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Wie die Herrschenden sich auf Bürgerrevolten vorbereiten

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bjk

Beiträge: 7339
Ort: Berlin


New PostErstellt: 13.01.12, 07:57  Betreff:  Re: Wie die Herrschenden sich auf Bürgerrevolten vorbereiten  drucken  weiterempfehlen

gelesen in: http://jacobjung.wordpress.com/2012/01/11/silent-guardian-us-strahlenwaffe-gegen-demonstranten/



Silent Guardian

US Strahlenwaffe gegen Demonstranten


11.1.2012 – Die USA entwickeln seit den 1980er-Jahren ein elektronisches Waffensystem, das gezielt zur Bekämpfung von Aufständen, Demonstrationen und Protesten konzipiert wurde. Mittlerweile ist die Mikrowellenwaffe „marktreif“, begleitete US-Truppen nach Afghanistan und wurde 2011 vom Hersteller auf einer indischen Militärmesse vorgestellt.

Der „Silent Guardian“ bekämpft Ansammlungen von Menschen mit einer extrem hohen Strahlungsenergie, erzeugt durch große Hitze einen Fluchtreflex und wirkt über Entfernungen von mehr als 500 Metern.

Strahl von den Göttern

Eine aufgebrachte Menschenmenge versammelt sich auf einem zentralen Platz, um gegen die Regierung zu demonstrieren. In einiger Entfernung parkt ein unscheinbares Fahrzeug. Auf seinem Dach richtet sich ein Gegenstand auf, der an eine Satellitenschüssel erinnert. Der Operator im Fahrzeug drückt einen Knopf und im selben Augenblick werden die Körper der Demonstranten von einer als lebensbedrohlich empfundenen Hitze durchströmt.

Die Empfindung löst unmittelbar einen Fluchtreflex aus und die Menschen versuchen, sich in Sicherheit zu bringen. Wer nicht schnell genug fliehen kann und der Hitze für mehr als wenige Sekunden ausgesetzt ist, der erleidet Verbrennungen zweiten oder dritten Grades. Kammerwasser und Glaskörper des Auges dehnen sich aus, drängen Blutgefäße zur Seite und können den Sehnerv, bis hin zur Erblindung, schädigen.

Bei dem Geschilderten handelt es sich weder um eine Szene aus einer alten „Raumschiff Enterprise“ Folge noch um eine düstere Zukunftsvision. Die beschriebene Waffe wird bereits seit den 1980er-Jahren von der Forschungsabteilung der US-Luftwaffe entwickelt und seit dem Jahr 2000 an Menschen getestet.

Heute beschäftigt sich der US-Rüstungskonzern „Raytheon“ (wörtlich: Strahl von den Göttern) mit der Weiterentwicklung der Waffe, die unter der Bezeichnung „Silent Guardian“ (wörtlich: stiller Wächter) angeboten wird.

Ursprünglich sollte das auf Mikrowellen basierende System bereits 2006 im Irak eingesetzt werden. Aufgrund von Bedenken in Bezug auf die negative Öffentlichkeitswirkung nahmen die USA Abstand von diesem Plan. Man befürchtete angesichts des Folterskandals von Abu Ghraib kritische Reaktionen. Stattdessen lieferte Raytheon im Juni 2010 drei der Systeme zum Einsatz in Afghanistan an die US Air Force aus.

Am 20. August 2010 gab das Los Angeles Sheriff´s Department bekannt, das System im „Pitches Detention Center“, einem Gefängnis in Los Angeles, einsetzen zu wollen.

Darüber hinaus hat der Rüstungskonzern seine Waffe im August 2011 bei der Militär- und Flugmesse „Aero India“ im indischen Bengaluru vorgestellt. Aktuell beschäftigt sich Raytheon mit der Entwicklung kleinerer und mobiler Versionen des Systems, die zu einem Marktpreis von weniger als 10 Millionen US-Dollar angeboten werden sollen.

Nicht-tödliche Anti-Personen Waffe

„Silent Guardian“ ist eine sogenannte nicht-tödliche Anti-Personen Mikrowellenwaffe. Das System erzeugt eine Strahlung mit einer Frequenz von 95 Gigahertz, die mit einer Antenne auf menschliche Ziele gerichtet wird. Die Reichweite beträgt dabei mehr als 500 Meter. Umgangssprachlich wird das System in den USA auch als „Rumsfeld´s ray gun“ bezeichnet.

Die hohe Strahlungsenergie dringt 0,4 mm in die Haut ein und wirkt dort direkt auf die Nervenzellen. Die Wassermoleküle in der Haut werden innerhalb von Sekunden auf 55 Grad Celsius erhitzt. Dies löst bei dem Betroffenen einen erheblichen Schmerzreiz aus, der ihn zur Flucht veranlassen soll.

Neben der Auflösung von Demonstrationen und dem Einsatz gegen Massenversammlungen schlägt Raytheon eine weitere Strategie vor: So sollen Menschengruppen mit den Strahlen beschossen werden, um friedliche Personen von Terroristen zu trennen. Während „harmlose“ Menschen vor der Bestrahlung fliehen, würden Terroristen ihren Angriff auch unter Schmerzen fortsetzen. Ordnungskräfte könnten so gezielt Personen töten, die sich während des Einsatzes der Waffe nicht vom Ort des Geschehen entfernen.

