Forum Grundeinkommen
Offenes Forum zum Thema "Bedingungsloses Grundeinkommen"

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14.05.2005: Die Administration dieses FORUMs wird ab heute von den Nutzern dieses FORUMs gestaltet. Siehe dazu im FORUM Beitrag in "Infos zur Nutzung des FORUMs".
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Dieses FORUM dient der Diskussion von Ideen
zum BEDINGUNGSLOSEN GRUNDEINKOMMEN. Es war zuerst ein FORUM des
"Netzwerk Grundeinkommen", Näheres: http://Grundeinkommen.INFO .
Die Sprecher+..Innen des Netzwerkes betreiben seit April 05 eine eigene Mailingliste,
Näheres: http://listi.jpberlin.de/mailman/listinfo/debatte-grundeinkommen.
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Die Nutzer dieses FORUMS haben sich trotzdem mit Mehrheit für die Beibehaltung dieses FORUMs ausgesprochen, das weiterhin wohl auch hauptsächlich das weitere Vorgehen von http://Grundeinkommen.INFO begleiten wird.
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Das FORUM ist z.Zt. versuchsweise ÖFFENTLICH geschaltet.
Es kann also JEDEr Beiträge lesen, die Dateien ansehen und auch downloaden. Die Dateien sind auch verlinkbar. Wer mitschreiben will, muss sich anmelden, auch mit Pseudonym. Die Berechtigung muss bestätigt werden. Bitte die Frage "Warum..." beantworten.
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Dies und das

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Silas Bernd

Beiträge: 115
Ort: Osnabrück


New PostErstellt: 07.06.05, 17:24  Betreff: Dies und das  drucken  Thema drucken  weiterempfehlen

Zumindest hier im Forum bewegt sich die Diskussion zuneh-
mend um Themen wie; mögliche Finanzierungsansätze, Auswir-
kungen des BGE auf die Wirtschaft und sind alle anderen
doof?
In den letzten Wochen fast ausschließlich wurden techni-
sche Details diskutiert. Dinge also, mit welchen man,
wie ich finde, nicht für Ideen begeistern kann. Wir sind
damit beschäftigt und ausgelastet, Bauholz heran zu
schleppen, anstatt vom Meer zu erzählen.

Je weiter die Automation fortschreitet, desto inhumaner
werden die verbleibenden Industriearbeitsplätze. Je mehr
die verbleibenden erforderlichen ArbeiterInnen von Robo-
tern umstellt werden, desto höher werden ihre Lohnforder-
ungen bei installiertem BGE.
Industriearbeitsplätze sind derart inhuman, das sie, auf
Grund der Höhe der Löhne, welche erforderlich sein werden,
Menschen dennoch zu dingen, sich nicht selten als schlicht
konkurrenzUNfähig erweisen werden.
Hinzu kommt, das die Politik schon aus Gründen der Nach-
haltigkeit eine Umstellung des Steuersystem von personen-
bezogenen (Lohn-) Steuern auf solche für den Verbrauch
(an Produkten und Resourcen) einleiten wird, welche die
energieintensive industrielle Produktionweise weiter ver-
teuern wird.
Da ein beträchtlicher Teil der 'Arbeits'einkünfte dennoch
mit nichtmaterieller Tätigkeit (Verwaltung, Pflege im er-
weiterten Begriff; der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo
er pflegt!), ect.) erzielt wird, bleibt die Lohnsteuer
aber eine Quelle zur Finanzierung sozialer Aufgaben.

Die im Ulmer Modell vorgeschlagene Trennung in zwei Arten
von Steuern halte ich prinzipiell für sinnvoll, würde aber,
als Maßname der 'Verkaufserleichterung', eine (Beibehaltung
der) Trennung in Steuern und Versicherungbeiträge vorschla-
gen.
Letztere für die Bereiche K,PfV und Rente, erste zur Fi-
nanzierung des eigentlichen bzw. restlichen BGE, also dem,
was jetzt HzL (Hilfe zum Lebensunterhalt; Sozialhilfe),
AloGeld/Hilfe/HatzIV, BAFöG, BKGG (Kindergeld), und WoGG
heißt.

MfG
b

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matthias_dilthey

Beiträge: 130
Ort: Erlangen


New PostErstellt: 08.06.05, 03:02  Betreff: Re: Dies und das  drucken  weiterempfehlen

Hallo Bernd,

jetzt finde ich, wirst Du ungerecht:

    Zitat: Silas Bernd
    Zumindest hier im Forum bewegt sich die Diskussion zuneh-
    mend um Themen wie; mögliche Finanzierungsansätze, Auswir-
    kungen des BGE auf die Wirtschaft und sind alle anderen
    doof?
Ihr könnt Euch über Traumtänzereien unterhalten, so lange es Spaß macht. Aber die Entwicklung auf konkreter Basis zu verteufeln; deren konkret werdende Basis zu negieren mit der Begründung, es wird konkret, ist nicht in Ordnung!

    Zitat:
    In den letzten Wochen fast ausschließlich wurden techni-
    sche Details diskutiert. Dinge also, mit welchen man,
    wie ich finde, nicht für Ideen begeistern kann. Wir sind
    damit beschäftigt und ausgelastet, Bauholz heran zu
    schleppen, anstatt vom Meer zu erzählen.
Der Märchenerzähler ist wichtig, er gibt Visionen.
Was nützen aber die schönsten Visionen, wenn sie nicht umgesetzt werden?
Also laß uns die Umsetzung Deiner Visionen konkretisieren und Du kümmerst Dich um die Verbreitung der Vision.Was spricht dagegen?
    Zitat:
    Je weiter die Automation fortschreitet, desto inhumaner
    werden die verbleibenden Industriearbeitsplätze. Je mehr
    die verbleibenden erforderlichen ArbeiterInnen von Robo-
    tern umstellt werden, desto höher werden ihre Lohnforder-
    ungen bei installiertem BGE.
Richtig! Das ist ja auch ein Teil des BGE-Gedankens.
    Zitat:
    Industriearbeitsplätze sind derart inhuman, das sie, auf
    Grund der Höhe der Löhne, welche erforderlich sein werden,
    Menschen dennoch zu dingen, sich nicht selten als schlicht
    konkurrenzUNfähig erweisen werden.
Keiner muß, aber jeder kann ...
    Zitat:
    Hinzu kommt, das die Politik schon aus Gründen der Nach-
    haltigkeit eine Umstellung des Steuersystem von personen-
    bezogenen (Lohn-) Steuern auf solche für den Verbrauch
    (an Produkten und Resourcen) einleiten wird, welche die
    energieintensive industrielle Produktionweise weiter ver-
    teuern wird.
Richtig, so soll es gehen. Im Gegenzug werden aber humane Arbeitskosten gesenkt.
    Zitat:

    Da ein beträchtlicher Teil der 'Arbeits'einkünfte dennoch
    mit nichtmaterieller Tätigkeit (Verwaltung, Pflege im er-
    weiterten Begriff; der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo
    er pflegt!), ect.) erzielt wird, bleibt die Lohnsteuer
    aber eine Quelle zur Finanzierung sozialer Aufgaben.
Das ist ein soziologischer Suizid, sagt die PfsG.
Wie Du richtig bemerkt hast, möchten uns aber einige unüberlegte Leute in den gemeinschaftlichen Suizid treiben!
Denn einzig eine Steuer auf Hilfeleistung zu erheben, tötet eine im Sozialgefüge nötige Hilfeleistung und somit das Sozialgefüge!
    Zitat:
    Die im Ulmer Modell vorgeschlagene Trennung in zwei Arten ...

    MfG
    b
Und jetzt zeigst Du, daß Du die negativen Auswirkungen auf das Sozialgefüge des Ulmer Modells nicht verstanden hast.
Eine Umbenennung dieses Modells in Neoliberales Modell wäre dringend erforderlich, wie Du soeben belegt hast!

Matthias Dilthey



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tauschringe.info

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New PostErstellt: 08.06.05, 09:14  Betreff: Re: Dies und das  drucken  weiterempfehlen

Hallo Bernd,

Danke für den "neuen" Ast in der Diskussion. Besonders danke ich Dir für Deine Schlußbemerkung zu dem in der http://de.wikipedia.org/wiki/Ulmer_Modell mit allen downloadbaren Unterlagen beschriebenen "Transfergrenzenmodell".:

    Zitat: Silas Bernd
    Die im Ulmer Modell vorgeschlagene Trennung in zwei Arten
    von Steuern halte ich prinzipiell für sinnvoll, würde aber,
    als Maßname der 'Verkaufserleichterung', eine (Beibehaltung
    der) Trennung in Steuern und Versicherungbeiträge vorschla-
    gen.

    Letztere für die Bereiche K,PfV und Rente, erste zur Fi-
    nanzierung des eigentlichen bzw. restlichen BGE, also dem,
    was jetzt HzL (Hilfe zum Lebensunterhalt; Sozialhilfe),
    AloGeld/Hilfe/HatzIV, BAFöG, BKGG (Kindergeld), und WoGG
    heißt.
Der "Parteivorsitzende" M.D. konnte es ja wieder nicht lassen - und hat dazu wieder seine gefettete und offensichtlich hasserfüllte Bemerkung "Neoliberales Modell" gemacht. Das zeigt, dass er sich nie wirklich damit beschäftigt hat. Denn im "Ulmer Modell" sind natürlich jede andere Art von Finanzierung selbstverständlich auch möglich und erwünscht! Genau dazu gibt es ja den Faktor A (für additional) in der Tabelle und in der Brainstormingvorlage !

