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Windparks auf See: Teuer und überflüssig. WZ vom 11.06.2013

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Autor Beitrag
Claudia

Beiträge: 4532

BI Teilnehmernummer: 106

New PostErstellt: 11.06.13, 22:11  Betreff: Windparks auf See: Teuer und überflüssig. WZ vom 11.06.2013  drucken  weiterempfehlen

Seite 1:

Windparks auf See: Teuer und überflüssig

Umweltbundesamt will Förderstopp für Offshore-Anlagen

Kiel/Berlin /bg

Schleswig-Holsteins Energiewendeminister Robert Habeck will Hochseewindparks nicht weiter vom Stromkunden mitbezahlen lassen. Der Grünen-Politiker befürwortete daher gestern einen Vorschlag von Umweltbundesamtschef Jochen Flasbarth, Offshore-Anlagen nicht mehr über die Umlage aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) zu fördern, sondern über steuerfinanzierte Ausschreibungen. „Es sollte bei einer EEG-Reform
geprüft werden, ob ein solches Modell funktionieren kann, ohne weit
fortgeschrittene Projekte zu verunsichern“, sagte Habeck unserer
Zeitung.


Flasbarth hatte zuvor gegenüber „Spiegel-Online“ erklärt, er könne sich „gut vorstellen, die Offshore-Windenergie
künftig nicht mehr über das EEG zu fördern“. Zwar will er den Bau der
teuren Meereswindparks nicht ganz aufgeben, weil die Technik „aus
industriepolitischen Gründen“ für Arbeitsplätze in Werften und Häfen und
für den Export wichtig sei, sagte Flasbarth. Doch für die Energiewende
seien Anlagen auf hoher See theoretisch nicht notwendig.


So ergibt eine Studie, die das Umweltbundesamt heute veröffentlicht,
dass der Bedarf an Windstrom durch Parks an Land mehr als ausreichend
gedeckt werden kann. Theoretisch wäre es demnach möglich, auf fast
50 000 Quadratkilometern in Deutschland Rotoren aufzustellen – das wäre
ein Siebtel des deutschen Staatsgebiets, die Hälfte davon in den acht
nördlichen Bundesländern. Dann könne fünfmal so viel Strom durch Wind
erzeugt werden wie zuletzt in Deutschland verbraucht wurde, heißt es in
der Studie.


Auch Habeck setzt auf Windkraftanlagen auf dem Festland. „Wind an
Land ist die günstigste Energieform“, sagte er. Sie gelte es daher vor
allem auszubauen – „und da sind wir in Schleswig-Holstein
ein gutes Stück vorangekommen.“ Hingegen habe „Offshore noch nicht
bewiesen, dass es die Kosten senken kann“. Weil der Bau von Anlagen weit
draußen auf dem Meer besonders teuer ist, trägt er auch zur Erhöhung
der EEG-Umlage bei.


Insgesamt zahlen die Verbraucher für Ökostrom derzeit 5,3 Cent pro
Kilowattstunde extra – Tendenz steigend. Für eine vierköpfige Familie
ist das eine Belastung von gut 15 Euro im Monat. Die Umlage gleicht
dabei nicht nur die Differenz zwischen dem Marktpreis an der Strombörse
und dem garantierten Preis für die Stromproduzenten aus, der bei
Meereswindparks besonders hoch ist. Vielmehr deckt sie bis zu einer Höhe
von 0,25 Cent pro Kilowattstunde auch einen Teil der Haftungskosten,
die Netzbetreibern im Fall verspäteter Anschlüsse von Offshore-Windparks entstehen.


Kommentar von Seite 2:



Theoretisch, aber nicht praktisch

Die neue Windkraft-Studie des Umweltbundesamtes zur On- und Offshore-Technik liefert wenig brauchbare Erkenntnisse.

Frank Jung

An Land sei so viel mehr drin, dass man Offshore links liegen lassen
könne: Natürlich macht eine solche Botschaft, wie sie das
Umweltbundesamt mit einer neuen Studie verkündet, erstmal nachdenklich.
Doch bringt sie unterm Strich wenig brauchbare Erkenntnisse. Denn die
entscheidende Einschränkung liefert die Analyse ja selbst mit:
Theoretisch sei es möglich, 50 000 Quadratkilometer Deutschlands mit
Windrädern zu bestücken.


Aber eben theoretisch und nicht praktisch. Sicher sind die Bürger
bereit, für die Energiewende eine deutlich dichtere Verspargelung der
Landschaft in Kauf zu nehmen, zumal wenn dies den Strompreis weniger
belastet als Offshore-Windparks. Aber bis ins
Uferlose reicht das nicht. Für 50 000 Quadratkilometer lässt sich keine
Akzeptanz ausmachen, nicht annähernd. Entspräche dieses Ausmaß doch 13,8
Prozent der Bundesrepublik. Damit sehe Deutschland komplett anders aus
als heute. Schleswig-Holstein reserviert mit der
kürzlich beschlossenen Verdoppelung seiner Windeignungsflächen gerade
mal 1,8 Prozent des Landes für Mühlen. Diese Schwelle gilt selbst dem
Bundesverband Windenergie, Lobby-Organisation der Onshore-Branche,
als das, was heute vermittelbar ist. Vor allem hat sich die
Landesregierung diese Zahl mit ihrer Ausweitung der Eignungsflächen zu
eigen gemacht. Deshalb verwundert es, wenn sich der Energiewendeminister
nun so äußert, als sehe er landseitig weitere Luft nach oben. Zumal
Investoren bisher nur zaghaft von den neuen Standorten Gebrauch machen.
Dieses Umsetzungsproblem hätte staatlicherseits mehr Beachtung verdient
als rein rechnerische Potenzialstudien.


Nach wie vor erscheint es unrealistisch, auf Offshore zu verzichten.
Immerhin warten noch 75 Prozent des deutschen Bruttostromverbrauchs
darauf, von konventionell auf erneuerbar umgestellt zu werden. Große
Mengen lassen sich nirgendwo verlässlicher erzeugen als auf See. Ohne
Förderung irgendeiner Art wird es in der Anfangsphase nicht gehen.
Mittelfristig muss Offshore dann drastisch preisgünstiger werden. Aber
die dazu nötige Lernkurve verläuft wie bei jeder neuen Technik umso
schneller, je zügiger in hoher Stückzahl gebaut wird. Immer wieder neue
theoretische Einwände bewirken das Gegenteil.







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