLV „Svanen“. Die „Svanen“ rammt gerade die Monopiles – die Pfähle, auf
denen schließlich die eigentliche Windkraftanlage sitzt – mit einem
hydraulischen Hammer bis zu 50 Meter tief in den Meeresgrund. Gut 40
solcher Monopiles sind schon installiert worden, heißt es von der Bremer
wpd-Gruppe, die den Windpark bauen lässt.


Von einigen Inselbewohnern werden diese Arbeiten mit Skepsis beobachtet. So schreibt Hans-Joachim Zielinski, Vorstand der Anti-Butendiek-Gruppe
„Gegenwind“: „Rammung mit hydraulischem Hammer hört sich niedlich an.
Tatsache ist, dass Lärm von über 160 Dezibel entsteht. Das entspricht
dem Lärm direkt neben einer Artillerie-Stellung. Für unsere Schweinswale eine Höllentortur.“


Unter anderem aus Sorge um die Schweinswale hatte auch der
Naturschutzbund Nabu im April dieses Jahres eine sogenannte
Umweltschadensgesetzklage beim Verwaltungsgericht Köln eingereicht. Doch
Konsequenzen hatte diese Klage bisher nicht: Stattdessen sei nun ein
juristischer Streit zwischen dem laut Nabu verantwortlichen Bundesamt
für Naturschutz (BfN) und dem Bundesamt für Schifffahrt und Hydrographie
(BSH) darüber entbrannt, welches Amt in diesem Fall zuständig ist,
heißt es vom Nabu. Dieser Streit habe die Naturschützer dazu veranlasst,
nun parallel beim Verwaltungsgericht Hamburg Klage gegen das BSH
einzureichen. Das BSH habe nun als erste Reaktion eine Stellungnahme vom
Amt für Naturschutz angefordert – spiele den Ball also an das andere
Amt zurück. „Eine inhaltliche Verfahrensführung rückt so in weite Ferne,
und in der Nordsee werden Fakten geschaffen“, heißt es dazu leicht
frustriert vom Nabu.


Außerdem bemängelt der Naturschutzbund: Dass beim Bau von Butendiek der Lärm-Grenzwert
von 160 Dezibel wohl eingehalten würde, reiche für den Schutz der
Schweinswale nicht aus. „Vertreibungseffekte und Verhaltensänderungen“
würden bei Schweinswalen auch bei deutlich weniger Lärm auftreten. Dem
Nabu seien jüngst Informationen zugetragen worden, dass Anfang Juni
Flugbeobachtungen vor der Sylter Küste im Auftrag des BfN stattgefunden
haben, „die belegen, dass deutlich weniger Tiere in der betroffenen
Region gezählt wurden als gewöhnlich. Damit liegt nach Nabu-Meinung ein Verstoß gegen geltendes Naturschutzrecht“ vor. Neben der Sorge um die Meerestiere befürchtet Gegenwind-Aktivist
Zielinski außerdem Schäden für Vögel: „Die Windkraftwerke ragen nicht
150 Meter über den Meeresspiegel, sondern vielmehr rund 200 Meter. Die
Flügel sind so lang, wie der Kampener Leuchtturm hoch ist.“ Und einige
Insulaner sehen in Butendiek schlicht ein ästhetisches Problem: Rotoren,
die den Sonnenuntergang zerschreddern, wurden in den über zehn Jahren,
die seit den ersten Planungen für den Windpark vergangen sind, immer
wieder als Gegenargument bemüht.


Trotz allem Protests, der in den vergangenen Jahren immer verhaltener
erklang, scheint der Windpark kaum noch zu stoppen zu sein: Die Hälfte
der Monopiles sind eingerammt, das Umspannwerk wurde vor einigen Tagen
installiert, und das erste „Transition Piece“ (Übergangsstück zwischen
Monopile und Anlagenturm)wurde erfolgreich installiert. „Die Arbeiten
kommen derzeit gut voran“, so  Christian Schnibbe von der Windpark-Betreiberfirma
wpd, „wir sind zufrieden.“ Wpd hatte immer wieder betont, bei den
Bauarbeiten bestmöglich auf Schall- und Naturschutz zu achten.
Friederike Reußner







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