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Gay Dirty Dancing [größtenteils geklaut]

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Seite: 1, 2, 3
Autor Beitrag
lelis
Slash Queen

Beiträge: 2527
Ort: Fluffiges Bett


New PostErstellt: 27.06.08, 23:36  Betreff: Gay Dirty Dancing [größtenteils geklaut]  drucken  Thema drucken  weiterempfehlen

Okay, wie an anderer Stelle angekündigt, hier mein umgemodeltes Dirty Dancing. Ich kann den Film wirklich auswendig. Er hat meine gesamte Pubertät geprägt. ^^ Jetzt hat sich mein Geschmack freilich etwas geändert, darum kam ich auf die Idee, den Film meinem Geschmack anzupassen. Es ist aber sehr viel geklaut: Viele Dialoge (Zitate), die Namen der Charaktere (Manchmal ein wenig abgewandelt), das Setting (auch wenn 40 Jahre in die Zukunft versetzt). Aber es gibt kleine Änderungen im Plot, um ihn der Thematik ein wenig anzupassen und bei den Charakteren auch, deshalb kann man es laut Definition auch nicht als Fanfiktion bezeichnen. Allerdings, wer den Film kennt, wird keine großen Überraschungen erleben. ^^

Part: 1/3
___________________________

Es war kurz nach meinem 17. Geburtstag, als mein Vater beschloss, dass es für seinen zweiten Sohn an der Zeit war sich für Mädchen zu interessieren. Folgende Faktoren gaben ihm Anlass an meiner Fähigkeiten diesbezüglich zu zweifeln: Erstens ich beschäftigte mich die meiste Zeit mit meinem Computer und Science-Fiction Romanen. Zweitens ich war noch nicht ausgewachsen, unsportlich und mager, da ich das Essen meist vergaß. Drittens ich trug eine sehr hässliche und äußerst unmodische Brille. Viertens ich war nicht gerade auf die Gesellschaft anderer, insbesondere nicht die des anderen Geschlechts, erpicht und galt daher, völlig unberechtigt, als schüchtern.

Pragmatisch wie mein Vater war, ging er die Punkte systematisch an. Als erstes besorgte er mir Kontaktlinsen. Die Dinger waren furchtbar, doch er zwang mich sie zu tragen, bis ich mich daran gewöhnt hatte. Sein Bestreben, aus mir einen akzeptablen jungen Mann zu machen, durchschaute ich dabei nicht gleich. Im ersten Moment war ich nur verwirrt und dachte, er hätte einen wissenschaftlichen Artikel gelesen, in dem es hieß, dass Kontaktlinsen irgendeinen Vorteil gegenüber Brillen hätten. Stutzig wurde ich erst, als er mir von den neuen Plänen unseren Familienurlaub betreffend erzählte.

„Eine Ferienanlage?“, fragte ich verdutzt nach. „Ich dachte, wir wollten nach Frankreich und uns Sehenswürdigkeiten ansehen?! Warum eine Anlage?“

„Es ist ein sehr komfortables Center in der Natur mit einem breiten Angebot an Freizeitaktivitäten“, erklärte mein Vater steif. Von meinem Bruder kam ein begeistertes Raunen, während er die Broschüre durchsah. Das war kein gutes Zeichen. Eric war ein Jahr älter und das absolute Gegenteil von mir. Eigentlich hatte er nicht einmal am Familienurlaub teilnehmen wollen. Ich schluckte und wandte mich abrupt an meinen Vater. „Warum hast du es dir anders überlegt?“

„Deine Mutter findet die Idee auch gut. Sie und Eric sind ohnehin nicht so sehr für Museen zu haben wie du und ich. Ich dachte, es wäre an der Zeit etwas Neues auszuprobieren“, legte mein Vater mir sachlich dar. „Es wird dir sicher gefallen. Du kannst viele junge Leute kennen lernen. Außerdem gibt es dort Tanzkurse.“

„Tanzkurse?“, wiederholte ich mit hochgezogenen Brauen. „Wieso sollte ich Tanzen lernen wollen?“

„Mädchen…“, grinste Eric breit. „Weißt du, Honey, das sind diese Wesen, die da unten etwas anders gebaut sind als unsereins und sie riechen auch besser.“

Darüber ließe sich freilich streiten, doch dazu hatte ich momentan überhaupt keine Lust. Ich schnaubte verdrießlich: „Haben die da wenigstens Strom?“

„Es gibt dort äußerst komfortable Bungalows, Honey“, brummte mein Vater. „Aber dein Computer bleibt hier!“

Mist. Ich machte ein mürrisches Gesicht. Das konnte ja ein toller Sommer werden. Und mir fiel nichts ein, um ihn noch abzuwenden. Daher befand ich mich vier Wochen später in unserem Kombi auf dem Highway in Richtung Kellermans Paradise; so die Bezeichnung der Ferienanlage.

Schrecklich. Unsere Eltern hatten vorne im Wagen heitere Lieder angestimmt, die sie nun um die Wette grölten, während ihre beiden Söhne sich gegenseitig anschwiegen. Ich konnte nicht einmal lesen, weil mir davon während der Autofahrt immer schlecht wurde. Inzwischen war übrigens der Plan meines Vaters vollkommen offenbar geworden. Kurz vor diesem Trip hatte er meine Mutter mit mir losgeschickt und mich völlig neu einkleiden lassen. Außerdem hatte er mich zum Friseur geschickt, damit ich irgendwas mit meinen braunen Zotteln anfing. Demonstrativ hatte ich mir daraufhin nur die Spitzen schneiden lassen. Sie reichten mir immer noch über die Ohren. Doch die Friseurin hatte sich herausgenommen, sie in Form zu schneiden und mir einen akzeptablen Haarschnitt zu verpassen. Mist. Nun, ich war ziemlich verändert. Und ich fühlte mich nicht sonderlich wohl damit.

„Da ist ja Doc!“, wurde mein Vater von einem dicken, älteren Herrn begrüßt. Wir waren nicht mal aus dem Auto gestiegen. Er kam überraschend wendig für sein Gewicht angesprungen und schüttelte meinem Vater kräftig die Hand. Anscheinend kannten sie sich, denn mein Vater lachte dröhnend und schlug dem Mann mit seiner freien Hand auf die fleischige Schulter: „Max! Was macht die Leber?“

„Besser, besser! Dank Ihnen!“, wies sich der Kerl als Patient meines Vaters aus. So war das also. Sehr wahrscheinlich hatte er meinen Vater hierher eingeladen. Ihm hatte ich also alles zu verdanken. Hass.

„Darf ich Ihnen meine Familie vorstellen? Meine Frau, Doris, mein Ältester, Eric und das ist Francis.“

„Angenehm. Prächtige Söhne, die Sie da haben. Und eine so wunderschöne Frau! Sie werden sich hier gewiss wohl fühlen. Sollte es Ihnen an irgendwas fehlen, wenden Sie sich umgehend an mich, meine Liebe“, schleimte der Kerl. Meine Mutter lächelte und reichte ihm graziös die Hand: „Nett Sie kennen zu lernen.“

„Die Freude ist ganz auf meiner Seite. Lassen Sie mich für Ihr Gepäck sorgen“, bat der dicke Max und wandte sich an einen jungen Mann in der Nähe. „Los! Bring die Koffer in den Bungalow 23! Sie werden von dort eine hervorragende Sicht auf den See haben.“

Da ich voraussah, dass er mit den vielen Koffern meiner Mutter überfordert sein würde und mich das Gespräch der Erwachsenen bereits jetzt ankotzte, beschloss ich dem Gepäckträger zu helfen, indem ich meine Sachen allein nahm.

„Hallo, vielen Dank, suchst du hier ’nen Job?“, spottete der überrascht. Ich lächelte unsicher. Mir fiel aber keine entsprechende Erwiderung ein. Darum schulterte ich einfach meine Reisetasche und folgte ihm in unser Domizil. Entsetzt musste ich feststellen, dass es nur zwei Schlafzimmer gab, was hieß, dass ich mir eins mit Eric teilen musste. Mist.

„Danke für deine Hilfe“, grinste der Angestellte noch breit. „Ich bin übrigens Billy.“

„Honey!!!“, krähte da auch schon mein Bruder, der unser Zimmer ebenfalls entdeckt hatte. „Denk gar nicht erst dran! Das Bett am Fenster bekomm’ ich!“

Ich seufzte leise. Das Grinsen auf Billys Gesicht war noch eine Spur breiter geworden: „Na dann, man sieht sich, Honey.“

„Bye.“ Ich wurde rot und verfluchte im Stillen meinen Bruder. Er nannte mich immer so und dachte sich nichts dabei. Auch meine Eltern nannten mich so, ohne auf meine Würde zu achten, wenn wir auf andere Menschen trafen. Normalerweise störte es mich nicht. Aber manchmal… Als ich zurück in unser Zimmer trat, schob Eric gerade einen Playboy unter seine Matratze. Beinahe wäre ich an der Tür zurückgeprallt. Das war doch nicht sein Ernst!?

„Wenn die Mädels hier halten, was ich mir verspreche, werde ich ihn nicht brauchen“, klärte mich mein Bruder nicht einmal beschämt auf. Ich grunzte undeutlich und beschloss in diesem Zimmer so wenig Zeit wie möglich zu verbringen. Ab sofort.

Das Gelände war so groß, dass ich es nur schwer überblicken konnte. Eigentlich lagen fast alle Bungalows am See. Unserer war nichts Besonderes. Es gab eine große Wiese mit verschiedenen Ständen und Freizeitangeboten. Gerade hüpfte eine Horde bunter Urlauber einer gertenschlanken Aerobiclehrerin hinterher. Kopfschüttelnd ging ich weiter und kam zum Hauptgebäude. Es bestand hauptsächlich aus Fenstern, weshalb ich zunächst von außen einen Blick hineinwarf. Überall standen fein gedeckte Tische: Wie ein fünf Sterne Restaurant. So etwas hatte ich nicht erwartet. Ich hatte ohnehin selten Lust auf Essen. In diesem schicken Ambiente jedoch, würde mir aus Angst mich zu blamieren auch das letzte bisschen Appetit vergehen.

Ich wollte mich schon abwenden, als ich auf die Menschen hinter den Fenstern aufmerksam wurde. Ich hatte einen Gesprächsfetzen aufgefangen und die Stimme sofort wieder erkannt. Auch wenn er plötzlich gar nicht mehr schleimig sondern zutiefst herrisch klang, es war Max. Vor dem dicken Mann stand eine Gruppe junger Leute im Kellnerdress. Anscheinend empfingen sie gerade die letzten Instruktionen, wie sie sich den Gästen gegenüber zu verhalten hatten.

„Ich habe euch aus den besten Colleges des Landes ausgesucht. Warum habe ich das gemacht? Ich erwarte erstklassige Arbeit von euch und zwar mit Köpfchen. Ich möchte, dass sich meine Gäste wohl fühlen. Also behandelt sie wie Könige!“, befahl Max sehr eindringlich. „Kümmert euch um sie! Und um ihre Töchter und Söhne! Seit nett, führt sie herum, macht ihnen schöne Augen! Allen! Damit meine ich auch die Hässlichen!“

Sie wirkten sehr adrett und sahen ausnahmslos gut aus. Aber irgendwie wirkten sie auch falsch. Ich würde es ihnen nicht so einfach machen. Gerade wollte ich mich abwenden, als die Tür zur Halle aufgestoßen wurde. Eine Gruppe anderer junger Leute kam herein. Keine Kellner, - so viel stand fest. Es schienen die Animateure und andere Angestellte zu sein, mit weniger Niveau als die feinen Collegestudenten. Ich fand sie auf Anhieb sympathisch. Doch Max’ Miene verfinsterte sich.