Das Herangehen an die BGE-Problematik, mit dem Aufzeigen von GENAU recherchierten Finanzierungsmöglichkeiten über zwei Basissteuern, die NUR die Erst-Finanzierung einer ANFANGSSTUFE eines BGE mit der Belastung der EINZELNEN Bürger aufzeigen, ist ganz bewusst so gewollt. So kann sich JEDEr für sich selber seine eigene "Belastung" ausrechnen! BIS zur Transfergrenze hat JEDEr sogar ein Plus auf seinem Konto. Die Einkommen über der Transfergrenze müssen natürlich die Hauptlast in dieser ANFANGS-Rechnung tragen. Das relativiert sich aber SOFORT, wenn man sich in der Brainstormingvorlage, den Faktor A vornimmt, sich über die zugänglichen Statistiken klar macht welche enormen Auswirkungen auf das GESAMTE Steuer- und Sozialsystem möglich werden. Ganz sicher werden sich auch sämtliche anderen Belastungen auch in den höheren Einkommensbereichen zu einem WENIGER verändern, schon allein deshalb, weil ein gigantischer Bürokratie-Abbau mit ebenso gigantischer Kostenreduzierung mit einer Einführung eines BGE verbunden ist. Wieder anzusetzen und präzisierbar über den Faktor A.

Das ist wohl das, was Du in Deinem letzten Absatz anregst (s. Zitat oben). NUR ZU!! Genau dafür ist die Brainstormingvorlage gedacht!

Der Verdienst des "Ulmer Modells" ist es mal ganz sicher, mit GENAU recherchierten Zahlen das "Haupt-Gegenargument" zu einem BGE unwiderlegbar zu entkräften: "Sowas ist sowieso nie finanzierbar!"

Wir werden JEDER/JEDEM Kandidatin/Kandidaten für die vorgezogegenen Bundestagswahlen diese Information zukommen lassen und auch versuchen, die BGE-Thematik mehr und mehr in die Medien zu bringen. Dafür ist etwas "Sofort Nachvollziehbares" not-wendig und keine in ferne Zukunft gerichteten Mega-Visionen. Visionen zum Thema kommen sicher aus der vermehrten Beschäftigung mit ALLEN Aspekten des BGE.

Also los packen wirs an! Aber bitte möglichst ohne andere, die sich auch mit dem BGE auseinandersetzen "in die Tonne zu treten"!

Ciao Peter Scharl



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Silas Bernd

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Ort: Osnabrück


New PostErstellt: 08.06.05, 19:09  Betreff: Re: Dies und das  drucken  weiterempfehlen

In der Einladung zur Gründungsversammlung des Netzwerk Grundeinkommen
wurden die Teilnehmer gebeten, folgende drei Fragen zu beantworten:

  1. Warum ein Grundeinkommen?
  2. Welches Grundeinkommen?
  3. Wie ein Grundeinkommen durchsetzen?

Im heutigen 'Briefkopf' unseres Netzwerkes wird, mit den uns allen
vertrauten vier Kriterien, auf die Frage 'welches' geantwortet. Die
Fragen nach dem 'warum' und 'wie durchsetzen' tauchen überhaupt nicht
auf.

Ja, ich möchte wirklich die Frage der Begründung des bedingungslosen
Grundeinkommen aufwerfen. Aufrollen, denn sie scheint mir unbeantwortet
und dabei dringlich.
Mir scheint allen Forumsteilnehmern, gar allen Mitgliedern des Netzwer-
kes, ist der Frage nach dem 'warum' mit der Antwort 'Automatisierung'
genüge getan. Vieleicht wird auch noch auf den erforderlichen materiellen
Ausgleich verwiesen.
Beides sind (wie auch die Antworten auf die beiden anderen Fragen) stets
Begründungen aus wirtschaftlicher Perspektive. Das aus beiden Argumenten
aber gar keine Notwendigkeit der Installation eines begingungslosen
Grundeinkommen ersteht, ist offenbar niemandem bewußt, oder zumindest
wird es verdrängt, vielleicht aus Angst, sich mit diesem Problem
wirklich eingehend beschäftigen zu müssen.

Hier nur zum Versuch, das BGE mit technischem Fortschritt zu begründen;

Automatisierung vermag vielleicht Angestellte, also Menschen, die weniger
vom BGE profitierten, zu beruhigen, aber sie vermag niemanden,
insbesondere nicht Arbeiter/Arbeitslose vom BGE zu begeistern,
oder gar die Notwendigkeit eines BGE herzuleiten.
Wenn wir mit dem Stande der technischen Entwicklung argumentieren, mit
Computer und Roboter, dann wird immer auf dessen, für ein BGE noch unzu-
reichende, Qualität verwiesen werden können; "wir brauchen aber erst noch
Gentechnik und Fusionsreaktor".
Angesichts der zerstörerischen Folgen industrieller Produktion, zerstö-
rerisch nicht nur der Natur gegenüber, sondern eben auch den Menschen, und
nicht nur denen, die in und mit ihr arbeiteten, sondern allen in einer In-
dustriegesellschaft lebenden, kann ich in dieser Technik nicht das befrei-
ende Moment menschlicher Entwicklung erkennen, und also erscheint sie mir
kaum zur Begründung von irgend etwas Gewünschtem tauglich.

Wohl vermag das BGE eine Existenz von Industrie zu rechtfertigen, nicht
aber wird Industrie das BGE begründen können.
Wenn, was nicht ausgeschlossen, die Einführung des BGE zu einem weiter-
reichenden Zusammenbruch der Industrie führt, so bleibt dies, ebenso, wie
der Fortbestand einer restlichen Industrie, doch Ergebnis der freien Ent-
faltung menschlicher Tätigkeit.
Wenn wir aber das BGE mit der Existenz von Industrien begründen, so blei-
ben wir Sklaven dieser Produktionsweise, und ihr, ja auch aus anderen Grün-
den mögliches Ende, könnte sogar das Ende des BGE bedeuten.
Die Industrie, die Automatisierung darf, wie an vielem anderen auch, am BGE
hängen, nicht aber darf das BGE abhängig sein vom stets relativen, und, da
ja von anderem auch abhängig, stets ungewissen Stande der Technik. Das BGE
ermöglicht es uns, die Technik in den Dienst des menschlichen Wohl-Seins
zu stellen.

Darüber hinaus spicht gegen die Begründung des BGE durch Industrie ihr,
in Krieg und Rüstung zu erkennender, Entstehensprozess. Aus diesem wird
auch deutlich, das die industrielle Produktionsweise, sowie ihre Produkte
selber, nicht den wirklichen Bedürfnissen der Menschen genügen.
Weder arbeiten die Menschen ausschließlich, um an Produkte zu gelangen,
noch sind die Produkte der Industrie wesentlich für unsere menschliche
Entwicklung. Wenn wir sagen, die Menschen arbeiteten um zu leben, nicht
umgekehrt, so bedeutet dies nicht bloß, das sie solange arbeiten, bis sie
genug Dinge haben (dies ist in entfremdeter, also zu überwindender Betäti-
gung so), sondern das sie durch ihr arbeiten leben, das sie
mit ihrem Tätigsein ihre Lebendigkeit erfahren.

"Zeiten der Unfreiheit und Spaltung haben ihre Wurzel in einem
falschen Begriff von Arbeit. Der Begriff von dem, was die Arbeit
bedeutet, ist aber darum so folgenschwer, weil der Mensch nur in
ihr die Möglichkeit findet, die Einheit von Leib und Seele zu ge-
winnen. Erst durch das Tun findet der Geist den Weg ins Fleisch
und belebt es, wie umgekehrt der Leib verhält sich zur Seele"
Hugo Kükelhaus, Urzahl und Gebärde, Zug (CH), 1934/1992, S.90.

Wenn wir, dem folgend (und wie es sich auch hier im Netzwerk durchgesetzt,
herumgesprochen zu haben scheint), die Menschen nicht als faul an sich,
sondern lediglich als dieses System der Ausbeutung latent bestreikend
ansehen, so sei uns dies doch auch einmal nennenswerter Grund für die
Bedingungslosigkeit eines Einkommens;
Faul werden die Menschen gemacht! und eben das können wir uns dauerhaft
nicht leisten. Das BGE erzeugt also keine Kosten, sondern ist eine Maß-
nahme sparsamer Haushaltung.

Daneben ist es möglich, das die Menschen eine weit überwiegende Vielzahl
von Industrieprodukten, all die immer schräger verpressten Abfälle, gar
nicht besitzen möchten (die Aufwendungen für die Werbung sind ein sicher-
es Indiz hierfür) und statt dessen viel lieber im nächsten Gemeinschafts-
zentrum ihren Bedarf an Dingen und an Arbeit befriedigen.
Dem zu Folge sind die Menschen nicht nur fleißig, sondern dabei sogar auch
noch sparsam, können so, nämlich wie es die Zukunft schlicht erfordert,
aber nur leben, wenn ihnen ein sicheres Einkommen gewährt wird.

