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Abpausen mit Leuchtpult seit 2 Monaten, aber irgendwie kein Erfolg?

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Drebbin
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Beiträge: 4

New PostErstellt: 04.05.16, 01:08  Betreff: Abpausen mit Leuchtpult seit 2 Monaten, aber irgendwie kein Erfolg?  drucken  Thema drucken  weiterempfehlen

Hallo ihr Lieben,


ich habe eine ganz wichtige Frage zu der Technik, Dinge abzupausen, damit sich Linien im Hirn festsetzen. Ich verfolge schon längere Zeit diese Art von Technik, weiss aber nicht inwiefern sich das lohnt und wie das wirkt?

Ich zeichne regelmässig in Photoshop Bilder ab und auch mit meinem kleinem Leuchtpult. Meistens Portraits.

Was soll ich dabei denken, wenn ich die Dinge abpause? Soll ich einfach nur abpausen und mir keine Gedanken machen, oder muss mir klar sein, dass es ein Portrait ist und welche Linie ich gerade aus dem Gesicht nachpause? Muss ich z.B beim Abpausen der Nase wissen, wie eine Nase aufgebaut ist u.s.w?

Problem ist auch, dass ich leider durch meine Schilddrüsenunterfunktion "Benommen" bin und kein Wirklichkeitsgefühl habe, aber ob es daran liegt, dass ich nichts lerne?

Dachte mir halt, dass es wirklich schneller geht, das Zeichnen so zu lernen, damit ich schneller voran komme, weil ich viele Jahre verloren hatte, bezüglich meiner Krankheit.

Wenn ich z.B einen Körper abpause, gehen meine Gedanken nur noch mit der Linie mit und ich frage mich manchmal, ob mein Hirn dann überhaupt noch weiss, WAS ich eigentlich abgepaust habe.

Heute habe ich z.B eine Comicfigur abgepaust und sie hatte Stiefel. Als ich die Stiefel abpausen wollte, habe ich mir bewusst gemacht , dass es Stiefel sind. (Aber muss ich denn so umschalten und das denken?)
Nun :/ Vielleicht sind das zu NEUROLOGISCHE Fragen ?

Deshalb kann ich mir so schwer vorstellen, dass abpausen so viel besser ist als Bilder sehen und sie dann versuchen zu malen. (Ist ja auch viel mehr Arbeit).

Bitte um Hilfe :-/

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Jan
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Ort: Oebisfelde


New PostErstellt: 04.05.16, 10:25  Betreff: Re: Abpausen mit Leuchtpult seit 2 Monaten, aber irgendwie kein Erfolg?  drucken  weiterempfehlen

das ist eine sehr gute frage, die den unterschied zwischen gegenständlichem "zeichnen" und "abpausen" noch klarer machen kann. wir haben zwei gehirnhälften, die (vereinfacht) für verschiedene tätigkeiten und funktionen verantwortlich sind:

die linke gehirnhälfte denkt eher analytisch, sie will zusammenhänge begreifen und analysieren, will beim zeichnen genau wissen, wie eine nase oder ein stiefel beschaffen ist. aber sie hat leider auch einen makel: die besserwisserei. sie glaub nämlich zu wissen, wie eine nase oder ein stiefe aussehen, ohne überhaupt hinzuschauen. das kommt noch aus unserer kindheit, in der wir sehr abstrakt gemalt haben, nämlich in strichmännchenmanier. als kind kann man die welt nur sehr vereinfacht begreifen und darstellen, deswegen zeichnen wir in unseren bildern alles sehr vereinfacht, wir setzen symbole für mann, hund, baum, sonne, wolke, haus. und diese symbole hat sich die linke gehirnhälfte bis heute gemerkt.
deswegen ist es so schwierig, mit der linken gehirnhälfte, die alles verstehen will, naturalistisch zu zeichnen. eine nase und auch ein stiefel sehen immer wie ein L aus, egal, aus welchem blickwinkel wir wirklich auf das motiv schauen und welche seltsamen linien unser auge in wirklichkeit wahrnimmt.

ganz anders die rechte gehirnhälfte. sie interessiert sich weder für nasen noch für stiefel, überhaupt nicht für das benennen und begreifen, sondern mehr für das verarbeiten optischer eindrücke, also das, was die voraussetzung für naturalistisches zeichnen ist. mit der rechten gehirnhälfte können wir ganz ohne zu denken einfach in beschauliche betrachtung versinken und linienverläufe und winkel betrachten, so wie wir zum beispiel im erdkundeunterricht eine zerklüftete meeresküste auf einer landkarte abgepaust haben. die einzigen fragen der rechten gehirnhälfte sind: in welche richtung verläuft die linie, wie lange geht sie in diese richtung, wohin biegt sie ab, wie stark ist die krümung? und ähnliche fragen der visuellen verarbeitung von daten, so ähnlich wie ein scanner, eine camera oder ein fotokopiergerät.