„Und ihr! Euch will ich privat nicht bei den Gästen sehen! Kümmert euch um ihre Bewegung und ihren Spaß, aber lasst ansonsten die Finger von ihnen!“, befahl er kalt. Sein Blick fixierte einen großen schlanken Kerl mit Sonnenbrille und spöttischem Lächeln. „Das gilt insbesondere für dich, Johnny. Ich weiß ihr Tänzer habt andere Regeln, aber die gelten hier nicht! Ihr bringt den Töchtern nur Mambo und Chacha bei... und sonst gar nichts! Weitere Nachhilfe verboten! Keine Verabredungen, keine krummen Touren und wer die Finger nicht still hält, fliegt im hohen Bogen, - verstanden!?“

„Schon klar“, lächelte der seinen Chef frostig an. „Bringt ihnen das Tanzen bei, aber lasst die Pfoten von ihnen. Immer dasselbe.“

„Du!“, knurrte jener schon im Gehen begriffen. „Ich behalte dich und deine Bande im Auge!“

„Wirst du das überleben, Johnny? Du Tintenfisch hast deine Finger doch überall…“, kam es aus der Riege der Kellner höhnisch. Der Tanzlehrer zuckte lässig mit den Schultern: „Kein Problem für mich. Kümmere du dich nur um deine hässlichen Gurken, klar?“

Ich riss mich endgültig von der Szene los. Das war also der Kerl, der mir tanzen beibringen sollte. Nun, den hatte ich mir anders vorgestellt. Irgendwie deutlich weniger… cool. Ich würde mich in seiner Nähe scheußlich blamieren.

Am Abend saßen wir tatsächlich in dem feinen Speisesaal und genossen unser erstes Mahl. Uns war eine persönliche Kellnerin zugewiesen worden. Natürlich eine Frau. Sie studierte außerdem Medizin in Yale. Mein Vater war begeistert. Da sie auch noch hübsch war, - mein Bruder ebenfalls. Doch zunächst war Roberta damit beschäftigt uns aufzuwarten. Es war unglaublich viel. Unmöglich das ganze Zeug zu schaffen. Etwas bedauernd starrte meine Mutter, die ebenfalls kein großer Esser war, auf ihren noch zur Hälfte gefüllten Teller. „Eine Schande was alles übrig geblieben ist, in Europa verhungern doch immer noch Kinder.“

„Ich glaube, du meinst Afrika, Mom“, murmelte ich verlegen und hoffte, dass sie keiner der anderen Gäste gehört hatte.

„Ach ja, richtig Honey.“ Sie lächelte mich warm an. „Gefällt es dir hier? Du hast dich doch schon umgeguckt, nicht wahr?“

„Es ist okay“, brummte ich. Tatsächlich hatte ich einen Ort gefunden, an dem man einigermaßen ungestört zu sein schien. Ein abseits gelegener Schuppen, der eigentlich nur für Personal zugänglich war.

„Es wird Ihnen sicherlich gefallen, junger Mann“, beteuerte plötzlich der dicke Max neben mir. Beinahe erschrocken zuckte ich zusammen. An seiner Seite befand sich ein dämlich grinsendes Mädchen. Auch sie war ein wenig fülliger und hatte ein Gesicht, das reichlich mit Sommersprossen verziert war. Ich hatte auch ein paar um die Nase herum, aber wahrlich nicht so viele. Nicht sonderlich hübsch.

„Darf ich Ihnen meine Nichte Nelly vorstellen?“, lächelte der dicke Max selig. „Sie wird das Paradise einmal übernehmen, wenn ich nicht mehr bin. Sie hat ein ausgezeichnetes Organisationstalent und ist schon jetzt eine große Hilfe, dabei ist sie erst siebzehn.“

„Ach, unser Honey ist auch siebzehn“, freute sich mein Vater. Ungläubig starrte ich ihn an. Nicht nur, dass er Honey gesagt hatte: Er hatte gerade versucht mich diesem Mädchen anzupreisen. Am liebsten hätte ich ihm unter dem Tisch einen Tritt versetzt.

„Oh tatsächlich!?“ Das Mädchen strahlte. „Magst du mir bei der Show heute Abend helfen? Es wird bestimmt ein Riesenspaß.“

„Aber sicher, nicht wahr, Honey!?“ Der Blick meines Vaters duldete keinen Widerspruch. Ich holte tief Luft und nickte dann ergeben.

Obwohl ich mir nichts Schlimmeres vorstellen konnte, als bei einer Show mitzuhelfen, kam es schlimmer: Ich wurde Teil der Show. Ein Messerwurfamateur fand in mir sein unwilliges Opfer, fesselte mich an eine Zielscheibe und warf mir seine Messer um die Ohren. Nun, ich überlebte.

Danach beschloss ich den Schuppen im angelegenen Wald zu besuchen, um den restlichen Urlaub dort zu verbringen. Auf dem Weg traf ich Billy. Er trug drei riesige Wassermelonen. Da ich einmal damit angefangen hatte, fand ich keinen Grund mehr ihm nicht beim Tragen zu helfen.

„Hey, Honey!“ Ich schien ihn wieder überrascht zu haben. Er sah sich hektisch um. Ehe er mir eindringlich in die Augen sah: „Was machst du hier? Gäste haben keinen Zutritt!“

„Wieso nicht?“

„Na ja, irgendwo muss sich das Personal doch von ihnen erholen dürfen…“, grinste er und sah mich spöttisch von oben herab an. Mir war nicht nach diskutieren. Gerade wollte ich ihm die Melone zurückgeben, als er es sich anders überlegte. „Na ja, eigentlich gehörst du ja schon fast zum Personal. Erst Kofferschleppen und dann mit Messern beworfen werden… Armer Honey. Komm schon mit! Aber verpetz uns ja nicht bei deinem Daddy, klar?“

Wir liefen über einen schmalen Steg und befanden uns dann unmittelbar vor den Schuppen. Laute Musik tönte uns entgegen. Ich runzelte die Stirn. Also war das hier doch nicht das ruhige Plätzchen, das ich mir erhofft hatte. Von diesem Bild verabschiedete ich mich ganz, als ich hinter Billy das Innere betrat. Es war gerammelt voll und alle tanzten. Schwer einen Überblick zu bekommen und als erstes war ich froh Billy einfach nur mit meiner Melone folgen zu dürfen und sie abzulegen. Doch dann musste ich mich umsehen. Himmel, wo war ich gelandet? Tanzten sie? Oder veranstalteten sie eine wilde Orgie? Die Mädchen trugen nur kurze Röcke und bauchfrei, während die Männer oben ganz nackt waren. Es war ziemlich heiß hier drin. Ob Grund oder Folge der Freizügigkeit vermochte ich nicht zu sagen.

„Was denn? Du guckst als hättest du noch nie jemand tanzen gesehen“, zog mich Billy auf. Ich schenkte ihm einen kurzen Blick: „Das ist Tanzen?“

Für mich sah es eher so aus, als würden sie zusammenkleben und kämen nicht mehr voneinander los. Ich hörte Billys spöttisches Lachen, als mein Blick von etwas oder sollte ich sagen, jemand anderen abgelenkt wurde. Der coole Tanzlehrer. Johnny. Wow. Er tanzte eigentlich mit allen aber mit niemand bestimmten. Umwerfend. Auch er trug kein Hemd und hatte einen athletischen geschmeidigen Körper. Ich schluckte und konnte nur noch ihn ansehen. Seine anrüchigen Bewegungen, sein anziehendes doch kühles Lächeln und natürlich seinen Körper.

„Ach, das ist Johnny, mein Cousin. Er hat mir die Stelle besorgt. Macht hier den Tanzlehrer. Kann man schon neidisch werden. Alle Bräute fliegen auf ihn“, klärte mich Billy auf, der meinem Blick gefolgt war. Wie aufs Stichwort sah Johnny zufällig in unsere Richtung. Unsere Blicke trafen sich. Ich wurde rot und sah schnell auf meine Füße. Als ich wieder wagte aufzusehen, tanzte er sich gerade durch die Menge direkt auf uns zu. Mein Herz begann bei der Feststellung augenblicklich zu rasen, während mein Verstand diese Tatsache mit allen Ressourcen zu verleugnen suchte. Meine Denkfähigkeit ließ schlagartig nach und machte mich zu einem glotzenden Vollidioten.

„Hey Billy, wer ist’n der da?“, erkundigte er sich lässig und musterte mich durchdringend. Wahnsinnsaugen! Ich wäre beinahe geschmolzen. Billys Antwort holte mich auf den Teppich zurück: „Das ist Honey, ein Doktorsöhnchen. Scheint aber ganz okay zu sein. Er hat mir geholfen.“

„Ich habe eine Wassermelone getragen“, hörte ich mich blubbern. Erst im nächsten Moment ging mir die Dummheit des Gesagten auf. Ich schämte mich zu Tode. Johnnys Blick traf mich halb amüsiert halb überheblich. Er nickte Billy noch einmal zu und trat dann wieder auf die Tanzfläche. Mist. Wie hatte ich nur so etwas Dämliches sagen können? Ich habe eine Wassermelone getragen!? Wie uncool.

„Willst du auch tanzen?“, schlug Billy vor. Ich sah ihn aus großen entsetzten Augen an und schüttelte schnell den Kopf. Billy lächelte: „Ach komm schon, Honey...“

„Tu dir keinen Zwang an“, murmelte ich und machte eine einladende Geste zu den Tanzenden. Billy grinste und schüttelte ebenfalls den Kopf. Er wandte sich ab und unterhielt sich mit seinen Leuten. Ich war außen vor, doch mir gefiel die Atmosphäre hier. Wesentlich weniger steif als unter den Gästen. Nun, eigentlich überhaupt nicht steif. Das Gegenteil von steif. Trotzdem war ich wieder allein. Aber das war okay. Mein Blick suchte den Tanzlehrer. Er hatte schwarzes Haar und ein wirklich attraktives Gesicht. Unsere Blicke begegneten sich abermals. Er lächelte leicht und strebte dann zurück in meine Richtung. Mein Mund wurde trocken.

„Magst du nicht tanzen?“, erkundigte er sich freundlich. Mir kam der Verdacht, dass er sich nur um mich kümmerte, weil ich ein Gast war und hier ganz allein stand. Das tat meinem Selbstbewusstsein nicht gut, doch viel hatte ich davon ohnehin nie besessen. Ich zuckte mit den Schultern: „Ich kann nicht tanzen.“

„Dann wird es Zeit, dass du es lernst“, fand er bestimmt und zog mich, ehe ich mich versah, mit sich. Meine Gelenke froren zu Eis. Doch darauf achtete er gar nicht. Er wirbelte mich einmal herum und stand dann unmittelbar hinter mir. Gut: so konnte er wenigstens nicht mein panisch aufgelöstes Gesicht sehen. Schlecht: er stand viel zu dicht und das war mir viel zu bewusst und gefiel mir viel zu gut. Seine Hände legten sich auf mein Becken. Sie waren angenehm warm, aber nicht schwitzig. Dann hörte ich seine Stimme direkt an meinem Ohr: „Nicht so steif, geh locker runter in die Knie, na los!“

Holzig tat ich, was er wollte und wäre beinahe fortgeschnellt, da mein Hintern ihn unvermittelt berührte. Ich konnte mich gerade noch beherrschen es nicht zu tun.