Im Juli 2006 reichte Brett Wagner vom California Center for Strategic Studies eine Petition gegen den „Silent Guardian“ ein. Nach seiner Auffassung verstößt die Waffe gegen die Genfer Konventionen, da ihr einziges Ziel die Erzeugung von Schmerzen ist. Wagner stuft das System als Folterinstrument ein.

Der Waffenexperte Neil Davison von der englischen Universität in Bradford warnt davor, dass die Strahlendosis für betroffene Personen nicht kontrollierbar ist. Dies gilt umso mehr, wenn die Waffe gegen Menschenmassen eingesetzt wird, in denen die Bewegungsfreiheit des Einzelnen eingeschränkt ist.

Edward Hammond vom Sunshine Project machte 2006 darauf aufmerksam, dass bei den bisherigen Tests des Systems in der Nähe von Siedlungen, Wasseroberflächen und speziellen Böden zusätzliche Risiken aufgetreten sind und dass nasse oder verschwitzte Kleidung zu einer verstärkten Wirkung beitragen kann.

Die Kraft der Argumente


Das US-Verteidigungsministerium und der Rüstungskonzern Raytheon bemühen sich darum, das Waffensystem öffentlich als harmlos und sogar lebenserhaltend darzustellen. Der „Silent Guardian“ wird als Alternative zum Einsatz tödlicher Waffen inszeniert, sein öffentliches Image wird sorgfältig gepflegt.

Grundsätzlich handelt es sich hierbei um ein Waffensystem, das speziell für den Einsatz gegen Menschenmassen konzipiert wurde. Vor dem Hintergrund der wachsenden Protestbewegungen auf der ganzen Welt kann kein Zweifel an den geplanten Einsatzszenarien der Mikrowellenwaffe bestehen.

Das Interesse totalitärer Staaten an dem System dürfte immens sein. Neben der derzeitigen Entwicklung von kleineren und mobilen Waffeneinheiten, die innerhalb von kürzester Zeit an Orte gebracht werden können, an denen sich Demonstranten versammeln, kann man davon ausgehen, dass Diktatoren bereits davon träumen, sensible Straßen und Plätze dauerhaft mit stationären Systemen auszustatten. Kommt es hier zu Menschenansammlungen, Demonstrationen oder Protesten, dann können solche Orte in Sekundenschnelle per Knopfdruck geräumt werden.

Befürworter des „Silent Guardian“ und Lobbyisten der Rüstungsindustrie vergleichen den Einsatz der Mikrowellenwaffe mit dem eines Wasserwerfers und heben die Vorteile einer höheren Reichweite, einer größeren Menge an Zielpersonen und eines zeitlich uneingeschränkten Einsatzes hervor.

Die offenkundige Verharmlosung der massiven Waffe macht auch Einsatzszenarien innerhalb demokratischer Systeme denkbar und wahrscheinlich. Auch hier gehen Ordnungs- und Sicherheitskräfte bereits massiv mit Wasserwerfern, Reiz- und Tränengas, elektronischen Waffen oder Schlagstöcken gegen Demonstranten vor und nehmen dabei erhebliche Verletzungsrisiken billigend in Kauf.

Die USA haben bislang mehr als 50 Millionen US-Dollar in die Entwicklung des „Silent Guardian“ investiert. Es ist unwahrscheinlich, dass dieser Entwicklungsdruck nicht auch mit konkreten Plänen zum Einsatz im eigenen Land verbunden ist.

Ein dem Namen nach demokratisches System, das mit Waffen gegen die eigene, protestierende Bevölkerung vorgeht, verliert seine Legitimation. Die einzige Kraft, deren Einsatz in solchen Situationen vertretbar ist, ist die Kraft der Argumente. Wenn sich eine Regierung der freien Kontroverse mit ihren Bürgern entzieht und die berechtigten Anliegen der Menschen mit Gewalt beantwortet, dann verliert sie ihr Recht auf den Regierungsauftrag.




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von Yossi Wolfson
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bjk

Beiträge: 7339
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New PostErstellt: 04.06.13, 07:36  Betreff:  Ffm Blockupy oder Wie die Herrschenden auf Bürgerrevolten reagieren  drucken  weiterempfehlen

entnommen aus: http://www.jungewelt.de/2013/06-04/018.php



»Ich hau dir die Birne zu Matsch …«


Unglaubliche Polizeiexzesse in Frankfurt am Main, selbst Beamte waren entsetzt. Ein Gespräch mit Axel Köhler-Schnura