Wenn wir gerade eine Zufriedenheit mit einfachen Tätigkeiten postulierten,
so kann daraus einerseits auf ein natürliches, eben nur verschüttetes, Be-
dürfnis der Menschen geschlossen werden, andererseits bedeutet dies aber
keine Notwendigkeit industriemäßigen Tätigseins. Wie Erich Fromm deutlich
darlegte (; Die Revolution der Hoffnung) bedarf es im Gegenteil der mensch-
lichen Dimension im Arbeitsleben insbesondere, da wir, um unserer Mensch-
lichkeit willen, auf die selbstverantwortliche Entscheidung im Arbeitspro-
zess nicht werden verzichten können, wollen wir uns nicht selber zu "Skla-
ven ... zu verantwortungs- und nutzlosen Parasiten" machen, "während allein
der freie Mensch [die besitzende Elite] das Recht zu einem vollen Leben hät-
te, das auch Arbeit einschließen würde. _Wenn der Mensch im Produktions-
und Organsiationsprozeß passiv ist, ist er das auch in seiner
Freizeit_." S.101
Industrielle Strukturen fördern aber gerade diese Passivität, und sie soll-
ten, so meine bescheidene Ansicht (Fromm sagt, das ginge wohl nicht (mehr).
Mit dem BGE ist das den Menschen überlassen), mit dem, und als eine Form des
Krieg, der Vergangenheit überantwortet werden.

"Aus allem, was in den vorigen Kapiteln über den Menschen ge-
sagt wurde, ergibt sich als Grundvoraussetzung für sein Wohl-
Sein, daß er im Sinne der produktiven Betätigung aller Fähig-
keiten aktiv ist, während es ein pathologisches Merkmal unser-
er Gesellschaft ist, daß sie dazu neigt, den Menschen passiv
und untätig zu machen, indem sie ihn der Chance beraubt, sich
aktiv an den Angelegenheiten seiner Gesellschaft und an denen
des Unternehmens, in dem er arbeitet, und sogar -wenn auch
nicht so offenkundig- an seinen persönlichen Angelegenheiten
zu beteiligen." ebd.: Fromm, S.95

Wenn wir sagen, 'die Wirtschaft habe dem Menschen zu dienen', so bleibt die
tatsächlich verbreitete Hilfskonstruktion >wir müssen die Wirtschaft pflegen,
dann kann sie uns besser dienen< möglich.
Erst indem wir sagen 'das BGE ermöglicht die Wirtschaft zu kontrollieren',
kann den Menschen jener notwendige Schritt zu Selbstbestimmung, das ist,
zu einer Befreiung vom Götzendienst, von der Unterwerfung unter die von
ihm selbst hervorgebrachten Dinge, gelingen.
Erforderlich ist dieser Schritt aber, weil der Dienst an den Dingen,
sich ihnen zu unterwerfen, die Menschen schwächt.

MfG
b


[editiert: 09.06.05, 17:04 von Silas Bernd]
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Partei03.de

Beiträge: 42
Ort: 21244 Buchholz



New PostErstellt: 08.06.05, 23:12  Betreff: Re: Dies und das  drucken  weiterempfehlen

Hallo Bernd,

Ich finde, das hast du toll auf den Punkt gebracht.

Darf ich deinen Beitrag auch mit auf die Seiten der Partei03.de bringen? - natürlich unter Nennung der Quelle
"Forum Grundeinkommen.carookee.de - Bernd Silas".

Gruß
Werner Noske
Parteivorsitzender Partei03.de



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tauschringe.info

Beiträge: 199
Ort: Memmingen



New PostErstellt: 09.06.05, 10:36  Betreff: BGE - "Warum? und "Wie?"  drucken  weiterempfehlen

Hallo Bernd,

DANKE für diese grundlegenden Gedanken! Ich habe Deinen Text auf 2 Seiten umkopiert und die Zitate etwas hervorgehoben. Erich Fromm ist für mich einer der bedeutensten Menschen der letzten hundert Jahre. Sehr empfehlenswert von ihm auch "Haben oder Sein"!

In der Anlage die 2 Seiten als RTF - Wenn Du da noch etwas verändern willst, kann ich danach auch eine PDF-Version machen. Solche grundlegenden Texte sollten hier im FORUM als downloadbare Dateien zur Verfügung stehen!

BGE - "Warum? und "Wie?" Eigentlich sagt unser Deutsches Grundgesetz dazu auch etwas, besonders die Artikel 1-3, 6, 14 und 15 (nachfolgend eingefügt).

Wer klagt da mal z.B. die Menschenrechte auf die "Würde" und die "freie Entfaltung" ein, die m. E. erst durch ein BGE verwirklichbar sind?

Ciao Peter Scharl

PS: Eine Bitte an ALLE: FORUMs-Beiträge bitte NICHT wie Mails behandeln, schaltet bitte Eure "Kurzzeilen" aus, lasst bitte die Programme den Zeilenfall bestimmen, sieht im FORUM wirklich besser aus. Danke!

Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland

I. Die Grundrechte


Artikel 1 [Menschenwürde - Menschenrechte -
Rechtsverbindlichkeit der Grundrechte]


(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
(2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.
(3) Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht.

Artikel 2 [Persönliche Freiheitsrechte]

(1) Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.
(2) Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.

Artikel 3 [Gleichheit vor dem Gesetz]

(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.
(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Artikel 6 [Ehe - Familie - Kinder]

(1) Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung.
(2) Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft.
(3) Gegen den Willen der Erziehungsberechtigten dürfen Kinder nur auf Grund eines Gesetzes von der Familie getrennt werden, wenn die Erziehungsberechtigten versagen oder wenn die Kinder aus anderen Gründen zu verwahrlosen drohen.
(4) Jede Mutter hat Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge der Gemeinschaft.
(5) Den nichtehelichen Kindern sind durch die Gesetzgebung die gleichen Bedingungen für ihre leibliche und seelische Entwicklung und ihre Stellung in der Gesellschaft zu schaffen wie den ehelichen Kindern.

Artikel 14 [Eigentum - Erbrecht - Enteignung]

(1) Das Eigentum und das Erbrecht werden gewährleistet. Inhalt und Schranken werden durch die Gesetze bestimmt.
(2) Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.
(3) Eine Enteignung ist nur zum Wohle der Allgemeinheit zulässig. Sie darf nur durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes erfolgen, das Art und Ausmaß der Entschädigung regelt. Die Entschädigung ist unter gerechter Abwägung der Interessen der Allgemeinheit und der Beteiligten zu bestimmen. Wegen der Höhe der Entschädigung steht im Streitfalle der Rechtsweg vor den ordentlichen Gerichten offen.

Artikel 15 [Vergesellschaftung]

Grund und Boden, Naturschätze und Produktionsmittel können zum Zwecke der Vergesellschaftung durch ein Gesetz, das Art und Ausmaß der Entschädigung regelt, in Gemeineigentum oder in andere Formen der Gemeinwirtschaft überführt werden. Für die Entschädigung gilt Artikel 14 Abs. 3 Satz 3 und 4 entsprechend.





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Silas Bernd

Beiträge: 115
Ort: Osnabrück


New PostErstellt: 09.06.05, 16:42  Betreff: Re: Dies und das  drucken  weiterempfehlen

Mit allen meinen Beiträgen kann natürlich gemacht werden,
was wer will.

Ich bin eigentlich davon ausgegangen, daß die, hier veröffentlicht,
auch dem Forumsbetreiber gehören.

MfG
b

ps: hab im Vorbeitrag noch eine kleinen Formfehler berichtigt;
...vermag niemanden, _insbesondere_ nicht Arbeiter/Arbeitslose
vom BGE zu begeistern, _oder_->[schon] gar die Notwendigkeit
eines BGE herzuleiten.


[editiert: 09.06.05, 17:08 von Silas Bernd]
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tauschringe.info

Beiträge: 199
Ort: Memmingen



New PostErstellt: 10.06.05, 09:53  Betreff: Re: Dies und das  drucken  weiterempfehlen

Hallo Bernd,

Du hast schon recht. Seitdem das FORUM öffentlich ist, stellen auch Alle die hier schreiben ihre Texte der "Öffentlichkeit" zur Verfügung und sind z.B. mit jedem/r Beitrag/Datei verlinkbar.

Trotzdem ist es Usus und fair, nachzufragen ob jemand seine Texte für eine "Aufbereitung" zur Verfügung stellt. Da geht´s natürlich schon in andere Dimensionen. Danke für Deine Zustimmung!

Hier der LINK zur eben eingestellten PDF-Datei Deiner Grundsatzgedanken:

http://file2.carookee.de/forum/Grundeinkommen/file/630177/GrundsaetzlichesBGEsilas.pdf?d

Ciao Peter Scharl



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Tobias Teetz

Beiträge: 97
Ort: Berlin


New PostErstellt: 10.06.05, 15:06  Betreff: Re: Dies und das  drucken  weiterempfehlen

Lieber Peter Scharl,

zu Silas Bernds Elaborat einige Anmerkungen.

Zur Frage "Warum ein Grundeinkommen ?".

Der Vorteil eines Grundeinkommens liegt in seiner sozialen Dimension.