„So und jetzt hör auf die Musik und spür, was ich mache, okay?“, befahl er freundlich. Seine Hände führten mein Becken dabei weiter im Takt der Musik. Wieder hörte ich seine Stimme dicht an meinem Ohr: „Achte mehr auf die Musik und verlagere das Gewicht im Takt von einem Bein aufs andere. Nicht schwer, oder?“

Ich nickte wie betäubt. Tatsächlich hörte ich überhaupt keine Musik mehr. Ich spürte nur noch, was sein Körper machte und was seine Hände von mir verlangten und orientierte mich allein daran. Es funktionierte ganz gut. Als das Lied vorbei war, ließ mich Johnny los. Erleichtert und enttäuscht wankte ich auf der Stelle, bis ich es schaffte mich zu ihm umzudrehen. Er sah mich undurchsichtig an, ehe er einfach fort ging. Ich hatte ein Steifen und tat selbiges, wenn auch in die andere Richtung. Als ich bei dem Bungalow meiner Familie ankam, lag der bereits im Dunkeln. Leise schlüpfte ich ins Badezimmer und danach ins Bett.



Beim Frühstück legte mein Vater das Tagesprogramm für uns fest. Eric machte ihm schnell begreiflich, dass er andere Pläne hatte und seilte sich mit Roberta zum Golf spielen ab. Ich hatte allerdings keine so dringlichen Pläne und wurde daher ganz von meinen Eltern vereinnahmt. Mist. Als erstes meldeten sie mich tatsächlich zu einem Tanzkurs an. Zum Glück wurde der nicht von Johnny, sondern von einer Tanzlehrerin geleitet. Sie war wirklich hübsch und ich erkannte in ihr die Aerobiclehrerin vom Vortag. Fröhlich zeigte sie unserem ungeordneten Haufen die Grundschritte eines Lateinamerikanischen Tanzes. Die Krönung des Vormittags war mein Tanz mit einer etwa 80jährigen Frau. Wir tanzten ungefähr auf einem Niveau und ich war tatsächlich größer als sie. Von daher war ich ganz zufrieden. Mein Vater weniger. Auch wenn die Alte ihn tüchtig für seinen höflichen Sohn lobte.

Zur Bestrafung schickte er mich nach dem Essen mit meinem Bruder zum Bogenschießen. Er wusste, dass ich diese sportlichen Aufgaben, die Kraft erforderten, hasste. Ich war einfach nur grottenschlecht. Außerdem ließ Eric keine Gelegenheit aus, um mich bloßzustellen. Er hatte sogar wieder Roberta dabei, die mich in Schutz nahm, was noch erniedrigender war. Ich verdrückte mich noch bevor die Veranstaltung zu Ende war. Auf dem Weg zurück in unseren Bungalow traf ich Penny. Die Tanzlehrerin. Sie lächelte mir strahlend entgegen.

„Hi Honey, nicht wahr?“

„Hm“, machte ich. Ich hatte aufgegeben allen diesen Namen auszureden. Anscheinend stieß er auf großen Anklang und alle konnten ihn sich sofort merken. „Hi.“

„War das heute Morgen deine erste Tanzstunde?“, wollte sie wissen. Ich nickte verstimmt. Sie musste ja nicht noch Salz in die Wunde streuen. Doch sie lächelte nur freundlich: „Dafür warst du richtig gut!“

„Danke, aber du musst nicht lügen. Mein Vater hat mich dazu gezwungen.“

„Ach so?“, machte sie verdutzt. „Na dann… Aber ich meinte es Ernst.“

„Danke“, murmelte ich. „Aber du tanzt wirklich gut.“

„Tja, meine Mutter hat mich rausgeworfen als ich 16 war! Seitdem hab ich immer nur getanzt, das ist das einzige was ich kann und machen wollte“, erzählte sie mir freigiebig. Ich stutzte etwas. Doch was ich dann sagte, war ehrlich gemeint: „Ich beneide dich darum.“

Tatsächlich. Sie machte das, was ihr gefiel und dazu hatte sie einen wunderbaren Tanzpartner. Ich hatte sie und ihn gestern im Schuppen auch tanzen gesehen. Sie hatten toll zusammen ausgesehen. Jetzt musterte sie mich skeptisch: „So…“

Ich wusste nicht, ob ich etwas Falsches gesagt hatte. Jedenfalls schien sie kein Interesse an einem längeren Gespräch mit mir zu haben und verschwand. Ich zuckte mit den Schultern und folgte auch meinem ursprünglichen Bestreben. Es war zu meinem Entsetzen Nelly, die mich aus meinem Science-Fiction Roman riss und wieder mit sich schleifte. Vielleicht hatte ihr Onkel sie auf Anfrage meines Vaters dazu gezwungen, vielleicht litt sie aber auch nur an Geschmacksverirrung und erwartete von mir das Gleiche. Jedenfalls nahm sie mich mit zum abendlichen Tanz. Ich hätte kotzen können. Anscheinend war wirklich ein Großteil der Aktivitäten hierauf ausgelegt. Immerhin konnte ich schon ein paar Grundschritte von der ersten Stunde. Trotzdem war es äußerst peinlich, im Vergleich zu den Leuten, die sich sonst so auf die Tanzfläche trauten. Da waren sogar kleine Kinder, die besser tanzen konnten als wir. Aber Nelly schien sich nicht daran zu stören. Sie lächelte mich so süßlich an, dass ich Bauchschmerzen bekam.

„Weißt du schon auf welches College du gehen wirst?“, wollte sie wissen.

„Nein“, murmelte ich undeutlich.

„Ich werde auf eine Hotelfachschule gehen“, verkündete sie stolz. Was für eine Überraschung. Ich wünschte mich ganz weit fort. „Ach so?“

„Ja, mein Onkel hat sie für mich ausgesucht. Er setzt große Erwartungen in mich und ich habe nicht vor ihn zu enttäuschen.“

„Mhm“, murmelte ich und konzentrierte mich mehr auf meine Füße. Ihr Gesülze rauschte einfach an mir vorbei. Plötzlich brach der langsame Walzer ab und es wurde etwas Schnelleres gespielt. Wir standen ohnehin am Rand, doch nun drängten alle dorthin, um Platz zu machen. Johnny und Penny hatten sich in die Mitte der Tanzfläche gestellt und boten einen Wettbewerbsreifen Mambo. Mir fielen beinahe die Augen raus. Er war einfach spitze. Okay, Penny auch. Sie sahen toll aus. Ich seufzte schwer.

„Angeber“, fühlte sich Nelly durch mein Seufzen bestätigt. Ich musterte sie überrascht. Tatsächlich hatte sie doch die ganze Zeit angegeben, seit wir zusammen tanzten. Die beiden dort auf der Tanzfläche zeigten lediglich was sie konnten. Und das war eine Menge. Mein Blick richtete sich wieder auf die Tanzenden.

„Sind die auch in echt ein Paar?“, kam mir ein spontaner Gedanke über die Lippen.

„Das ist schon lange her.“ Plötzlich stand Billy in unserer Reichweite und hatte sich unversehens eingemischt. Dafür erntete er von Nelly einen giftigen Blick. Anscheinend trug er wieder einmal Melonen durch die Gegend und hatte sich von dem Bild der Tänzer anziehen lassen. Ich verarbeitete seine Information schnell. Es war egal wie lange es her war. Allein die Tatsache, dass Johnny etwas mit dieser Frau gehabt hatte, dämmte meine ohnehin geringen Chancen noch einmal drastisch. Aber aus der Ferne anhimmeln konnte ich ihn dennoch. Ich sah ihnen weiter zu.

Ziemlich abrupt auf einen entschiedenen Wink des dicken Max hin, lösten sie ihre Formation auf und suchten sich aus dem Publikum zwei andere Partner. Die Wahl von Penny fiel dabei ausgerechnet auf meinen Bruder. Es war ein Genuss seinen stolpernden Schritten zuzusehen. Ich konnte dem aber nicht allzu lange frönen, da Nelly mich nun ebenfalls wieder in Beschlag nahm. Und ich war zu höflich um mich herauszureden. Außerdem schien mein Vater sehr zufrieden mit mir zu sein. Also fügte ich mich meinem Schicksal. Ich musste nicht einmal mehr auf meine Füße sehen.

„Magst du etwas essen? Hast du Hunger? Komm doch mit in die Küche und ich sehe einmal nach, was für Reste wir noch haben“, schlug Nelly plötzlich vor. Ich sah sie mit großen Augen an. Es war nach zehn Uhr abends. Wenn ich irgendetwas nicht hatte, dann war das Hunger. Doch ich fügte mich wiederum. Ganz offensichtlich wollte sie etwas essen.

„Es ist schon sehr praktisch, wenn deinem Onkel der Laden gehört“, prahlte sie, während wir die nächtlichen Wege entlang schritten. Ich schritt - sie stampfte mehr. Außerdem hatte ich keine Ahnung, was ich darauf erwidern sollte. Ich nickte. „Kann sein.“

Gerne hätte ich jetzt einen Ausflug in den Schuppen gemacht. Doch irgendetwas sagte mir, dass es keine gute Idee gewesen wäre, ihn vor Nelly zu erwähnen. Doch mir fiel nichts ein, um sie loszuwerden. Schweigend brütete ich vor mich hin, bis wir die Küche erreicht hatten. Es war dunkel hier drin. Dennoch sah ich die Schatten, die um den Kühlschrank herumwuselten und sich nun eiligst zurückzogen. Ich hatte den eifrigen Billy und einen anderen der Bediensteten erkannt. Nelly hatte sie nicht bemerkt. Eine weitere Eingebung verriet mir, dass das auch besser so war.

„Oh, ähm, Nelly… Mir ist gerade etwas eingefallen!“, haspelte ich in meiner akuten Einfallslosigkeit. „Weißt du, Essen um diese Uhrzeit ist eigentlich eine ganz schlechte Idee, weißt du, mein Vater hat gesagt, dass, weil man sich in der Nacht in einer Art Sparmodus befindet, die Sachen, die man jetzt isst direkt auf die Figur gehen.“

„Und?“, wunderte sich Nelly.

„Weißt du… ähm… eigentlich fände ich das sehr schade… du hast eine wirklich tolle Figur und so… ähm…“ Ich begann zu schwitzen. „Vielleicht sollten wir doch wieder zum Tanz gehen.“

„Oh gut, wenn du meinst.“ Sie errötete flüchtig. Sie hatte das doch nicht wirklich als Kompliment aufgefasst? Mist. Hinter ihrem Rücken gab ich den Gestalten in der Küche einen Wink, damit sie wussten, dass ich es ihretwegen getan hatte und es keinesfalls ernst meinte. Schlimm genug, dass mich alle Honey nannten. Ich wollte wirklich nicht, dass sie dachten, ich würde den Namen zu Recht tragen.

Zögernd nahm ich Nellys Arm und zog sie davon. Allerdings beließ ich es bei drei weiteren Tänzen, ehe ich mich mit der Entschuldigung, schrecklich müde zu sein, zurückzog. Ich wollte noch zum Schuppen gehen. Johnny und Penny waren nämlich nicht mehr auf der Tanzfläche, woraus ich schloss, dass ich ihn dort wieder sehen würde. Leise schlich ich mich dorthin und stahl mich beinahe unbemerkt hinein. Keiner störte sich an meiner Anwesenheit. Ich beobachtete interessiert die Tanzenden. Sie waren alle klasse.