diese tätigkeit des nachfahrens von linien kannst du auch weiterführen, indem du nicht durchpaust, sondern etwas nach augenmaß kopierst,indem du es auf ein neues weißes blatt zeichnest. das gelingt dir am schlechtesten, wenn du dabei überlegst, was du genau abzeichnest, denn dann spielt dir der besserwisser, die linke gehirnhälfte, einen streich und lässt dich etwas zeichnen, was du nicht siehst, sondern was du glaubst zu wissen: die nase hat eine L-form, das weiß doch jedes kind. solange die linke gehirnhälfte also mitdenken kann, wird sie sich auch einmischen und deine zeichnung verfälschen. deswegen ist es am besten, die versuchsanordnung so einzurichten, dass die linke gehirnhälfte kapituliert und sich völlig zurückzieht, so dass die rechte gehirnhälfte ihre arbeit gewissenhaft durchführen kann.

am einfachsten geht das dadurch, dass du deine zeichenvorlage zum beispiel auf den kopf stellst, so dass du vergisst, ob das ein stiefel oder eine nase oder ein auge oder ein kragen sein soll. es geht nur um die linie an sich. dann wird deine kopie sehr viel ähnlicher.

eine zweite methode, das gegenständliche denken der linken gehirnhälfte auszuschalten, ist das abdecken der vorlage bis auf einen schmalen zentimertbreiten streifen. du legst ein weißes blatt papier auf deine vorlage und siehst nur einen zentimeter davon am rand und darauf einige linien, ohne zu wissen, was sie bedeuten. diese linien zeichnest du so genau wie möglich ab. dann deckst du einen weiteren zentimeter auf und zeichnest ab, wie sich die linien verändern und wohin sie führen. auf diese weise zeichnest du immer nur einen zentimeterbreiten streifen, ohne je zu wissen, was die inien überhaupt bedeuten.

diese übung schult dein visuelles verarbeiten, also das genaue hinschauen und wahrnehmen optischer informationen: das tastende sehen. dieses tastende sehen kannst du später auch anwenden, wenn du in der natur ein dreidimensionales motiv abzeichnen willst. und es wird geschult durch das abpausen, ohne an gegenstände zu denken, und durch das kopieren ohne zu wissen, was die linien darstellen sollen.

vergiss also die anstrengende bemühung, dir bewusst zu machen, was du zeichnest, denn das ist genau das, was dich hindert, linien unvoreingenommen wahrzunehmen und zu zeichnen.

und genieße stattdessen das eintauchen in den zustand beschaulicher muße, wo deine augen nur beobachten, schauen und staunen.

Jan

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monalisa
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New PostErstellt: 05.05.16, 09:17  Betreff: Re: Abpausen mit Leuchtpult seit 2 Monaten, aber irgendwie kein Erfolg?  drucken  weiterempfehlen

Das sind sehr wertvolle Tips! Die können einen echt gut weiterhelfen.
Super dass diese Fragen auch gestellt und beantwortet werden.



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Jan
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New PostErstellt: 05.05.16, 10:22  Betreff: Re: Abpausen mit Leuchtpult seit 2 Monaten, aber irgendwie kein Erfolg?  drucken  weiterempfehlen

    Zitat: monalisa
    Super dass diese Fragen auch gestellt und beantwortet werden.
ich war über die frage auch sehr froh. ohne fragen kann man nicht antworten.

Jan

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Drebbin
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New PostErstellt: 06.05.16, 13:06  Betreff: Re: Abpausen mit Leuchtpult seit 2 Monaten, aber irgendwie kein Erfolg?  drucken  weiterempfehlen

Lieber Jan, ich wollte mich herzlich bei dir bedanken, da du so viel geschrieben hast und mir so eine Neue Sicht ermöglichst ;-)

Ich finde das super toll, was du geschrieben hast. Ich verstehe nun auch, was du meinst.

Normalerweise dachte ich, dass das Nachfahren der Linien dazu sein soll, dass wir das Gezcihnetet auswendig lernen, aber das hat ja überhaupt nichts damit zu tun. Ich dachte immer " Paust du jeden Tag 20 Körper ab, dann weiss dein Gehirn wir man Körper zeichnet ", aber es geht sich ja hier darum, dass man lernt die Linie zu beherrschen, sie zu nutzen.

Denn wenn ich ein Portrait auf den Kopf stelle, zeichne ich, ohne mir Gedanken zu machen und ich male ja nur das Gesehenen Linien ab.


Schon sehr seltsam, dass diese Technik helfen soll, etwas zeichnen zu können, obwohl man NUR die Linien nachzeichnet und dann sogar das Bild auf den Kopf stellt.