  1. Eine bessere Unterstützung von Familien. Nur durch Arbeitseinkommen sind Familien bislang ausreichend geschützt. Verdient der Ehemann wenig, wird die Familie auf eine zusätzliche Erwerbsarbeit der Frau angewiesen sein. Ein Alleinstehender hat Vorteile, er braucht auf das "fehlende" Arbeitseinkommen der Frau bei der Geburt oder der Erziehung von Kindern keine Rücksicht zu nehmen. Kinder sind ein Kostenfaktor durch das Aussetzen von entlohnter Erwerbsarbeit. Manchmal wird auch der alte Arbeitsplatz der Frau von anderen Marktteilnehmern weggeschnappt und dann steht die Frau und die Familie später einkommensmäßig, wenn ein Kind da ist, recht schlecht da. Dies kann bislang nur verhindert werden, indem Frau in der Arbeitstretmühle verbleibt. Falls nur der ein Ehepartner (z.B. der Mann) ein Erwerbseinkommen hat, ist die Unsicherheit vor Arbeitsplatz- und Einkommensverlust und Zukunft (ALG 2) für die Familie besonders groß. Bei einer sehr hohen allgemeinen Arbeitslosigkeit sind Familieneinkommen besonders gefährdet. Falls der andere Partner ein garantiertes Einkommen hätte, wäre der Schutz für eine Familie größer. Dies entbindet dennoch nicht von der Anstrengung einen Arbeitsplatz zu suchen, da das Haushaltseinkommen einer Familie mit Erwerbsarbeit höher sein wird. Vielleicht empfinden Frauen in Zukunft auch in karikativen und gemeinwohlorienten Betätigungsfeldern, bei denen es weniger um Einkommenshöhe und rücksichtslosen Verdrängungskampf mit anderen Marktteilnehmern geht, eine persönliche Befriedigung für ihr Leben. Zu Männern: Früher mußten die Arbeitslöhne von Männern ausreichend sein, um eine Familie zu versorgen. Dafür wurde das Einkommenssplitting im Steuerrecht entwickelt. Früher gab es Vollbeschäftigung im Westen und die zukünftige Einkommenssicherheit der Familie konnte bei Arbeitsplatzverlust durch die Suche eines anderen Arbeitsplatzes schnell wieder sichergestellt werden. Dies ist bei den Millionen männlichen Minijobbern heutzutage nicht mehr der Fall. Sie erzielen gegenwärtig kein ausreichendes Einkommen, um eine Familie zu versorgen. Minijoblohn des Mannes + Grundeinkommen der Frau könnten jedoch einen besseren Schutz von Familen darstellen als die gegenwärtige Konstruktion: Minijoblohn des Mannes und kein Grundeinkommen der Frau.
  2. Durch ein Grundeinkommen kommt der bisherige Arbeitslose wieder schneller in Beschäftigung. Jedes Einkommen, dass ein Arbeitgeber dem Arbeitssuchenden gibt, stellt ihn besser als zuvor. Bisher war das Arbeitslosengeld und die Arbeitslosenhilfe eine Art Gefängnis für Arbeitslose. Arbeiten, mit geringem Zuverdiensten, durften sie nicht, da das Sozialgesetzbuch dies bei Arbeitslosigkeit verhinderte. Arbeitende Sozialhilfeempfänger mußten gar 85% ihres Nettoarbeitseinkommens wieder an das Sozialamt zurückgeben - dies schaffte Frustationen und keine Motivation für geleistete Arbeit. Ein Grundeinkommen muß aber auch diejenigen schützen,
  3. Die Fallmanager im Arbeitsamt könnten bei der besseren Koordinierung bezüglich Fähigkeiten der Arbeitslosen, familiären Belangen (z.B. auch den familiären Verpflichtungen der Arbeitslosen gegenüber Angehörigen o.ä.) eine wichtige Brückenfunktion erfüllen, damit der Arbeitslose nicht nur als Arbeitsplatzverwertungsmaschine verstanden wird, sondern in seinem gesamten sozialen Umfeld wahrgenommen wird. Die Fallmanager in der Arbeitsverwaltung halte ich schon für recht wichtig und sinnvoll.

Die Automatisierung und die Industrie sind nun wesentliche Bestandteile um Bürger in unserem Land aber auch in anderen Ländern ausreichend mit Gütern des täglichen Bedarfs und Nahrungsmitteln zu versorgen. Diese Industrien werden auch zukünftig benötigt, damit nicht Bürger in vollständige Hilflosigkeit zurückzufallen. An einen Zusammenbruch dieser Industrien und der Arbeitsplätze durch ein Grundeinkommen glaube ich nicht.
Ein äußerst hohes Grundeinkommen könnte natürlich negative Folgen für die Arbeitsplätze und Arbeitsmotivation in der Industrie haben. Produkte und Güter erhöhen die menschliche Lebensfreude und sind zur Befriedigung menschlicher Bedürfnisse notwendig.

P.S.: Ich habe auf meiner Homepage einige Vorberechnungen für das Transfergrenzenmodell angestellt.
Ich weiß aber überhaupt nicht, ob durch die ganzen Umbrüche in Weltwirtschaft, Kapitalmarkt, EU-Erweiterung, erhöhten Rohstoffpreisen, Steuerflucht und Mehrheitsverschiebungen bei Kapitalgesellschaften, Globalisierungsproblemen, politischen Mehrheitsverschiebungen usw. diese Ausarbeitungen noch relevant sind.


Mit freundlichen Grüßen

Tobias Teetz


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Beiträge: 199
Ort: Memmingen



New PostErstellt: 11.06.05, 06:39  Betreff: Re: Dies und das  drucken  weiterempfehlen

Hallo Tobias,

Deine Gedanken zum WARUM eines BGE ergänzen die Gedanken von Bernd auf der "ganz praktischen" Ebene.

Danke nochmals für Dein unermüdliches Sammeln von Daten und Fakten auf Deiner HP http://teetz.privat.t-online.de/. Bitte nenne diesen LINK auch immer in Deinen Beiträgen, ganz einfach darum, weil es ganz sicher auch Leser Deiner Beiträge gibt, die nicht Zugriff auf die Mitgliederliste haben und damit den LINK zu Deiner HP nicht finden können. Im letzten Monat sind immerhin über 8.000 Seitenaufraufe auf dieser FORUMs-HP erfolgt!

Du hast auf Deiner HP einen LINK "Vorbereitende Tabellen für das Transfergrenzenmodell" das ist eine ZIP-Datei mit 3 Dateien im Format ...sxc. Mein Compi kann damit nichts anfangen, in EXCEL kommt nur "Salat". Kannst Du da EXCEL-Daten draus machen?

Noch eine Meinung zu Deiner pessimistischen Einschätzung:
    Zitat: Tobias Teetz
    P.S.: Ich habe auf meiner Homepage einige Vorberechnungen für das Transfergrenzenmodell angestellt.
    Ich weiß aber überhaupt nicht, ob durch die ganzen Umbrüche in Weltwirtschaft, Kapitalmarkt, EU-Erweiterung, erhöhten Rohstoffpreisen, Steuerflucht und Mehrheitsverschiebungen bei Kapitalgesellschaften, Globalisierungsproblemen, politischen Mehrheitsverschiebungen usw. diese Ausarbeitungen noch relevant sind.
Wir stehen ganz sicher vor ziemlichen Umbrüchen auf allen Ebenen, aber ebenso sicher werden solche Daten als Grundlagen für alle Überlegungen zu einem BGE not-wendig sein. Eines wird ziemlich sicher eintreten: Nach einer BGE-Einführung müssen alle Daten-Grundlagen ziemlich schnell den sich dann gravierend ändernden Parametern angepasst werden.

Ciao Peter Scharl



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Silas Bernd

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New PostErstellt: 11.06.05, 18:25  Betreff: Einwände ggn 'Fallmanager' und Industrie  drucken  weiterempfehlen

@Tobias Teetz

>Fallmanager im Arbeitsamt...

"man kann dieses bürokratische System auf verschiedene Weise Kenn-
zeichnen." (RH, S.96). "Bürokratismus kann man als Methode definie-
ren, bei der a) Menschen wie Dinge verwaltet werden und b) Dinge
nach quantitativen statt qualitativen Gesichtspunkten behandelt
werden, um die Quantifizierung und Kontrolle zu erleichtern und
zu verbilligen" (HS, S.177). "Personen sind 'Fälle',... . Stets
handelt es sich um Fälle, die sich auf Lochkarten festhalten lassen
und die damit all jene individuellen Züge verlieren, die den Unter-
schied ausmachen zwischen einer 'Person' und einem 'Fall'.
Unsere bürokratische Methode entzieht sich der Verantwortung in dem
Sinn, daß sie für die Nöte, Ansichten und Bedürfnisse des einzelnen
keine 'Antwort' findet. Durch diese mangelnde Verantwortungsbereit-
schaft macht sie den Menschen, sobald er 'Objekt' der Bürokratie
wird, zu einem Fall. Für einen 'Fall' aber kann man keine Antwort
finden, das kann man nur für eine Person." (RH, S.96)

>Die Automatisierung und die Industrie sind nun wesentliche
>Bestandteile um Bürger in unserem Land aber auch in anderen
>Ländern ausreichend mit Gütern des täglichen Bedarfs und
>Nahrungsmitteln zu versorgen. Diese Industrien werden auch
>zukünftig benötigt, damit nicht Bürger in vollständige Hilf-
>losigkeit zurückzufallen.

Hilflos, das heißt auf das funktionieren von Maschinen angewiesen,
sind Menschen, indem und soweit sie sich der industriellen Produk-
tionsweise hingeben. Selbst eine weitreichende Rückbesinnung auf
das Handwerk als Lieferant von Produkten führt aber zu keinster
Mittellosigkeit, geschweige denn zu irgend einer Hilflosigkeit.