Schließlich stieß ich auf Billy. Vielmehr stieß er auf mich. Breit grinsend sah er auf mich herab. „Na, hast du dich von Nellys ‚ähm… toller Figur’ losreißen können?“

„Dir ist schon klar, dass ich dir damit nur den Arsch retten wollte?“, knurrte ich beleidigt.

„Ja, schon klar, Honey“, spottete Billy. „Aber deine Bemühungen um das Mädel sind echt heiß. Warum gibst du dich mit diesem Brechmittel ab?“

„Mein Vater…“, murmelte ich undeutlich und wich seinem intensiven Blick aus.

„Armer Honey“, lästerte Billy harmlos und tätschelte meine Schultern.

„Wer ist arm?“ Allein bei dem Klang seiner Stimme, zuckte ich nervös zusammen und bekam Herzrasen. Meine Ohren wurden heiß.

„Honey hat uns gerettet, als wir Alk stibitzt haben“, verkündete Billy seinem Cousin munter. „Er kam gerade mit der schrecklichen Nichte vom Boss um die Ecke und hat sie erfolgreich abgelenkt. Allerdings wird er sie jetzt wohl nie wieder los.“

„Ach so.“ Er klang nicht gerade interessiert. Ich wusste nicht, ob ich darüber froh sein sollte oder nicht. Johnnys graue Augen ruhten für einen Moment abschätzend auf mir. Dann wandte er sich an Penny, die neben ihm stand. Sie unterhielten sich kurz und mischten sich schließlich unter die Tanzenden. Einfach wunderbar wie wenig Interesse er für mich aufbrachte. Ich atmete angespannt aus. „Ihr habt Alkohol geklaut?“

„Na klar, oder denkst du, die würden sich wegen ein bisschen Essen so angehen? Die Reste können sie den Gästen doch eh nicht mehr vorsetzen“, klärte mich Billy großspurig auf. Ich runzelte die Stirn: „Aber du bist doch noch gar nicht 21, oder?“

„Oh, mach dir deswegen bloß nicht ins Hemd, Honey. Gönn uns den Spaß, okay?“

„Hm.“

„Willst du auch etwas trinken? Wir haben Wein und Rum abgestaubt und eine Art Bowle draus gemacht“, bot er mir an. Ich schüttelte den Kopf: „Ich trinke keinen Alkohol.“

„Ach komm, sei kein Muttersöhnchen.“

„Nein, danke, ich geh lieber schlafen“, verabschiedete ich mich kleinlaut.

„Mach das… Geh und spiel mit deinen Puppen…“, spottete Billy gemein und setzte noch eins drauf. „Honey“

Trotz dieser Blamage kam ich am nächsten Abend wieder. Es faszinierte mich ihnen beim Tanzen zuzusehen. Auch wenn ich jetzt wusste, dass ein Teil ihrer guten Stimmung künstlich hervorgerufen wurde. Ich hatte eine natürlich Abneigung gegen Alkohol. Mein Vater hatte mich oft genug gezwungen, mir die Alkoholiker in der Obdachlosenstation anzusehen, die nur noch an ihre nächste Flasche denken konnten, sonst schon völlig von ihrer Demenz dahin gerafft waren und sich in die Hose pinkelten, um es eine Minute darauf wieder vergessen zu haben. Nein, ich war wirklich nicht scharf auf den Stoff. Aber mir gefiel bis zu einem gewissen Grad, was er mit den anderen anstellte. Sie lachten und tanzten völlig ausgelassen.

„Hey Mann, Greg? Greg, komm zu dir!“, hörte ich Johnnys Stimme als die Musik plötzlich aussetzte. Die Besorgnis darin war nicht zu überhören. Mühsam schob ich mich zu ihr durch. Es war nicht schwer zu erkennen, was mit diesem Greg los war. Eine akute Intoxikation durch Alkohol.

„Wir müssten einen Arzt rufen… Er hat einen Schock“, erhob ich meine Stimme, gegen das allgemeine Gemurmel.

„Sie schmeißen ihn raus, wenn das hier rauskommt!“, widersprach Johnny heftig.

„Er kann sterben, wenn ihm der restlicher Mageninhalt auch noch ins Blut gerät!“, entgegnete ich ebenso heftig. Jetzt war ich ganz bei mir. Es war mir egal, was der tolle Typ von mir dachte. Sollten sie mich doch für ein Muttersöhnchen halten. Ich kannte mich als Sohn eines Arztes besser aus.

„Weißt du nicht eventuell, was man dagegen tun kann?“, wollte Billy wissen, der sich inzwischen auch in die erste Reihe vorgeboxt hatte. Ich zögerte und ging im Kopf alle Möglichkeiten durch. Wenn er nicht bewusstlos gewesen wäre, hätte ich ihn in eine Schocklage gelegt oder ihn gezwungen sich zu übergeben, aber so… Erst einmal drehte ich ihn in die Seitenlage, falls er dennoch kotzen musste. Dann richtete ich mich an Billy: „Lauf zu meinem Dad, vielleicht kann ich ihn überzeugen, dass er keinem etwas sagt.“

„Okay“, erklärte sich Billy schnell bereit und war auch schon fort. Ich ignorierte mein Umfeld und konzentrierte mich auf den Puls des Betrunkenen. Er war immerhin vorhanden. Die Zeit verging nur sehr langsam, bis mein Vater endlich kam. Bis dahin tat ich mein Möglichstes kompetent zu erscheinen, damit keine Panik ausbrach. Allerdings war ich unendlich froh als mein Vater auftauchte und ich ihm die Verantwortung überlassen konnte. Ohne viel Fragen zu stellen, hieß er die Umstehenden zurückzutreten und machte sich daran den Bewusstlosen zu versorgen.

Ich zog mich in den Hintergrund zurück. Erst als wir den Betrunkenen in sein Quartier brachten, beachtete mein Vater mich wieder. Sein Blick wirkte grimmig: „Kannst du mir verraten, was du bei diesem Besäufnis zu suchen hattest?“

„Ich habe nicht getrunken“, beteuerte ich sogleich, dann rang ich mich zu noch mehr durch. „Du musst es doch nicht Max melden? Der Junge wird sonst rausgeschmissen.“

„Zu Recht“, fand mein Vater aufgebracht. „Und so etwas passiert hier hinter dem Rücken der Gäste?“

„Es geht wohl auch niemanden etwas an, was wir in unserer Freizeit machen“, mischte sich Johnny ein. Die Augen meines Vaters trafen ihn vernichtend. „Es geht uns also nichts an, wenn sich Minderjährige in einem Schuppen tot saufen?“

„Er ist ja nicht tot. Ja, er hat es übertrieben, aber das ist doch seine Sache“, reagierte Johnny unerschrocken. Nicht viele setzten sich gegen meinen Vater durch oder versuchten es überhaupt. Ich warf meinem Vater einen kurzen Blick zu und wusste schon, dass das die falsche Taktik war.

„Was hast du also vor, Dad?“, wollte ich vorsichtig wissen.

„Natürlich muss ich mit Max reden.“

„Aber unterliegt es nicht deiner ärztlichen Schweigepflicht?“

„Es ist nur eine vorbeugende Maßnahme“, entgegnete mein Vater bestimmt. „Und was ich mit dir mache, der du mit von der Partie warst, weiß ich noch nicht.“

„Wie gesagt, ich habe nichts getrunken.“

„Wo hattet ihr den Alkohol überhaupt her?“ Sein Blick fiel auf Johnny, der wohl mit zu den Älteren zählte. Dann schien er nicht weiter überlegen zu wollen. Er ignorierte die Tatsache, dass der Tanzlehrer nicht einmal entfernt angetrunken erschien. Er schnaufte aufgebracht und ging weiter.

„Dad, bitte, du kannst kaum dafür sorgen wollen, dass alle ihren Job verlieren, nur weil sie etwas getrunken und getanzt haben“, drang ich weiter auf ihn ein.

„Nein, aber der Junge hier hat es eindeutig übertrieben. Wenn er einfach so davonkommt, wird er nichts lernen. Er braucht einen Denkzettel und alle anderen auch“, versuchte mein Vater mir zu erklären. Ich verstand, was er meinte. Das war typisch für ihn.

„Und was willst du Max sagen? Er wird den Schuppen dicht machen.“

„Das dürfte dich nicht interessieren, denn du wirst ohnehin nicht mehr hingehen.“

„Hm, aber was ist mit den anderen?“, wollte ich wissen. „Sie müssen doch auch irgendwo sein dürfen. Dad, überleg es dir doch noch mal.“

„Es wird sich nicht noch einmal jemand so betrinken“, beteuerte Johnny ebenfalls. „Dafür werde ich sorgen.“

„Gut, dann also auf Ihre Verantwortung“, knurrte mein Vater. „Sollte ich noch einmal wegen so einem Fall geholt werden, ist der Schuppen dicht. Und der Junge… Ich werde ihn krankschreiben und auf eine Entziehungskur schicken. Dann wird er nicht gefeuert. Das ist wohl auch der einzige Weg, wie man euch Jungen zur Vernunft bringen kann.“

Ich machte ein entsetztes Gesicht. Jedoch wusste ich, dass wenn er einmal so einen Entschluss gefasst hatte, niemand ihn noch umstimmen konnte. Kleinlaut verabschiedete ich mich von Billy und verzog mich dann in unserem Bungalow.

Am nächsten Tag wusste ich nicht, wie ich mich verhalten sollte. Ich traute mich kaum nach draußen. Vor dem Speisesaal traf ich auf Billy. Er sandte mir einen bedauernden Blick zu und nahm mich dann zur Seite. „In den Schuppen solltest du erst einmal nicht mehr kommen. Die anderen sind nicht so gut auf dich zu sprechen.“

„Aber… ich hab doch Greg nur helfen wollen. Und er ist nicht gefeuert worden“, entgegnete ich trotzig, obwohl ich bereits mit so etwas gerechnet hatte. Ich hatte die angespannte Stimmung schließlich schon am Vorabend gespürt.

