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lilu
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New PostErstellt: 03.07.07, 04:57     Betreff: Re: Die Buccintore (L' Ordo Bucintoro)

Zuerst mußte die verstorbene Anna-Julia im Jenseits aufgespürt und sozusagen dort drüben angesprochen werden. Da medialer Verkehr mit der geistigen Welt im Ordo Bucintoro zum Alltäglichen gehörte, konnte das keine sonderliche Mühe bereiten. Das Dasein auf jenseitigen Welten haben wir uns in vielerlei Hinsicht dem irdischen ähnlich vorzustellen. Die Art der Stofflichkeit ist zwar „drüben“ eine andere, doch das nimmt das subjektive Empfinden vermutlich kaum wahr. Das Leben im Jenseits kennt kein Sterben mehr, auch kein Altern und keine Krankheit, wie auch keine Fortpflanzung, aber alles in allem ist es dem gewohnten Erdendasein wohl durchaus verwandt. Auch dort gibt es unterschiedliche Charaktere etc. (wir sprechen von jenseitigen Welten, nicht vom höchsten Licht, dem Reich Gottes). Es galt also zu-nächst, Anna-Julias Vertrauen zu gewinnen und dann, sie von der Sinnhaftigkeit einer irdischen Wiedergeburt ihrer Person zu überzeugen. Hier ist knapp darzulegen, wie solch eine Diesseits-Jenseits-Kommunikation möglich ist: Die Jenseitigen können die Grobstoffleiber von uns Diesseitigen nicht sehen und auch nicht hören, was wir mit unserer Stimme artikulieren – aber sie sehen unsere inneren Leiber (die „Astralkörper“) und erkennen auch alle unsere Gedanken! Die Kommunikation erfolgt also durch das Senden von Gedankenbildern und gedachten Worten (bloßes Aussprechen von Beschwörungsformerl würde gar nichts bewirken; „Schwingungsworte“ wirkten anders). Das Gelingen solcher Gedankenkommunikation ist in erster Linie eine Frage guter Konzentrationsfähigkeit. Dabei handelt es sich um ein Denken mit dem Geist, was etwas anderes bedeutet als Denken mit dem Verstand. Hier berühren wir ein Feld wirksamer Magie, denn Magie ist bekanntlich: Wirken durch Wollen. Im Ordo Bucintoro wurden dazu verschiedene Verfahrensweisen ausgeübt, es war eine Angelegenheit der Frauen. Diesen Punkt auszuweiten würde an dieser Stelle zu weit führen, es ist für das weitere Verstehen des Vorgangs auch nicht nötig. Also zurück zum konkreten Fall. Wir wissen, Anna-Julia hatte sowieso einen Hang zu Mystik und Magie. Für das Unterfangen dürfte sie also offen gewesen sein. Im übrigen gab es vielleicht sozusagen vor Ort sehr überzeugende Mittler, etwa verstorbene Tempelritter, wie Saint-Omer (ein direkter Vorfahre von Antonia Contentas Mann) oder der Wiener Komtur Hugo, vielleicht auch Jocelyne d'Arras - auf alle Fälle überzeugende Persönlichkeiten beiderlei Geschlechts. Nehmen wir weiter an, dieser erste nötige Schritt war getan, es bestand direkter medialer Kontakt zwischen dem Ordo Bucintoro im irdischen Venedig und Anna-Julia im Jenseits. Sodann war es nötig, die ja auf Erden jung und ohne viel Lebenserfahrung verstorbene Anna-Julia genau zu instruieren - sicherlich unterstützt von jenseitigen Verbündeten - denn sie mußte ja die nächsten Schritte allein tun, alles lag jetzt bei ihr. Der verstorbenen Anna-Julia mußte klargemacht und beigebracht werden, wie sie irdische Grobstoffe ansammeln und damit um ihren inneren Leib (Astralkörper) einen neuen Grobstoffleib aus irdischer Materie bilden konnte. Das wiederum hieß, sie zunächst unbeschadet durch die gefährliche „Nebelheimzone“ zu leiten, welche die Randbereiche von Jenseits und diesseits überlappt. Gehen wir davon aus, daß jenseitige Helfer, wie etwa der verstorbene Saint-Omer oder Jocelyne, dafür sorgten, daß dies problemlos geschah. Jetzt befand sich Anna-Julia also im Nahebereich zum Irdischen, sie konnte die notwendigen Grobstoffe kraft ihres Willens heranziehen. Sämtliche Grobstoffe, die zur Bildung eines Erdenleibs nötig sind, gibt es in der irdischen Natur. Es kam also nur noch auf Anna-Julias Willenskraft an. Diese dürfte aber gut ausgeprägt gewesen sein, allzumal ja eine Neigung zu dergleichen in ihrem Wesen vorhanden war, die Schwingungsaffinität also stimmte. Jetzt war es so weit, daß Anna-Julia wieder in irdischer Stofflichkeit erschien, wiederverkörpert nach dem unveränderlichen Grundmuster ihres inneren Leibes, das heißt im scheinbaren Lebensalter von Anfang 20. Anna-Julias irdische Wiederverkörperung fand sicherlich an einem auf medialem Weg besprochenen Ort statt, ganz unauffällig. Von dort aus wäre die Wiederverkörperte dann unter dem Namen Julietta ganz unbefangen nach Venedig gereist, um dort ihren schon vorbereiteten Wohnsitz zu beziehen. Es wäre unklug gewesen, eine Frau sozusagen mitten in Venedig aus dem Nichts auftauchen zu lassen, es war besser, sie kam angereist, wie Menschen aus einer anderen Stadt zu kommen pflegen. Daß sich all dies so verhalten hat, ist nur eine Annahme, aber eine logische.



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