>An einen Zusammenbruch dieser Industrien und der Arbeitsplätze
>durch ein Grundeinkommen glaube ich nicht.

Nein, natürlich gibt es ausreichend Gründe für den Zusammenbruch
unserer Industrien. Ein Grundeinkommen könnte da auch einen guten
Südenbock hergeben.

>Ein äußerst hohes Grundeinkommen könnte natürlich negative Folgen
>für die Arbeitsplätze und Arbeitsmotivation in der Industrie haben.

Die Arbeitsmotivation der in den Industrie Beschäftigten geht aus
mehreren Gründen gegen null; die Atomisierung des Arbeitsprozesses
(RH, S.40), die Sinnlosigkeit des dort Geschaffenen, das offenbar
niemand benötigt oder auch nur besitzen will, das nur mittels hypno-
seähnlicher Methoden der Gehirnwäsche (HS, S.171...) noch unterge-
bracht werden kann, die totale und vernichtende Ausbeutung der Natur
durch die Industrie (dies im Gegensatz zu landwirtschaftlich- hand-
werklichen Produktionsmethoden (HS, S.140)).

>Produkte und Güter erhöhen die menschliche Lebensfreude und
>sind zur Befriedigung menschlicher Bedürfnisse notwendig.

Ich zumindest hoffe, das
1. die Menschen sich zukünftig, also mit einem BGE, wieder einander
zuwenden, das die Geisteswissenschaften, eine neue Wissenschaft vom
Menschen, die Vorherrschaft der Naturwissenschaft verdrängt und ablöst
(HS, S.167), das nicht mehr der Besitz, in welcher Form auch immer,
und die Macht, insbesondere über andere Menschen, und doch nur "freud-
loses Vergnügen" den Menschen verkrüppeln. und
2. jene Endprodukte, die wir zu unserem Leben benötigen (und andere
sollte es nicht geben, solange Menschen hungern) nicht aus industri-
eller Produktion stammen, und wir letztere nur verwenden, um an ebenso
erforderliche Werkzeuge zu gelangen. Langfristig werden wir erkennen,
das die Landwirtschaft nur ohne 'zu Hilfe nahme' der Industrie, einer
maximalen Zahl von Menschen, die zugleich hier auf der Erde leben, das
für ihr Da- und für ihr Sosein als Menschen Erforderliche garantiert.

MfG
b

RH = Erich Fromm; Die Revolution der Hoffnung, Klett-Cotta-TB, 1968,'81.
HS = ders. ; Haben oder Sein, dtv, 1979,'83

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Günter Koch

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New PostErstellt: 11.06.05, 18:31  Betreff: Re:  drucken  weiterempfehlen

"Silas Bernd" <@carookee.com> schrieb:
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Silas Bernd

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New PostErstellt: 11.06.05, 18:41  Betreff:  Re: Dies und das  drucken  weiterempfehlen

Jo! - Günnä!,
hann ich daahn.

Wo ich grad dabei bin: doch noch bissl Tex:

Unsere heutige Gesellschaft, mit ihrem HatzIV gleicht einem
schwer kranken Menschen, der, dringend auf ein Transplantati-
onsorgan wartend, in seiner Angst vor dem Versagen der ihn am
Leben haltenden Maschinen oder einer Weigerung der diese Be-
dienenden, feststellt, wie notwendig unser System der Nötigung
zur Arbeit sei, dabei übersehend, wie einfach sein Leid, seine Ab-
hängigkeit überwunden wäre in einer Gesellschaft, die das Prin-
zip des Schenkens etablierte.

gaans liebe Grüße -
Bernd

und; 'unserem' Unfallopfer die baldige Genesung!!


[editiert: 11.06.05, 18:43 von Silas Bernd]
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Tobias Teetz

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New PostErstellt: 13.06.05, 21:16  Betreff: Re: Dies und das  drucken  weiterempfehlen

Hallo Peter Scharl,

ich hatte die Tabellen mit StarOffice7 erstellt und dabei vergessen diese im Exel-Format abzuspeichern.
Mit dem StarOffice Tabellenkalkulationsprogramm wären sie aber lesbar.
Danke für den Hinweis, ich werde die Arbeiten an dem Tabellenmaterial weiter forcieren (auch für Schätzungen um 2003) und zukünftig in Excel abspeichern.

Mit freundlichen Grüßen

Tobias Teetz

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Silas Bernd

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New PostErstellt: 14.06.05, 19:31  Betreff: Gefahren, Aufgaben, und eine Chance  drucken  weiterempfehlen

Die Gefahren, die unserer Gesellschaft und damit der in ihr Lebenden,
uns, drohen, können in zwei Punkte zusammengefasst werden. Diese sind
ihr Festhalten an Verhaltenweisen, die unserem Dasein als Tiere ent-
stammen sowie ihre Überbetonung von Naturwissenschaften und Technik.
Deren Merkmale sind aus erstem die Konkurrenz und aus letztem die
Konzentration auf die Macht.

Aus dem Umfang der Konkurrenz, welchem die Menschen sich ausgesetzt
sehen, erwächst ihre Angst, wesentlich davor, zum Aussenseiter zu wer-
den (S.104), mit der Folge entsprechender Angepasstheit, welche ihren
Ausdruck findet in der Ausbildnug eines "Marketing-Charakter", im dem
"der einzelne sich selbst als Ware und den eigenen Wert nicht [einmal
mehr] als Gebrauchswert, sondern als Tauschwert erlebt." (S.141, Ein-
fügung von mir).
Eine weitere Folge ist die Jagd nach Wissen, darüber, wie man sich am
besten präsentiert, attraktiv erscheint und natürlich auch um seinen
Gebrauchswert zu steigern.
Zugleich aber, da diese Lebensweise nicht unseren wahren Bedürfnissen
entspricht, die sich aus ihr ergebenden Zwänge deren Befriedigung aber
verhindern, entsteht ein übersteigerter Wunsch nach Zerstreuung und
Vergnügen. Unsere Kompensationsversuche sind "ein Ausdruck der Ruhe-
losigkeit und der inneren Flucht vor sich selbst" und unser Konsum
ist "nur ein Mittel(), um sich davor zu schützen, sich selbst oder
anderen nahe zu sein". (S.170)

Naturwissenschaften und Technik werden als den Geisteswissenschaften,
besonders der Religion überlegen wahrgenommen, weil und insoweit ihre
Erfolge greifbar sind. Die Tradierung eines angeborenen Instinktes zu
Haben, zu Besitzen, begünstigt unsere Orientierung an der Macht. An
den Erfolgen technischer Naturbeherrschung können Menschen partizipie-
ren, auch ohne die Wege zu verstehen, sie können Konsumieren, und da-
bei in Passivität verbleiben.
Passivität muß als mit Knechtschaft, gar Krankheit verbunden angesehen
werden (S.94), und diese, den Forderungen des Mensch-seins zuwiderlau-
fenden, Tendenzen erzeugen weitreichende Verdängungsmechanismen, die
unser Bild von der Wirklichkeit verfälschen.
Das Mittel zur Verdängung des Bewußtseins unseres Leides ist der Konsum
von Dingen. Diesem Mittel eignen nun aber zwei, sich verstärkende Neben-
wirkungen;
zum einen belässt es die Konsumenten in Passivität (selbst die Hervor-
bringung des Mittels verlangt eher Geschäftigkeit als Aktivität), und
zum anderen, denn schon hier versagt das Mittel den Zweck, führt die
Empfindung wachsender Leere zu wachsender Abhängigkeit vom Mittel, von
den zur Produktion desselben erforderlichen Strukturen und von der Aus-
beutung der natürlichen Resourcen.
Die fortgeschrittene Bürgergesellschaft hat die Maschine zur Gottheit
erhoben, und wähnt sich schon selbst als Gott. "Entscheidend ist, daß
sich der Mensch im Augenblick seiner größten _Ohnmacht_ einbildet, dank
seiner wissenschaftlichen und technischen Fortschritte _allmächtig_ zu
sein." (S.147)
____

"Zum ersten Mal im Leben des Menschen auf der Erde wird er aufgefordert,
... seine wirtschaftliche und technologische Entwicklung zu bremsen..."
(S.156) Unser Problem besteht nicht in mangelnder Produktion, welcher wir
mit einer Ausweitung von Naturwissenschaft und Technik begegnen könnten,
sondern im Mangel an Bereitschaft zu Teilen, zu Selbstbescheidung.