„Das ist doch egal. Er ist weg und dass ist, was alle so wütend macht“, klärte mich Billy auf. Ich runzelte die Stirn: „Ich hatte nicht gewusst, dass Greg allen so fehlen würde. Aber wenn er gestorben wäre, wäre er schließlich auch nicht mehr da.“

„Ich weiß das. Darum rede ich ja auch noch mit dir“, bekannte Billy. „Aber die anderen, besonders die, die für die Show proben, denken da nicht so klar. Sie sind zu besorgt.“

„Was denn für eine Show?“

„Sag bloß, das weißt du nicht?“, wunderte sich der junge Mann. „Jedes Jahr findet hier in der Nähe ein großer Wettbewerb statt. Es treten Tanzgruppen gegeneinander an und die Gewinner bekommen einen ganzen Batzen Geld. Johnny und seine Freunde üben schon seit Monaten dafür. Greg hatte einen wichtigen Part, aber es besteht keine Chance auf die Schnelle noch ein Ersatz aufzutreiben. Erst recht nicht hier, wenn alle arbeiten müssen.“

„Oh“, machte ich begreifend. „Das wusste ich wirklich nicht.“

„Nun, jetzt weißt du es, deshalb sind alle so stinkig. Aber du kannst nichts dafür. Es ist Gregs Schuld. Nimm ’s dir also nicht so zu Herzen.“

„Hm.“ Ich fühlte mich trotzdem todunglücklich. „Vielleicht sollte ich mich bei Johnny entschuldigen?“

„Wofür denn? Du hast doch nur geholfen“, entgegnete Billy verständnislos. „Johnny hätt’s drauf ankommen lassen und Greg gegebenenfalls lieber abnippeln lassen. Er ist halt ein Arschloch. Jetzt ist er wütend, aber da kannst du wirklich nichts für.“

„Wirklich sehr schmeichelhaft, deine Sicht von mir“, knurrte plötzlich die Stimme des besagten Arschloches hinter uns. Wir zuckten beide zusammen. Doch Billy war nicht sonderlich betroffen. „Hey Johnny, ist doch die Wahrheit. Wollte den Jungen nur davon abhalten, dir auf die Nerven zu fallen.“

„Wie gnädig von dir.“ Der Aussage war nicht zu entnehmen, ob sie ernst gemeint war oder ironisch. Ich drehte mich also vorsichtig um, um es an seinem Gesichtsausdruck abzulesen, doch der war ebenso wenig lesbar. Neben ihm stand Penny. Sie zog eine resignierte Miene. „Es bringt doch nichts sich aufzuregen. Fakt ist, Honey wollte nur helfen und kann nichts dafür. Aber einen neuen Tänzer brauchen wir dennoch.“

„Wen denn? Wir brauchen Greg. Keiner der anderen hat die Zeit seinen Part einzustudieren. Außerdem haben wir selbst dann noch eine Lücke zu füllen“, entgegnete Johnny ungeduldig.

„Gibt es denn wirklich keinen, der für ihn einspringen könnte?“, mischte ich mich vorsichtig ein.

„Nein, es gibt keinen! Oder willst du es etwa versuchen?“, bellte mich Johnny an. Ich war zu verblüfft von diesem Angriff, als dass mir sofort eine Antwort eingefallen wäre. So entstand ein kurzes Schweigen. Das gab Billy und Penny die Gelegenheit sich für den Vorschlag zu erwärmen.

„Das ist die Idee!“, rief Penny aus. „Billy könnte Gregs Part übernehmen und Honey tanzt für Billy. Wenn ihr jeden Tag übt, müsstet ihr es noch schaffen bis zum Wettbewerb.“

„Billys Part ist nicht viel leichter als der von Greg“, entgegnete Johnny empört.

„Lass es ihn doch wenigstens versuchen. Ist doch besser als sofort aufzugeben“, trat Billy für die Idee ein.

„Aber ich kann doch gar nicht tanzen“, legte ich Widerspruch ein.

„Habt ihr’s gehört? Er kann nicht tanzen“, klammerte sich Johnny an meine Aussage, doch die anderen schienen nicht mehr für logische Argumente zugänglich zu sein. Was ihn dazu brache sich zu lauter wiederholen. „Er kann’s einfach nicht!“

TBC

_____________

Danke für's Lesen. Falls ihr Fehler gefunden habt, sagt mir bitte bescheid, wo. ^^ Anosnten freue ich mich natürlich über jegliches Feedback.



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[editiert: 13.07.08, 21:32 von lelis]
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yaoi-freak
Slash Queen

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New PostErstellt: 28.06.08, 23:13  Betreff: Re: Gay Dirty Dancing [größtenteils geklaut]  drucken  weiterempfehlen

uuuuuuh cooool *___________* schreib bidde so schnell wie möglich weiter ja



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Jade
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New PostErstellt: 29.06.08, 10:56  Betreff: Re: Gay Dirty Dancing [größtenteils geklaut]  drucken  weiterempfehlen

Wow, mir gefällts auch richtig gut. Bitte mehr davon.



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kys
Dämon

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New PostErstellt: 29.06.08, 12:41  Betreff: Re: Gay Dirty Dancing [größtenteils geklaut]  drucken  weiterempfehlen

war spitze. ich glaub, ich hab heut nacht davon geträumt. bitte, bitte schnell weiterschreiben.



wenn es sünde ist dich zu lieben
wenn es ewige verdammnis bedeutet dich zu berühren
wenn die strafe der tod ist dich zu küssen
soll es so sein
verlier ich doch mein herz ohne dich
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lelis
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New PostErstellt: 30.06.08, 15:32  Betreff: Re: Gay Dirty Dancing [größtenteils geklaut]  drucken  weiterempfehlen

Danke schön euch Dreien! ^___^

Da ich mich quasi ans Drehbuch gehalten habe, ist das übrigens meine erste Geschichte im Netz, die FSK 12 ist. Ich trau mich gar nicht, die auf meiner üblichen Seite online zu stellen. ^^;

Part 2/3

_________________

Ehe ich noch richtig realisierte, wie mir geschah, befand ich mich in dem verbotenen Schuppen, in dem tagsüber wirklich gar nichts los war und übte mit Johnny die Grundschritte ihres Tanzes ein. Anfangs war es wirklich noch nicht schwer gewesen. Ich hatte einfach das Gewicht von einem Fuß auf den anderen verlagern müssen und wieder zurück. Freilich blieb es nicht dabei. Es wurde zunehmend komplexer. Bald musste ich mich höllisch konzentrieren, um zu wissen, in welcher Reihenfolge ich meine Füße in welche Richtung zwingen musste.

„Sei nicht so verkrampft! Lockerer!“, befahl Johnny bereits zum zehnten Mal und langsam ungeduldig klingend. Ich wurde ebenfalls langsam ungeduldig. Eigentlich machte ich das hier nicht einmal freiwillig. Ich tat es nur, um mein schlechtes Gewissen zu beruhigen und weil es eine günstige Gelegenheit war, mit Johnny zusammen zu sein. Doch wenn sich dieser weiter so tyrannisch aufführte, konnte ich auch darauf verzichten. Leider schaffte er es dennoch mich immer wieder in seinen Bann zu schlagen.

„Geh ein bisschen mehr in die Knie!“, folgte die zweite Anweisung. Es gab wirklich schon genug Sachen, auf die ich mich konzentrieren musste. Außerdem schwitzte ich aus jeder Pore. Es zerrte an meinen Nerven und ich hatte auch keine Ahnung, wie ich lockerer sein sollte, wenn ich jetzt auch noch in die Knie gehen musste.

„In die Knie hab ich gesagt“, beharrte Johnny weiter. Also versuchte ich es, aber ich kam mir furchtbar blöd dabei vor und ließ es schnell wieder sein. Von Johnny kam ein entnervtes Schnauben. Plötzlich stand er direkt vor mir und drückte von oben auf meine Schulter. Sein Blick duldete keinen Widerspruch. Aber es war mehr seine Nähe, die meine Knie weicher werden ließ.

„Geht doch“, brummelte er halb zufrieden. Mein Herz raste vor Freude. Ich kam unversehens aus dem Takt und trat ihm auf den Fuß. Johnny rollte mit den Augen und ließ mich wieder los. Bei diesem einen Missgeschick blieb es freilich nicht. Ich hasste es, dass ich mich so vor ihm blamierte. Daher übte ich jede Minute, die ich für mich hatte. Wenn Johnny selbst keine Zeit hatte, unterrichteten mich Billy oder Penny, die wesentlich entspannter mit mir umgingen und mich sogar hin und wieder lobten. Trotzdem waren mir die Tanzstunden mit Johnny am liebsten. Als es heißer wurde, begann er mir die Stunden oben ohne zu geben. Es fiel mir noch schwerer mich zu konzentrieren, aber ich konnte auch nirgendwo anders hinsehen. Johnny schien meine hungrigen Augen jedoch nicht einmal zu bemerken. Für ihn gab es nur das Tanzen und mich soweit zu kriegen, dass ich mitmachen konnte.

„Nein, nein, nein!“, regte er sich auf, als ich wieder einmal die Schrittfolge durcheinander brachte. Es war immer die gleiche Stelle. Ich seufzte teils resigniert teils schuldbewusst und sah auf meine Füße.

„Was ist so interessant an deinen Schuhen?“, wollte Johnny plötzlich wissen. Es war selten, dass er Fragen stellte. Ich zögerte daher auch einen Moment mit meiner Antwort. Plötzlich stand er wieder so dicht vor mir, dass mir schwummerig wurde. Ich schluckte. Dann lag seine Hand plötzlich unter meinem Kinn und drückte es empor.

„Schau geradeaus“, befahl er gemäßigt. „Ausstrahlung ist beim Tanzen das Wichtigste, verstanden? Erst danach kommt die Technik.“

Ich nickte stumm. Mein Mund war völlig ausgetrocknet. Hingerissen blickte ich zu ihm auf. Mist. Jetzt sah er garantiert, wie es in mir aussah, doch ich musste ihn einfach anschauen. Johnny schien dennoch nichts zu bemerken. Er trat einfach wieder zurück und wandte sich von mir ab.

„Probieren wir es einmal mit der Musik“, murmelte er. Ich horchte auf. Bisher hatten wir die Schritte und Folgen immer nur trocken einstudiert. Und das schon fünf Tage lang. Irgendwie kam es mir sehr bedeutsam vor, dass wir nun einen Schritt weitergingen. Es sollte noch viele dieser Schritte geben und es wurde keineswegs einfacher. Geradezu grausam wurde es, als auch noch Bewegungen der Arme dazu kamen. Oder als ich plötzlich alles noch einmal mit dem linken Fuß beginnend lernen musste. Es waren nur zwei Wochen bis zum Wettbewerb und ich tanzte immer den ganzen Tag. Am Abend leistete ich meinen Eltern Gesellschaft oder musste mich mit Nelly herumschlagen. Dann ging ich noch in den Schuppen und sah Johnny dabei zu, wie er tanzte. Ich wagte es jedoch nicht ihm noch mehr auf die Nerven zu fallen. Schließlich ging ich schlafen und das gelang mir immer sehr rasch.

„Es hat keinen Zweck“, stellte Johnny drei Tage vor dem großen Tag fest. Eigentlich sollte ich an den folgenden beiden Tagen bei den Proben der ganzen Gruppe teilnehmen. Doch nun sank mir das Herz in die Hose. Eigentlich beherrschte ich schon die ganzen Folgen. Ein paar Drehungen misslangen mir noch, und es gab einen Sprung, den ich auch noch nicht beherrschte, aber ansonsten war ich nach Billys Aussage schon ganz gut. Es kam mir allerdings auf Johnnys Aussage an und die schien nun vernichtend auszufallen. „Du bewegst dich wie ein Schlumpf.“

Ich senkte niedergeschlagen den Kopf. Wirklich, das war ungerecht. Ich gab mir so viel Mühe. Er könnte es mir wenigstens netter sagen.

„Du hast überhaupt kein Gefühl für deinen Körper und was du damit anfangen kannst.“

„Woher soll ich wissen, wie ich dabei aussehe? Hier ist nicht einmal ein Spiegel!“, empörte ich mich nun doch.