Interview: Gitta Düperthal



Axel Köhler-Schnura, Betriebswirt, u. a. aktiv in »Coordination gegen BAYER-Gefahren« und in der »Stiftung ethecon«



jW: Unter dem Titel
»Getreten, geprügelt, mit Giftgas bekämpft«
( http://www.kritisches-netzwerk.de/forum/brutale-polizeigewalt-als-mittel-der-repression-demokratie-sieht-anders-aus  Bericht mit Fotos, Einschub bjk) berichten Sie in einem »Erlebnisprotokoll« (siehe www.ethecon.org) über die Blockupy-Demo in Frankfurt am Samstag. Was haben Sie erlebt?
Axel Köhler-Schnura: Das war ein schwarzer Tag in der Geschichte der Bundesrepublik. Ich bin 64 Jahre alt und war schon auf vielen Demonstrationen – ich bin empört, wie unverhohlen und öffentlich am Samstag die Verfassung und die Grundrechte gebrochen wurden, mit brachialer Polizeigewalt. Ein friedlicher Zug mit 15000 bis 20000 Menschen in zwar regenfester, aber doch vorsommerlicher Kleidung wurde von militärisch hochgerüsteten und vermummten Polizeieinheiten überfallen. Stundenlang wurden Tausende mit Prügeln, Reizgas, Fußtritten und Knüppeln malträtiert – ohne Rücksicht auf alte Menschen oder Kinder. Einem Kind soll sogar das Schlüsselbein gebrochen worden sein. Krankenschwestern und Ärzte haben sich auf der Demonstration spontan gemeldet, um die Flut von Verletzten zu versorgen. Auch ich humpele und mußte mir ein ärztliches Attest besorgen.

Selbst Polizisten sollen entsetzt über die Gewalttätigkeit ihrer Kollegen gewesen sein …
Einzelne Beamte haben sogar mitten im Geschehen die Seiten gewechselt. Ein Polizist, der meiner Frau gegenüberstand, war angesichts der wahllosen Prügelei in Tränen ausgebrochen. Völlig erschüttert stammelte er: »Das sind doch hier alte Menschen!« Ein anderer hat meine Frau von seinen Kollegen weg aus der Prügelszene herausgezerrt. Immer wieder hat die Polizei verletzten Demonstranten die Hilfe verweigert – eine junge Beamtin hingegen hat zur Versorgung Wasserflaschen gereicht.

Wie ist der Kessel überhaupt zustande gekommen?
Die Polizeibehauptung, es habe »Passivbewaffnung« vorgelegen, gab es erst Stunden nach Beginn des gewaltsamen Einsatzes. Journalisten, die permanent nachfragten, bekamen keine Antwort. Und plötzlich hieß es: »Passivbewaffnung«. Der Wetterbericht hatte »Starkregenereignisse« ankündigt – es ist nichts als Lüge, Hetze und Dreck, wenn die Polizei den vorsichtshalber eingesteckten Regenschirm dann als »Bewaffnung« bezeichnet.

In Wahrheit ging es darum, die Demonstranten nicht zur Europäischen Zentralbank durchzulassen. Das wollten das hessische Innenministerium und die schwarz-grüne Stadtregierung Frankfurt mit allen Mitteln verhindern. Deshalb gab es ja die gerichtlichen Auseinandersetzungen bis hoch zum Hessischen Verwaltungsgerichtshof. Die haben sie zwar verloren, sich dann aber über diese Gerichtsurteile hinweggesetzt.

Wer ist politisch dafür verantwortlich?

Ein Polizist hat es mir gegenüber auf den Punkt gebracht: »Ich hau dir die Birne zu Matsch, wenn du einen Schritt weiter gehst« – er hat so dem Ausdruck verliehen, was der hessische Innenminister Boris Rhein wollte: Bis hierher und keinen Schritt weiter! Um ihren offenen Rechtsbruch zu legitimieren, wollte die Polizeiführung eskalieren. Sie wollte zur Rechtfertigung Bilder »linker Gewalt« provozieren. Aber die Demonstranten haben diese Erwartung nicht erfüllt, keiner hat zurückgeschlagen.

Gab es eine besondere Behandlung für die Linkspartei? Deren Bundes- und Landtagsabgeordnete hatten Polizeiketten trotz Parlamentsausweises oft nicht passieren können…
Offenkundig. Zum Beispiel haben Greiftrupps gezielt linke Bundestagsabgeordnete aus dem Kessel abgeführt, um dann ohne parlamentarische Zeugen hemmungslos drauflosprügeln zu können.

Stimmen aus SPD und Grünen sind zu hören: Der Einsatz sei zu hart gewesen. Sie fordern die Absetzung des hessischen Innenministers Boris Rhein (CDU)…
Das wäre zu begrüßen: Dieser Innenminister muß weg, ein Untersuchungsausschuß muß eingerichtet werden – alles, was die Demokratie zu bieten hat, muß geschehen! Das entläßt aber SPD und Grüne nicht aus ihrer politischen Mitschuld. Sie kuscheln mit Kapital und Konzernen, sie haben Agenda 2010 und Hartz IV in die Welt gesetzt.

Scheiben der Deutschen Bundesbank und einer anderen Bankfiliale in Frankfurt am Main gingen in der Nacht zum Montag zu Bruch. Wundert Sie das?

Können wir sicher sein, ob das nicht »Agents provocateurs« waren – Agenten der Polizei? Ich sagte bereits: Innenministerium und Polizeiführung brauchen Rechtfertigungen für ihre Gewaltexzesse und den Verfassungsbruch.




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