Liebe Grüße

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Jan
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New PostErstellt: 06.05.16, 13:20  Betreff: Re: Abpausen mit Leuchtpult seit 2 Monaten, aber irgendwie kein Erfolg?  drucken  weiterempfehlen

    Zitat: Drebbin
    Schon sehr seltsam, dass diese Technik helfen soll, etwas zeichnen zu können, obwohl man NUR die Linien nachzeichnet und dann sogar das Bild auf den Kopf stellt.
ja, das leben ist voller überraschungen

Jan

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Drebbin
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New PostErstellt: 19.08.16, 16:03  Betreff: Re: Abpausen mit Leuchtpult seit 2 Monaten, aber irgendwie kein Erfolg?  drucken  weiterempfehlen

Hallo, da bin ich wieder nach vielem Zeichne und vieles ausprobieren, was du mir alles vorgeschlagen hast Jan , danke ;-)

Nun, ich bin mittlerweile sehr ratlos, da ich gerne ein Konzept für mich entwickeln möchte, was das Zeichnen angeht. Also abpausen. Da wären Fragen wie..

  1. Um nicht viel Papier zu verschwenden, bin ich nun auf ein Grafiktablet und Photoshop umgestiegen. Dort ziehe ich Bilder rein und drehe sie auf den Kopf und zeichne die Linien nach. Ist das denn dann genau wie als hätte ich einen Bleistift in der Hand ? Lernt das Hirn denn hier trotzdem?

  2. Ist es denn wirklich völlig egal, was man für Bilder abpaust? Es geht ja nur um die Selbe Linien, immer und immer wieder?

  3. Finde es immer noch sehr krass, dass ich mit Abpausen mehr lerne, als wie dumpfes hinschauen und versuchen nachzumalen ;-) Aber wie lange soll man die Abpaustechnik (jetzt wie in meinem Fall mit Tablet und Photoshop) durchziehen?

  4. Die Logik dahinter ist ja die, dass man lernt die Linie nachzufahren und irgendwann kann man Dinge perfekt durch bloßes hinschauen abmalen. Da frage ich mich aber wieder... etwas abzumalen (nicht abpause), da ist doch dann wieder die Linke Hirnhälfte tätig, weil wir das BIld richtig rum sehen und diesmal nicht abpausen.


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Jan
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Ort: Oebisfelde


New PostErstellt: 19.08.16, 16:43  Betreff: Re: Abpausen mit Leuchtpult seit 2 Monaten, aber irgendwie kein Erfolg?  drucken  weiterempfehlen

    Zitat: Drebbin
    1. Um nicht viel Papier zu verschwenden, bin ich nun auf ein Grafiktablet und Photoshop umgestiegen. Dort ziehe ich Bilder rein und drehe sie auf den Kopf und zeichne die Linien nach. Ist das denn dann genau wie als hätte ich einen Bleistift in der Hand ? Lernt das Hirn denn hier trotzdem?
ja, das prinzip, gesehene linien nachzufahren, ist dasselbe wie auf papier.
    Zitat:
    2. Ist es denn wirklich völlig egal, was man für Bilder abpaust? Es geht ja nur um die Selbe Linien, immer und immer wieder?
am besten nimmst du motive, die du auch gerne freihändig zeichnen lernen möchtest und die dir gefallen.
    Zitat:
    3. Finde es immer noch sehr krass, dass ich mit Abpausen mehr lerne, als wie dumpfes hinschauen und versuchen nachzumalen ;-) Aber wie lange soll man die Abpaustechnik (jetzt wie in meinem Fall mit Tablet und Photoshop) durchziehen?
sobald das abpausen dir langweilig wird, solltest du den schwierigkeitgrad erhöhen, weil du dann vom durchpausen nicht mehr viel neues lernst. dann legst du ein blatt neben den bildschirm und versuchst das, was du gerade abgepaust hast, noch einmal mit bloßem auge auf das papier zu kopieren. das motiv kann dabei ebenfalls auf dem kopf stehen, dann wird die kopie ähnlicher, weil sich die linke gehirnhälfte immer noch nicht
mit bedeutung einmischen kann.
    Zitat:
    4. Die Logik dahinter ist ja die, dass man lernt die Linie nachzufahren und irgendwann kann man Dinge perfekt durch bloßes hinschauen abmalen. Da frage ich mich aber wieder ... etwas abzumalen (nicht abpause), da ist doch dann wieder die Linke Hirnhälfte tätig, weil wir das BIld richtig rum sehen und diesmal nicht abpausen.
wie gesagt, du kannst die vorlage auch auf dem kopf abzeichnen. und als zwischenschritt zum freien abzeichnen kannst du die rastertechnik verwenden. dazu brauchst du ein linienblatt mit quadratischen kästchen, das du unter dein zeichenblatt und halb transparent über deine vorlage legst, siehe dazu: http://online-zeichenkurs.de/webseite/zeichentechnik-mit-raster-zeichnen-lernen-1316.html




Jan

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