Unsere Aufgabe besteht darin, jenem Wahn, die Belange einer Wirtschaft,
der die Frage nach dem Grunde des Treibens gleichgültig ist (S.90), über
alles zu stellen, entgegen, die menschliche Qualität eines Liebens jen-
seits der bloßen Nachwuchspflege, als für den Fortbestand unserer Gesell-
schaft unverzichtbar zu vermitteln.
Wir dürfen "Wirtschaftlichkeit nicht zum Fetisch erheben" (S.179)
"Wirtschaft-als-Lebensinhalt ist eine tödliche Krankheit,... Das Wirt-
schaft nicht Lebensinhalt sein _darf_, ist uns von allen großen Lehrern
gesagt worden; das sie es nicht sein _kann_, zeigt sich heute. (S.158)
Erforderlich ist eine "radikale Änderung des Wirtschaftssystems", das
uns zwingt "die Industrie durch krankhaft übersteigerten Konsum auf
Touren zu halten" und das "nur um den Preis kranker Menschen möglich
ist" (S.168..).
"Die Arbeit des Bauern wie auch des Handwerkers war kein feindseliger,
ausbeuterischer Angriff auf die Natur. Sie war eine Form der Zusammen-
arbeit mit ihr; keine Vergewaltigung, sondern eine Umgestaltung der Na-
tur in Einklang mit ihren Grenzen" (S.140). Solche eigentliche, ursprüng-
liche Form der Aktivität, in welcher der Mensch sich als Subjekt seines
Handelns erlebt, ist zugleich ein "Prozeß des Gebärens" (S.91). Dieses
Gebären aber gehört zum Prinzip einer mütterlichen, dh. im Gegensatz zur
väterlichen, unverlierbaren Liebe (S.140). In der nicht entfremdeten
Tätigkeit erfährt der Mensch Freiheit, "die freie, bewußte Tätigkeit"
entspreche dem "Gattungscharakter des Menschen" und für Marx bedeutete
der Kampf zwischen Kapital und Arbeit nichts weniger, als den Kampf
zwischen Tod und Leben, Vergangenheit und Zukunft (S.94..).

In der Existenzweise des Habens wird der Akt des Ungehorsam durch er-
neute Unterwerfung und damit durch die Wiederherstellung des hierar-
chischen Verhältnis, gesühnt. Die Existenzweise des Seins begegnet
ungeeignetem Verhalten mit dem heilenden Akt eines Liebens im Sinne
eines wieder-Eins-werdens, einer Erlösung aus der Einsamkeit, dem Ge-
trenntsein, eben der Entfremdung, in der wir uns befinden (S.121..).
Aus ihr ergibt sich die Gleichheit der Menschen voreinander.
Das Verschwinden der Instinktbestimmt- und auch -geborgenheit trennte
uns von der Natur. Spätestens mit der Erkenntnis der Kugelgestalt der
Erde müssen wir auf die Überwindung dieser Trennung hinwirken.
Das Haben gehört noch zu unserem 'Tiersein', wird uns also die ursprüng-
liche Geborgenheit nicht zurückbringen können. "Um unsere Ernergien in
eine Richtung zu lenken, um unsere isolierte Existenz mit all ihren
Zweifeln und Unsicherheiten zu transzendieren und um ... dem Leben ei-
nen Sinn zu geben" bedürfen wir eines "Objekt totaler Hingabe" (S.133).

Die Überlebenschance unserer Gesellschaft hängt an der Frage, "ob uns eine
solche Umorientierung vom Vorrang der Naturwissenschaft auf eine neue So-
zialwissenschaft glücken wird". Diese notwendige Umorientierung hat zur
Voraussetzung, das hochmotivierte, fähigen Menschen ihr Tätigsein in den
Dienst einer neuen humanistischen Wissenschaft stellen, deren wesentliche
Aufgabe zunächst darin besteht, ein Bewußtsein für den Umfang der Probleme
zu schaffen (S.166..).
Die Forderung des bedingungslosen Grundeinkommen ist die nach einem "be-
dingungslosen Recht, nicht zu hungern und nicht obdachlos zu sein", und
sie gründet darauf, "das der Mensch das uneingeschränkte Recht zu leben
hat, ob er seine 'Pflicht gegenüber der Gesellschaft' erfüllt oder nicht."
(S.181) Die Installation solchen Gundeinkommens hätte "eine völlig andere
Einstellung zur Arbeit" zur Folge, mit der "nicht mehr der materielle Ge-
winn den Ausschlag gibt, sondern andere psychische Befriedigungen als Mo-
tivation wirksam werden können." (S.166)
"Nur eine von Grund auf veränderte sozio-ökonomische Struktur und ein
völlig anderes Bild der menschlichen Natur können zeigen, daß Bestechung
nicht die einzige (oder die beste) Möglichkeit ist, um Menschen zu beein-
flussen. (S.106)
Der Gedanke an ein bedingungsloses Grundeinkommen, das dabei vermutlich
überhaupt keine zusätzlichen Kosten erzeugt, "wird all jenen undurchführ-
bar oder gefährlich erscheinen, die überzeugt sind, daß 'Menschen von
Natur aus faul' sind." (S.182)
____

Die Chance zur Durchsetzung eines, der Achtung der Würde des Menschen
geschuldeten, bedingungslosen Grundeinkommen, als eines wichtigen Teiles
der unabdingbar geforderten Umgestaltung unserer Gesellschaft, besteht
wesentlich in dem den Menschen eigenen "Verlangen, ein Gefühl des Eins-
seins mit andern zu erleben". Dieses "wurzelt in den Existenzbedingun-
gen der Spezies Mensch und stellt eine der stärksten Antriebskräfte
des menschlichen Verhaltens dar." (S.104)
Wenn wir sagen, daß der Mensch zum Menschen erst durch den Menschen werde,
so sagen wir damit auch, daß der Mensch das Ergebnis eines Altruismus ist;
Es ist eben ein _anderes_ Mittel, mit dem der Mensch die Evolution fort-
setzt. Das die natürliche Entwicklung übersteigende ist Kultur. Kultur
aber ist die Tradierung erworbenen, dh. nicht allgemein menschlichen, in
allen vorhandenen, Wissens, und sie hat die Teilung der Arbeit notwendig
zur Folge. Mit der Teilung der Arbeit sind wir aber aufeinander angewie-
sen. Arbeitsteilung erzeugt Solidarität und "als Hauptquelle der sozialen
Solidarität () wird sie gleichzeitig zur Basis moralischer Ordnung" (Emil
Durkheim; Über die Teilung der sozialen Arbeit).
Für unser Anliegen der Einrichtung des Grundeinkommen steht dieser Soli-
darität wesentlich die materielle Ungleichheit als eine Folge von Zwang,
und zunehmend auch als eine Folge von Gesetzlosigkeit, als Folge der Glo-
balisierung, entgegen. Der Reiche vermag sich mittels seines Besitzes am
Geld der gesellschaftlichen Verpflichtungen zu entledigen.

Die Empfindung eines Leides aus "dem Verlust von Eigentum und ökonomi-
scher Unabhängigkeit" (S.190), das die ArbeitnehmerInnen als in einem
Lohnverhältnis stehende, eben nicht mehr, wie noch vor der Industrie-
alisierung als selbständige Handwerker und Bauern, erfahren, kann viel-
leicht mit der religiösen Dimension der anstehenden gesellschaftlichen
Umorientierung gemindert werden; "Im neuen Testament wird mit Freude
belohnt, wer dem Haben entsagt, während Traurigkeit das Los desjenigen
ist, der an seinem Besitz festhält.." (S.116).
Tatsächlich war ja auch im Konzept des Sozialismus das Privateigentum
an Produktionsmitteln zu Gunsten eines gesellschaftlichen, aufgehoben.
Darauf, und damit auf die Macht über andere Menschen, können und sollen
wir also, zu Gunsten eines höheren Gutes, verzichten.
Worauf wir nicht werden verzichten können ist aber die Überwindung der
Entfremdung, die nicht zuerst mit der Industrialisierung, sondern mit
dem Zwang zu solcher Arbeit, eingezogen ist. Unter Entfremdung leidet,
vielleicht mehr noch als die Arbeitklasse, die Mittelschicht. "Heute
zieht die Vision einer neuen Gesellschaft alle diejenigen an, die an der
Entfremdung leiden, die abhängig beschäftigt sind und deren Eigentum
nicht auf dem Spiel steht, mit anderen Worten, die Mehrheit der Bevöl-
kerung, nicht bloß eine Minderheit." (S.191)

Wir müssen ein wachsen des Leidendruckes, besonders bei der hierfür em-
pfänglichen 'Intelligenz', als Chance begreifen. Denkende Menschen sind
eher bereit, sich die nahezu unüberwindbar erscheinenden Probleme bewußt
zu machen, sich in die Einsamkeit zu begeben, die sich aus dem Engagement
für neue, unbekannte Wege, ergibt.
Sache und immer noch auch der Begriff des 'bedingungsloses Grundeinkommen'
sind relativ neu, eine originäre Wortschöpfung, die noch wenig bekannt ist
und dies ist ein wesentlicher Grund der Ablehnung; ohne Zitate, eben dem
Gewohnten, fehlt vielen Menschen der Halt.

"Wollen wir zugleich das Heutige wachsam betreiben und das morgige
hellsichtig bereiten, dann müssen wir in uns selber und in den nach
uns kommenden Generationen eine Gabe ausbilden die als Aschenbrödel
und vorbestimmte Prinzessin in der Innerlichkeit der Menschen lebt."
Martin Buber, Elemente des Zwischenmenschlichen
________


liebe Grüße -
Bernd

Seitenabgaben zu: Erich Fromm; Haben oder Sein, dtv, 1976, 1983

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Tobias Teetz

Beiträge: 97
Ort: Berlin


New PostErstellt: 15.06.05, 20:43  Betreff: Re: Gefahren, Aufgaben, und eine Chance  drucken  weiterempfehlen

Lieber Bernd,

Zum Konflikt: Naturwissenschaft, Sozialwissenschaft, Religion.

Im alten Testament beginnt die "Ursünde" damit, dass Eva den Apfel vom Baum der Erkenntnis pflückt. Das göttliche Verbot diesen Baum nicht anzurühren wurde nicht beachtet.
Adam und Eva, die das Erkenntnisverbot überschritten hatten, wurden aus dem sorgenfreien Paradies vertrieben.

