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Ilse Schwipper - eine Kämpferin ist gestorben

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bjk

Beiträge: 7339
Ort: Berlin


New PostErstellt: 13.10.07, 05:27  Betreff: Ilse Schwipper - eine Kämpferin ist gestorben  drucken  weiterempfehlen

kopiert aus: http://www.jungewelt.de/2007/10-12/025.php?sstr=Ungebrochen%7Cbis%7Czuletzt



Ungebrochen bis zuletzt

Ilse Schwipper war »Anarcha-Feministin«, Antifaschistin, Stadtguerillera, Antiimperialistin. Sie starb am 27. September im Alter von 70 Jahren in Berlin. Ein Nachruf

Von Arian Wendel




Ilse Schwipper an ihrem 70sten Geburtstag im Juni 2007
Foto: DADA-WEB


Der Medienrummel um den »deutschen Herbst« und die damit einhergehende Verteufelung des bewaffneten Kampfes durch das bürgerliche Lager und einen Haufen Exlinker waren ihr ein Greuel. »Unsere Geschichte lassen wir uns nicht nehmen, nicht von Kraushaar, Reemtsma, Aust und wie sie alle heißen«, sagte sie im September 2006 auf einer Diskussionsveranstaltung zu Antisemitismus und Antizionismus in der Studentenbewegung. Bis zu ihrem Tod verteidigte sie ihre Entscheidung für den bewaffneten Kampf und kritisierte das Schweigen der heutigen radikalen Linken zur medialen Abrechnung mit dem Widerstand. »Stadtguerilla war weltweit der Versuch, ein gerechtes, menschenwürdiges Gesellschaftsgefüge« zu schaffen, erklärte sie 2002 in einem Interview mit der anarchistischen Zeitung Graswurzelrevolution.

Geboren wurde Ilse Schwipper am 24. Juni 1937 in Berlin. Bei ihrem anarchistischen Großonkel aufgewachsen, wurde ihr schon sehr früh eine kritische Haltung zur faschistischen Terrorherrschaft vermittelt. 1944 zog sie mit ihrer Mutter nach Wolfsburg. Anfang der 1960er Jahre begann die VW-Arbeiterin, sich politisch zu engagieren. Schockiert von den Lebensbedingungen italienischer »Gastarbeiter«, sammelte sie Unterschriften für eine menschenwürdige Unterbringung. Als es ihr gelang, zusammen mit anderen Arbeiterinnen in ihrem Viertel eine Unterschriftenliste für einen neuen Spielplatz zu initiieren, wurde die lokale SPD auf sie aufmerksam. Die Wolfsburger Sozialdemokratie war anfänglich begeistert von der politisch aktiven jungen Mutter aus proletarischen Verhältnissen. Recht schnell stieg sie in der Parteihierarchie zur örtlichen Juso-Vorsitzenden auf.

Doch lange hielt die Begeisterung der Partei für sie nicht an. Die Revolte der später 60er Jahre brachte auch bei Ilse Schwipper eine politische Radikalisierung. 1970 wurde sie mit vielen anderen aus der SPD ausgeschlossen – weil sie zur Wahl der neugegründeten DKP aufgerufen hatte. Sie zog zu dieser Zeit mit ihren drei Kindern in eine linke Wohngemeinschaft, diskutierte über Vietnamkrieg, Imperialismus und revolutionäre Gegengewalt und beteiligte sich an militanten Aktionen. Aus Protest gegen den Vietnamkrieg und dessen logistische Unterstützung durch VW verübten sie und andere 1971 einen Anschlag auf die Gleise der Zulieferstrecke des Wolfsburger Hauptwerkes. Zuvor hatten sie eine NPD-Veranstaltung in einer Schulaula durch einen Brandanschlag verhindert. Wegen ihrer Beteiligung an diesen Aktionen saß sie von 1971 bis 1973 in der JVA Vechta in Isolationshaft.

Im August 1974 wurde sie zusammen mit einigen Mitbewohnern erneut verhaftet. Die Justiz machte die Gruppe für den Tod des Studenten Ulrich Schmücker verantwortlich, der im Berliner Grunewald erschossen aufgefunden worden war. Zuvor waren Schmückers Kontakte zum Verfassungsschutz bekanntgeworden. Ilse Schwipper saß über acht Jahre ohne rechtskräftiges Urteil im Gefängnis, denn der Richerspruch – lebenslänglich – wurde wegen Verfahrensfehlern aufgehoben. Aus gesundheitlichen Gründen wurde sie 1982 aus der Haft entlassen. Das Verfahren wurde jedoch erst 1991 eingestellt. Es war das längste Gerichtsverfahren in der Geschichte der BRD. Bis heute ist die Rolle der Geheimdienste bei Schmückers Tod Gegenstand von Spekulationen.

Auch nach ihrer Haftentlassung blieb Ilse Schwipper politisch aktiv, engagierte sich in der »anarcha-feministischen« Gruppe »las loccas« und für politische Gefangene weltweit. Sie ist Mitherausgeberin des Buches »Am lebendigen Leib …«, das sich mit dem Gefangenenwiderstand gegen die Einführung der Isolationshaft in der Türkei beschäftigt, und berichtete auf einem Kongreß der türkischen Angehörigenorganisation TAYAD in Istanbul über ihre Erfahrungen mit der »weißen Folter«. In letzten Gesprächen bedauerte sie, keine Kraft mehr zu haben, sich an der Kampagne für die Freilassung dreier Berliner beteiligen zu können, die zur Zeit wegen angeblicher Mitgliedschaft in der »Militanten Gruppe« unter dem Vorwurf der Bildung bzw. Unterstützung einer »terroristischen Vereinigung« nach Paragraph 129a des Strafgesetzbuches in der JVA Moabit inhaftiert sind.


Gedenkveranstaltungen für Ilse Schwipper in Berlin finden am heutigen Freitag um 20 Uhr im Schnarup-Thumby, Scharnweberstr.32, und am Samstag in der Schreinerstr. 47, statt.



Es ist allerhöchste Zeit, Art. 1, Abs. 1 und Art. 20, Abs. 4, GG, Geltung und Wirkung zu verschaffen!
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