Forum Grundeinkommen
Offenes Forum zum Thema "Bedingungsloses Grundeinkommen"

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BGE

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Karl-Heinz Thier



New PostErstellt: 13.09.04, 11:22  Betreff: BGE  drucken  Thema drucken  weiterempfehlen

Was kostet ein Grundeinkommen?

Zu den von Michael Opielka angeführten Variablen:
- Nicht Armut vermeiden, sondern: Wir wollen nicht reich werden, aber gut leben, also 1500 € netto monatlich.
- Individualprinzip
- In dem monatlichen Betrag ist die Krankenversicherung enthalten.

Eine weiter Variable (europaweit oder national) sei entschieden: Das BGE muss EU-weit eingeführt werden; unsere „Nation“ heißt nämlich heute EU. Und es gibt auch schon eine breite Unterstützung für das BGE in der ganzen EU. Allerdings muss in diesem Zusammenhang noch eine weitere Variable entschieden werden: Wollen wir uns zur Sicherung unseres „Volkseinkommens“ auf den Export verlassen oder nicht? Mit Keynes entscheiden wir uns gegen die Abhängigkeit vom Export. Der EU-„Außenhandel“ ist jetzt schon zu 70 % Binnenhandel. Diese Politik ist weiter bis zu 100 % zu verfolgen („self-sufficiency“). Wir wollen ökonomisch nicht die Größten sein, wir wollen nur gut leben; dazu reicht diese Strategie. Dieser Weg ist aber nicht monetär zu verfolgen, sondern wir müssen allmählich davon loskommen, mit dem Einstieg ins Patriarchat, in Eigentums- und Tauschverhältnisse eine unaufhaltsame Folge über Handel, Geld, Wettbewerb, Staat, Wirtschaftswachstum bis zu Kapitalismus und Faschismus zu generieren. Selbstversorgen und Teilen ist die Alternative (siehe dazu die Datei „Sozialismus“ im Netzwerk).

Jetzt zu dem Totschlag-Argument, 1500 € netto monatlich seien nicht mit dem deutschen Volkseinkommen/der deutschen Produktivität zu bezahlen. In der Diskussion ist schon angeklungen, dass dieses „Volkseinkommen“ zu einem beträchtlichen Teil aus Zinsen von Vermögen, also nicht aus Produktivität besteht. Die Anhäufung von Vermögen empfinden wir als obszön und werden deshalb diese Vermögen zur „Finanzierung“ des BGEs verwenden. Das Gleiche gilt für Immobilien über den eigenen Bedarf hinaus. Außerdem bleibt eine künftige Gesellschaft nach unseren Vorstellungen wie schon angedeutet nicht bei einem BGE stehen, sondern schafft die Notwendigkeit von Geld weitgehend ab. Das heißt für die Übergangszeit: Wenn Menschen ein BGE von 1500 € netto monatlich erhalten, wird ein Teil von ihnen „ehrenamtlich“ für seine Mitmenschen arbeiten – nicht aus einem karitativen Drang, sondern weil es der Natur des Menschen entspricht, sich anderen nützlich zu erweisen, sobald er selbst gut lebt. Das schließt auch die Produktion von Waren ein, die noch für einen Rest-Export benötigt werden. Diese Produktivität muss also von der „Finanzierung“ abgezogen werden. Ein anderer Teil von Menschen wird sich für einen höheren Lebensstandard als „gutes Leben“ immer noch gern in fremdbestimmt Arbeitsverhältnisse begeben. Die auf diese konventionelle Weise geschaffene Produktivität muss auch von der „Finanzierung“ abgezogen werden. Mit diesen Finanzquellen geht die Kurve der „Finanzierung“ also gegen Null. Jedenfalls ist ein medial vermittelter Unsinn zu behaupten, ein BGE von 1500 € netto monatlich lasse sich nicht finanzieren, weil sich dann die meisten Menschen auf die faule Haut legten. Das ist genauso falsch wie die Behauptung der heute herrschenden Medien, bei einer Erweiterung der EU würde Deutschland von portugiesischen, spanischen, polnischen Arbeitnehmern überschwemmt werden. Es wird sicher einen kleinen Teil von Menschen geben, die sich auf die faule Haut legen wollen; aber die sind durch den Kapitalismus so psychisch kaputt gemacht worden, dass sie sich so verhalten. Das ist ein therapeutisches Problem, kein ökonomisches.

KT 13-9-04

www.kthier.de



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Michael Opielka
(Administrator)

Beiträge: 101
Ort: Jena/Königswinter



New PostErstellt: 13.09.04, 12:50  Betreff: Re: BGE  drucken  weiterempfehlen

Lieber Karl-Heinz Thier,

man kann das natürlich wollen, ein „Grund“-Einkommen in Höhe des
„Durchschnitts“-Einkommens. Weil das aber eine Begriffs-Verhunzung bildet -
„Grund“ ist nicht „Durchschnitt“ - hat eine solche Überlegung mit einem
„Netzwerk Grundeinkommen“ nichts zu tun. Sie können selbstverständlich ein
„Netzwerk Durchschnittseinkommen“ gründen und für Ihren
Rasenmäher-Sozialismus werben.