In der griechischen Mythologie beginnt die "Ursünde" des Prometheus (der die Menschen aus Lehm erschaffen hat) damit, dass er den Menschen das Feuer (Licht, aber von Menschenhand geschaffen, welches Wärme in der Dunkelheit gibt, die Dunkelheit der Nacht verscheucht, ein mythologisches Symbol von Erkenntnis, welches zu technischen Verfahren bei der Metallverarbeitung,führte und Maschinen und die gesamte Technik erst möglich gemacht hat). Durch das Feuer wurde die Technik und Bequemlichkeit vorangetrieben.
Auch der göttliche Prometheus übertrat in seiner Schenkungsfreude das göttliche Gebot von Zeus.
Ein gottähnlicher Mensch war nicht erwünscht.
Zur Strafe wurde er an einen Fels gebunden und ein Adler fraß ihm regelmäßig die nachwachsende Leber weg.

Es war das Ziel nahezu aller menschlichen Kulturen, der Technik und der Wissenschaft das Leben für die Mitmenschen glücklicher, schöner, vielfältiger, sorgenfreier, sicherer, länger, schmerzfreier, bequemer zu gestalten. Durch die Technik und die Maschinen sollte der Mensch von der Lebenszeit verringernden, mühsamen und gefährlichen Arbeit befreit werden. Das Ziel der Technik und Wissenschaft war es, paradisische Zustände für Menschen zu schaffen. Durch jede Sekunde, jede Stunde, jeden Tag, jede Woche, jeden Monat, jedes Jahr nähert sich der Mensch dem Alter und dem Tode. Lebenszeit, die nicht zum eigenen zukünftigen Glück und zum zukünftigen Lebensglück von uns geliebten Menschen genutzt wird, vermindert unser Wohlbefinden.
Arbeitslosigkeit, die verhindert, dass andere Menschen an der gesellschaftlichen Wohlstandsförderung beteiligt werden und sich nicht mehr eingebunden fühlen und die mit erheblicher Einkommensarmut einhergeht, ist für ein Gemeinwesen schädlich. Das Gefühl in einem Gemeinwesen überflüssig, nutzlos zu sein, ist für den Arbeitslosen halt schlimm.
In einer Vollbeschäftigungsgesellschaft, mit sinnvoller Arbeit, die der Wohlfahrt von anderen Menschen dient, bekamen Bürger die menschliche Anerkennung und dadurch eine Teilhabeberechtigung am gesellschaftlichen Wohlstand. Durch das (Arbeits-)Einkommen wird die Höhe der gesellschaftlichen Anerkennung geregelt.
Durch Technik, Rationalisierung von Produktionsabläufen, die globalen Handelsströme werden jedoch Arbeitnehmer von ihren alten Arbeitsplätzen verdrängt und in exsistentielle Nöte geworfen. Die Lebenszeit dient dann nicht mehr dazu, dass der Bürger seine Fähigkeiten zum Wohle des Gemeinwohls einsetzen kann und häufig aus seinem Sozialgefüge herausgerissen wird.
Der Maßstab für den Arbeitslohn und Leistungen für das Gemeinwesen ist verlorengegangen, da Maschinen und Automaten in Fabriken effektiver und schneller als Menschen geworden sind.
Erhebliche innergesellschaftliche Ungleichheit kann nicht Ziel eines Gemeinwesens sein, da durch den Mangel an sozialen und gesellschaftlichen Teilhabegerechtigkeit die Spannungen in der eigenen Gesellschaft zunehmen werden. Solche Spannungen können später auch zu nachteiligen Wechselwirkungen in zwischenstaatlichen Handelsbeziehungen führen. Nur durch eine gleichmäßigere innergesellschaftliche Wohlstandsentwicklung können auch globale Verbesserungen der Lebensverhältnisse möglich werden.

Technik kann vielleicht tatsächlich das menschliche Empfinden abstumpfen. Technik und Wissenschaft bergen unbestreitbar auch Gefahren für die Menschheit.
Die Fabrikbetreiber von dampfgetriebenen Webmaschinen (in beginnenden 19. Jahrhundert) in England kümmerten sich herzlich wenig um das Schicksal der arbeitslosen Handweber.
Auch in der Kriegstechnik wurden Verfahren entwickelt, damit Soldaten, Piloten, U-Bootkapitäne nicht mehr unmittelbar den zu tötenden Menschen in die Augen sehen mußten. Aus der Ferne etwas zu tun, ist einfacher.
Mit Atomraketen könnten Städte, Länder und möglicherweise das gesamte menschliche Leben dieses Planeten ausgelöscht werden.
Die Angst vor den Gefahren der Gentechnik ist vielschichtig. Anfang der Achtziger befürchteten Wissenschaftler, dass möglicherweise ein verändertes E-coli-Bakterium, E-coli ist das Arbeitstier aller Gentechniker aber auch im menschlichen Darm das wichtigste Bakterium, durch Unachtsamkeit ein Genlabor verlassen könnte. Aufgrund der sehr hohen Vermehrungsrate von Bakterien könnte sich solch ein Bakterium schnell alle Därme der Erdenbewohner verbreiten. Was passiert, wenn die bösartigen Folgen nicht sofort, sondern erst nach 1-5 Jahren zu Milliarden menschlichen Darmkrebsfällen führen ? Einer Latenzzeit ähnlich dem Aidsvirus, mit dem Unterschied, dass die Übertragungsart bei jedem Händeschütteln denkbar wäre.
Wer möchte dann noch dem anderen die Hand schütteln ?
Mit der Gentechnik könnten sich vielleicht zukünftig Intelligenzbestien züchten lassen, die tausendfach schneller lernen, denken können. Vielleicht müssen dann auch noch Unsterblichkeitsgene - die aber nur für einen ausgesuchten Kundenkreis in Frage kommen, weil die Erde begrenzt ist - gezüchtet werden ?
Wollen wir so etwas ?

Eine SF-Kurzschichte (vermutlich aus den 50ziger Jahren des 20 Jahrhunderts) von Ray Bradbury "Der Mörder" faßt die Stimmungslage eines Terroristen gegen Überkonsum, eines Mörders an elektronischen Gerätschaften (der Fernsehapparate erschoß, Radios zerstörte, Interkoms zerbiss und bei Meinungsumfragen des Armbandsenders:`Hier ist die Volksumfrage Nummer neun. Was haben sie heute zu Mittag gegessen ?` das Gerät zertrat ) wie folgt zusammen:
"Das braucht natürlich seine Zeit. Zuerst war alles herrlich. Allein die Vorstellung von diesen Dingen, von dem praktischen Nutzen, den sie brachten, schien wunderbar. Sie waren beinahe wie Spielsachen, mit denen man spielte, aber die Leute ließen sich allzu intensiv damit ein, sie trieben es zu weit, sie wurden abhängig von einer sozialen Verhaltensweise und konnten sich nicht wieder davon befreien und konnten nicht einmal mehr zugeben, dass sie sich verrannt hatten. So fanden sie irgendeine Erklärung für ihre schwachen Nerven wie für alles andere. `Unsere moderne Zeit`, sagten sie. `Die Umstände`, sagten sie. `Die ständige Anspannung`, sagten sie...."

Ob unsere Form von Wirtschaftswachstum, unsere Form von Konsumsteigerung, unsere Form der Einkommensverteilung nicht auch negative Folgen für unser Gemeinwesen und die religiösen Wurzeln dieses Gemeinwesens haben kann ?

Erhält ein Bürger kein oder nur ein sehr geringes Einkommen, suchte er nach anderen Arbeitsmöglichkeiten.
Die Höhe des Einkommens war in der früheren Arbeitsgesellschaft abhängig von dem Erfolg der Arbeitsleistung in bezug darauf, die Bedürfnisse der anderen Menschen zu erfüllen. Die Unternehmer machten sich Gedanken, welche Bedürfnisse vorrangig für die Gesellschaft zu erfüllen sind. Ein Unternehmer mußte also Mitarbeiter und zukünftige Kunden vom Vorteil seiner Güter und Dienstleistungen überzeugen. Nur wenn diese Überzeugungsarbeit positiv verlief war ein Unternehmen erfolgreich.
Die gerechte Wohlstandsverteilung in einem Staat kann nur funktionieren, wenn Unternehmer, Arbeitnehmer, Bürger und der Staat sinnvoll zusammenwirken.

Alle Regeln, Gesetze, Gefühle, Interessen, Handlungen sind mit der Vergangenheit verkettet. Ein Mensch kann sich nicht aus den Verkettungen von geschichtlichen Zufällen und Denkweisen lösen.
Dies gilt für die historischen Greueltaten von vorangegangenen Generationen in Deutschland wie auch bei unseren gegenwärtigen Schwierigkeiten gerne osteuropäischen Ländern helfen zu wollen, ohne genau zu wissen, wie eine Hilfestellung auf Grund der derzeitigen Entwicklungen im gegenseitigem Vertrauen auf eine bessere Zukunft der Beziehungen am besten realisiert werden könnte.
Dies gilt auch für Investitionen im In- und Ausland, für Vertragsbeziehungen, Produktlizenzen, Patenten und manchmal auch für die Einkommensformen in der Gesellschaft. Hoffentlich gilt dies nicht für ein Grundeinkommen.
Der englische Imperialismus führte zu einer Ausbeutung von menschlichen Arbeitssklaven. Anderseits kam es durch Wechselwirkungen zu Wissens- und Kapitaltransfers in den Kolonien. Manche Wohlstandsverbesserung in den Kolonien ist vielleicht erst durch Großbritannien möglich geworden.