„Du sollst dich nicht anstarren, du sollst dich fühlen!“

„Fein! Wie soll ich das machen? Ich reiße mich für dich und die anderen den Arsch auf! Aber du zeigst mir nur diese verdammten Schritte und meckerst ständig an mir herum!“, brach es aus mir heraus. „Ich kann eben nicht tanzen, das habe ich euch von Anfang an gesagt!“

„Dafür stellst du dich aber gar nicht dumm an“, erwiderte Johnny zu meiner Überraschung. „Es geht um deinen Ausdruck.“

Das Blut schoss mir in die Wangen. Der erste Satz war ja beinahe so etwas wie ein Kompliment gewesen. Der Zweite holte mich in die Realität zurück. „Ich weiß nicht, wie ich ihn ändern soll.“

„Das wollte ich dir gerade vorschlagen, bevor du mich so angefahren hast“, entgegnete Johnny im Gegensatz zu mir recht besonnen. „Komm mit!“

Verwirrt ließ ich mich von ihm nach draußen ziehen. Wir gingen zum Parkplatz. Ich wurde immer verwirrter. Den Motorradhelm, den er mir gegen die Brust drückte, hielt ich wie ein rohes Ei, ehe ich mir einen Ruck gab und ihn aufsetzte. Zögernd nahm ich hinter dem Tanzlehrer platz und folgte seiner Anweisung mich gut festzuhalten. Wir folgten einem unbefestigten Weg tiefer in den Wald hinein. Schließlich hielten wir mitten in der Wildnis an.

Irritiert sah ich mich um, ehe mich Johnny wieder am Arm packte und mich tiefer ins Gebüsch zog. Nicht lange und wir kamen an einen kleinen Bach, der aber ein recht tiefes und vor allem breites Becken hatte. Von einer Böschung zur anderen lag ein breiter umgefallener Baum. Hier ließ er mich los und marschierte dann scheinbar ohne Gleichgewichtsprobleme von einem Ende zum anderen. Ich bekam große Augen. Gab es hier denn keine Brücke, die wir benutzen konnten?

Doch das war ein Irrtum. Johnny drehte sich wieder um und kam mir zur Hälfte entgegen. Mit einem Finger deutete er mir an, zu ihm auf dieses Ding zu kommen. Verständnislos sah ich zu ihm auf und schüttelte dann beharrlich den Kopf.

„Komm schon, Honey!“, grinste Johnny. Es war das erste Mal, dass er mich angrinste. Überhaupt schien er außerhalb der Ferienanlage wesentlich unbefangener zu sein. Ich schüttelte dennoch den Kopf. Er seufzte und kam noch zwei Schritte in meine Richtung.

„Na los, wir schulen deine Balance“, erklärte er mir lächelnd. Ich ließ mich von seinem Lächeln anziehen, wie eine Fliege vom Honig. Vorsichtig setzte ich einen Fuß auf den Stamm. Er wackelte nicht. Beherzt kletterte ich ganz auf ihn und breitete schwankend meine Arme aus. Es fiel mir längst nicht so leicht wie Johnny das Gleichgewicht zu halten. Doch er lächelte mich so aufmunternd an, dass ich mich kühn in die Mitte traute.

„Brav“, kommentierte Johnny mein Bestreben spöttisch. Plötzlich begann er auf dem Stamm zu hüpfen und zu wippen, was den dann doch zum Beben und mich gehörig aus dem Konzept brachte.

„Was machst du!?“, quietschte ich erschrocken und wollte mich hinsetzen, um nicht runter zu fallen, doch da ergriff Johnny meine Hand und sah mich streng an.

„Stehen bleiben!“

„Aber das ist fies!“

„Es passiert dir schon nichts, wenn du fällst. Allerdings ist es Sinn der Sache, dass du nicht fällst.“

„Können wir das nicht anders üben? Musst du rumhüpfen?“

„Hm.“ Anscheinend zeigte das Wort ‚rumhüpfen‘ Wirkung und zwar insofern, dass es an seinem Stolz kratzte. Er verharrte einen Moment. Dann grinste er böse: „Natürlich. Zum Beispiel, indem du hüpfst!“

„Niemals.“

„Na dann.“ Er setzte zu einem weiteren Sprung an. Ich wich zurück und wollte möglichst schnell den Baumstamm verlassen. Rückwärts. Einen Baumstamm. Was für eine dumme Idee. Natürlich trat ich falsch auf und rutschte ab. Ich sah mich schon im freien Fall, als Johnny meine Hand ergriff und mich zu sich zog. Plötzlich lag ich in seinem Arm, an seine Brust gepresst, während er versuchte nun unser beider Gleichgewicht wiederzuerlangen. Er roch so gut. Verträumt schloss ich die Augen und spürte nur seine Nähe.

„Du… du kannst mich wieder loslassen, Honey. Du fällst nicht mehr“, brummte Johnny nach einem kurzen Moment. Mist. Erschrocken fuhr ich aus meiner Trance und wich errötend zurück. Johnny lächelte verschmitzt: „Ich lass dich vom Stamm, wenn du es schaffst dreimal zu springen ohne zu fallen.“

„Und wenn ich falle?“, erkundigte ich mich zögernd.

„Bist du auch vom Stamm runter.“

„Na toll“, seufzte ich resigniert und setzte zum ersten vorsichtigen Sprung an. Johnny schüttelte danach den Kopf: „Höher! Sonst zählt er nicht.“

„Sadist“, knurrte ich leise und versuchte es noch einmal. Als es glückte wurde ich noch ein bisschen wagemutiger. Ich bezweifelte, dass sich meine Balance durch die drei Sprünge ohne Fallen wesentlich verbessert hatte, aber ich war auf jeden Fall mutiger geworden. Anschließend brachen wir noch tiefer in den Wald ein, als wir dem Bach folgten. Er mündete in einem größeren See. Nicht der an dem die Anlage lag. Anscheinend war es eine seenreiche Gegend.

„Was kommt denn jetzt?“, wunderte ich mich laut. „Willst du etwa schwimmen?“

„Nein, es ist ein Experiment“, erklärte Johnny. „Wir müssen an deiner Körperspannung arbeiten. Also werden wir deinen Part jetzt im Wasser tanzen.“

Ich wollte schon protestieren, dann aber überlegte ich es mir anders. Eigentlich hatte ich nichts dagegen mit Johnny schwimmen zu gehen - oder zu tanzen, wenn er meinte, dass das unter Wasser funktionierte.

Nachdem wir uns bis auf die Unterhosen entkleidet hatten, verschwand ich sehr schnell im Wasser, da ich mich ein wenig für meinen schmächtigen Körper genierte. Johnny folgte mir wesentlich gemächlicher. Der See hatte ein ideales Ufer. Es senkte sich nur ganz gemächlich. Außerdem war der Boden sandig und daher nicht sonderlich glitschig. Es war wirklich angenehm. Während meiner Zeit hier im Urlaub, war ich noch gar nicht zum Schwimmen gekommen.

„Fang mit den Grundschritten an und halte dich gerade. Ich möchte, dass du mich die ganze Zeit ansiehst. Und guck freundlich. Du musst ja nicht lächeln, aber bitte nicht so verkrampft dreinschauen wie sonst“, wurde ich vom Ufer aus instruiert. Johnny war nicht weiter als bis zu den Knien ins Wasser gewatet und hatte sich dann hingesetzt. Ich zog eine Grimasse, als ich die erste Schrittfolge machte. Es war höllisch schwer sich im Wasser zu bewegen. Außerdem verlor ich immer wieder den Grund unter den Füßen.

„Das verstehe ich nicht unter freundlich“, kam ein spöttischer Spruch von meinem Zuschauer. Ich blitzte ihn böse an. Allmählich verlor ich all meine Zurückhaltung ihm gegenüber. „Mach es doch besser!“

„Okay“, ging Johnny tatsächlich auf mich ein, stand auf und watete tiefer in den See auf mich zu. Unmittelbar vor mir hielt er an und lächelte unbestimmt. Ein Lächeln, das seine Augen nicht erreichte, aber es wirkte dennoch freundlich, wie er es von mir verlangt hatte. Dann begann er sich zu bewegen. Harte, exakte Bewegungen unter Wasser. Sein ganzer Körper stand unter Spannung. Ich sah ihm atemlos dabei zu. Nach einer Weile hörte er auf. „Jetzt du!“

Resigniert, weil ich wusste, dass es mir nie gelingen würde, begann ich von neuem. Johnny sah mir eine Weile dabei zu, dann schnaufte er ungeduldig und drückte mich ohne Vorwarnung unters Wasser. Prustend kam ich an die Oberfläche zurück und wollte ihn böse ansehen, doch da stand er plötzlich hinter mir. Wie bei unserem ersten Tanz, drückte er sich von hinten an mich. Seine Hände umfassten meine Handgelenke und dirigierten so meine Arme durch das Nass.

„Mehr Spannung!“, verlangte er schroff. Meine Befürchtung bestand nun darin, dass ich zuviel Spannung aufbaute und zwar dort, wo es peinlich war. Etwas unbehaglich versuchte ich mich von ihm zu befreien. Immerhin waren wir beinahe nackt. Doch Johnnys Griff blieb unerbittlich. „Je eher du das machst, was ich von dir will, desto eher sind wir fertig.“

„Aber…“, begann ich kleinlaut.

„Nichts aber! Fang noch mal von vorn an!“

Ich tat es. Immerhin verlor ich so nicht wieder den Boden unter den Füßen. Johnnys Hände behinderten die Bewegung der Arme nicht, jedoch unterstrichen sie die Akzentsetzung, die ich noch nicht so gut beherrschte. Sie blieben auch nicht mehr nur an meinen Handgelenken, sondern korrigierten mich ständig in meiner Haltung. Stupsten mein Kinn hoch, richteten meine Schultern gerade, fuhren über meinen Bauch, wenn ich ihn anspannen musste. Eigentlich waren sie überall. Irgendwann wurde es mir zu viel. Mein Gesicht musste inzwischen rot glühen. Das konnte er zum Glück nicht sehen, dennoch riss ich mich los und tauchte unter. Zehn Meter von ihm entfernt tauchte ich wieder auf. Ich hoffte, gelassener als zuvor in seinen Armen.

„Was war das denn!?“, spottete Johnny.

„Ich will es noch einmal allein versuchen“, behauptete ich schnell. Johnny machte ein unberührtes Gesicht. „Gut, dann versuch es!“

Zögernd schwamm ich wieder an eine Stelle mit geeigneter Tiefe und stellte mich hin. Erst einmal schloss ich die Augen, um mich zu beruhigen. Mein Herz pochte immer noch wie wild. Eigentlich war es auch unbegreiflich wie wenig Achtung Johnny vor einer gewissen körperlichen Distanz hatte. Vielleicht verlor man das ja, wenn man Tanzlehrer war. Allerdings konnte ich mir nicht vorstellen, dass es sich andere Jungen gefallen ließen, wenn ein Mann an ihnen herumfummelte und war es nur, um ihre Haltung zu verbessern. Ich beruhigte mich und begann nochmals von vorn. Dabei ließ ich meine Augen aber zunächst geschlossen. Ich hatte festgestellt, dass ich mich so besser auf meinen Körper konzentrieren konnte. Außerdem verunsicherte mich Johnnys Blick, der ja ständig auf mir ruhte, nicht so.

Als ich meine Augen dann wieder öffnete, schrak ich unvermittelt zusammen. Keinen Meter von mir entfernt, stand Johnny und musterte mich kritisch: „Okay, aber wenn du in der Gruppe tanzt, mach die Augen auf, sonst rempelst du noch jemanden an.“

Ich nickte und spürte, wie mir abermals das Blut in die Wangen schoss. Johnny schüttelte den Kopf und ehe ich mich versah, hatte er mich erneut untergetaucht. Als ich wieder hoch kam, hatte er sich schon abgewandt und strebte das Ufer an. „Komm mit raus. Ich will wissen, ob das hier schon eine Wirkung hatte.“

Das interessierte mich auch. Ich strich über meine durchnässte Unterhose und stellte erleichtert fest, dass sich dort nichts erhärtet hatte. Dennoch hatte ich ein mulmiges Gefühl, als ich ebenfalls das Trockene anstrebte. Zu Recht, anscheinend hatte Johnny nicht vor, sich anzukleiden. Als ich zu meiner Hose greifen wollte, schüttelte er nur den Kopf: „Nicht so schamhaft, Honey. Ich will deinen Körper sehen, wenn du tanzt. Woher soll ich sonst wissen, ob du deine Muskeln anspannst?“

„An meiner Haltung?“, schlug ich behutsam vor.