Ihr Hinweis auf die Zinseinkommen ist berechtigt. Sie machen allerdings
weniger als 20 Prozent der Haushaltseinkommen aus - und gehören zu einem
nicht unbeträchtlichen Teil auch den niedrigeren und vor allem mittleren
Einkommensgruppen als Erträge aus Lebensversicherungen usf.

Beste Grüße

Michael Opielka



prof. dr. michael opielka

institut für sozialökologie (isö)



www.isoe.org

_____

Von: Karl-Heinz Thier [mailto:@carookee.com]
Gesendet: Montag, 13. September 2004 11:22
An:
Betreff: [Mailingliste-Grundeinkommen:] BGE
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Silas Bernd

Beiträge: 115
Ort: Osnabrück


New PostErstellt: 17.09.04, 21:16  Betreff: Gut Leben  drucken  weiterempfehlen

Gut leben (nähmlich auf Dauer) möchte ich vom Grundeinkommen
schon.
Was zählt dazu?:
Nahrung vor allem. Und diese, wie alle anderen Erfordernisse des
Dasein, hätte ich gern in gesundheitsförderlicher Qualität.
Nach einer Erhebung der >ZMP<* kostet biologische Nahrung
etwa das 1,7fache konventioneller. Bei Zugrundelegung der
für Sozialhilfeberechtigte geltenden Aufwendungen (zZt. ca.
150,- E/Monat) ergäbe das ca. 250,- E/Monat. Für diesen Posten.
Weiter Erfordernisse sind Kleidung, Wohnung und Medizin (Art. 25,
Allg. Erklärg. d. Menschenrechte. Art. 11, Intern. Pakt ü.d. wirtsch.,
soz. + kult. Rechte. Buddha).
Irgendwie offiziallisierbare Zahlen sind mir zwar nicht bekannt,
sollten aber existieren.
Für mich ergibt sich bei genannter Lebensführung ein Geldbedarf
von ca. 750 E/Monat zzgl. K-PfV.

MfG
b

*) Zentrale Markt- und Preisberichtsstelle, Bonn

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Reimund Acker

Beiträge: 21
Ort: Puchheim bei München



New PostErstellt: 18.09.04, 21:11  Betreff: Re: BGE  drucken  weiterempfehlen

    Zitat: Karl-Heinz Thier
    Jetzt zu dem Totschlag-Argument, 1500 € netto monatlich seien nicht mit dem deutschen Volkseinkommen/der deutschen Produktivität zu bezahlen. In der Diskussion ist schon angeklungen, dass dieses „Volkseinkommen“ zu einem beträchtlichen Teil aus Zinsen von Vermögen, also nicht aus Produktivität besteht. Die Anhäufung von Vermögen empfinden wir als obszön und werden deshalb diese Vermögen zur „Finanzierung“ des BGEs verwenden. Das Gleiche gilt für Immobilien über den eigenen Bedarf hinaus.
Ein unbequemes Argument "Totschlag-Argument" zu nennen ist ein Totschlag-Argument. Ich will trotzdem darauf eingehen (bedanken Sie sich nicht):

In 2003 betrug in Deutschland das Volkseinkommen 1569,26 Mrd €, das Nettogeldvermögen 2371 Mrd € und das Anlagevermögen 10660,45 Mrd € (Quellen: Statistisches Bundesamt und Bundesbank).

Wenn wir das gleichmäßig unter den 82536680 Bürgern verteilen, erhält jeder 28726,62 € Geldvermögen, Anlagevermögen im Wert von 129160,15 € und ein Monatseinkommen von 1584,41 €.

Bitte beachten Sie, daß aus dem Geld- und Anlagevermögen kein zusätzliches Einkommen erzielt werden kann, da dies bereits im Volkseinkommen berücksichtigt ist. Sie können sich lediglich still Ihres Anteils erfreuen.

Wenn wir jedem Bürger das von Ihnen vorgeschlagene GE i.H.v. 1500 € ausbezahlen, so bleiben monatlich 84,41 pro Kopf übrig, und die kommen in den großen Topf für Zusatzeinkommen. Das sind dann im Jahr immerhin 83,6 Mrd € und wird reserviert für diejenigen, die noch für Geld arbeiten wollen. Also keinen müden Zusatz-Euro für obszöne Zinsen und so. Ist es so recht?

Jeder der derzeit 38,3 Mio Erwerbstätigen könnte sich also im Schnitt 181,90 € verdienen. Bei insgesamt geleisteten 55,3 Mrd Arbeitsstunden im Jahr 2003 wären das 1,51 € pro Stunde. Plädieren Sie für 1-Euro-Jobs?

Gruß
Reimund Acker

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