Vorausgegangen war eine Leben der Ungleichheit und Ausbeutung des Menschen, aber auch die Hoffnung, dass künftige Generationen weniger Hass, Kriege, Entbehrungen, Armut und Not haben sollten und auch ein besseres, wohlstandsförderndes Verhältnis zu anderen Nationen möglich sein könnte.


Mit freundlichen Grüßen

Tobias Teetz

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Silas Bernd

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New PostErstellt: 17.06.05, 22:16  Betreff: Medizin  drucken  weiterempfehlen

Zur Wahrung der Chance unserer Gesellschaft, zu überleben, ist ein tief-
greifenderer, umfassenderer Ansatz erforderlich, als die 'bloße' Umstruk-
turierung unserer Wirtschaft. Diese muß, wie die Einführung des bedingungs-
losen Grundeinkommen, mit dem sie wechselwirkt, als ein Baustein für eine
radikale Neuorientierung der bürgerlichen Lebensvollzüge begriffen werden.

Die sich anhäufenden Probleme sind durch ein rekurrieren nur auf wirtschafts-
mäßige Zusammenhänge nicht ausreichend bezeichnet. Nur durch eine grundlegen-
de Änderung unserer Einstellung zum Leben sowie unseres Verhältnisses zu den
Menschen kann uns der schwierige wie notwendige Schritt aus dem Teufelskreis
von Angst, Selbstsucht, Götzendienst, Isolierung, Schwäche gelingen.
Erforderlich ist "ein Zurückdrängen der Orientierung am Haben zugunsten der
am Sein". Als Voraussetzung für diesen fundamentalen Wandel unserer Charak-
terstruktur kann das buddhistische, auch das dem ähnliche Marx'sche oder das
Freud'sche, Konzept der Bewußtseinsschulung angesehen werden (S.161).
Die im erstgenannten als 'die vier Wahrheiten' fungierenden Erkenntnisse kön-
nen formell als ein medizinisches Schema beschrieben werden (LdR, S.66).

Unsere Diagnose, welche auf- und anzunehmen bereits nicht selbstverständlich
ist, lautet 'Leid' und in der Bürgergesellschaft; 'Leid an Entfremdung'.

Als Ursache nun müßte das Fortbestehen tierischer Verhaltensweisen bei gleich-
zeitiger Überbetonung der Macht durch Technik und gesellschaftliche Herr-
schaftsstrukturen zB. der Bildung, eingesehen werden.
Unsere Geschichte ist "eine Geschichte der Eroberung, Ausbeutung, Gewalt und
Unterdrückung", an deren Beginn "der erste Akt der Unterjochung und die erste
ausbeuterische Anwendung von Gewalt", die Aneignung der "Herrschaft des Man-
nes über die Frau" steht (S.137). Sicherung und Beförderung der Existenzweise
des Habens war das Ziel dieser Gewalt. Die Orientierung am Haben bedarf wach-
sender und !präventiver Aggression und so sind Zeiten des Friedens solche des
Kräftsammelns und der Aufrüstung. "Friede als der Zustand anhaltender harmo-
nischer Beziehungen zwischen den Völkern ist nur möglich, wenn die Habenstruk-
tur durch die Struktur des Seins ersetzt wird. (...) Notwendigerweise gibt es
in jeder Gesellschaft, sogar in der reichsten, Klassen, wenn die Orientierung
auf das Haben hin vorherrscht. Setzt man grenzenlose Bedürfnisse voraus, kann
selbst die ausgedehnteste Produktion nicht Schritt halten mit den Phantasievor-
stellungen, mehr zu haben als die anderen" (S.111..).

Unserem medizinischen Konzept folgend gilt es nun, ein geeignetes Medikament
zu finden. Dabei sind Schuldzuweisungen gegen 'die Manager' unzureichend, denn
diese, wie die Verbraucher "gehören dem gleichen entfremdeten System an; sie
sind mehr seine Gefangenen als seine Urheber. Die Manager neigen dazu, die Ver-
braucher zur Untätigkeit zu verleiten, aber der Verbraucher gefällt sich in
seiner passiven Rolle, er ist leicht zu verführen." [S.116]
"Die Voraussetzung für die Existenzweise des Seins sind Unabhängigkeit, Frei-
heit und das Vorhandensein kritischer Vernunft." Hierzu ist erforderlich, das
dem Haben zugehörende Klammern an Besitz, an Eigentum aufzugeben, wir müssen
"unsere Egozentrik und Selbstsucht aufgeben, um uns 'arm' und 'leer' zu ma-
chen." (S.89) Der sich aus dem Wegfall der 'Krücke Besitz' ergebenden Angst
ist mit der Vermittlung eines Wissens zu begegnen, darüber, daß "die meisten
Menschen halb wachen und halb träumen und nicht gewahr sind, daß das meiste
dessen, was sie für wahr und selbstverständlich halten, Illusionen sind, die
durch den suggestiven Einfluß des gesellschaftlichen Umfeldes hervorgerufen
werden". (S.48) Ziel solchen Wissens ist die Wiedergewinnung des Bewußtseins
darüber, das die Wahrheiten über den bedenklichen Zustand unserer Gesellschaft
'nur' verdrängt sind. (S.98) Nachdem die Instinkte nicht mehr zur Leitung durch
unsere Welt ausreichen, wäre vielleicht die Pflege von Intuition angezeigt. Die
Wahrheit über unsere Lebensweise, über unseren Umgang miteinander, mit den Men-
schen, mag schmerzhaft sein, eine 'bittere Pille', sie aber weiter zu verwei-
gern führt in die Katastrophe.

Den letzten Schritt des Konzeptes bildet die Therapie. Wie müssen die Mittel
verabreicht werden, um zur Wirksamkeit zu gelangen? Zunächst muß festgestellt
werden, daß Bausteine zur Neuorientierung von Wirtschaft, Politik/Demokratie,
Globalisierung, Sozialer Sicherheit, Emanzipation, Bildung und ähnlichem zwar
in Beziehung zueinander stehen, dabei aber ihre eigenen Begründungen behalten.

Unser kapitalwirtschaftliches Gebaren, das Festhalten am Privateigentum jenseits
der nur agraischen Produktion, führte zu problematischer Ungleichheit. Dieser
ist nun wohl mit einem bedingungslosen Grundeinkommen wirksam zu begegnen, es
wäre eine Lösung dieses Problems aber eben auch ohne BGE möglich, das heißt Un-
gleichheit vermag die Forderung nach dem BGE nicht zwingend zu begründen.
Ebenso verhält es sich mit den Fortschritten in Technik, insbesondere der Auto-
matisierung. Selbst wenn wir ihr einen Wert, der heute nicht! gegeben ist, be-
lassen, erzeugen ihre Erfolge keine Begründung eines BGE. Und ebenso ließe sich
das Problem der Arbeitslosigkeit ohne BGE lösen.

Ein, rein wirtschaftliche Erwägungen überschreitender, Grund ist in der Arbeits-
motivation erkennbar, da nur Tätigkeiten, zu welchen nicht von aussen, also mit
Druck, Nötigung, Zwang oder durch Geld motiviert wurde, die also aus Einsicht
in die Notwendigkeit ausgeübt werden, 'moralisch wertvoll' und geeignet sind,
die bisher sich ergebende 'Rüstungsspirale' zu durchbrechen.

Der wirkliche Grund für die Einführung des bedingungslosen Grundeinkommen ist
aber in der Achtung vor der Würde des Menschen zu erkennen.
Der höchste, in unserem Grundgesetz absolute, Wert eines Menschen ist seine Würde.
Das der Mensch Zweck ist an und für sich ist sein höchster Wert. Um einen Anspruch
auf die zu seiner bloßen Existenz erforderlichen Mittel geltend machen zu können,
ist er bei bestehendem Sozialrecht gezwungen, die Wirtschaftlichkeit dieser seiner
Existenz nachzuweisen. Wer die Arbeit oder den Nachweis der Suche nach Arbeit ver-
weigert, geht des Anspruches auf Existenzmittel verlustig.
Indem wir, wie es das Grundgesetz erfordert, den Menschen in seinem Dasein als
Zweck an sich selbst, und dieses als seinen höchsten Wert, begreifen müssen, muß
ihm das, in der Rechtgemeinschaft notwendig mit dem, allen anderen Freiheitsrechten
vorausgehenden, Anspruch auf die zu seinem Dasein erforderlichen Mittel einherge-
hende, unbedingte Existenzrecht, aufgrund seines bloßen Menschseins, zugesprochen
werden.
Dies ist der zureichende Grund für die Einrichtung des 'bedingungslosen Grundeinkommen'.

liebe Grüße -
Bernd

Runde Klammern zu: Erich Fromm; Haben oder Sein, dtv, 1976, 1983
eckige Klammern zu: Erich Fromm; Die Revolution der Hoffnung, Klett-Cotta, 1968, 1981
LdR: Lexikon der Religionen, Herder, 1987,1995


[editiert: 18.06.05, 19:27 von Silas Bernd]
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