„Nein. Und was ist schon dabei? Wir sind Männer“, fand Johnny beinahe genervt klingend. Eben, dachte ich. Tatsächlich ließ ich aber von meinem Vorhaben ab und richtete mich unschlüssig auf.

„Mehr Spannung in den Schultern“, ließ die erste Anweisung nicht lange auf sich warten.

„Ich hab doch noch nicht einmal angefangen!“

„Trotzdem. Das gilt für alle Lebenslagen. Du läufst ständig so herum wie ein Schlumpf.“

Schon wieder der Schlumpf. Ich atmete angespannt auf. Es war wirklich vernichtend, was für einen Eindruck ich auf ihn machen musste. Doch es ging noch weiter: „Treibst du eigentlich irgendeinen Sport?“

„Nein.“

„Was machst du dann in deiner Freizeit?“

„Ich programmiere“, gab ich zu. Johnny runzelte die Stirn: „So am Computer?“

„Ähm, ja.“ Wo denn auch sonst? Anscheinend hatte ich da einen Bereich entdeckt, mit dem sich Johnny nicht auskannte. Er zeigte jedoch Interesse: „Was programmierst du denn?“

„Alles mögliche…“, wich ich aus. „Spiele und Programme und so.“

„Aha, dann bist du ein kleiner Stubenhocker? Hätte ich jetzt nicht unbedingt vermutet“, gestand Johnny verdutzt. „Okay, machen wir weiter.“

„Hm“, murmelte ich und machte die erste Bewegung.

„Denk an das, was du unter dem Wasser gemacht hast und fang noch mal an“, befahl Johnny sofort. „Meinetwegen schließ auch wieder die Augen!“

Es wurde ein langer Nachmittag. Johnny scheuchte mich noch dreimal ins Wasser, damit ich fester in meiner Haltung wurde. Immerhin hatte ich, als ich am Abend völlig erledigt ins Bett schlüpfte ein ganz warmes Gefühl im Bauch. Es war irgendwie die Ahnung, dass Johnny und ich uns näher gekommen waren als in den ganzen zwei Wochen davor. Wir hatten uns richtig unterhalten. Ich wusste jetzt, wo Johnny das Tanzen gelernt hatte und warum er es so ernst nahm. Seine Mutter hatte eine Ballettschule besessen, die aber Pleite gegangen war. Er versuchte nun das Geld aufzutreiben, um etwas Ähnliches aufzubauen. Nicht unbedingt Ballett, aber eine Tanzschule eben.

Die Proben mit der ganzen Gruppe arteten noch einmal in Stress aus. Nicht nur für mich, der sich ziemlich umstellen musste, sondern vor allem für Johnny, der das alles koordinieren musste. Zum Glück stand ich nur hinten bei den Backgroundtänzern und hatte kein Solo. Wie zum Beispiel Billy, der sich noch einiges von Johnny anhören musste. Ich musste mir dagegen etwas von meinem Vater anhören.

„Man sieht dich gar nicht mehr. Und Eric auch nicht“, beschwerte er sich am Abend vor dem Wettbewerb. „Es wird Zeit, dass wir etwas zusammen unternehmen. Als Familie.“

Wir aßen zu Abend im Speisesaal. Immerhin das hatten wir jeden Tag getan. Aber ansonsten hatte man mich wirklich nicht häufig gesehen. Ich die anderen natürlich auch nicht.

„Was denn?“, wollte ich unbehaglich wissen.

„Das wird eine Überraschung. Haltet euch nur den morgigen Abend frei.“

„Aber ich hab schon was…“ Ich brach ab. Wenn ich jetzt sagte, dass ich etwas vorhatte, würde mein Vater wissen wollen, was es war. Ich brauchte eine stichhaltige Ausrede. In genau diesem Moment kam Nelly angelatscht und fragte mich, ob ich am nächsten Abend nicht mit ihr tanzen gehen wollte.

„Ähm, ich würde ja gerne, aber wir haben eigentlich…“, begann ich, doch da schaltete sich mein Vater ein. „Nun, so wichtig ist es auch nicht. Ich verstehe ja, wenn ihr jungen Leute euren eigenen Kopf habt. Dann kommt eben nur Eric mit.“

„Großartig“, brummte der und warf mir einen feindseligen Blick zu. Ich dachte etwas ganz ähnliches - in einem ähnlich sarkastischen Tonfall. Allerdings war es mir lieber Nelly zu versetzen als meinen Vater. Ich dachte nämlich gar nicht daran mit ihr Tanzen zu gehen. Ich würde mit Johnny tanzen. Also sagte ich Nelly auch nicht zu, sondern beließ es bei der Floskel meines Vaters. Eine Ausrede konnte ich mir immer noch ausdenken. Hinterher.

Es gab noch eine letzte Probe in Kostümen, die darin bestand, dass alle schwarz trugen und etwas geschminkt waren. Billy hatte mir ein T-Shirt geliehen, da ich selbst kein Schwarzes besaß. Es war ein wenig zu weit, aber ansonsten passte es ganz gut. Anschließend fuhren wir zum Wettbewerb.

„Honey fährt mit mir“, entschied Johnny, als es darum ging zu bestimmen, wer in welchem Wagen mitfuhr.

„Ach ja? Seid ihr euch näher gekommen in den letzten Tagen?“, spöttelte Billy vergnügt und kassierte von Johnny einen eiskalten Blick. „Er ist schön leicht.“

Mir war es egal, weshalb er wollte, dass ich mit ihm fuhr. Ich fand es toll, dass er überhaupt an mich gedacht hatte. Auf dem Weg zu seinem Motorrad erkundigte er sich beiläufig: „Bist du nervös?“

Ich nickte. Natürlich war ich das. Ich war noch längst nicht sicher in meinen Schritten und bei den Sprüngen, sprang ich noch nicht so hoch wie die anderen. Außerdem hatte ich die Befürchtung, dass ich alles vergessen würde, sobald ich auf der Bühne stand.

„Wird schon“, brummte Johnny und klopfte mir auf die Schulter. „Du hast echt eine Menge gelernt für die kurze Zeit.“

„Ich hab trotzdem Schiss, dass ich es verpatze“, gestand ich kleinlaut.

„Greg hat es verpatzt. Du rettest uns den Arsch“, versicherte Johnny cool und griente mich an. „Mach dir keine Sorgen, okay?“

Um lockere Knie musste ich mir jetzt wirklich keine Gedanken mehr machen. Sie waren bei Johnnys frechem Lächeln zu Pudding geworden. Ich genoss es mich während der Fahrt an ihm festzuhalten. Beinahe hätte ich das Loslassen vergessen, als wir angekommen waren. Hoffentlich hatte Johnny das Zögern nicht gemerkt. Mit rotem Kopf nahm ich meinen Helm ab und reichte ihn Johnny. Ich wagte es nicht, ihn dabei anzusehen. Plötzlich spürte ich seine Hand auf meiner Wange. Zärtlich strich sie über die erhitzte Haut. Es schien gerade so, als würde er etwas sagen wollen, als plötzlich auch die anderen ankamen und ihn unterbrachen. Nun verschwand seine Hand sehr schnell aus meinem Gesicht. Er wandte sich von mir ab. Leise atmete ich aus. Wieder raste mein Herz. Was war das gewesen?

„Na, Honey, aufgeregt?“, wollte auch Billy wissen. „Du bist ja ganz rot im Gesicht!“

„Mhm“, murmelte ich und sah mich neugierig um. Wir befanden uns zu meiner Überraschung in einer Schule. Der fand Wettbewerb in einer Turnhalle statt, die eine recht große Tribüne besaß und somit dem Zuschauerstrom gewachsen war. Insgesamt war es keine so große Veranstaltung, wie ich befürchtet hatte. Ich wunderte mich, dass es hier einen größeren Geldbetrag zu gewinnen gab. Aber nun ja, an Konkurrenz mangelte es nicht.

„Hey, ist das nicht die Paradise Truppe?“, erkundigte sich ein Mädchen in Cheerleaderdress verächtlich. „Wollt ihr wieder so eine lahme Show abziehen wie im letzten Jahr?“

„Die lahme Show hat eine bessere Bewertung bekommen, als euer Rumgehopse“, ließ sich Billy zu einer Erwiderung hinreißen. Johnny hatte sie einfach nicht beachtet und war weiter gegangen. Er ging uns anmelden und teilte uns dann triumphierend mit, dass wir als letztes antreten würden. Eine gute Position wie er fand. Wenn wir uns gut anstellten, konnten wir es wirklich schaffen. Meine Nervosität stieg. Vor allem nachdem sich die anderen entschlossen den anderen Gruppen zuzusehen. Die waren richtig gut. Unruhig rutschte ich auf meinem Platz herum. Wieso hatte ich mich hierauf nur eingelassen? Ich würde mich schrecklich blamieren.

„Die waren echt gut“, kommentierte plötzlich Johnny neben mir und stupste mich zuversichtlich an. „Aber wir sind besser. Wirst schon sehen.“

Ich zwang mich zu einem halbherzigen Lächeln. Aber ich fühlte mich tatsächlich besser. Außerdem wurde ich durch seine Abwesenheit von den anderen Tänzern abgelenkt. Ich schielte noch einige Male zu ihm rüber, doch er sah den anderen Gruppen konzentriert zu. Erst kurz vor unserem Auftritt traf ich unvermittelt auf seinen Blick. Er lächelte mir aufmunternd zu. Ich zwang mich dazu möglichst locker zurückzulächeln. Doch ich spürte, dass mir das mit der Lockerheit nicht wirklich gelang.

Schließlich war es tatsächlich so weit. Ich konnte es nicht fassen, wie schnell es mit einem Mal gegangen war. Plötzlich stand ich vor der Tür und wartete darauf in die Halle zu gehen. Johnny war der Erste. Er tanzte ein atemberaubendes Solo und wurde schließlich von Penny ergänzt. Dann kam Billy in einer Gruppe von noch drei anderen an die Reihe. Sie tanzten in zweier Pärchen eine Art Spiegelung. Es sah toll aus. Und schließlich war ich mit dem Rest der Gruppe dran. Zum Glück tanzte ich nur im Hintergrund. Ich konnte mich im Zweifelsfall an meinem Vordermann orientieren. Trotzdem hatte ich das Gefühl zu sterben, als ich einmal aus dem Tritt gekommen war. Ich lief rot an, gab mir aber Mühe möglichst schnell wieder rein zu kommen. Der Sprung war wieder nicht so hoch wie der von den anderen, aber es war okay. Ich fühlte mich nicht wie ein völliger Versager, als der Applaus losbrach. Tatsächlich sie klatschten für uns. Ich hatte schon befürchtet ausgelacht zu werden. Aber es war mehr ein tosender Applaus und ein warmes Gefühl durchströmte mich. In meinen Adern pulsierte reines Adrenalin. Ich hatte mich noch nie so gut gefühlt und merkte, dass ich begonnen hatte übers ganze Gesicht zu strahlen. Ich hatte überlebt.

„Und wie war’s, Honey?“, erkundigte sich Billy hinter der Bühne bei mir.

„Ich bin einmal raus gekommen und bei dem Sprung war ich nicht hoch genug, aber sonst ging’s“, antwortete ich wahrheitsgemäß. Er wuschelte mir grinsend durchs Haar: „Großartig, Honey, vielleicht haben die Richter das gar nicht gesehen. Ohne dich wären wir sowieso aufgeschmissen gewesen. Wir brauchten nun einmal eine gerade Zahl.“

„Wie war er?“, erkundigte sich Johnny plötzlich hinter mir.

„Er meinte, er wäre nur einmal raus gekommen und beim Sprung nicht hoch genug gewesen.“

„Schön“, fand mein Lehrer und klopfte mir auf die Schulter, die augenblicklich ganz heiß wurde. „Wenn wir gewinnen, lade ich alle zu einem Drink ein.“

„Das glaube ich nicht!“, bellte eine Stimme hinter uns, die mich zusammenschrecken ließ. Überrascht wirbelte ich herum: „Vater!“

„Solltest du nicht bei einem Date mit Nelly sein? Und hatte ich dir nicht verboten dich weiter mit diesen Säufern zu treffen!“, schnauzte der mich an.

„Wa- was machst du denn hier?“, wunderte ich mich gänzlich aus der Fassung gebracht.

„Ich meinte einen Milk Shake“, murmelte Johnny resigniert und sah mich entschuldigend an. Mein Vater überging ihn grob: „Was denkst du dir eigentlich?“

„Du wolltest doch, dass ich tanzen lerne“, versuchte ich mich herauszureden. Er grollte mich wütend an und packte mich dann beim Arm: „Damit meinte ich kaum so etwas. Komm mit!“

„Aber…“, wollte ich noch einwenden. Doch mein Vater ließ nichts gelten: „Keine Widerrede! Ich will nicht, dass du dich jemals wieder mit diesen Leuten abgibst!“

Wie sich herausstellte, war das die Überraschung gewesen. Er hatte mit uns allen zu diesem Tanzwettbewerb fahren wollen. Doch es war nicht das, was er sich darunter vorgestellt hatte. Und dann sah er auch noch seinen Sohn unter den Tänzern, der ihn offensichtlich angelogen hatte. Damit war das Fass dann übergelaufen. Auf dem ganzen Rückweg herrschte ein angespanntes Schweigen im Auto. Als wir ausstiegen hielt er mich noch einmal zurück: „Du gehst jetzt zu Nelly und entschuldigst dich bei ihr.“

„Wieso sollte ich? Ich habe ihr nichts versprochen! Das warst du!“, entgegnete ich stur. Wenn ich mich bei jemand entschuldigen würde, dann bei Johnny und das hatte ich jetzt auch vor. Sobald er zurückkam. Ich stampfte also zornig los zu den Quartieren des Personals. Johnny hatte einen eigenen kleinen Bungalow, der ein wenig abseits stand. Ich ließ mich davor auf den Stufen fallen und wartete.

Es dauerte eine ganze Weile, ehe er kam. Aber er kam allein auf seinem Motorrad, wie ich zufrieden feststellte. Ich war schon eifersüchtig gewesen, auf die mögliche Person, die sich diesmal an ihn klammern durfte. Langsam stand ich auf, als er abstieg und sich den Helm abnahm. Sein Blick traf meinen und er stutzte, doch dann lächelte er.

„Wir haben den zweiten Platz gemacht!“, erzählte er mir heiter. „Nicht so gut, wie der erste, aber man bekommt dennoch ein kleineres Preisgeld.“

„Toll“, freute ich mich.

„Danny hat gemeint, du warst richtig gut“, lobte mich Johnny. Er war vor mir zum Stehen gekommen und musterte mich irgendwie unruhig. Meine Wangen glühten vor Glück über das Lob. Doch auch ich war befangen. Am besten ich brachte es schnell hinter mich: „Hör mal, Johnny, es tut mir leid, wie mein Vater reagiert hat.“

„Schon okay… Er macht sich halt Sorgen um dich und den Eindruck, den er von uns, insbesondere wohl auch von mir bekommen hat, ist nun mal nicht der beste. Es war einfach Pech…“, brummte er gleichmütig. „Mach dir deswegen keinen Kopf. Dir wird das schon keiner übel nehmen… Und die Anderen trinken doch wirklich manchmal zu viel. Ist ganz gut, dass ihnen mal einer sagt, dass das Scheiße ist.“

„Aber du bist nicht so“, beharrte ich. Johnny lächelte halb und zuckte dann mit den Schultern. „Was war das mit Nelly? Du hast sie sitzen gelassen?“

Oh nein, das hatte er mitbekommen? Natürlich, mein Dad hatte ja auch laut verkündet, dass ich mit Nelly ein Date gehabt hätte. Ich spüre wie mir noch mehr Blut in den Kopf stieg, während ich ihn heftig schüttle. „Nein! Mein Dad wollte das. Ich mag gar keine… ich mein, ich mag sie nicht.“

„So?“, machte Johnny nur und ging an mir vorbei die Treppe hoch in seine Wohnung. Aber er ließ hinter sich die Tür auf, was ich als Einladung auffasste ihm zu folgen. Neugierig sah ich mich in dem Inneren um. Es war nur ein Zimmer. Was am meisten auffiel, war die große Stereoanlage und die enorme CD Sammlung. Dorthin ging Johnny nun auch und wählte eine aus. Ich stand immer noch im Eingang, als er sich wieder zu mir umdrehte.

„Komm doch rein, Honey“, lud er mich schmunzelnd ein. „Und mach die Tür zu.“

Ich tat es recht zögerlich, obwohl ich eigentlich nichts lieber wollte. Allerdings wusste ich nicht so recht, was ich sagen sollte. Das übernahm Johnny für mich: „Tanz mit mir!“

„Was h- hier!?“, stotterte ich überrascht. Ich hatte das Lied erkannt, welches er aufgelegt hatte. Es war eines jener, wozu sie immer so aufreizend tanzten. Ich hatte mir immer gewünscht, dass Johnny einmal so mit mir tanzen würde. Allerdings wusste ich nicht inwieweit ich da mithalten konnte. Doch Johnny ließ mich nicht lange zittern. Er lächelte nur, auch wenn er irgendwie ernst aussah, nahm meine Hand und zog mich daran zu sich. Schon hielt er meine Taille mit beiden Händen umfasst und zog mich noch ein wenig näher. Ich hatte ihn während der letzten zwei Wochen so oft so dicht bei mir gespürt und jedes Mal war es aufregend gewesen, aber das hier stellte alles in den Schatten. Er tanzte nicht mit mir, weil er mir etwas beibringen wollte, sondern weil er es wirklich wollte: Mit mir tanzen. Glück. Er schmunzelte leicht: „Deine Augen sind wunderschön, wenn sie so strahlen. Ist es wegen dem hier?“

Ich wurde rot, doch dann nickte ich mutig. Johnnys Lächeln vertiefte sich. Er nahm meine Hände und legte sie sich um den Nacken. So waren wir noch dichter. Seine Lenden bewegten sich an meinem zum Takt der Musik und wir drehten uns in sanften Kreisen. Aber unsere Blicke trennten sich für keine Sekunde. Und dann kam er plötzlich näher, gar nicht unbedingt plötzlich, sondern eher langsam. Ich hätte zurückweichen können. Doch das wollte ich nicht.

Ich wollte, dass er mich küsste und das tat er im nächsten Moment auch schon. Erst sacht und zögernd, doch als ich ihn imitierte, wurde er immer verlangender. Seine Hände wanderten zu meinem Hintern und drückten mich daran zu sich. Dennoch tanzten wir weiter. Behutsam fuhr ein seiner Hände unter mein T-Shirt und schob es langsam nach oben. Ganz automatisch hob ich meine Arme und er streifte es mir über den Kopf. Seine Hände fuhren über meinen Oberkörper. Nun folgten seine Augen ihnen. Zärtlich strichen sie über mein Brustbein und dann nach außen über meine Brustwarzen, um schließlich an meinen Seiten wieder hinunter zu gleiten. Als sie wieder um meine Hüfte lagen, zog er mich noch einmal an sich.

Jetzt wurde ich auch wagemutiger. Ich wollte, ihm auch das Hemd ausziehen. Aber seins hatte Knöpfe. Konzentriert widmete ich mich der Aufgabe sie zu öffnen. Johnny sah mir dabei geduldig zu, bis ich es ihm schließlich von seinen breiten Schultern streifte. Ich schluckte. Jetzt hatte ich ihn so dicht vor mir. Ich konnte machen, was ich wollte. Zaghaft beugte ich mich vor und küsste seine Brust. Er erschauderte leicht und fuhr mir sanft durch die Haare. Als ich wieder zurückwich, nutzte er die Gelegenheit, um mich noch einmal zu küssen. Plötzlich spürte ich etwas in meinen Kniekehlen und im nächsten Moment landete ich auf seinem Bett. Johnny fing mich ab, damit ich nicht zu hart fiel. Doch dann lag ich wehrlos in seinen Armen und konnte mich nichts Schöneres vorstellen.

TBC?



[LJ][Stories][Weinrot]


[editiert: 13.07.08, 21:32 von lelis]
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kys
Dämon

Beiträge: 687


New PostErstellt: 30.06.08, 16:28  Betreff: Re: Gay Dirty Dancing [größtenteils geklaut]  drucken  weiterempfehlen

die geschichte wird ja immer besser. ich muss zugeben ich hab dirty dancing nie gesehen, hat mich einfach nicht interessiert, jetzt bin ich begeistert. der obere teil von part 2 war sogar richtig lustig.
kann teil drei kaum erwarten...



wenn es sünde ist dich zu lieben
wenn es ewige verdammnis bedeutet dich zu berühren
wenn die strafe der tod ist dich zu küssen
soll es so sein
verlier ich doch mein herz ohne dich
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Jade
Ehemaliges Mitglied


New PostErstellt: 01.07.08, 09:24  Betreff: Re: Gay Dirty Dancing [größtenteils geklaut]  drucken  weiterempfehlen

Ich mag diese neue Version von Dirty Dancing sehr, absolut niedlich.
Im übrigen glaube ich nicht das du Angst haben musst irgendetwas on zu stellen.

TBC? war ja wohl nicht ernst gemeint!!!

Also bitte schnell Kapitel 3 posten.



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Nia
Seraphita

Beiträge: 372


New PostErstellt: 01.07.08, 12:47  Betreff: Re: Gay Dirty Dancing [größtenteils geklaut]  drucken  weiterempfehlen

supertolle story. schreib bitte weiter



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yaoi-freak
Slash Queen

Beiträge: 2176
Ort: kuhkaff trösel-.-


New PostErstellt: 01.07.08, 19:32  Betreff: Re: Gay Dirty Dancing [größtenteils geklaut]  drucken  weiterempfehlen

uiiiiiiiiii da kommt doch freude auf ^.^



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lizzy
Gefallener Engel

Beiträge: 40


New PostErstellt: 16.07.08, 13:36  Betreff: Re: Gay Dirty Dancing [größtenteils geklaut]  drucken  weiterempfehlen

was du aus dem original gemacht hast ist sehr süß geworden.
der dritte chap kommt hoffentlich noch bald.



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